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Josh Barnett, Ryan Bader und Peter Sobotta überzeugen bei UFC Hamburg

Josh Barnett war siegreich (Foto: Dorian Szücs)

Zum ersten Mal war das Octagon an diesem Wochenende in Hamburg zu Gast. Und ebenfalls zum ersten Mal war eine UFC-Veranstaltung auf deutschem Boden restlos ausverkauft, was den Event somit schon im Vorfeld zum Erfolg machte. Das ließ sich in Sachen Unterhaltungswert dann zwar nicht mehr behaupten – fast alle Kämpfe gingen über die volle Distanz und ließen streckenweise einiges an Spannung vermissen –, mit drei deutschen Siegen sah aber zumindest die Bilanz der Lokalmatadoren am Ende des Abends gut aus.

Andrei Arlovski vs. Josh Barnett

Die Karrieren der ehemaligen UFC-Schwergewichtschampions Andrei Arlovski und Josh Barnett mögen sich bereits jeweils über Jahrzehnte hinziehen, im Hauptkampf von UFC Hamburg allerdings schien keiner der beiden unnötig Zeit verschwenden zu wollen: Die beiden Veteranen knockten sich noch innerhalb der ersten halben Minute gegenseitig an und sorgten damit für Hochstimmung im Publikum. Den Kampf beenden konnte hier allerdings niemand.

Danach ging es eine Weile ruhiger zu, längere Clinchsequenzen brachten die Zuschauer sogar zeitweise zum Buhen, bevor es eine Runde später wieder zur Sache ging. Erneut trafen beide sauber und schienen zeitweise in ziemlichen Schwierigkeiten zu stecken, bevor sich das Momentum wieder drehte – der Ausgang des Kampfes lag hier mehrfach auf des Messers Schneide.

In Runde drei schien Barnett dann von einem Finger ins Auge getroffen worden zu sein, drehte sich weg und hielt sich die Hand vors Auge. Arlovski witterte den Knockout, setzte nach und holte seinen Gegner damit wieder zurück in den Kampf. Barnett schlug zurück, zog Arlovski wenig später zu Boden, setzte zu Groundandpound an und dann zum Rear Naked Choke. Der saß, und damit hieß der Sieger nach knapp drei Minuten der dritten Runde Josh Barnett.
Josh Barnett bes. Andrei Arlovski via Rear Naked Choke nach 2:53 in Rd. 3

Alexander Gustafsson vs. Jan Blachowicz

Im Co-Hauptkampf des Abends legte der größte Underdog des Abends einen guten Start hin: Jan Blachowicz ging gegen den zweifachen Titelherausforderer Alexander Gustafsson aggressiv nach vorne und landete einige solide Kombinationen, die ihre Spuren unter dem rechten Auge des Schweden hinterließen. Gegen Ende der Runde dann holte Gustafsson sich mittels eines Takedowns wieder das Momentum.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs das gleiche Spiel: Blachowicz mit guten Treffern im Stand, dann Gustafsson mit dem Takedown. Auf der Matte richtete der „Mauler“ die restliche Runde über mit Schlägen und Ellbogen aus der Oberlage Schaden an. Auch in den letzten fünf Minuten weitestgehend das gleiche Spiel – obwohl er sich besser schlug, als die Buchmacher ihm zugetraut häten, gab Blachowicz am Ende eine klare Punktentscheidung ab. Für Gustafsson bedeutet das den ersten Sieg seit März 2014 im ersten Kampf seit Oktober 2015.
Alexander Gustafsson bes. Jan Blachowicz einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)

Ryan Bader vs. Ilir Latifi

Im zweiten Kampf des Hauptprogramms standen sich die beiden Top-Halbschwergewichte Ryan Bader und Ilir Latifi gegenüber. Latifi machte zunächst Druck gegen die Nummer sechs der Gewichtsklasse und landete hin und wieder Treffer, konnte bis auf einen Niederschlag aber nichts allzu wirkungsvolles landen.

Gerade, als Latifi sich immer besser in den Kampf einzufinden schien, setzte Bader gegen Mitte der zweiten Runde zum Headkick an – Latifi lehnte sich nach unten und fing die Kniescheibe seines Gegners mit dem Kinn ab. Latifi war bewusstlos, noch bevor er die Matte erreichte, schaute sich nach dem Aufwachen verwirrt im Käfig um und brauchte Minuten, um wieder gerade stehen zu können. Ein spektakulärer Sieg für Ryan Bader.
Ryan Bader bes. Ilir Latifi via K.o. (Knie) nach 2:06 in Rd. 2

Nick Hein vs. Tae Hyun Bang

Nick Hein eröffnete in Hamburg das Hauptprogramm mit einem systematisch erkämpften Punktsieg. Der Großteil des Leichtgewichtsduells spielte sich auf den Beinen ab, lediglich hin und wieder nutzte Hein den Clinch, um Bang auf den Boden zu verfrachten. Von dort kam der Koreaner aber meist schnell wieder zurück auf die Beine, wo zwischen den beiden hautpsächlich Fäuste hin- und herflogen. Harte Wirkungstreffer landete keiner der zwei, letztlich war es aber Hein, der sich mit einigen soliden Treffern und vereinzelten Takedowns das Kreuz der Punktrichter sichern konnte.
Nick Hein bes. Tae Hyun Bang einstimmig nach Punkten (29:28, 30:28, 30:27)

Jessin Ayari vs. Jim Wallhead

Mit Jessin Ayari war auch ein deutsches UFC-Debüt in Hamburg vertreten. Der Nürnberger startete vorsichtig mit gelegentlichen kurzen Kombinationen vereinzelten Kicks. Mit denen traf er zwar auch häufig, war allerdings die meiste Zeit im Rückwärtsgang unterwegs, um seinen Gegner auszukontern. In Runde drei dann folgte eine kurze Schrecksekunde, als Wallhead Ayari mit einem linken Haken niederschlug. Der Nürnberger jedoch kam wieder auf die Beine und ging mit Vollgas zum Gegenangriff über. Den Rest des Kampfes über schlugen die beiden sich die Haken um die Ohren, nach drei Runden hatte Ayari aber in den ersten beiden Runden genügend Treffer gelandet, um zwei der drei Punktrichter zu überzeugen.
Jessin Ayari bes. Jim Wallhead geteilt nach Punkten (29:28, 28:29, 30:27)

Peter Sobotta vs. Nicolas Dalby

Der Balinger Peter Sobotta verschwendete gegen den Dänen Nicolas Dalby keine Zeit und schlug seinen Gegner schon nach knapp einer Minute mit einem Aufwärtshaken nieder. Zwar verteidigte Dalby einen Großteil des nachfolgenden Groundandpounds, von da an aber hatte Sobotta die Kontrolle über den Kampf. Auf die Beine kam Dalby bis ans Rundenende nicht mehr, kurz davor hätte Sobotta ihn noch beinahe mit einem Rear Naked Choke zum Abklopfen gebracht.

Dalbys erster harter Treffer fand dann in Runde zwei per Finger in Sobottas Auge sein Ziel. Nachdem der Arzt den Kampf im Anschluss an eine kurze Pause wieder freigab, ging es im Octagon aber weiter wie bisher: Sobotta brachte Dalby auf die Matte und behielt dort bis zum Rundenende die Kontrolle.

Mit zwei Runden Vorsprung nahm Sobotta im dritten Durchgang ein wenig den Fuß vom Gas, und der stets konditionsstarke Dalby nutzte das, um in die Offensive zu gehen. Gerade, als der Däne gegen Mitte der Runde begann, richtig Druck aufzubauen, gelang Sobotta erneut der Takedown. Nach 15 starken Minuten ein so überzeugender wie wichtiger Sieg für den Deutschen unter jamaikanischer Flagge.
Peter Sobotta bes. Nicolas Dalby einstimmig nach Punkten (30:26, 30:26, 30:26)

Ashlee Evans-Smith vs. Veronica Macedo

Im einzigen Damenkampf des Abends wurde recht zügig Veronica Macedos Reichweitennachteil deutlich – an die weitaus größere Evans-Smith kam die erst 20-jährige Debütantin kaum heran.
Auch Smith konnte die meiste Zeit über außer der Mount und einem missglückten Armbarversuch aus dieser Position nicht allzu viel allzu Spektakuläres zeigen, hielt den Kampf aber weitestgehend unter Kontrolle. Mit einer Barrage harter Ellbogen setzte Evans-Smith dem Duell in der dritten Runde schließlich noch ein Ende, nachdem sie Macedo am Zaun in der Unterlage festgesetzt hatte.
Ashlee Evans-Smith bes. Veronica Macedo via T.K.o. (Ellbogen) nach 3:14 in Rd. 3

Taylor Lapilus vs. Leandro Issa

Leandro Issas Strategie wurde gegen Taylor Lapilus schon nach Sekunden klar: den Kampf auf den Boden zu verlagern. Damit hatte er zunächst auch Erfolg – als Lapilus nach mehreren Minuten und einigen Buhrufen wieder auf die Beine kam, schien der sauer und deckte seinen Gegner mit Schlägen ein. Näher als hier kam Lapilus jedoch nie, den Kampf zu beenden. Issa suchte weiter den Takedown, Lapilus verteidigte jedoch meist und behielt im Stand die Kontrolle.
Taylor Lapilus bes. Leandro Issa einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)

Jarjis Danho vs. Christian Colombo

Der erste Vertreter des deutschen Quartetts war in Hamburg Jarjis Danho, der es mit dem Dänen Christian Colombo zu tun bekam. Im ersten Durchgang passierte außer einigen verfehlten Rechten, Takedowns und Kniestößen nicht viel, bis Colombo mit einem Knie dann richtig durchkam – allerdings, während Danho eine Hand auf dem Boden hatte. Einen Cut auf Danhos Kopf und einen Punktabzug für Colombos verbotene Aktion später ging es trotzdem weiter.

Die folgenden beiden Runden verbrachten die beiden meist im Stand oder im Clinch und landeten dort einige harte Treffer, konnten wegen Müdigkeit allerdings nicht darauf aufbauen, sodass das zunehmend langsamer werdende Duell schließlich an die Punktrichter ging, die wegen des Punktabzugs in Runde eins keinen Sieger festmachen konnten.
Jarjis Danho vs. Christian Colombo endet im mehrheitlichen Unentschieden (29:27, 28:28, 28:28)

Scott Askham vs. Jack Hermansson

Die Action-Kämpfer Scott Askham und Jack Hermansson brauchten ein wenig Anlauf, bis es zwischen den beiden Mittelgewichten richtig zur Sache ging. Nach einer verhaltenen ersten Runde aber war es dann meist Octagon-Newcomer Hermansson, der Askham ordentlich einheizte – mit harten Treffern, darunter Aufwärtshaken im Clinch und Geraden, die den Briten gut durchrüttelten.

Am Ende des zweiten Durchgangs setzte Askham zum Beinhebel an, hatte aber zu wenig Zeit, um den Kampf damit zu beenden. In Runde drei bearbeiteten sich die beiden weiter mit Haken und Kniestößen, am Ende des harten Duells aber war es der Norweger Hermansson, der von den Punktrichtern verdient zum Sieger erklärt wurde.
Jack Hermansson bes. Scott Askham einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)

Rustam Khabilov vs. Leandro Silva

Zum ersten Kampf des Abends war die Barclaycard Arena zwar schon annähernd voll, viel Action gab es zwischen Rustam Khabilov und Leandro Silva allerdings zunächst nicht zu sehen. Die beiden Leichtgewichte hielten sich im Stand meist zurück und schlugen sich nur in kurzen Intermezzi die Fäuste um die Ohren. Khabilov versuchte zwischendurch, den Kampf auf den Boden zu verlagern, hatte damit aber kaum nennenswerten Erfolg. Nach drei Runden hatten ihn die Punktrichter trotzdem vorne.
Rustam Khabilov bes. Leandro Silva einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 30:27)



Anbei die Ergebnisse im Überblick:

UFC Fight Night 93: Arlovski vs. Barnett
Samstag, 3. September 2016
Barclaycard Arena in Hamburg

Hauptprogramm:

Josh Barnett bes. Andrei Arlovski via Rear Naked Choke nach 2:53 in Rd. 3
Alexander Gustafsson bes. Jan Blachowicz einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Ryan Bader bes. Ilir Latifi via K.o. (Knie) nach 2:06 in Rd. 2
Nick Hein bes. Tae Hyun Bang einstimmig nach Punkten (29:28, 30:28, 30:27)

Vorprogramm:
Jessin Ayari bes. Jim Wallhead geteilt nach Punkten (29:28, 28:29, 30:27)
Peter Sobotta bes. Nicolas Dalby einstimmig nach Punkten (30:26, 30:26, 30:26)
Ashlee Evans-Smith bes. Veronica Macedo via T.K.o. (Ellbogen) nach 3:14 in Rd. 3
Taylor Lapilus bes. Leandro Issa einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)
Jarjis Danho vs. Christian Colombo endet im mehrheitlichen Unentschieden (29:27, 28:28, 28:28)
Jack Hermansson bes. Scott Askham einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)
Rustam Khabilov bes. Leandro Silva einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 30:27)