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Jessin Ayari: „Ich muss niemandem etwas beweisen.“

Jessin Ayari (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Am Sonntag geht der Nürnberger Jessin Ayari in seinen zweiten UFC-Kampf. Bei der UFC Fight Night in Stockholm trifft er auf den ungeschlagenen Engländer Darren Till. Vor dem Duell spricht Ayari über die Kritik an seinem UFC-Debüt, seinen Gegner und was sich für ihn seit dem Debüt verändert hat.

Jessin Ayari kämpft im Vorprogramm der UFC Fight Night in Stockholm am 28. Mai. Sein Kampf wird auf dem UFC Fight Pass auf ufc.tv übertragen und beginnt zwischen 16:15 Uhr und 16:30 Uhr.

GNP1.de: Im September hast du dein UFC-Debüt in Hamburg gegeben, was hat sich seitdem für dich verändert?
Jessin Ayari: Eigentlich wenig. Ich bin immer noch der kleine, hart trainierende Junge. Die einzige Veränderung war, dass ich jetzt mehr rumkomme für die Vorbereitung. Ich war in Thailand und in Schweden.

Schweden ist ein gutes Stichwort. In einem Interview hattest Du erwähnt, dass Du mittlerweile schon vier Mal in Schweden trainiert hast. Fühlt sich die Fight Night in Stockholm dann schon als Heimspiel an?
Ja, fast mehr als Hamburg. Mit Hamburg hatte ich vor dem Kampf nichts zu tun, in Schweden war ich schon mehrfach. Ich kenne die Leute hier, ich kenne das Gym hier, ich kenne mich hier einfach schon ein wenig aus. Klar, in Deutschland waren viel mehr Fans von mir dabei. Aber ich kenne hier viele Schweden, die mich am Sonntag anfeuern werden.

Vor einem Jahr warst du noch der UFC-Neuling, bei denen ja generell oft die sogenannten „Octagono Jitters“ vermutet werden. Hat sich vor dem Kampf am Samstag mental etwas bei dir verändert?
Nein, ich wusste schon immer, dass ich kämpfen kann. Ich habe jetzt einfach mehr Erfahrung, die mir einfach keiner mehr nehmen kann. Kämpfen ist immer noch das gleiche, aber ich weiß jetzt, wie es abläuft. Ich bin aber immer noch angespannt vor dem Kampf, ich weiß ja, um was es geht.

Wie lief die Vorbereitung auf Deinen Kampf? Deine Vorbereitung gegen Jim Wallhead litt ja unter Verletzungen und ursprünglich war in Emil Meek auch ein anderer Gegner eingeplant.
Ich hatte dieses Mal zwar weniger Zeit, mich auf den Gegner vorzubereiten, allerdings lief die Vorbereitung selbst perfekt. Ich hatte keine Verletzungen, selbst in den harten Sparringswochen bin ich, von Kleinigkeiten abgesehen, komplett gesund durchgekommen. Ich habe von vornherein mehr auf meinen Körper gehört und bin schon in guter Form ins Camp gekommen, auch das Gewicht hat von vornherein gepasst, da lief alles super.

Was ging in Dir vor, als Du von Darren Till als nächstem Gegner gehört hast?
Die UFC hat sich wohl gedacht, das sind zwei Junge Kerle auf dem Weg nach oben, einer wird den nächsten Schritt machen. Wenn man einen Gegner bekommt, ist man immer aufgeregt. In der UFC gibt es sowieso keine schlechten Gegner, im Weltergewicht erst recht nicht. Da gibt’s kein Fallobst. Der nächste Gegner ist immer der schwerste. Nach dem Kampf kann man dann analysieren, was gut und was schlecht war.

Wie lief die Analyse nach dem Kampf gegen Jim Wallhead? Da gab es ja vielerorts Kritik an Deiner Taktik und auch am Punkturteil. Wie hast Du die aufgenommen?
Ich muss niemandem etwas beweisen, nur mir selbst. Die, die mich mögen, mögen mich und wer was von Kämpfen versteht, der hat auch meinen Kampf schätzen können. Klar gab es aus Deutschland Kritik, aber ich habe von zahlreichen anderen Kämpfern ein Lob in Bezug auf meine Technik bekommen. Vom Sofa kann man die Leute immer kritisieren. Ich schimpfe auch nicht über die Fans, die mich kritisieren. Technisch bin ich immer für jeden Rat offen, aber jemanden einfach so runtermachen, dass macht man nicht. Das sind halt oft Leute, die einfach keinen Plan haben.

Kommen wir zurück zu Deinem anstehenden Kampf. Was weißt Du über Darren Till und wie hast Du Dich auf ihn vorbereitet?
Der Fokus liegt auf mir. Ich konzentrier mich nur auf mich. Er wird sich wie jeder Kämpfer weiterentwickelt haben, wobei man das aufgrund seiner langen Verletzung nicht zwangsläufig sagen kann. Ich habe meine Stärken weiter verbessert und konzentriere mich auf mich. Er kommt aus dem Muay Thay und kickt hart, ich denke, darauf wird’s hinauslaufen. Aber ich bin auf alles vorbereitet.

Wenn Du schon Deine Stärken ansprichst, wo bist du ihm überlegen und wie willst du gegen ihn vorgehen?
Das Gute ist, dass ich zur neuen Generation MMA-Kämpfer gehöre. Natürlich habe ich in den letzten Jahren viel an meinem Boxen gearbeitet, aber ich kann den Kampf überall gewinnen. Manche Dinge machen es mir einfacher, andere nicht. Ich habe meinen Gameplan, aber, um Mike Tyson zu zitieren, jeder hat einen Gameplan, bis er den ersten Schlag kassiert. Wenn ich also die Möglichkeit zum Takedown sehe, dann nutze ich sie auch.

Er hat angekündigt, gegen dich ein Statement zu setzen, an das sich die Leute erinnern werden. Was hältst Du von solchen Ansagen?
Sowas kann ja jeder sagen. Er wird schon sehen, was passiert. Er spielt wie jeder ein wenig die McGregor-Rolle. Es ist schön, dass er mit viel Selbstvertrauen in den Kampf geht. Das mache ich auch, daher bin ich mir sicher, dass es ein cooler Kampf wird.

Wenn Du sie schon ansprichst, was denkst Du über die „McGregorisierung“ der UFC?
Das hat Vor- und Nachteile. Conor McGregor hat das natürlich sehr gut gemacht, das hat auch unseren Sport nach vorne gebracht. Aber das ihn jetzt plötzlich alle nachmachen, finde ich nur lustig. Kopien sind immer schlechter als das Original.

Also wenn Dir Andy Friedlander nach dem Kampf das Mikro vor die Nase hält, bleibst Du bescheiden und forderst niemanden heraus?
Ich fordere natürlich sofort einen Titelkampf (lacht). Ich bin ehrlich, ich habe keinen Wunschgegner, ich will einfach nach oben kommen. Aber ich will mir dabei Zeit lassen, ich bin noch jung. Irgendwann möchte ich auf jeden Fall um den Titel kämpfen, aber ich werde jetzt nicht anfangen, Forderungen auszusprechen. Alles zu seiner Zeit, der Weg ist das Ziel.

Also gibt es derzeit keine speziellen Gegner, gegen die Du Dich ausprobieren möchtest?
Vom Stil her gibt es definitiv Kämpfer, mit denen ich mich gerne messen würde. Aber es gibt Tage, da möchte ich am liebsten so kämpfen wie Mike Tyson und es gibt Tage, an denen ich eher wie Ali kämpfen möchte. Ich will vielseitig sein und suche mir immer Dinge, die ich selbst einbauen kann und der Gegner ist da immer ein Versuchsobjekt. Dafür ist das Kämpfen da.

Wie lautet dann Deine Prognose für den Kampf gegen Till? Tyson-Knockout oder Ali-Shuffle?
Ich werde gewinnen, mehr sage ich dazu nicht. Es kommt auf meine Lust und Laune drauf an. Ich will das Finish, danach auf den Käfig klettern und feiern. Wie es kommt, das wird man sehen. Aber ich bin davon überzeugt, dass ich am Ende als Sieger dastehe.

Wir sind gespannt und wünschen Dir für Sonntag alles Gute. Die letzten Worte gehören an dieser Stelle wie immer Dir.
Ich möchte mich einfach nur bei allen bedanken, die mich supporten und unterstützen. Vor allem bei denen, die mir in der Vorbereitung geholfen haben. Danke. Schaut euch am Sonntag meinen Kampf an, um 16:20 auf dem Fight Pass auf UFC.tv. Danke.

Das Interview führte Alexander Petzel-Gligorea