UFC News

Reebok-Deal: Das sagen deutsche UFC-Stars zu Sponsorengeldern

Die Kritik am Auszahlungsmodell des neuen UFC-Sponsorenvertrags mit Reebok ist groß – auch bei deutschen Kämpfern?

Vor fünf Monaten hatte die UFC einen bahnbrechenden sechsjährigen Sponsorenvertrag mit Sportbekleidungshersteller Reebok angekündigt. Ab Juli werden bei Kampfabenden und offiziellen UFC-Events, wie Wiegen oder Pressekonferenzen, alle Kämpfer ausschließlich mit Reebok-Artikeln auftreten dürfen. Dafür erhält die UFC eine Summe von 70 Millionen US-Dollar, die zum Großteil an die Kämpfer weitergegeben werden soll. Wie, steht seit gestern fest.

Alle Details zum neuen Auszahlungsmodell des UFC-Sponsorenvertrags mit Reebok.

Demnach erhalten Kämpfer ein festes Sponsorengehalt, dass sich nach der Anzahl ihrer in der UFC absolvierten Kämpfe richtet. Die Beträge variieren zwischen 2.500 Dollar für Einsteiger bis hin zu 40.000 Dollar für Champions. Da viele UFC-Stars jedoch schon vor dem Reebok-Deal lukrative Einnahmen anderer Sponsoren genossen haben, auf die sie nun verzichten müssen, ist die Kritik am neuen Modell weitestgehend groß.

GNP1.de hat deutsche UFC-Kämpfer dazu befragt.

Das sagen die deutschen UFC-Stars

„Da ich mich in den oberen Rängen befinde, kann ich mit den Zahlen gut leben“, sagt Dennis Siver, der mit 19 UFC-Kämpfen auf dem Konto künftig 15.000 Dollar pro Kampf ausgezahlt bekommt und damit unter den Deutschen zu den Top-Verdienern gehört.

Nick Hein befindet sich mit erst zwei Kämpfen im Octagon am unteren Ende des neuen Auszahlungsmodells, erhält nur 2.500 Dollar pro Kampf. Auch er ist mit dem neuen System jedoch glücklich: „Für mich ist das gutes, fixes Geld. Ich bin zufrieden. Viele Fighter, die gerade anfangen, haben Sponsoren, die ihnen nur Bekleidung oder Nahrungsergänzungen zur Verfügung stellen können. Für die ist es besser, für jeden Kampf fixes Geld zu bekommen.“

Tim Leidecker hat mit seiner Management-Agentur Control Master gleich drei deutsche UFC-Kämpfer unter Vertrag. Er bestätigt Heins Aussage und erklärt, dass die Situation auf dem „freien“ Sponsorenmarkt sich in den vergangenen Jahren tatsächlich verschlechtert hat, der Reebok-Vertrag somit auch Vorteile haben kann.

„Der Sponsorenmarkt in der UFC hat in den vergangenen acht Jahren einen gewaltigen Wandel durchgemacht. Viele der Firmen, die sich jahrelang und auch in großem Maße engagiert haben, wie z.B. Affliction, Full Tilt Poker, Tapout oder Training Mask, haben sich vom aktiven Wettkämpfer-Sponsoring zurückgezogen bzw. mussten sich zurückziehen. Durch die Flut von Veranstaltungen und die große Fluktuation innerhalb des Kaders wurden die Firmen zusätzlich verunsichert“, so Leidecker, der mit seiner Agentur die UFC-Kämpfer Peter Sobotta, Alan Omer und Pascal Krauss managt.

„Nicht zuletzt der Einzug vom ‚Fight Pass’, dem UFC-Online-Fernsehkanal, hat den Sponsorenmarkt noch einmal komplett verändert. Noch vor zwei bis drei Jahren war es mit den richtigen Kontakten und etwas Verhandlungsgeschick problemlos möglich, einige Sponsoren zu finden, die die Sportler mit einer Finanzspritze in vierstelliger Höhe unterstützt haben. Die gleichen Firmen haben den gleichen Kämpfern im vergangenen Jahr lediglich ein Angebot unterbreitet, sie nunmehr noch mit Produkten zu unterstützen – unentgeltlich.“

Dennoch sieht Leidecker dem neuen Reebok-Deal mit gemischten Gefühlen entgegen, da vor allem etablierte Sportler, die jedoch noch nicht zur absoluten Weltspitze gehören, und deren langjährige Sponsoren dabei das Nachsehen haben werden.

„Einige unserer Sportler werden finanziell davon profitieren, andere werden hingegen am Ende des Tages etwas weniger in ihrer Lohntüte haben. Was uns jedoch stark einschränkt, ist der Fakt, dass langjährige Partner, die einige unserer Kämpfer teilweise schon ihre gesamte Karriere über begleitet haben, nun komplett aus dem Octagon verbannt werden. Sicherlich gibt es auch noch andere Wege, Sponsorings zu aktivieren, aber nicht die Möglichkeit zu haben, am Wettkampftag dabei zu sein, ist natürlich für viele zunächst erst einmal abschreckend.“

Ein gemischtes Fazit

Unterm Strich fällt das Urteil der deutschen Kämpfer zum Reebok-Sponsoring vergleichsweise gut aus, was vor allem daran liegen mag, dass hierzulande der Sponsorenmarkt, verglichen mit den USA, noch immer in den Kinderschuhen steckt. Die Aussicht auf garantiertes Sponsorengeld, ohne Mühe, überhaupt erst einmal einen Sponsor finden zu müssen, scheint daher in MMA-Entwicklungsländern wie Deutschland eher positiv aufgenommen zu werden.

„Für uns Deutsche ist das wohl besser“, denkt Peter Sobotta, der am 20. Juni in Berlin seinen fünften UFC-Kampf bestreiten wird und somit künftig 5.000 Dollar ausgezahlt bekommt. „Für mich kommt’s momentan ungefähr auf’s Gleiche raus. Schade aber, dass keine anderen Firmen mehr erlaubt sind. Ich habe Sponsoren, die mich von Anfang an unterstützt haben – und die leiden natürlich darunter.“

Der UFC zufolge stellen die Zahlen im gestern vorgestellten Modell Mindestauszahlungen dar, die im Laufe der nächsten Monate und Jahre nach oben korrigiert werden sollen, sollten die Verkäufe der Reebok-Artikel florieren. Jeder Kämpfer erhält obendrein 20 bis 30 Prozent der Einnahmen seines persönlichen Reebok-Merchandises. Auch hier dürften aber eher die etablierten, populären Sportler profitieren, deren Fanartikel sich am besten verkaufen.

Das Reebok-Modell ist interessant, die Umsetzung bisher noch suboptimal. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die UFC hier noch nachbessern wird.