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„Ich will auf jeden Fall wieder Kämpfen“

Dan Hardy (Foto: Dorian Szücs/Groundandpound.de)

„Ich war nervöser als vor meinem UFC-Debüt“, verrät uns Dan Hardy im Rückblick auf sein zweites erstes Mal im weltberühmten Octagon. Nachdem er wegen eines Herzfehlers seine eigene abenteuerliche Karriere innerhalb des Käfigs vor einem Jahr auf Eis legen musste, trat der charismatische Engländer im März seinen neuen Job als UFC-Kommentator an.

“Ich erzähle euch mal ein Geheimnis – ich hatte meinen Mundschutz in der Tasche; ich war drauf und dran, selbst in den Käfig zu steigen und zu kämpfen“, verrät Hardy über seinen ersten Arbeitstag bei der 37. UFC Fight Night in der Londoner o2 Arena. Mit diesem Ort verbindet Hardy eine Menge Emotionen, denn schon zu seiner aktiven Zeit hat er hier einige denkwürdige Momente durchlebt.

Anfang 2009 schickte der ‘Outlaw’ dort in seinem zweiten Kampf für die UFC Rory Markham mit seinem patentierten  linken Haken auf die Bretter – eineinhalb Jahre und einen verlorenen Titelkampf gegen Georges St-Pierre später erlitt er dieses Schicksal dann selbst, als Carlos Condit ihm mit eben jenem Schlag die Lichter ausknipste: „Niemand sonst kann von sich behaupten, dass er in der o2 Arena gewonnen und verloren hat und außerdem das Interview nach dem Kampf geführt hat – das ist ziemlich cool“, lacht Hardy. „Es war schon ein sehr komisches Gefühl, aber vor allem anderen hat es Spaß gemacht. Es war schön, die Fight Week in London genießen zu können, die ganzen Kämpfer und die Fans um sich zu haben und mit ihnen interagieren zu können, anstatt mich vollkommen auf meinen eigenen Kampf konzentrieren zu müssen. Ich liebe es, ich genieße es wirklich.“

Leidenschaft alleine ist natürlich noch kein Garant für Erfolg, Hardy jedoch bekam zu seiner eigenen Überraschung beinahe ausschließlich positives Feedback von Internet-Foren und News-Webseiten. Die Qualität seiner Arbeit hat dabei ihm zufolge einen recht simplen Ursprung: “Natürlich hat es sehr geholfen, selbst Teil der UFC zu sein – das hat den Job um einiges leichter gemacht. Die eigentliche Aufgabe des Kommentierens ist etwas recht natürliches für mich, weil ich so lange Zeit damit verbracht habe, Kämpfe zu schauen und zu analysieren. Und jetzt habe ich die Möglichkeit, zu den Fans zu sprechen; ihnen zu sagen, was ich mit meinen Erfahrungen da sehe. Ich bin fast so was wie der Vermittler zwischen der Action im Octagon und den Leuten zuhause.“

Ganz generell genießt der ‘Outlaw’ sein Leben mittlerweile auf eine ganz andere Art als noch zu den Zeiten, in denen er durchgehend dem großen Titelkampf hinterhergejagt ist: “Wenn du kämpfst, hängt dein ganzes Glück davon ab, diesen einen Kampf zu gewinnen. Wenn du kommentierst, kannst du Dinge für dich selbst entdecken und dich an der ganzen positiven Energie während des Events und darum herum freuen. Das ist mal eine ganz neue Herausforderung für mich und ich investiere da eine Menge Emotionen rein.“

Natürlich kitzelt sein neuer Job nicht diesselben Gefühle aus ihm heraus wie ein gewonnener Kampf, dafür verteilen sich die Glücksmomente nun deutlich gleichmäßiger in seinem Alltag: “Wir haben natürlich Spaß im Gym, aber wir wissen alle, dass letzten Endes nur der Sieg wirklich glücklich machen wird. Mit diesem Job dagegen kann ich jeden Tag so genießen, wie er kommt und muss nicht auf ein Datum zwei oder drei Monate weiter versteift sein. Ich kann die einzelnen Tage viel besser nutzen, anstatt nur diesen einen Adrenalinkick zu bekommen, wenn ich einen Kampf gewonnen habe. Das erfordert ein bisschen Anpassung – ich werde wohl Fallschirmspringen oder so was in der Richtung machen müssen, um diesen kleinen extra Nervenkitzel zu bekommen, den ich brauche.“

Balance ist ohnehin das Stichwort, das den Job als Kommentator so attraktiv für Hardy macht. Nach langen Jahren im Gym, den Fokus immer auf den nächsten Kampf gerichtet, findet er nun trotz den stets extrem hektischen Wochen unmittelbar vor einem Event genug Zeit, um auch seine eigenen Interessen zu verwirklichen. Und von denen haben sich in den vergangenen Jahren eine ganze Menge entwickelt: “Es gibt so viele Dinge, die ich gerne tun möchte. Reisen ist eines der wichtigsten dieser Dinge; das wird mir auch die Tür zum Schreiben öffnen. Ich würde gerne ein paar Bücher veröffentlichen. Ich bin daran interessiert, zu einem gewissen Grad in die Musikindustrie zurückzukehren und ich würde gerne etwas mehr Malen als bisher. Außerdem würde ich gerne wieder Studieren, da ich sehr interessiert an Philosophie bin. Ich will einfach weiter wachsen – sowohl körperlich als auch intellektuell.“

Aber würde jemand wie er überhaupt wieder in ein solches Umfeld hineinfinden? Immerhin hat Hardy die Lebensjahre, die andere an der Universität verbringen, im Gym und im Käfig investiert. In dieser krassen Parallelwelt zum vergleichsweise eher gradlinigen Studentenleben hat der ‚Outlaw’ sich einen großen Namen gemacht und ist vor zehntausenden Leuten in den Käfig gestiegen; Hardy hat die ganze Welt bereist, an den verschiedensten Orten gelebt und ist dort sowohl physisch als auch emotional immer wieder über sämtliche Grenzen hinausgegangen. Kann so jemand sich überhaupt wieder in ein ‚normales’ Leben einfügen? Vermutlich nicht, aber das braucht er auch nicht: „Es wäre auf jeden Fall sehr schwierig, aber um ehrlich zu sein: mein Lebensstil war vor der UFC nicht normal und er wird es definitiv nicht danach sein. Ich mache eine Menge Dinge, die die meisten Leute nie tun würde, und ich habe mit diesem Job das Glück, meine eigenen Interessen ausleben zu können. Dadurch springe ich jedoch auch von einem zum anderen und deshalb wäre es gut, wenn es etwas gäbe, das meinen Fokus in einer einzigen Richtung hält. Das ist der Grund, warum die Universität mich reizt.“

In Stein gemeißelt sind derartige Pläne natürlich noch nicht, denn wenn er die ärztliche Freigabe erhalten sollte, würde Hardy auch gerne wieder ins Octagon steigen. Dass er sich eines Tages wieder mit anderen Kämpfern messen wird, daran hat der 32-Jährige jedenfalls nicht den Hauch eines Zweifels: „Ich will unbedingt wieder kämpfen. Ich habe die Zeit genutzt, um meinen Körper völlig zu regenerieren und einige alte Verletzungen auszuheilen und so langsam spüre ich die Ergebnisse. Mein Körper fühlt sich so an wie in meiner Jugend.“ Auch das Kampfsporttraining, das Hardy im vergangenen Jahr stark zurückgefahren hatte, ist nun wieder Teil seines Trainingsplans und bestärkt ihn in dem Vorhaben, wieder in einen Ring oder Käfig zu steigen – jedoch auf eine andere Art als bisher: „Es würde nicht mehr darum gehen, den Titel zu jagen und in den Ranglisten so weit oben wie möglich zu stehen“, beschreibt Hardy seine Pläne.

„Ich würde kämpfen, um mich in der Kampfkunst weiterzuentwickeln. Ich würde vielleicht einen Kampf im Jahr machen und dann nur Super-Kämpfe bestreiten. Das wäre meine Idealsituation. Das, und dann den Kommentatoren-Job in Vollzeit weiterzumachen. Aber selbst, wenn ich nicht zu den Mixed Martial Arts zurückkehren könnte, würde ich in irgendeiner anderen Disziplin antreten.“

Dem Sport verbunden ist Hardy also auch ohne seine 4-Unzen-Handschuhe noch sehr stark – vielleicht sogar noch mehr als zu seiner aktiven Zeit, denn der Perspektivwechsel hat eine Menge frischen Wind mit sich gebracht: “Das Problem mit dem Kämpfen ist, dass du so dermaßen fokussiert auf eine einzelne Person bist, dass dir manchmal das Große Ganze aus dem Blickfeld gerät. Vor allem jetzt, wo die UFC neue Gewichtsklassen eingeführt hat, kommt man mit allem kaum noch hinterher.“

„Durch diesen Job sitze ich direkt am Octagon und kann die neuen Entwicklungen bestens verfolgen. Es ist alles so viel dynamischer als es selbst vor ein paar Jahren noch war, als ich aktiv war. Ich kann jetzt die neuen Trends direkt erkennen und in mein eigenes Training einbauen, anstatt an Dingen zu arbeiten, die nicht mehr funktionieren. Es ist so viel besser, auf diese Art in die Show involviert zu sein als außen vor zu stehen.”

Auch in die Show am 31. Mai wird Hardy wieder als Kommentator involviert sein: “Ich war schon ein paar Mal in Berlin und ich kann es kaum abwarten“, freut er sich auf seinen nächsten Besuch in der geschichtsträchtigen Deutschen Hauptstadt. Aber auch das von einigen Fans kritisierte Programm der 41. UFC Fight Night schürt Vorfreude bei Hardy, der die Kämpfe vom besten Platz der Halle aus verfolgen wird: „Ich bin gespannt, wie die Fans reagieren werden. Das Programm ist ziemlich spannend; wir haben ein paar aufstrebende Talente darauf und wir haben einige Veteranen – ich glaube, dass wir eine Wachablösung mit ansehen werden. Ich denke, dass wir es hier mit einem sehr guten Kämpfer-Paket zu tun haben, um es in Deutschland krachen zu lassen und die deutschen Medien wissen zu lassen ‚Hey, das hier sind unsere Sportler und wir sind ziemlich stolz auf sie.’“

Wer die UFC Fight Night Berlin: Munoz vs. Mousasi am 31. Mai wie Dan Hardy live in der Halle erleben will, kann sich noch immer Tickets sichern – erhältlich unter on.ufc.com/1ol2O9shttp://on.ufc.com/1ol2O9s


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„I’m not done with fighting“
We talked to fighter turned commentator Dan Hardy ahead of UFC Berlin.

„I was actually a lot more nervous than I was before my UFC debut“, Dan Hardy tells us about his second first time in the world famous Octagon. After he had to put his own adventurous career inside the cage on hold due to a rare heart condition, the charismatic Englishman started out in his new job as a commentator this past March.

“I’ll tell you a secret – I had my gum shield in the pocket, I was very tempted to get in there to fight myself”, Hardy reveals about his first day at the office at UFC Fight Night 37 in London’s o2 Arena. The 32-year-old has a well documented past with this place where he has already experienced quite a few memorable moments during his time as an active UFC fighter.

In early 2009, the Outlaw’s trademark left hook send Rory Markham crushing to the mat in his second UFC fight – one and a half years and an unsuccessful title fight against Georges St-Pierre later, Hardy himself suffered that faith when Carlos Condit switched his lights off with the very same punch: „Nobody else can say that they’ve won and lost at the o2 Arena and they also did the post fight Interview, so that’s pretty cool“, Hardy says with a laugh. „It was very strange but first off all it was fun – it was nice to enjoy fight week in London and just be around the fighters and fans and have that interaction instead of being focused on my own fight. I love it, I really do enjoy this job.”

Passion alone, of course, is no guarantee for success, but Hardy so far has received almost exclusively positive feedback in internet forums and News-Websites – to his own surprise. The quality of his work, though, has some of its roots in a very simple fact: “Obviously, being a part of the UFC makes it a much easier job to do. The actual task of commentating itself is relatively natural to me because I’ve spend so long watching fights and analyzing them. And now I get the opportunity to speak to the fans and tell them what I can see with my experiences. I’m almost like the middle man between the action in the Octagon and the people at home.”

Quite generally, ‚The Outlaw’ is enjoying his live in a totally different way nowadays compared to the times when he was constantly chasing the big title fight: “When you’re competing, all of your happiness relies on winning that fight. When you’re doing commentary you get to explore and take advantage of all the good energy in and around fight week with the fighters and the fans. It’s a new challenge for me and I did get a lot of emotion out of it.”
While his new job obviously can’t create quite the emotional rollercoaster that a victory inside the cage can, moments of happiness are now spread much more evenly in his everyday life: “Obviously, we have fun during training camp in the gym, but we all know that ultimately, happiness is going to be based on that victory. Whereas with this job, I can enjoy every day as it is and not have to be preoccupied with a date two or three months ahead of me. I’m getting much more out of every single day now instead of that single rush that I get from winning a fight. That’s taking a bit of an adjustment – I’ll have to do something like skydiving to get that added little rush that I need, but I’ll find that balance.”

And balance is one of the major keywords that make the commentary job so attractive in Hardy’s eyes. After the long years in the gym with his focus always being concentrated on the next fight, he now finds time to live out his own interests, even if the weeks leading up to an event are obviously extremely stressful: “I have a lot of things that I would like to do. Travelling is one of the main things, and that’s going to open the door to writing – I would like to have a few books published. I have an interest in returning to the music industry to some capacity and I’d like to get to painting a little more. I’d like to get back to university as well, I’m very interested in philosophy. I really just want to keep growing physically and intellectually.”

But could someone like him really immerse himself into that kind of environment again? The years that others spent at university, Hardy invested inside the gym and the cage. In this stark parallel world to the, in comparison, relatively straight-lined life as a student, the ‘Outlaw’ has made a huge name for himself and stepped into the cage in front of ten thousands of people; Hardy has travelled the world and lived at all kinds of different place where he pushed his own physical and emotional limits to the extreme time and time again. How can he get back to living a ‘normal’ life again? He never has, that’s why: „It would be very difficult but, to be honest, my lifestyle wasn’t normal before I joined the UFC so it’s definitely not going to be after. I do a lot of different things that people generally wouldn’t do, and fortunately with this job, I have the time to explore my own interests. At the same time, I jump from one book to the other, so it would be good to have someone to keep you focused on one particular part. That’s why University appeals to me.”

These plans are not set in stone yet, because if he can get the medical clearance, Hardy would love to step into the Octagon again. In fact he himself has not the slightest of doubts that he is going to compete against other fighters again at some point in the future: „I’m very eager to fight again. I’ve been using this time to heal my body and to rebuild some things and to get rid of some old injuries and I’m getting there now, my body starts feeling like it has when I was in my teens.” Also, combat sports training is now part of his routine again after a year of very little MMA-specific training, and it has reinvigorated his desire to step into a cage or ring again – with a different mindset than before, though:  „It wouldn’t be chasing the title and being concerned about rankings“, Hardy describes his plans.

„My interest would be fighting for my own development and my own journey in Martial Arts. I would do perhaps one fight a year and then just have super fights. That would be my ideal situation, and then continue doing the commentary job full time. But even if I can’t return to Mixed Martial Arts, I will compete in something.”

As you can see, Hardy is still very active in the sport even without wearing his four-ounce-gloves – maybe even more than when he was an active fighter, because the change of perspectives has brought a big breath of fresh air with it: “The problem when you’re fighting is that you’re so focused on one particular person, you sometimes miss the bigger picture. And especially with the UFC adding new weight classes in the past few years, it’s been difficult to keep up.”

“With this job, I’m sitting right at the octagon so I can see the new developments. It’s so much more dynamic than it was even just a couple of years ago when I was competing. I can keep up with trends in my own training instead of wasting time drilling things that aren’t working anymore. It’s so much better to be involved in the show than not.”

Hardy will also be involved in the Berlin show on May 31st as a commentator: “I’ve been to Berlin a couple of times and I’m really, really looking forward to it”, Hardy says about his delight to visit the historic German capital again. At the same time, he is also looking forward to the ten fights of UFC Fight Night 41: „I’m interested to see how the fans react. The card is a very, very exciting card; we’ve got some up-and-comers there, we’ve got some veterans on there and I think we’re going to see a lot of the changing of the guard.  I think they’re a good package of fighters to take over Germany and to present to the German media and say ‘hey, these are our athletes and we’re really proud of them.’”

If you would like to join Dan Hardy as a spectator at UFC Fight Night: Munoz vs. Mousasi in Berlin on May 31st, you can get your tickets here:

German: on.ufc.com/1ol2O9s
English: on.ufc.com/1fFjgIu