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Joseph Duffy denkt über UFC London nach, nicht über Vertragsverhandlungen

Zielgerichtet: Joseph Duffy will sich am Samstag seinen vierten UFC-Sieg holen (Foto: Florian Sädler).

Am Samstagabend wird Joseph Duffy Nachhause kommen. In sein zweites Zuhause, besser gesagt: Duffy hat eine Zeit lang in London gelebt, um dort seine Kampfsport-Karriere voranzutreiben. Seitdem ist Duffy noch einmal mehr umgezogen – nach Montreal, Kanada, um dort im renommierten Tristar Gym mit Namen wie Georges St. Pierre und Rory MacDonald zu trainieren.

Ein Kampf bei UFC Halifax vergangenen Monat wäre also komfortabler gewesen, seine Position als letzter Vorkampf der UFC Fight Night in London am Samstag erfüllt dafür andere Zwecke.

„Es wäre schon einfacher gewesen (, in Halifax zu kämpfen), wenn man es nur aus finanzieller Sicht betrachtet“, so Duffy. „Natürlich: Meine Trainer, meinen Ernährungsberater und so einzufliegen, um mir beim Gewichtmachen zu helfen, das wäre für sie und für mich viel einfacher gewesen. Aber natürlich ist es auch spannend für mich, so nahe an meiner Heimat zu kämpfen."

"Eine Menge Leute werden von Irland aus anreisen, viele meiner irischen Freunde arbeiten in London und für diejenigen aus Wales sind es nur ein paar Stunden mit dem Auto. Außerdem habe ich in London gelebt. Es werden Leute aus allen möglichen Richtungen (für diesen Kampf) anreisen, London ist vermutlich ein zentraler Punkt für alle Beteiligten.“

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In London wird Duffy seinen fünften UFC-Kampf bestreiten. Nachdem er in seinen ersten beiden Auftritten jeweils einen Knockout und eine Submission holen konnte, verlor er im Januar 2016 eine hart umkämpfte Punktentscheidung gegen Dustin Poirier.

Seitdem hat sich der Ire im Juli mit einem 25-Sekunden-Aufgabe-Sieg gegen Mitch Clarke rehabilitiert, sein bekanntester Erfolg bleibt trotzdem eine weitere Submission in unter einer Minute: 2008 brauchte „Irish Joe“ nur 38 Sekunden, um Conor McGregor bei Cage Warriors in seinem Arm Triangle Choke abklopfen zu lassen.

Als einer von nur drei Kämpfern, die aktuell von sich behaupten können, den größten Star des Sports bezwungen zu haben, hat Duffy allerdings nicht vor, diese Kuh zu melken, bis er einen hoch dotierten Rückkampf in der Tasche hat. Die Richtung, die die UFC aktuell einschlägt, mit Kämpfern, die wegen ihres Marktwertes an der Warteschlange für Titelkämpfe vorbeimarschieren oder sich schlicht ihren Weg in die großen Kämpfe freireden, sieht Duffy mit ein wenig Argwohn.

„Ein bisschen, ein bisschen“, so Duffy. „Mich stört, wenn die Balance verloren geht. Natürlich braucht man Charaktere, die gut für den Entertainment-Aspekt sind, aber man darf nicht vergessen, dass der Sport sich ums Kämpfen dreht. Sie können alle so viel reden, wie sie wollen und eine Show abziehen, aber wenn sie am Kampfabend nicht voll da sind und eine Show abliefern, war das alles für nichts. Ich werde einfach weiter ich selbst bleiben. Ich werde nicht versuchen, jemand anderes zu sein. Ich bleibe ich und hoffentlich ist das genug, um die Leute für mich begeistern zu können.“

Bisher war es das. Und obwohl sein Name unter UFC-Fans einen zusätzlichen Boost bekommen hat, seit McGregor es zu ungeahnten Höhen im MMA gebracht hat, glaubt Duffy, dass sein nüchterner Ansatz außerhalb des Käfigs ihm auch weiterhin gute Dienste leisten wird.

„Bisher waren meine Kämpfe alle unterhaltsam, finde ich, und das seit meiner Zeit bei Cage Warriors. Ich suche immer das Finish. Ich rede mir also gerne ein, dass das diese anderen Aspekte ersetzt. Und ich denke, dass der Kontrast zwischen mir im Käfig und mir im normalen Leben andere Menschen anzieht (als beispielsweise McGregor). Es gibt eben unterschiedliche Persönlichkeiten. Wenn alle gleich wären, dann würde es ein wenig langweilig werden, denke ich.“

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Zuletzt war es auch außerhalb des Octagons nicht gerade langweilig für Joe Duffy. Nachdem er bereits von Irland nach Wales und London gezogen ist, um seine Karriere voranzubringen, begann Duffy vor seinem UFC-Debüt 2015, im Montrealer Tristar Gym zu trainieren. Seitdem ist er ganz nach Kanada gezogen, um dort regelmäßig mit Namen wie Rory MacDonald, Aiemann Zahabi und Georges St. Pierre auf der Matte zu stehen.

Jetzt, mit einer Wohnung knapp zehn Minuten zu Fuß vom Tristar Gym entfernt sowie dem Bewusstsein, wie viel einige seiner Kollegen verdienen, bekommt der finanzielle Aspekt des Sports mehr von Duffys Aufmerksamkeit als bisher. Und obwohl nach seinem Sieg bei UFC Glasgow im Sommer 2015 ein 50.000-Dollar-Scheck für die „Performance of the Night“ auf sein Konto wanderte, ist Duffy vergangenes Jahr in eine Meinungsverschiedenheit mit der UFC bezüglich seines Vertrags geraten.

Nachdem die Verhandlungen für einen neuen Deal vor der Rückkehr der UFC nach Belfast im November kein Ergebnis brachten, bekam Duffy keinen Kampf auf der Show in Nordirland – für die die Liga bereits einen Gegner in der Hinterhand hatte, den Duffy jedoch als unpassend angesichts seiner Position in der Rangliste ansah.

Reza Madadi, auf den Duffy am Samstag bei UFC London treffen wird, um den letzten Kampf seines aktuellen Vertrags auszufechten, war laut dem Iren nicht der Gegner, den er für UFC Belfast abgelehnt hat. So kurz vor dem Kampf denkt „Irish Joe“ aber ohnehin nicht allzu viel darüber nach, wie die Verhandlungen ablaufen werden, sobald er am 18. März im Octagon mit seiner Arbeit fertig ist.

“Ich denke, ich werde einfach schauen, was passiert”, so Duffy zur Perspektive, ohne Vertrag mit einer MMA-Liga dazustehen, wenn UFC London Geschichte ist. „Aktuell konzentriere ich mich nur auf diesen Kampf und wenn der gut läuft, werde ich mich anschließend um den Rest kümmern, denke ich.“

Trotzdem: Duffy würde gerne in die Top Ten der UFC, bevor das Jahr zu Ende ist, sagt er: „Ich würde definitiv gerne mindestens drei Mal kämpfen dieses Jahr. Vier Mal wäre schön, aber ich denke drei wäre schon okay. Das wäre nicht verkehrt.“