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Jessin Ayari: "Das Training für diesen Kampf war abnormal"

Will in Kanada seinen zweiten UFC-Sieg holen: Jessin Ayari (Foto: Dorian Szücs).

Am Samstag bestreitet Jessin Ayari seinen dritten UFC-Kampf in Moncton, New Brunswick. Die Stadt an der Ostküste Kanadas ist für UFC-Verhältnisse ein kleines Nest, Ayari hat aber ohnehin keine Zeit, großartig Sightseeing zu betreiben. Der 26-Jährige aus Nürnberg verlor letztes Jahr gegen Darren Till und hat seitdem nicht mehr gekämpft. Jetzt muss gegen den Schotten Stevie Ray daher ein Sieg her.

Wir haben ihn während der Fight Week im Hotelzimmer besucht, um uns mit ihm über seinen anstehenden Kampf, sein Training in Florida und den Support aus der Heimat zu unterhalten.

GNP1.de: Jessin, du kämpfst am Wochenende in Moncton gegen Stevie Ray. Was hältst du von ihm als Gegner?

Ein erfahrener Kämpfer, hat glaube ich seine acht, neun Kämpfe in der UFC, hat auch ein paar Top-Leute geschlagen. Ist in Europa glaube ich auf Platz vier oder so gelistet. Er kann auf jeden Fall kämpfen und hat Erfahrung, aber ich bin da wirklich sehr überzeugt und selbstsicher, dass ich einen guten Kampf abliefern werde. Ich bin überzeugt, dass ich an dem Tag meine beste Leistung abrufen und ihn besiegen werde.

Du bist ja zum ersten Mal für ein ganzes Trainingscamp nach Amerika gereist, ins American Top Team nach Florida. Wie lief die Vorbereitung dort?

Geil, man, Hammer. Ich muss sagen, ATT war vom Trainingslevel abnormal. Also wirklich hohes Niveau. Es war so ein bisschen meine Sorge, dass die Trainer da sagen, du musst das so machen oder so machen, aber die Coaches sind da so erfahren, die nehmen dich, so wie du kämpfst und verbessern dich in dem, worin du gut bist und arbeiten natürlich an gewissen Sachen, die der Gegner macht. Der größte Unterschied, den ich dort gemerkt habe, war an mir selbst. Sechs Wochen habe ich dort in den Dorms gewohnt, in einem kleinen Zimmer ohne Fenster. Irgendwann fällt dir die Decke auf den Kopf, und du lernst da halt viel über dich selbst. Der Fokus ist ganz anders, auf einem ganz anderen Level.

Wer waren deine Trainingspartner?

Ich hab das Glück gehabt, dass da Leute wie Dustin Poirier und so waren. Du machst dann einfach Samstag fünf Runden mit Dustin Poirier, und es ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn du dann weißt, das ist die Nummer drei auf der Welt und du hältst da mit. Das gibt dir mit solchen Leuten im Umkreis natürlich Boost ohne Ende.

Eine weitere Neuigkeit für diesen Kampf: Du bist jetzt ein Leichtgewicht. Wie stark hast du den Unterschied im Training gemerkt?

Zu Hause habe ich es nicht so sehr gemerkt, außer, dass ich das Gefühl hatte, dass ich ein bisschen schneller und beweglicher war. Aber im Camp habe ich es sehr gemerkt, weil ich letztes Jahr dort war und mit Weltergewichten zusammengesteckt wurde. Alle mit 88 oder 90 Kilo. Dieses Mal wurde ich mit Leichtgewichten zusammengestellt, die alle auch mein Gewicht hatten. Ich war mit Abstand immer der Größte im Gym, und kraftmäßig war es im Weltergewicht eben auch so, dass das alles kräftigere Kerle waren. Das ist halt einfach normal. Ich war halt immer vom Gewicht her schon an der Untergrenze der Weltergewichte. Ich habe ja auch öfter mit Peter trainiert, und weißt du ja selber (grinst Peter Sobotta an), wir waren auch nicht immer im gleichen Gewicht. Also als ich fett war (lachen beide). Aber dann haben die mir im Performance Institute (der UFC in Las Vegas) ganz locker gesagt, dass ich das schon schaffen würde. Ich bin halt sonst immer über Technik und Beweglichkeit gekommen, das war dann jetzt auch ein Unterschied zum letzten Mal. Körperlich habe ich es auch gemerkt, weil danach nicht mehr alles wehtut und zwickt. Natürlich sind Leichtgewichte auch brutal starke Leute, aber im Allgemeinen habe ich mich nach dem Training wohler gefühlt.

Dann wäre das Leichtgewicht die ganze Zeit schon deine natürliche Gewichtsklasse gewesen?

Wahrscheinlich. Aber ich habe eben auch 20 Profi-Kämpfe im Weltergewicht gemacht und es ist gut gelaufen. Ich habe auf jeden Fall Körperfett verloren, und ich denke, dass das jetzt alles einfach viel athletischer, sportlicher ausschaut. Es hat auch eine lange Zeit gebraucht. Ich bin dafür nach Amerika ins Performance Institute, habe mich mit Ernährungsberatern zusammengesetzt. Ich habe mich auch vorher immer gesund ernährt, aber es gibt natürlich einen Unterschied zwischen gesunder und leistungsorientierter Ernährung. Ich habe jetzt zehn Wochen Süßigkeiten nur aus ganz weiter Entfernung angeschaut. Das war natürlich eine harte Diät, das ist davor nicht so hart gewesen. Aber ich habe davor auch nicht das Wissen gehabt. Die professionelle Hilfe hat mich jetzt auf ein neues Level gebracht.

Dein letzter Kampf war gegen Darren Till, der jetzt wohl bald als Mittelgewicht antreten wird. Gibt dir das im Leichtgewicht zusätzliches Selbstvertrauen, weil du schon mit jemandem über die volle Distanz gegangen bist, der jetzt zwei Gewichtsklassen über dir kämpft?

Ach, naja. Ich hätte ihn besiegen müssen. Egal, wie schwer dein Gegner ist, du musst immer einen Weg finden, ihn zu besiegen. Aber natürlich, wenn ich jetzt schaue, meine letzten zwei Niederlagen in den letzten sechs Jahren waren gegen Abus (Magomedov) und Darren Till, die sind beide im Mittelgewicht. Und na klar habe ich in den Kämpfen gemerkt, dass die mir kraftmäßig voraus waren. Darren Till hat dann ja auch noch sein Gewicht nicht geschafft.

Wie groß war der Unterschied im Kampf?

Er hat mir selbst gesagt, dass er am Kampftag 92 Kilo hatte. Ich habe mein Gewicht beschissen gemacht und es nicht wieder draufbekommen. Ich hatte 80 Kilo. Und zwölf Kilo Unterschied ist natürlich eine Ansage. Wie gesagt, meiner Meinung nach muss man trotzdem irgendwie einen Weg finden, den Kampf zu gewinnen, aber deswegen gibt es ja auch Gewichtsklassen und sollte es fair ablaufen. Deswegen mache ich das als Sport und deswegen sollte ich in einer Gewichtsklasse kämpfen, in der die Leute auch mein Gewicht haben und nicht unbedingt zwölf Kilo schwerer sind. Im letzten Kampf habe ich das natürlich gemerkt, gerade im Clinch, Power und so.

Wie hast du den Support aus Deutschland vor diesem nächsten Kampf erlebt? War es mehr, weil du weg warst und die Leute sich gefragt haben, was du so machst, oder war es weniger, gerade weil du eben nicht vor Ort in Deutschland warst?

Der Support aus Deutschland, kann ich jetzt nicht sagen, dass der mega groß gewesen ist, so allgemein. Der Support der Leute, die ich kenne, war aber abnormal jetzt bei dem Kampf. Die Leute aus meiner Heimatstadt: Wahnsinn, hätte ich nicht gedacht. Mir haben so viele Leute geschrieben, das war wirklich der Hammer. Also in der Hinsicht, was meine Stadt angeht, meine Freunde und deren Freunde, die Gyms – Hammer. Aus der deutschen Szene haben jetzt nicht viele geschrieben oder so. Aber was meine Heimat angeht, wirklich, ich war teilweise so überrascht. Ich dachte mir, krass man, wie die Leute hinter einem stehen. Wirklich ein richtiger Zusammenhalt. Das hat mich, muss ich sagen, wirklich sehr stolz gemacht.

Ist das Hotelzimmer hier der einzige Teil von Team Ayari, der jetzt in Kanada dabei ist, oder hast du noch mehr Unterstützung aus der Heimat mitgebracht?

Meine Mama und mein Stiefvater sind noch da. Die sind gerade noch ein bisschen hier Urlaub machen, die kommen dann zum Kampf, und ja, sonst halt mein Team.

Machst du schon Pläne für die nächste Zeit oder planst du erstmal nur bis Samstag?

Jetzt geht’s natürlich erstmal nur um Samstag. Was danach kommt, da habe ich mir erstmal noch nicht so viele Gedanken gemacht. Aber auf jeden Fall will ich nicht wieder so lange warten auf den nächsten Kampf.

Sehen wir dich dann als nächstes wieder in Europa oder könntest du dich daran gewöhnen, hier drüben zu kämpfen?

Ich denke, meinen nächsten Kampf werde ich wieder in Europa machen, so wie’s ausschaut. Es ist einfach ein bisschen günstiger. Natürlich kostet das alles immer viel mehr, wenn man woanders kämpft. Aber es kommt immer drauf an, was sich anbietet. Im Endeffekt ist es mir egal, wo ich kämpfe, nur Europa ist natürlich bequemer. Aber bis jetzt läuft alles super, mir kommt es gar nicht so vor, als wären wir hier irgendwo… - Zwischenruf Trainer: „Am Arsch der Welt“ - irgendwo anders.