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Paul Felder ist zurück, wo alles angefangen hat, und erwartet eine Schlacht

Entschlossen: In Halifax gewann Paul Felder sein Debüt, jetzt soll dort UFC-Sieg Nummer fünf her (Foto: Florian Sädler).

Paul Felder ist zurück an dem Ort, an dem alles angefangen hat. Im Oktober 2014 landete „Der Irische Drache“ für sein Octagon-Debüt in Halifax und verließ Kanada mit dem ersten UFC-Sieg in der Tasche. Zweieinhalb Jahre später hat Felder sieben Kämpfe unter dem ZUFFA-Banner angehäuft und genießt bei Fans und Gegnern gleichermaßen Respekt für seinen actionreichen Kampfstil.

Wie also hätte er reagiert, hätte ihm jemand 2014 gesagt, dass er in nicht allzu ferner Zukunft als schlachterprobter UFC-Veteran nach Kämpfen gegen Namen wie Edson Barboza und Ross Pearson an die kanadische Atlantikküste zurückkehren würde?

„Ich hätte gesagt warte, in so vielen Jahren bin ich noch in der UFC? Okay, das ist gut“, lacht Felder im exklusiven Interview mit GNP1 vor seinem Kampf bei der UFC Fight Night 105 gegen Alessandro Ricci.

„Man weiß halt nie in diesem Sport. Wenn ich mich an mein letztes Mal in Halifax zurückerinnere, war mein erstes Ziel, den ersten Kampf zu gewinnen, und das habe ich getan. Dann kamen immer neue Ziele hinzu und offensichtlich bin ich ein paar Mal gescheitert. 2017 ist ein neues Jahr und es ist Zeit, zurück auf Spur zu kommen."

"Aber ja, ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell so viel Aufmerksamkeit bekommen und gegen Leute die Barboza oder Pearson kämpfen würde. Diese Jungs waren so weit vor mir zu diesem Zeitpunkt, wenn du mich vor zwei Jahren in Halifax nach ihnen gefragt hättest. Und heute bin ich nur sauer, dass ich sie nicht geschlagen habe.“

Trotzdem: Mit vier UFC-Siegen und einem Ruf als Action-Kämpfer hat sich Felder in der hart umkämpften Leichtgewichtsklasse etabliert. Am Sonntag erwartet der 32-Jährige eine weitere Schlacht – auch, weil sein eigentliches Leben mittlerweile viel weniger actionlastig ist als früher. Jahrelang hat Felder als Trainingspartner von Donald Cerrone das verrückte Leben des „Cowboy“ geteilt, und obwohl er mit Cerrone noch immer gerne seine Freizeit verbringt, kann er den wilden Bad Boy vor seinen Kämpfen nicht um sich haben.

„Bei „Cowboy“ weißt du nie, was er heute machen will – ob er an den See und wakeboarden oder Mountainbike fahren oder spontan nach Colorado fliegen will. Das ist einer der Gründe – und „Cowboy“ weiß das –, dass ich meine Trainingscamps nicht mehr dort verbringe.“

„Für mich muss jeder Tag gleich ablaufen, und er ist einfach anders. Er ist ständig unterwegs, und es funktioniert für ihn. Es hat einen Grund, dass er dort ist, wo er steht. Er weiß, dass es nicht gut für ihn ist, wenn er zu viel über den Kampf nachdenkt.“

Für Felder dagegen war die Ablenkung in New Mexico nicht gut, und nachdem sein Manager – ein enger Freund von Duke Roufus – ihm vorschlug, es im Gym des Kickbox-Gurus in Milwaukee, Wisconsin zu versuchen, vereinbarte Felder am Telefon ein paar Probetrainings. Trotz Zweifeln.

„Ich habe nur den Hinflug gebucht mit dem Hintergedanken, sofort ein Ticket für den Rückflug buchen zu können, falls es mir nicht gefallen würde. Am Ende bin ich fast sieben Wochen lang geblieben.“

In der hintersten Ecke des Gyms war ohnehin gerade ein ehemaliger Büroraum freigeworden, in den bald Felder einzog. Fernseher, Kühlschrank und Mini-Küche waren alles, was er dort hatte, und doch war es genau das, was er gesucht hatte: „Ich war nur einmal für zwei Tage Zuhause (in Philadelphia), weil ich eine Atempause brauchte, mein Kind und meine Freundin sehen musste. Ich werde definitiv wieder dorthin, unabhängig davon, wie dieser Kampf ausgeht.“

Nachdem eine gebrochene Augenhöhle und ein Cut, der seinen letzten Kampf gegen Francisco Trinaldo vorzeitig beendete, ihn zwei Monate lang auf die Ersatzbank zwangen, kann Felder es kaum erwarten, wieder ins Rampenlicht zu treten. Ursprünglich gegen Gilbert Burns bei UFC 208 eingeplant, wird Felder nach einer Verletzung seines Gegners nun in Halifax auf Alessandro Ricci treffen – und freut sich tatsächlich sogar über den Wechsel.

„Burns ist recht wild und aggressiv, Alex dagegen ist technischer, und das mag ich. Gegen Techniker kann ich selbst ein bisschen aggressiver sein, weil ich mich dann nicht wie bei wilderen Gegnern durchgehend fragen muss, aus welcher Richtung ich als nächstes getroffen werde. Ein Kickboxer als Gegner ist also tatsächlich besser für mich. Wir haben diese Chance mit offenen Armen angenommen.“

Unterschätzen wird er Ricci, der erst einmal in der UFC gekämpft und verloren hat, nicht einmal unterbewusst, stellt Felder dabei klar. Das liegt zum einen an seinen Prinzipien, zum anderen daran, dass Ricci mitnichten ein Unbekannter für ihn ist.

„Wir bringen es alle aus gutem Grund bis in diese Liga und ich unterschätze niemals irgendeinen meiner Gegner. Ich bin genauso aufgeregt, als wenn ich am Sonntag gegen Conor McGregor kämpfen würde, und das meine ich so, wie ich es sage.“

„Ich will jeden meiner Kämpfe gewinnen. Ich gehe nie in meine Kämpfe und erwarte, dass ich den Typen verprügeln werde. Außerdem habe ich Riccis Kämpfe gesehen, seine Knie-Attacken und Kicks, und da gibt es nichts zu unterschätzen. Ich kenne ihn außerdem schon länger, weil wir vor Jahren bereits fast gegeneinander gekämpft hätten. Als ich Champion bei Cage Fury FC war, war er einer der Kämpfer, die als Herausforderer im Gespräch waren. Er ist mir also seit mittlerweile vier Jahren ein Begriff.“

Eine konkrete Vorhersage zum Kampfende will Felder nicht abgeben, deutete für den Kampfverlauf aber eine Schlacht im Stand an, die dem völlig eingeschneiten Halifax am Sonntag ordentlich einheizen soll.

“Ich will definitive meine Fäuste mehr nutzen als bisher. Ich glaube, dass ich mir in dieser Hinsicht bisher selbst im Weg stand. Alex ist bekannt für sein Kickboxen und hat im Money (Mayweather) Team in Las Vegas an seinen Fäusten gearbeitet, also würde ich ihn gerne dort testen und sein Kinn auf die Probe stellen. Natürlich will ich ihn ausknocken, aber er ist ein zäher Kerl, der auch dann noch im Kampf bleibt, wenn er angeschlagen ist.“

“Ich glaube, wir sind im Rennen um ein paar Bonus-Schecks. Die Leute erwarten das wahrscheinlich nicht, weil sie nicht viel über (meinen Gegner) wissen, aber wie gesagt, ich weiß, wer er ist. Ich erwarte eine Schlacht, ganz klar."