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John Kavanagh: „Ich habe Conor noch nie so erschöpft gesehen“

John Kavanagh

Größennachteile, fehlende Fähigkeiten am Boden oder gar Überheblichkeit- nach der ersten Niederlage von Conor McGregor seit über fünf Jahren geisterten allerlei Erklärungen selbsternannter Experten durch das World-Wide-Web. Nun meldete sich erstmals seit UFC 196 ein Vertreter des innersten Kreises des irischen Superstars zur Wort: sein langjähriger Trainer John Kavanagh. Für ihn trifft keine der genannten Ursachen zu. Vielmehr sieht er mangelnde Ausdauer als Grund für das Ende der Siegesserie seines Schützlings an.

Nur wenige Experten erwarteten vor UFC 196 von Conor McGregor Defizite in Sachen Ausdauer. Im Gegensatz zu seinen vorangegangenen Kämpfen lastete auf ihm nicht der Druck, das Limit von 66 Kilogramm zu erreichen und sich dafür massiv zu dehydrieren. Dieser Auftritt im Weltergewicht gegen Nate Diaz war also prädestiniert für eine 25-minütige Präsentation seiner Fähigkeiten, bedingt auch durch das harte Kinn seines Kontrahenten. Doch es kam anders als gedacht: Bereits in der ersten Rundenpause fiel dem Trainer des Iren, John Kavanagh, das starke Schnaufen seines Schützlings auf. Dazu äußerte er sich in der „MMA Hour“ bei Ariel Helwani.

„Die Mischung aus den defensiven Fähigkeiten von Diaz und der Ineffizienz von Conor haben ihn müde gemacht“, so Kavanagh. „Ich arbeite jetzt schon sehr lange mit Conor. Ich habe gesehen, wie er unzählige Runden gekämpft hat und ich habe ihn noch nie stark schnaufen gehört. In der Rundenpause hat er dann sehr stark geschnauft. Das hat mich wirklich überrascht.“

Trotz dieses ersten Anzeichens war der Kopf des Straight Blast Gym zu diesem Zeitpunkt keineswegs besorgt ob der Siegchancen seines Schülers. Er gab ihm den Rat, lediglich Nuancen zu verbessern: „Ich habe ihm nur gesagt, er solle seine linke Gerade nicht ankündigen. Er muss nicht mit jedem Schlag den K.o. suchen, es reicht, wenn er Treffer landet. Er sollte Kombinationen schlagen und sich gut bewegen. Außerdem sollte er wieder zu Atem kommen. Das ist, was ich ihm gesagt habe. Er hatte eine gute Runde. Hätte er so weitergemacht, wäre das ein Punktsieg geworden.“

Die erste Niederlage in der UFC-Karriere von Conor McGregor bedeutet zwar nicht den Verlust seines Gürtels, sehr wohl jedoch den Verlust seiner Aura der Unbesiegbarkeit. Dies wirft viele Fragen auf, unter anderem, ob die Unterstützung der Fans nach UFC 196 noch im selben Maße vorhanden sein wird. Zudem könnte Nate Diaz den Weg vorgezeichnet haben, den nun auch künftige Gegner McGregors bestreiten werden, um dem Federgewichtschampion seinen Titel zu entreißen. Diese Fragestellungen lassen John Kavanagh jedoch nicht die Entscheidung bereuen, einem Duell im Weltergewicht zugestimmt zu haben. Er vertritt, wie auch sein Schützling, den Standpunkt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

„Ich bin sehr stolz auf ihn. […] Er wird für vieles in Erinnerung bleiben. Wenn alles vorbei ist, werden die Menschen zurückblicken und ihn als Beispiel sehen, wie man sich nach Niederlagen verhält. Man muss Risiken eingehen. Egal ob man gewinnt oder verliert, man muss am Boden bleiben. Ich war nicht überrascht, aber sehr stolz, wie er sich danach im Octagon präsentiert hat.“

Wie nach seiner letzten Niederlage gegen seinen Landsmann Joseph Duffy wird Conor McGregor auch diesmal schnell den Weg zurück in den Käfig finden. Bereits bei UFC 200 kommt es zur ersten Verteidigung seines Weltmeister-Gürtels. Ein Gegner steht bislang noch nicht fest, wahrscheinlich ist jedoch ein Rückkampf gegen Jose Aldo oder ein Duell mit Frankie „The Answer“ Edgar.