UFC News

SMMAF: Siver-Kampf noch nicht genehmigt

UFC Stockholm: Dennis Siver vs. Taylor Lapilus

Der Aufschrei in den Medien war groß, als die UFC am Mittwoch ankündigte, dass der 22 Jahre junge Franzose Taylor Lapilus (8-1) am 4. Oktober bei UFC Stockholm als kurzfristiger Ersatzgegner gegen den Deutschen Dennis Siver (21-9) kämpfen soll. Heute berichten unsere Kollegen von MMAViking.com, dass der schwedische MMA-Verband SMMAF diesen Kampf noch gar nicht genehmigt hat.

Die Kritik am Kampf zwischen Lapilus und Siver bezieht sich auf den großen Erfahrungsunterschied. Siver stand bereits 17 Mal im Octagon der UFC, während Lapilus insgesamt erst neun Profikämpfe bestritten hat. Acht dieser „Profikämpfe" würden in Deutschland und dem Rest der Welt als Amateurkämpfe gelten, denn sie fanden in seiner Heimat Frankreich statt, wo Ground and Pound verboten ist.

Siver ist nicht nur erfahrener als Lapilus, es ist auch unbestritten, dass er zumindest auf dem Papier ein deutlich besserer Kämpfer ist. Er hat zehn Kämpfe in der UFC gewonnen und galt lange Zeit als eines der zehn besten Federgewichte der Welt. Er besiegte Kämpfer wie Diego Nunes, Matt Wiman, George Sotiropoulos und Spencer Fisher und stand mit Cub Swanson, Donald Cerrone, Ross Pearson und Gray Maynard im Octagon.

Zum Vergleich: Die letzten drei Gegner von Lapilus hatten Bilanzen von 0-1, 1-3-1 und 1-3. Am 31. Mai 2012 bestritt er seinen ersten Kampf, zu einem Zeitpunkt, an dem Siver bereits 14 UFC-Kämpfe absolviert hatte. Erschwerend kommt hinzu, dass Lapilus maximal zehn Tage Zeit bleiben, um sich auf den Kampf vorzubereiten.

Sicherlich kann im MMA-Sport alles passieren und Niklas Bäckström hat bei UFC Berlin gezeigt, dass auch ein kurzfristiger Ersatzgegner viel erreichen kann. Es ist jedoch nicht zu bestreiten, dass hier zwei Kämpfer aufeinander treffen, die bei weitem nicht auf Augenhöhe sind.

Was hat die SMMAF damit zu tun?

In Schweden sind MMA-Kämpfe nur dann gesetzlich erlaubt, wenn die SMMAF die Durchführung der Veranstaltungen überwacht, ähnlich wie die staatlichen Sportkommissionen in den USA. Die SMMAF ist keine Regierungsbehörde, erhält ihre Legitimierung jedoch durch die schwedische Regierung, die ihr allein das Recht gewährt, den MMA-Sport zu regulieren.

Innerhalb der SMMAF gibt es ein Komitee, welches unter anderem dafür zuständig ist, geplante MMA-Kämpfe dahingehend zu bewerten, ob sie unter den „Unified Rules of MMA" stattfinden können, also dem Regelwerk, welches die UFC und viele weitere MMA-Organisationen weltweit einsetzen.

Der Matchmaker einer Veranstaltungsreihe muss gegenüber diesem Komitee begründen, wieso es sich bei einer Ansetzung um einen ausgeglichenen Kampf handelt, der unter diesem Regelwerk stattfinden darf.

Der SMMAF-Präsident meldet sich zu Wort

Unsere Kollegen von MMAViking.com fragten den amtierenden SMMAF-Präsidenten Johan Halldin, ob der Kampf zwischen Siver und Lapilus bereits von dem SMMAF-Komitee bewertet wurde. Hier ist seine Antwort:

„Die SMMAF hat einen Kampf zwischen Dennis Siver und Robert Whiteford genehmigt, der am 4. Oktober bei einer Veranstaltung der amerikanischen Organisation UFC in Stockholm stattfinden sollte. Zwischenzeitlich hat Herr Sivers Gegner aufgrund einer Verletzung abgesagt. Am 24. September erreichte die SMMAF ein förmlicher Antrag bezüglich einer Änderung des Gegners von Herr Siver. Der Antrag wurde noch nicht bearbeitet. Berichte in den Medien, wonach der Kampf bereits genehmigt wurde, sind nicht korrekt.

Es ist nicht ungewöhnlich, Kämpfe kurz vor einer Veranstaltung wegen Verletzungen ändern zu müssen. Wir sind uns darüber im Klaren. Für gewöhnlich dauert der Genehmigungsprozess für Profikämpfe mehrere Wochen, aber in solchen Fällen versuchen wir immer, die Anträge so schnell wie möglich zu bearbeiten. Das trifft auch auf den Kampf am 4. Oktober zu. Um den Bewertungsprozess zu erleichtern, haben wir vom Matchmaker zusätzliche schriftliche Informationen mit Details bezüglich des neuen Kampfes eingefordert.

Uns ist die Situation bewusst und sobald wir alle Informationen gesammelt haben, werden wir den Antrag bewerten und eine Entscheidung fällen. Unser Ziel ist es, den MMA-Sport zu fördern, aber gleichzeitig auch die Gesetze und Regeln hinsichtlich von Profi-MMA-Kämpfen in Schweden einzuhalten."

Erinnerungen an den Cage-Warriors-Vorfall

Die SMMAF befindet sich in einer prekären Situation. Genehmigt sie den Kampf zwischen Siver und Lapilus, würde sie die Vorwürfe seitens der Cage Warriors Fighting Championship bestätigen, die Ende Juli aufgekommen waren. Cage Warriors warf der SMMAF vor, mit zweierlei Maß zu messen, insbesondere wenn es die UFC betrifft.

Ende Juli verweigerte die SMMAF aus fadenscheinigen Gründen die Genehmigung von vier der fünf Kämpfe des Hauptprogramms von Cage Warriors 71. Einerseits hieß es, die Kämpfe wären nicht ausgeglichen angesetzt, weil ein Kämpfer deutlich mehr Erfahrung hat als der andere und es sich daher um sogenannte „Mismatches" handeln würde. Andererseits hieß es, die Kämpfer seien nicht erfahren genug, um einen Kampf nach dem vollen Regelwerk der „Unified Rules" zu bestreiten. Beide Kritikpunkte treffen auch auf den Kampf zwischen Siver und Lapilus zu.