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"Riesiger TV-Deal ist so gut wie besiegelt, wird alle umhauen!"

UFC-Europa-Chef David Allen (Foto: Dorian Szücs)

David Allen, UFC-Geschäftsführer für Europa, Afrika und den Nahen Osten (EMEA), sprach mit Groundandpound.de über die weitere Entwicklung der UFC in Deutschland und Europa.

Groundandpound.de: Am 20. Juni kehrt die UFC nach Berlin zurück. Gute Neuigkeiten!
David Allen: Das wird fantastisch! Es ist toll, dass wir so schnell zurückkommen. Wirklich brilliant.

Dazu passt: Das TV-Verbot in Deutschland ist endlich aufgehoben.
Über das Urteil des Gerichts haben wir uns sehr gefreut. Wir haben immer gesagt, dass wir die Gerichte entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist. Ich glaube an die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher. Die Menschen sollen selbst entscheiden, was sie sehen wollen und was nicht. Jede Fernbedienung hat einen roten Knopf und den kann jeder betätigen. Ich kann verstehen, dass die UFC nicht jedermanns Sache ist. Ich schaue zum Beispiel kein Cricket. Jeder kann sich anschauen, was er möchte, und dank des Gerichts können die deutschen Zuschauer das nun auch.

Die Bayrische Landeszentrale für neue Medien, die für das Verbot verantwortlich war, hat gegen die Aufhebung Berufung eingelegt.
Und das ist ihr gutes Recht, wir begrüßen das. Aber wir kommen auf jeden Fall mit einem weiteren tollen Event nach Deutschland und befinden uns in Verhandlungen mit mehreren Fernsehanstalten. Wir sind sehr nah dran, einen riesigen TV-Vertrag zu unterzeichnen. Wenn wir den offiziell verkünden, werden wir jeden damit umhauen! Unser neues Modell unterscheidet sich komplett von dem, was wir vor fünf Jahren versucht haben.

Wie nah ist “sehr nah”?
Ich würde es sehr gern jetzt schon verkünden, wenn ich könnte. Die Vereinbarung steht und ist per Handschlag besiegelt, nun müssen sich die Anwälte darum kümmern. Die sehen sich nun in aller Ruhe alles genau an.

Die UFC würde trotz der laufenden Berufung in Deutschland auf Sendung gehen?
Ich bin kein Anwalt, aber das Gerichtsurteil hat uns und unserem TV-Partner die Möglichkeit gegeben, zu senden. Sobald die Anwälte grünes Licht geben, sind wir im Fernsehen.

Was für Formate wird es dann in Deutschland zu sehen geben?
Deutschland ist einer der größten MMA-Märkte der Welt. Wir wollen, dass die Fans dort alles zu sehen bekommen. Nicht nur die Euro-Events, sondern alle Veranstaltungen, von Las Vegas über Brasilien bis nach Australien.

Auch in Russland hat die UFC nun einen großen TV-Partner, den Staatssender Russia 2, der unter anderem auch Bellator MMA und M-1 Global im Programm hat.
Das ist großartig für die gesamte MMA-Gemeinde und besonders für die UFC. Über das Staatsfernsehen erreichen wir 55 Millionen Haushalte. Das eröffnet uns einen gänzlich neuen Markt. Dass wir mit unserer Konkurrenz auf einem Sender laufen, stört uns nicht. Ich sehe das so: Wenn man den Fernseher anschaltet, kann man Bundesliga schauen, Champions League und noch viele andere Fußball-Programme. Genauso ist es auch mit dem MMA-Sport. Der Zuschauer wird entscheiden, was am besten ist. Und ich denke, dafür wird er nicht lange brauchen.

M-1 ist sehr erfolgreich in Russland und lockt bis zu 1,5 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Warum hat der Markteintritt der UFC so lange gedauert?
Wir mussten Prioritäten setzen. In diesem Jahr haben wir 12 oder 13 TV-Verträge abgeschlossen, allein in der EMEA-Region. Aber alles braucht seine Zeit. Wir haben ein sehr kleines Team, nur zwei Leute kümmern sich darum, neue TV-Partner zu finden. Wir haben aber gezeigt, dass unser Modell funktioniert, indem wir vergangenes Jahr fünf erfolgreiche Events in unseren Zeitzonen abgehalten haben. Nun sind die Sendeanstalten auf den Geschmack gekommen. Genauso war es auch in Deutschland. Als wir unsere Events über Bild.de und Fight Pass gezeigt haben, wollten das plötzlich Hunderttausende sehen. Dasselbe wird auch in Russland passieren. Wir laufen im Staatsfernsehen – das und die Marketingmaschinerie der UFC wird dafür sorgen, dass 1,5 Millionen Zuschauer bald unbedeutend erscheinen werden

Nicht unbedeutend ist der Event morgen. Gustafsson vs. Johnson wird die zweitgrößte UFC-Veranstaltung der Geschichte.
Erstens: Es ist die größte Europa-Veranstaltung der Geschichte. Und wenn man von den bloßen Zuschauerzahlen in der Arena absieht, wird es auch der größte Event weltweit. Eine Milliarde Haushalte wird die Kämpfe sehen, in 147 Ländern. Aus 44 Nationen reisen die Menschen an, um live dabei zu sein, darunter auch Brasilien, Japan und Südamerika. Die Reichweite und Größenordnung dieses Events stellt alles bisher dagewesene in den Schatten.

Die UFC wollte 2015 mehr Euro-Events denn je auf die Beine stellen. Nach der Ankündigung heute sind es vier. 2014 waren es fünf.
Wir wollen die Anzahl der Europa-Shows erhöhen, das ist richtig. Vieles ist aber leichter gesagt als getan. Wir haben bereits vier Veranstaltungen und planen noch an der zweiten Jahreshälfte. Ich bin der Geschäftsführer für die Region EMEA, das sind 59 Länder in Europa, 54 Länder in Afrika, 14 Länder im Nahen Osten und obendrein noch Russland. Macht 128 Länder! Wir können nicht überall sein. Aktuell haben wir mehr Möglichkeiten als Mittel, sie zu nutzen.

Dass Irland und England nicht auf der Liste standen, hat aber schon verwundert.
Ja, Dublin wurde nicht angekündigt. Aber wir waren erst im Juli dort, vor gerade einmal sechs Monaten. Außerdem waren wir am letzten Wochenende im amerikanischen Dublin (lacht). Wir haben nur begrenzte Zeit zur Verfügung, um in bestimmte Märkte zu gehen und müssen außerdem vorsichtig sein, den Markt nicht zu übersättigen.

Also kein England und Irland dieses Jahr?
Beide sind noch möglich. Und wenn nicht 2015, dann 2016. Wir tun unser Bestes, um das möglich zu machen, es ist aber immer schwer, so weit vorauszuplanen, mit all den Verletzungen und anderen Dingen die passieren. Bei unserer “The Time is Now”-Pressekonferenz haben wir alle Termine für 2015 bekanntgegeben, nun füllen wir die Termine mit Orten. Unser Telefon steht nie still, weil so viele Städte und Hallenbetreiber wollen, dass wir kommen. Es wird in diesem Jahr 45 UFC-Events auf der ganzen Welt geben. Wir werden versuchen, 16 davon in unser Gebiet zu bekommen.

Als Conor McGregor letzten Sonntag Dennis Siver besiegt hat, dachten alle, er kämpft als nächstes in einem Dubliner Fußballstadion um den Titel. Nun findet der Kampf in Las Vegas statt. Wird man McGregor je wieder in Europa sehen?
Die Frage ist: Wie wird sich Conor in seinem nächsten Kampf schlagen? Das wird der härteste Kampf seines Lebens. Aldo hat seit zehn Jahren nicht verloren und wird seinen Gürtel nicht so einfach abgeben. Die beiden werden sich einen mörderischen Kampf liefern. Eines ist sicher: Conor und Alex haben die europäischen Kämpfer bekannt gemacht.

War das Croke-Park-Stadion denn überhaupt jemals im Gespräch?
Auf jeden Fall! Wir haben ein Team von Leuten, das sich in unserem gesamten Markt Hallen und Stadien ansieht, auch Croke Park. Dieses Mal hat das aber einfach nicht gepasst. Es gab einige Komplikationen. Die Menschen loben immer wieder meine Heimat Irland, weil es schön grün ist. Tja, wisst ihr, warum es so grün ist? Weil es ständig regnet (lacht)! Ich würde gern ein Dach über Croke Park ziehen, um diese Diskussion damit zu beenden, aber ich habe leider andere Dinge zu tun.

Die Fans ins Irland werden enttäuscht sein. Kein Stadion-Event und vermutlich überhaupt kein Event in diesem Jahr.
Ich komme aus Dublin und ich bin nicht enttäuscht. Ein junger Ire wird mit der irischen Flagge in die Kampfsport-Hauptstadt der Welt fliegen und versuchen, den Gürtel nach Hause zu holen. Sein Gegner kommt mit der brasilianischen Flagge aus Rio de Janeiro und beide kämpfen auf neutralem Boden um den Titel. Wir werden sehen, wer gewinnt. Wenn es Conor ist, schauen wir, wie es mit ihm weitergeht. Momentan braucht man daran aber noch gar nicht zu denken. Darüber sprechen wir, wenn beide gekämpft haben. Hoffentlich im Mai.

Was ist mit Alexander Gustafsson? Sollte er morgen gewinnen, bekommt er seinen Titelkampf dann in Schweden?
Das würden wir gern tun. Ich habe hier mit einigen Schweden gesprochen, die mir gesagt haben, statt der 23.000er Tele2 Arena sollten wir lieber in die 60.000er Friends Arena gehen. Was Alex angeht: Könnt ihr euch vorstellen, wie er nach Las Vegas fliegt, mit der schwedischen Flagge in der Hand, und den Titel mit zurückbringt? Ich versuche nicht, die Frage zu umgehen, aber Alex hat noch einen ziemlichen Brocken vor sich: Anthony Johnson. Einen besseren Gegner hätte er sich kaum wünschen können. Die Nummer eins und drei der Welt im Halbschwergewicht werden morgen aufeinandertreffen.

Wenn Alex auch mit der Flagge nach Las Vegas fliegt, wären sicher auch die schwedischen Fans enttäuscht.
Immer haben sich die Leute aufgeregt, dass sie keine guten Verantaltungen in Europa bekommen. Das Argument haben wir komplett entkräftet. Nun werde ich gefragt, wo Conor um den Titel kämpft und wo Alex um den Titel kämpft, obwohl er seinen morgigen Kampf noch nicht einmal gewonnen hat. Wir haben in den letzten 12 bis 18 Monaten eine Menge verändert – zum Wohl der gesamten MMA-Gemeinde.