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Split Decision: Gehört Urijah Faber in die Hall Of Fame?

Am 17. Dezember 2016 endet die MMA-Karriere von Urijah Faber vor heimischer Kulisse gegen Brad Pickett. Der 37-Jährige kann auch bewegte Jahre in der WEC und UFC zurückblicken und gehört zu den absoluten Publikumslieblingen der Organisation. Der ganz große Wurf, ein Titel in der UFC, blieb dem Kalifornier verwehrt, aufgrund seines Titels in der WEC galt Faber jedoch zeitweise als bestes Federgewicht der Welt. Ist Faber also ein sicherer Anwärter auf die Hall of Fame?

Florian Sädler meint: 

Faber war ein Pionier und gehört in die Hall of Fame

Nein, Urijah Faber hat keinen UFC-Titel gewonnen, obwohl er dazu mehr Gelegenheiten hatte als manch anderer Kämpfe im Octagon. Trotzdem gehört er in die UFC Hall of Fame, denn der Kalifornier hat durch andere Leistungen mehr Einfluss auf die Entwicklung des Sports genommen, als so mancher sich bewusst zu sein scheint.

Obwohl ihm das ganz große Ding nicht gelungen ist, sprechen kämpferisch allein Siege gegen Namen wie Jens Pulver, Bibiano Fernandes und Dominick Cruz ihre eigene Sprache. Klar, nicht jeder beliebte und einigermaßen erfolgreiche Kämpfer, der sich über längere Zeit in den oberen Regionen seiner Gewichtsklasse hält, sollte in die Hall of Fame einziehen. Aber ganz abgesehen davon, dass die Messlatte durch Induktionen wie die von Stephan Bonnar ohnehin schon tief gelegt wurde, kommt bei Faber noch seine Rolle als Pionier aus einer Zeit dazu, in der es im Vergleich zu heute ungleich schwerer war, sich durch MMA zum Star zu machen. Nicht nur innerhalb des Käfigs, sondern auch außerhalb hat er das geschafft, und zwar seinerzeit ohne die Art von Promo-Push, der einem heute den Rücken stärken kann.

Faber war einer der ersten, der in sämtlichen Bereichen das Beste aus den Möglichkeiten gemacht hat, die ihm der Sport geboten hat. Faber hat über die Jahre weitsichtig Kontakte aufgebaut, sich zu einer Marke entwickelt und sich mit eigenen Unternehmen gut aufgestellt für die Zeit nach dem Kämpfen, sodass er jetzt in der Lage ist, mit 37 Jahren komfortabel in Rente gehen zu können. Und zwar ohne zuvor zig Mal auf der Jagd nach den letzten Gehaltsschecks brutal K.o. zu gehen und anschließend trotzdem mit Hirnschäden an der Armutsgrenze zu kratzen. Damit wird er, wenn nichts Anderes, dann als Vorbild und gutes Beispiel für die nächste Generation in die MMA-Geschichtsbücher eingehen. Und übrigens möglicherweise auch als der einzige Kämpfer, der Dominick Cruz besiegt hat.

Alexander Petzel-Gligorea meint:

Urijah Faber fehlt etwas zum Legenden-Status

Bevor die Meute auf mich einschlägt, möchte ich gleich zu Beginn eines klarstellen: Urijah Faber hat eine tolle Karriere gehabt. Er war in Nordamerika DER Pionier in den Gewichtsklassen unterhalb des Leichtgewichts und hat den Grundstein für die heutige Rolle der „kleinen“ Gewichtsklassen gelegt. Dafür gebührt ihm nicht nur Dank, sondern vor allem Respekt. Aber um mit den ganz großen mitzuhalten, um als eine wahrhaftige Legende im gleichen Atemzug mit Emelianenko, Shamrock, Nogueira und Co. wahr- und in eine Hall Of Fame des MMA aufgenommen zu werden und damit meine ich nicht die der UFC, in der er allein aufgrund seiner Popularität mit absoluter Sicherheit landen wird, fehlt es an wichtigen Titeln und großen Siegen.

Ja, Urijah Fabers Regentschaft in der WEC mit zehn Siegen zwischen Titelgewinn und -verlust sieht imposant aus, aber sie ist mit einem großen Makel behaftet: kaum ein Gegner in dieser Zeit galt zum Zeitpunkt des Duells mit Faber als starker Herausforderer. Das wird besonders deutlich, wenn man sich die Gegner und den Zeitstrahl genauer ansieht. Bibiano Fernandes etwa machte damals gegen Faber seinen zweiten MMA-Kampf überhaupt, ein 21-Jähriger Cruz wurde im WEC-Debüt sofort in den Titelkampf geworfen und war noch weit weg vom „Dominator“, den wir heute kennen. Dazu gesellen sich Jeff Curran und Jens Pulver, die beide bereits über den Zenit hinaus und im Abstieg begriffen waren, aber noch einen Namen mitbrachten, sowie die unter ferner liefen verzeichneten Joe Pearson und Chance Farrar. Auf dieser Serie und dem Namen Cruz darin fußen die Argumente pro Legende, denkt man sich aber sein Charisma, seine unverkennbare und perfekt passende Einlaufmusik „California Love“ weg, dann bleibt ein starker Kämpfer übrig, der aber selbst in seiner Hochphase jeden großen Kampf verloren hat. Deutlich.

Urijah Faber war ein großer unter den kleinen Kämpfern und auch ich, der ihm schon zu WEC-Zeiten zugeschaut hat, werde ihn vermissen, aber der romantische Blick auf die Vergangenheit darf die Wahrheit nicht verklären: Urijah Faber ist keine MMA-Legende!