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José Aldo: „Wir brauchen eine Gewerkschaft!”

José Aldo (Foto: Tobias Bunnenberg/GNP1.de)

Infusionsverbot, Reebok-Deal, Doping-Richtlinien. Egal, was die UFC oder die Kommissionen beschließen, nur selten haben Kämpfer ein Mitspracherecht. Ein untragbarer Zustand, findet UFC-Federgewichtschampion José Aldo. Der Brasilianer wünscht sich eine Gewerkschaft für Kämpfer, um ihnen das Leben zu erleichtern.

Auch ohne selbst gekämpft zu haben, ist José Aldo 2015 präsent wie nie - und das nicht nur, weil er in jedem zweiten Satz von Conor McGregor erwähnt wird. Der 29-Jährige, der in der Vergangenheit eher zurückhaltend war, geht in diesem Jahr verbal deutlich offensiver zu Werke und äußert immer wieder seine Meinung zu den Veränderungen der Kampfsportwelt. Noch bleibt es nur bei einer Meinung, aber in ein paar Jahren könnte das ganz anders aussehen. José Aldo will eine Gewerkschaft für Kämpfer und sieht sich nach Ablauf seiner aktiven Karriere auch als Vorkämpfer für die Belange seiner Kollegen.

„Niemand ist mit dem Thema auf mich zugekommen, aber eine Gewerkschaft wäre toll. Sie schützt die Kämpfer und könnte bei vielem helfen. Kämpfer haben sich bisher nicht organisiert, weil es zu große Rivalitäten zwischen den einzelnen Gyms und Stilen gibt. Es ist nicht mehr so wie früher, aber es passiert noch. Wenn ich nicht für diese Summe kämpfe, macht es ein anderer. Kämpfer sind nicht miteinander organisiert und deswegen haben wir wenig Privilegien.”

Privilegien könnten etwa Tarifverhandlungen sein, um für Kämpfer nicht nur höhere Gagen pro Kampf, sondern dazu auch ein monatliches Gehalt zu gewährleisten. Bisher mussten Kämpfer von Kampf zu Kampf (über-)leben, monatliche Zahlungen gab es nur durch Sponsoren, wobei diese mittlerweile durch den Exklusivvertrag der UFC mit Reebok ebenfalls eingeschränkt werden. Zuletzt kündigte etwa UFC-Champion TJ Dillashaw an, sein Team zu wechseln, da ihm im neuen Team finanzielle Unterstützung zugesichert wurde (GNP1.de berichtete). Nicht auszudenken, wie es da am anderen Ende der Nahrungskette abläuft.

„Das Leben ist schwer für Kämpfer, die gerade erst angefangen haben und dementsprechend wenig verdienen und keine PPV-Anteile bekommen. Man gibt viel Geld für Trainer, Betreuer und Sparringspartner aus. Heutzutage kommt niemand mehr ins Training, um umsonst verprügelt zu werden. Monatliche Gehälter wären gut. In unserem Sport kann man sich verletzen, man kann lange ausfallen und das ist schlecht für die Kämpfer, die nur mit dem Kämpfen Geld verdienen. Wenn man verletzt ist, gibt es keine Einnahmen. Ohne Sponsoren wäre das Leben als Kämpfer unmöglich.”

Deutliche Aussagen des Champions, der in den vergangenen Monaten bereits genug eigene Sponsor-Probleme hatte, ausgelöst durch den Reebok-Vertrag der UFC. Darauf angesprochen, ob sich Aldo eine Position als Gewerkschaftsführer vorstellen kann, wiegelt der Brasilianer ab und bittet um Geduld:

„Ich sehe mich noch nicht in der Verantwortung, solange mein Fokus auf das Kämpfen gerichtet ist. Ich muss durch Kämpfe meinen Lebensunterhalt verdienen, ich bin ein Weltmeister und kann mich nicht um diese andere Seite kümmern. Mein Leben als Athlet ist noch zu dominant, aber wer weiß was passiert, wenn ich einmal nicht mehr kämpfe. Ich werde versuchen, mich mit der Materie zu befassen und für Kämpfer etwas Großes auf die Beine zu stellen.”

Bis dahin muss sich "Scarface" erst wieder dem Gegner im Käfig widmen. Am 12. Dezember trifft Aldo bei UFC 194 in Las Vegas auf Conor McGregor, um die beiden Federgewichtstitel zu vereinen.