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Irisches Großmaul gestopft: Nate Diaz zwingt Conor McGregor zur Aufgabe

UFC 196 geht in die Geschichte ein. Der zweite Pay-Per-View des Kalenderjahres 2016 brachte Fans zahlreiche Überraschungen und einen Titelkampf im Bantamgewicht der Damen zwischen Holly Holm und Miesha Tate. Trotz dessen drehte sich alles wieder nur um einen Mann: Conor McGregor. Der Ire lud erneut zur irischen Party nach Las Vegas und stand in einem Kampf im Weltergewicht dem großen Provokateur Nate Diaz gegenüber.

Nate Diaz ist die Sensation gelungen. Der große Außenseiter brauchte nur zwei Runden, um Conor McGregors Ankündigungen platzen zu lassen. Dabei sah es anfangs nach einer weiteren „Red Panty Night“ des Iren und seines lautstarken Anhangs aus. McGregor begann stark und setzte Diaz im Stand zu. Der 30-Jährige begann sehr langsam, die kurze Vorbereitungszeit von nur elf Tagen war ihm anzumerken und auch die Provokationen hielten sich im Zaum. McGregor bestimmte den ersten Durchgang nach anfänglichem Abtasten scheinbar mühelos und traf wiederholt mit der Linken, die eine Platzwunde an Diaz‘ Auge öffnete.

In der zweiten Runde drehte dieser dann auf. Von Körpertreffern unbeeindruckt, feuerte Diaz immer wieder seine Rechts-Links-Kombination ab. McGregor steckte die ersten Treffer weg, geriet dann aber ins Wanken und musste noch mehr Schläge einstecken. Aus Verzweiflung verlagerte „Notorious“ den Kampf auf die Matte. Der Anfang vom Ende. Diaz bewegte sich nach Belieben in seine Wunschposition, feuerte ein paar Schläge ab, bis ihm Conor McGregor den Rücken zudrehte. Eine Gelegenheit, die sich der BJJ-Schwarzgurt nicht nehmen ließ. Diaz setzte zum Rear-Naked Choke an, McGregor hielt anfangs dagegen, musste dann jedoch nach kurzer Zeit blutüberströmt aufgeben. Passenderweise im Mata Leao, dem so genannten Löwentöter. Gar nicht schlecht für eine Gazelle.

Holly Holm schläft im Rear-Naked Choke ein

Nur wenige Experten rechneten Tate im Vorfeld dieser Begegnung eine Chance aus. Die einstige Strikeforce-Championesse stand unter Druck, mit einer Niederlage hätte sie ihre Titelträume wohl auf ewig begraben müssen. Tate war sich ihrer letzten Chance bewusst, die Nervosität war der Herausforderin ins Gesicht geschrieben. Und so kämpfte sie anfangs auch, abwartend und zögerlich. Holm konnte Tate mit Side Kicks auf Distanz halten, „Cupcake“ kam in der ersten Runde gar nicht in den Kampf. Dafür sorgte die 29-Jährige mit ihrem Takedown in der zweiten Runde für das erste Raunen im Saal. Holm musste ein paar Schläge und Ellenbogen aus der Half Guard einstecken, schaffte es nicht auf die Beine und drehte Tate sogar den Rücken zu und verteidigte sich nach Kräften bis zum Ende der Runde gegen einen Rear-Naked Choke der Herausforderin. Eine dominante Runde für Tate.

Leider konnte sie im Anschluss nicht darauf aufbauen. Holm brachte wieder Distanz zwischen sich und Tate, deren Takedown-Versuche fruchtlos blieben. Holm ließ sie entweder ins Leere laufen oder sprawlte rechtzeitig. Im Standkampf sah „Cupcake“ ebenfalls kein Land mehr, während die Championesse mit Einzelaktionen punktete und sich sehenden Auges Richtung Punktsieg bewegte. Dachte man jedenfalls. Denn eine Unachtsakeit beendete Holly Holms kurze Amtszeit als Königin des Bantamgewichts. Tate schaffte den Takedown und gelangte sofort auf den Rücken. Erneut setzte sie den Rear-Naked Choke an und dieses Mal gab es kein Entkommen für Holm. Alle Abwehrversuche scheiterten und bevor sie abklopfen konnte, schlief die Championess im Würger ein. Neue Weltmeisterin im Bantamgewicht der Frauen: Miesha Tate.

Latifi, Anderson und Nunes klettern die Leiter nach oben

Enttäuschung dagegen für Fans des Halbschwergewichts. Statt des erwarteten Schlagabtausches zwischen Ilir Latifi und Gian Villante verlegte sich ersterer auf vereinzelte Schläge und Takedowns, während letzterer fast nur in der Defensive war. Zwar konnte Latifi neben einem Suplex zwei weitere schöne Takedowns zeigen und Villante hin und wieder mit Schlägen in den Rückwärtsgang zwingen, eine wirkliche Gefahr entstand dabei nie. So mussten die Punktrichter entscheiden, die alle Runden geschlossen für den Schweden werteten.

Ebenfalls wenig Action gab es auch im zweiten Halbschwergewichtskampf zwischen Corey Anderson und Tom Lawlor zu sehen. Lawlor landete frühe Wirkungstreffer, die Anderson durchrüttelten, aber nicht zu Fall brachten. Der 26-Jährige fing sich wieder und spulte von da an kontrolliert sein Programm ab. Anderson hielt Lawlor auf Distanz, ließ sich nicht in einen Brawl verwickeln und landete in der abschließenden dritten Runde den einzigen Takedown der Begegnung. Erst in der letzten Minute ging es durch den Ringrichter wieder auf die Beine, aber Lawlor konnte das Ruder nicht mehr herumreißen und unterlag nach Punkten. Die beiden 30-27-Wertungen für Anderson überraschten nach der ersten Runde allerdings Fans und Experten.

Mit Amanda Nunes und Valentina Shevchenko wurde das Hauptprogramm von UFC 196 eröffnet. Die Brasilianerin übernahm dabei schnell die Kontrolle und ließ erst ihre Fäuste fliegen, bevor sie den Kampf auf die Matte verlagerte. Dort konnte sie Shevchenko anfangs aus der Side Control mit zahlreichen Ellenbogen eindecken und kurz vor Ende des zweiten Durchgangs fast noch mit einem Rear-Naked Choke zur Aufgabe bringen. Erst in der letzten Runde wachte Shevchenko auf und landete ihrerseits schwere Treffer gegen die ermüdete Nunes. Zu spät jedoch, um die Punktrichter umzustimmen, die die ersten beiden Runden bereits für Nunes gesehen hatten und der Brasilianerin folgerichtig den Kampf zusprachen.

Überraschungen im Vorprogramm

Dafür wurden die Fans im Vorprogramm mit guten Kämpfen und einigen Knockouts verwöhnt. Diego Sanchez und Jim Miller gingen zwar über die Distanz, zeigten dabei einen spannenden Kampf auf Augenhöhe, den Sanchez nach Punkten gewann. Überraschenderweise kam im Kampf zwischen Siyar Bahadurzada und Brandon Thatch kein Knockout zustande. Dafür sorgte Bahadurzada für staunende Münder, als er Thatchs größte Schwäche, die Takedown-Abwehr, ausnutzte, den Kampf mehrfach auf die Matte verlagerte und in der letzten Minute mit einem Arm-Triangle Choke beendete.

Noch überraschender war das Ende im anderen Weltergewichtsduell zwischen Nordine Taleb und Erick Silva. Der Brasilianer, sonst für wilde Attacken und schlechte Cardio bekannt, schien vom neuen Trainerteam im Kings MMA eine neue Taktik eingeimpft bekommen zu haben und kämpfte zurückhaltender als sonst. Allein, es half nichts. In der zweiten Runde fing Taleb einen Bodykick ab und feuerte, während er mit der Linken Silvas Bein hielt, eine rechte Gerade ab, die den „Indio“ ins Land der Träume schickte. Vielleicht die Quittung für Silvas Aktion in Durchgang eins, die Faust zum Abklatschen auszustrecken und dann einen Haken zu schlagen.

Die Ergebnisse im Überblick:

UFC 196: McGregor vs. Diaz
Samstag, 5. März 2016
Las Vegas, Nevada, USA

Nate Diaz bes. Conor McGregor via Rear-Naked Choke nach 4:12 in Rd. 2

Titelkampf im Bantamgewicht der Frauen
Miesha Tate bes. Holly Holm via Rear-Naked Choke nach 3:30 in Rd. 5

Ilir Latifi bes. Gian Villante einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Corey Anderson bes. Tom Lawlor einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)
Amanda Nunes bes. Valentina Shevchenko einstimmig nach Punkten (29:28, 29:27, 29:27)

Vorprogramm
Siyar Bahadurzada bes. Brandon Thatch via Arm-Triangle Choke nach 4:11 in Rd. 3
Nordine Taleb bes. Erick Silva via K.o. (Schlag) nach 1:34 in Rd. 2
Vitor Miranda bes. Marcelo Guimaraes via T.K.o. (Head Kick & Schläge) nach 1:09 in Rd. 2
Darren Elkins bes. Chas Skelly einstimmig nach Punkten (30:27, 29:27, 30:26)
Diego Sanchez bes. Jim Miller einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:28)
Jason Saggo bes. Justin Salas via T.K.o. (Schläge) nach 4:31 in Rd. 1
Teruto Ishihara bes. Julian Erosa via T.K.o. (Schläge) nach 0:34 in Rd. 2