UFC News

Machida bestimmt im Stand, Souza dominiert auf der Matte

Lyoto Machida und Gegard Mousasi erfüllten die Erwartungen (Foto: Tobias Bunnenberg/GroundandPound.de)

Die Favoriten haben sich durchgesetzt. Sowohl Lyoto Machida als auch Ronaldo Souza gewannen ihren Kampf nach Punkten und untermauerten damit ihren Anspruch auf einen baldigen Titelkampf im Mittelgewicht. Zuvor konnten Erick Silva und Charles Oliveira vorzeitige Erfolge feiern und die Fans damit für ein schwaches Vorprogram entschädigen.

Lyoto Machida vs. Gegard Mousasi
Fans hatten einen technisch anspruchsvollen Standkampf erwartet und sie bekamen ihn auch. Lyoto Machida und Gegard Mousasi erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen und zeigten den Fans in der Halle und vor den Bildschirmen einen taktisch geführten, aber sehr ansehnlichen Kampf über fünf Runden. Wie gewohnt, verlegte sich Machida die meiste Zeit über auf das Kontern von Mousasis Angriffsbemühungen. Dabei zeigte der "Dragon" nicht nur vortreffliche Beinarbeit, sondern auch immer wieder ansehnliche Tritttechniken zu Mousasis Beinen, Rumpf und Kopf oder eingesprungene Kniestöße. Regelmäßig wechselte der Brasilianer zudem seine Auslage und frustrierte damit seinen Gegner zusehends.

Gegard Mousasi verfolgte Machida permanent durch den Käfig und lud seine Rechte auf oder versuchte, seinen Jab durchzubringen. Dabei lauerte der Niederländer darauf, dass Machida immer wieder nach vorne preschen musste, um sich aus einer Ecke des Käfigs zu bewegen. In dieser Nahdistanz tauschten beide regelmäßig Treffer aus. Im Laufe des Kampfes zeigte sich immer wieder Machidas Geschwindigkeitsvorteil. Der Brasilianer bewegte sich geschickt aus Mousasis Distanz heraus und zeigte das ganze Repertoire seiner Standfähigkeiten, wohingegen sich Mousasi streng an seinen ursprünglichen Gameplan hielt.

Ab der Hälfte des Kampfes verlagerte sich das Kampfgeschehen immer öfter auf die Matte. Dabei konnte sich allerdings keiner ein wirkliches Übergewicht erarbeiten mit Ausnahme der fünften Runde, in der Machida in der letzten Minute in die Backmount kam und dort den Kampf auslaufen ließ. Nach dem Erfolg gegen Mark Munoz kein weiterer vorzeitiger Sieg, allerdings war die gezeigte Leistung Machidas nicht weniger beeindruckend als der vorherige Sieg in Manchester.
Lyoto Machida bes. Gegard Mousasi einstimmig nach Punkten (49-46, 50-45, 50-45)

Ronaldo Souza vs. Francis Carmont
Souza begann druckvoll im Stand und konnte nach einem frühen Takedown mit dem Body Triangle den Rücken von Carmont kontrollieren. Souza arbeitete an einem einarmigen Rear-Naked Choke, der zwar eng aussah, aber nicht zum Erfolg führte. Gegen Ende der Runde konnte sich Carmont aus der Submission befreien. Diese Tatsache gab Carmont Selbstvertrauen für die zweite Runde. Der Franzose zeigte sich selbstsicher im Stand und setzte Souza mit Schlägen und Tritten zu. Souza, der müde wirkte, gab seine Kombinationen auf und versuchte nun nur noch, mit langen Händen einen Takedown vorzubereiten, was Carmont zu verhindern wusste.

Die letzte Runde war dann ein Spiegelbild der ersten. Erneut konnte sich Souza in der Frühphase der Runde den Rücken sichern. Aus der Backmount feuerte er zuerst Schläge ab, bevor er erneut einen engen Rear-Naked Choke ansetzen konnte. Erneut konnte Carmont die Submission verhindern, allerdings blieb keine Zeit mehr, der Runde den eigenen Stempel aufzudrücken, sodass Souza nach Ablauf den Punktsieg einfuhr.
Ronaldo Souza bes. Francis Carmont einstimmig nach Punkten (29-28, 30-27, 29-28)

Erick Silva vs. Takenori Sato
Erick Silva meldete sich eindrucksvoll nach seiner letzten Niederlage gegen Dong Hyun Kim zurück. Takenori Sato sah keinen Stich und wich nach einem harten Tritt zum Körper an den Zaun zurück. Sato mit dem Versuch des Single Leg Takedowns, aber Silva bestrafte das Unterfangen mit heftigen Schlägen und Hammerfäusten sofort und schlug den Japaner K.o. während dieser noch das Bein Silvas umklammert hielt.
Erick Silva bes. Takenori Sato via K.o. (Schläge) nach 0:52 in Rd. 1

Viscardi Andrade vs. Nicolas Musoke
Der Brasilianer Andrade und der Schwede Nicolas Musoke lieferten den Fans einen abwechslungsreichen Kampf im Weltergewicht. Nachdem Musoke einen frühen Takedown hinnahm und sich wieder in den Stand hoch kämpfen konnte, musste er prompt wieder runter. Andrade landete eine krachende Rechte aufs Ohr des Schweden, die ihn durchrüttelte. Glück für Musoke, dass Andrade ihn für K.o. hielt und bereits feierte, anstatt nachzusetzen. Dies gab Musoke genug Zeit, sich zu erholen. Zwar musste der Schwede noch ein paar Hände am Boden nehmen, war aber wieder fit genug, um den Kampf fortzusetzen.

In Runde Zwei war dann Musoke am Drücker. Nachdem er Andrade mit mehreren schweren Treffern zusetzte, entschied er sich, auf den Takedown zu gehen und brachte Andrade runter. Auf der Matte angekommen, bearbeitete Musoke den Brasilianer die komplette Runde lang mit Schlägen. Die Grappling-lastige Taktik setzte sich auch in der letzten Runde fort. Musoke sicherte sich schnell den Rücken Andrades und versuchte abwechselnd, mit Schlägen oder dem Rear-Naked Choke ins Ziel zu kommen. Der Brasilianer konnte sich zwar gegen die Bemühungen verteidigen, aber nicht aus der Back Mount befreien, sodass die Punktrichter zwei der drei Runden für Musoke werteten.
Nicolas Musoke bes. Viscardi Andrade einstimmig nach Punkten (29-28, 29-28, 29-28)

Charles Oliveira vs. Andy Ogle
Oliveira und Ogle beendeten den Trend der Vorkämpfe und ließen den Kampf ausnahmsweise nicht von den Punktrichtern entscheiden. Von Beginn an versuchte Oliveira, den Kampf durch eine Submission zu beenden. Nachdem der Brasilianer nahezu die komplette erste Runde auf Ogles Rücken verbrachte, war es in der zweiten Runde der Brite, der den Kampf schließlich auf den Boden brachte und aus der Top Position arbeitete, auch wenn er zum Schluss seine Position verlor. Nachdem sich Ogle zwei Runden lang gegen den Druck Oliveiras wehren konnte, war es in der dritten Runde dann vorbei. Erst schickte ihn der Brasilianer mit einer Linken zu Boden, später landeten beide wieder auf der Matte und Oliveira konnte einen Triangle Choke ansetzen und als erster Kämpfer des Abends einen Kampf vorzeitig beenden.
Charles Oliveira bes. Andy Ogle via Triangle Choke nach 2:40 in Rd. 3

Cristiano Marcello vs. Joe Proctor
Nach verhaltenem Beginn nahm Joe Proctor gegen Ende der ersten Runde das Heft gegen Cristiano Marcello in die Hand. Proctor ließ gegen seinen Staffelkollegen von TUF 15 die Fäuste fliegen und landete ab der zweiten Runde beinahe mühelos Treffer zu Kopf und Körper. Die zahlreichen Treffer forderten in Runde Drei ihren Tribut. Proctor traf mehrfach zum Kinn und brachte Marcello ins Wanken, setzte jedoch in der Folge nicht energisch genug nach und konnte den Kampf nicht beenden. So konnte sich ein völlig ermüdeter Cristano Marcello bis zur Entscheidung der Punktrichter retten, die er schließlich verlor.
Joe Proctor bes. Cristiano Marcello einstimmig nach Punkten (29-28, 30-27, 29-28)

Rodrigo Damm vs. Ivan Jorge
Wenn zwei starke Grappler aufeinander treffen, kommt es entweder zu einem spannenden Bodenkampf oder zu einem weniger spannenden Standkampf. Die Leichtgewichte Damm und Jorge lieferten leider letzteres. Zwar tauschten die beiden Brasilianer zahlreiche Treffer aus, allerdings fehlte beiden die nötige Schlaghärte, um wirklich Einfluss auf den Kampfausgang zu nehmen. Zudem musste der Kampf gleich dreimal unterbrochen werden, da Jorge zweimal einen Finger ins Auge und zudem noch einen zu tiefen Tritt abbekam.

Für einen kurzen Moment in der dritten Runde ging es auf die Matte und es zeigte sich, was für ein schöner Kampf es hätte werden können. Damm fing einen Tritt ab und warf Jorge zu Boden. Dort sicherte er sich die Kruzifix-Position, aus der sich Jorge befreien konnte und einen D'Arce Choke ansetzte. Damm konnte sich befreien, es ging wieder in den Stand und der Rest des Kampfes verlief wie die ersten beiden Runden ereignislos. Unter Buh-Rufen wurde Rodrigo Damm von zwei Punktrichtern zum Sieger erklärt.
Rodrigo Damm bes. Ivan Jorge geteilt nach Punkten (29-28, 29-28, 29-28)

Francisco Trinaldo vs. Jesse Ronson
Lokalmatador Trinaldo hatte sich auf einen Standkampf mit dem kanadischen Kickboxer Ronson gefreut und man sah sofort warum. Früh fand Trinaldo seine Distanz und ließ anschließend die Fäuste fliegen, die immer wieder lautstark ihr Ziel fanden. Ronson ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und antwortete mit Leg Kicks. In der zweiten Runde kam Ronson dann besser in den Kampf. Trinaldo war weiterhin der aktivere Kämpfer, aber Ronson konnte beinahe jede Aktion des Brasilianers mit einer eigenen beantworten.

Im letzten Durchgang versuchte Ronson, Trinaldo zu stellen und sich zurecht zu legen. Immer wieder kam er mit dem Jab durch und bereitete Kombinationen vor. Bevor Ronson jedoch den Kampf beenden konnte, überraschte ihn Trinaldo mit einem Vorstoß, der es dem Brasilianer ermöglichte, Ronson zu umklammern. Daraus konnte sich Ronson nicht befreien und musste bis zum Ende des Kampfes Kniestöße gegen Beine und Oberkörper einstecken. 
Francisco Trinaldo bes. Jesse Ronson geteilt nach Punkten (29-28, 28-29, 30-27)

Iuri Alcantara vs. Wilson Reis
Der Kampf der beiden BJJ-Schwarzgurte wurde zu dem erwarteten technischen Kräftemessen. Im brasilianischen Bantamgewichtsduell lieferten sich beide eine interessante Begegnung, die auf der Matte von zahlreichen Positionswechseln und im Stand von Alcantaras Reichweite geprägt wurde. Reis wurde dabei sowohl in der ersten als auch in der zweiten Runde von Alcantara zu Boden geschlagen, konnte sich aber zweimal wieder aufrappeln und den Kampf fortsetzen. Im letzten Durchgang übernahm Reis, konnte aber nicht mehr den nötigen vorzeitigen Sieg erringen und musste sich nach sehenswertem Kampf nach Punkten geschlagen geben. 
Iuri Alcantara bes. Wilson Reis geteilt nach Punkten (30-27, 28-29, 30-27)

Felipe Arantes vs. Maximo Blanco
Beide begannen wie die Feuerwehr und lieferten sich einen offenen Schlagabtausch. Blanco landete dabei die besseren Treffer und nahm Arantes runter. Es ging wieder in den Stand und wieder war Blanco der aggressivere Kämpfer. Er drängte Arantes an den Käfig und deckte ihn mit harten Körpertreffern ein. Arantes revanchierte sich mit harten Schwingern, die Blanco in der letzten Minute der ersten Runde zu Boden streckten. Arantes ging hinterher und versuchte sich an einem Rear-Naked Choke und einem Armbar, aber Blanco konnte sich befreien und in die zweite Runde retten. Hier konnte Blanco schnell einen Kick Arantes' abfangen und den Brasilianer zu Boden werfen.

Blanco ging hinterher und landete fast in einem Triangle Choke, aus dem er sich mit zwei Slams befreite. Zurück im Stand konnte Arantes mehr Akzente setzen, weswegen ihn Blanco erneut runter nahm und für den Rest der Runde auf der Matte hielt. Unentschieden nach zwei Runden begann der letzte Durchgang denkbar schlecht für den Venezolaner Blanco. Blanco landete einen harten Tieftritt und bekam prompt einen Punkt abgezogen. Im weiteren Verlauf der Runde war es Arantes, der an Takedowns arbeitete und Blanco im Stand nicht mehr zum Zug kommen ließ.
Felipe Arantes bes. Maximo Blanco einstimmig nach Punkten (29-27, 29-27, 29-27)

Ildemar Alcantara vs. Albert Tumenov
Tumenov begann stärker im Stand und traf ein ums andere Mal. Alcantara konnte einer Rechten ausweichen und Tumenov zu Boden bringen, musste allerdings sofort einen Konter und anschließend harte Fäuste aus der Guard einstecken. Der Brasilianer konnte sich trotz harter Treffer in die zweite Runde retten. Diese gehörte ihm ganz. Wiederholt konnte er den Kampf auf die Matte verlagern um Tumenovs Fäusten aus dem Weg zu gehen. Alcantara vermied einen weiteren Schlagabtausch und bestimmte die Runde im Clinch und mit Takedowns.

Der finale Durchgang spielte sich dann langsamer ab. Kein Kämpfer wollte mit zu hohem Risiko die Runde und vielleicht den Kampf verlieren. Tumenov bekam nun zusehends Schwierigkeiten mit Alcantaras Reichweite und musste lange Hände des Brasilianers nehmen, der immer wieder mit Geraden treffen konnte. Die Punktrichter werteten die Runde schließlich an Alcantara, der damit seinen dritten UFC-Erfolg feierte.
Ildemar Alcantara bes. Albert Tumenov geteilt nach Punkten (29-28, 28-29, 30-27)

Douglas Silva de Andrade vs. Zubaira Tukhugov
Tukhugov wurde unter Buh-Rufen von den Fans empfangen, nutzte diese jedoch als weitere Motivation und wurde nach verhaltenem Beginn, der von Einzelaktionen geprägt war, stärker. Ab Mitte der ersten Runde nahm Tukhugov das Heft in die Hand und bestimmte mit seinen Fäusten das Geschehen, dass sich größtenteils im Stand abspielte. Silva fand kein Mittel gegen seinen Gegner und verließ sich mit zunehmender Dauer auf kraftvolle Einzelschläge, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Tukhugov hätte in der dritten Runde die geringe Kondition Silvas besser nutzen können, war jedoch mit einem ungefährdeten Sieg nach Punkten zufrieden.
Zubaira Tukhugov bes. Douglas Silva de Andrade einstimmig nach Punkten (30-27, 29-28, 30-27)

Die Ergebnisse der UFC Fight Night 36 im Überblick:

UFC Fight Night 36
15. Februar 2014
Jaragua do Sul, Brasilien

Lyoto Machida bes. Gegard Mousasi einstimmig nach Punkten (49-46, 50-45, 50-45)
Ronaldo Souza bes. Francis Carmont einstimmig nach Punkten (29-28, 30-27, 29-28)
Erick Silva bes. Takenori Sato via K.o. (Schläge) nach 0:52 in Rd. 1
Nicolas Musoke bes. Viscardi Andrade einstimmig nach Punkten (29-28, 29-28, 29-28) 
Charles Oliveira bes. Andy Ogle via Triangle Choke nach 2:40 in Rd. 3

Joe Proctor bes. Cristiano Marcello einstimmig nach Punkten (29-28, 30-27, 29-28)
Rodrigo Damm bes. Ivan Jorge einstimmig nach Punkten (29-28, 29-28, 29-28)
Francisco Trinaldo bes. Jesse Ronson geteilt nach Punkten (29-28, 28-29, 30-27)
Iuri Alcantara bes. Wilson Reis geteilt nach Punkten (30-27, 28-29, 30-27)
Felipe Arantes bes. Maximo Blanco einstimmig nach Punkten (29-27, 29-27, 29-27)
Ildemar Alcantara bes. Albert Tumenov geteilt nach Punkten (29-28, 28-29, 30-27)
Zubaira Tukhugov bes. Douglas Silva de Andrade einstimmig nach Punkten (30-27, 29-28, 30-27)