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Nasrat Haqparast: "Wer in Deutschland trainiert, ist im Nachteil"

Hat Großes vor und will bei UFC London anfangen: Nasrat Haqparast (Foto: UFC).

Nasrat Haqparast ist der zweite deutsche Vertreter, der am Samstag in London ins Octagon steigt. Die UFC-Verpflichtung kam vergangenen Herbst sehr kurzfristig für das Hamburger Leichtgewicht, der 22-Jährige gab in Danzig eine knappe Punkentscheidung an den polnischen Veteranen Marcin Held ab. Jetzt hat Haqparast einen Cage-Warriors-Champion vor den Fäusten, gegen den „die Performance meines Lebens“ und der erste UFC-Sieg her soll.

Wir haben uns mit ihm über den kurzfristigen Gegnerwechsel, das verpatzte UFC-Debüt und die Situation des MMA-Sports in Deutschland unterhalten.
 
GNP1.de: Nasrat, du bist jetzt Teil einer amerikanischen Liga, kämpfst aber zum zweiten Mal in Folge in Europa. Ist eines deiner Ziele noch, in Übersee ins Octagon zu steigen?

Nasrat Haqparast: „Auf jeden Fall, mein Manager sitzt ja auch in Las Vegas, und eigentlich sollte ich meinen nächsten Kampf sogar in den Staaten machen. Und dann hat sich London ergeben, weil es die Hauptstadt Europas ist und einfach eine geile Stadt, um dort zu kämpfen. Es hat eben super gepasst, weil ich ungefähr Mitte März kämpfen wollte. Bei UFC 221 in Perth, Australien sollte ich eigentlich gegen Ross Pearson kämpfen, der zugesagt und danach wieder abgesagt hat, aber das war mir wiederum ein bisschen zu früh im Februar. März war schon gut. Aber auf jeden Fall will ich in den Staaten kämpfen, mein nächster Kampf wird definitiv nicht in Europa sein.“

Wie sieht es mit der Unterstützung aus der Heimat aus?


„Sehr gut, es kommen 50-60 Leute aus Hamburg nach London, manche aus Frankreich, sogar zwei aus Montreal und welche aus Schweden und Norwegen. Da wird schon eine gute Truppe zusammenkommen.“

Und generell? Die UFC war seit 2016 nicht mehr hier, es scheint nicht mehr allzu viel Hype um den Sport zu geben. Siehst du das ähnlich?

 „Ja, zu einhundert Prozent. Ich denke mal, das hat auch viel mit den Medien zu tun. Du siehst kaum positive Berichterstattung über MMA oder die UFC in den großen Zeitungen, oder was über die deutschen UFC-Kämpfer. Die Medien sind die Macht Nummer eins auf der Welt, wenn es um die Verbreitung von Informationen geht. Und das ist halt sehr traurig, weil wir als Kämpfer alles investieren, was wir haben, und das wird einfach nicht wertgeschätzt. Ich sag jetzt nicht, dass Deutschland mir egal ist und dass ich abhaue, ich wohne hier und habe eine starke Verbindung hierher, aber ich reiße mir den Arsch auf und im Endeffekt sind die Leute gar nicht dankbar. Und dann kann ich darauf auch verzichten.“

Wie schätzt du das Niveau des Sports hierzulande im Allgemeinen ein?

 „Ich muss sagen, Peter Sobotta ist zum Beispiel jemand, der sehr gute Erfolge hat. Aber wenn man mal vergleicht, wir haben in ganz Deutschland eine Handvoll UFC-Kämpfer. Ich war jetzt in Montreal beim Tristar Gym, und allein hier stehen bei jedem Training bestimmt zehn aktive UFC-Kämpfer auf der Matte. Das ist ein riesen Unterschied. Wenn man sich in Deutschland vorbereitet, das kann man nicht vergleichen. Dann kämpft man gegen jemanden, ich sag mal, aus dem American Top Team, und der hat 20 starke Sparringspartner, während der in Deutschland vielleicht einen starken Boxer hat und zwei starke Ringer. Vielen geht es auch nur um die Aufmerksamkeit. Wenn ich jetzt 50 Prozent trainiere und mehr auf Instagram und Facebook mache, dann wird das doch irgendwann enttarnt. Es gibt Leute, die sind auf Instagram der Superstar, aber dann kriegen die im Gym von 15-Jährigen auf die Fresse. Bei mir ist das Ziel Nummer eins, der beste Kämpfer zu werden und der Rest wird sich dann so regeln. Wenn die UFC zu dir kommt, dann kommt die. Mein Ziel ist es, zu trainieren, und natürlich auch, mein Social Media ein bisschen voranzutreiben. Aber einfach in der UFC bekannt zu werden, nicht nur deutschlandweit.

Der beste Weg dahin wäre wohl ein Sieg am Samstag. Hast du eine Vorhersage, wie der Kampf ablaufen wird?

 „Eigentlich will ich keine Vorhersage geben, weil man nie weiß, was passiert. Mein Ziel ist einfach nur, mein volles Können zu zeigen. Ich bin sicher, dass ich mit meinem vollen Können auch in der UFC so einige Leute schlagen kann. Mein Ziel ist es, die Performance meines Lebens hinzulegen.“

 Wie hat sich dein Leben generell verändert, seit du Teil der UFC bist?

 „Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Ich habe Sponsoren, die es mir ermöglichen, mehr Geld für gutes Training auszugeben. Das heißt auch, dass ich jetzt noch weniger Zuhause bin als zuvor, aber das hat ja einen Grund. Ich gehe nicht aus Spaß ins Trainingscamp, sondern um mich bestmöglich vorzubereiten. Die Leute denken, ich reise hier in Kanada rum, wissen aber gar nicht, dass ich fünf Mal am Tag trainiere. Die Ergebnisse sieht man dann im Training.“

Wie siehst du dein UFC-Debüt im Rückblick? Du hattest zwar keine richtige Vorbereitung und den Kampf dann ja auch verloren, aber wahrscheinlich auch eine Menge neue Fans gewonnen mit deiner beherzten Leistung.

„Ich will nicht sagen, dass ich schlecht vorbereitet war, ich bin immer im Training. Ich wollte einfach diese Erfahrung genießen. Marcin Held war ein Spezialist, und da braucht man eine spezifische Vorbereitung, damit man das, was man gegen den Spezialisten anwenden muss, komplett drin hat. In diesem Fall war es so, dass ich in Hamburg war, der Anruf [, dass ich den UFC-Vertrag habe,] kam an einem Donnerstag und der Kampf war am Samstag [der darauffolgenden Woche].“

 Hast du die typischen „UFC-Flattern“ bekommen vor dem Kampf?

 „Also ich bin ganz ehrlich, da war überhaupt keine Aufregung. Mir hat das nur Spaß gemacht und ich habe das alles genossen. Natürlich, eine gesunde Aufregung ist wichtig, aber die Leute machen sich zu sehr einen Kopf. Natürlich, da steht ein Mann, der will dich auch besiegen, das ist eben Kampfsport, das ist eine harte Nummer. Aber ich trainiere mit so vielen guten Leuten, ich habe so viele Sparrings-Einheiten mit top Leuten, also mein Gegner kann nichts bringen, was ich nicht gesehen habe. Der hat zwei Arme, zwei Beine, genau wie ich.

Jetzt kämpfst du gegen Nad Narimani, der selbst sehr kurzfristig eingesprungen ist, nachdem Alex Reyes, gegen den du ursprünglich kämpfen solltest, absagen musste. Was hältst du von ihm? Und hast du etwas Panik bekommen, als dein Gegner so kurz vor dem Kampf ausgefallen ist?

„Nein, überhaupt keine Panik. Zwar haben wir uns zwölf Wochen lang auf Reyes vorbereitet, eine Strategie entwickelt, jedoch sind wir optimal auf jeden Gegner eingestellt. Narimani ist der Champion von Cage Warriors und hat gute Leute geschlagen. Er kann überall was, aber ich sehe auch Lücken bei ihm. Im Vergleich zu Reyes würde ich sagen, dass sie sich stilistisch und körperlich sehr unterscheiden, aber auch hier gilt: Beide sind Menschen mit zwei Armen und zwei Beinen, also schlagbar wie jeder. So Gott will, werde ich die Performance meines Lebens abliefern.“