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UFC News

GSP: „Ich hätte schon einen Kampf eher aufhören sollen“

Georges St. Pierre (Foto: Florian Sädler)

Vor zwei Jahren ist er zurückgetreten, war bis dahin einer der besten UFC-Kämpfer aller Zeiten: Weltergewichtschampion Georges St. Pierre. Seit seinem Weggang ist die Gewichtsklasse spannend wie nie, vermisst wird er trotzdem und Fans fragen sich: Kehrt GSP eines Tages zurück? GNP-TV hat exklusiv mit dem kanadischen MMA-Superstar gesprochen, der ehrlich wie nie über die Gründe für seine Pause sprach.

Als Georges St. Pierre im November 2013 nach seiner neunten erfolgreichen Titelverteidigung erklärte, er würde sich für unbestimmte Zeit vom MMA-Sport verabschieden, fragte sich die Kampfsport-Welt warum. Eine genaue Erklärung blieb er bis heute schuldig. Das Doping-Problem in der UFC sei ein wichtiger Grund gewesen, das ist inzwischen bekannt. Seit einigen Wochen ist nun das neue Anti-Doping-Programm der UFC in Kraft – ein Auslöser für eine baldige Rückkehr des einstigen Champions?

„Ich habe mich aus verschiedenen Gründen zurückgezogen. Ich kann nur so viel sagen: Ich bin mir nicht sicher, ich weiß im Moment nicht, ob ich zurückkommen möchte oder nicht. Und sollte ich es tun, dann weiß ich nicht wann. Die Antwort ist also nach wie vor dieselbe“, enttäuscht St. Pierre die Hoffnungen seiner Anhänger.

Zu den „verschiedenen Gründen“, die zu seinem Rücktritt geführt haben, hatte sich GSP bislang nie wirklich geäußert. Gerüchte gab es viele, vom Wunsch, eine Familie zu gründen, über Versagensängste des akribisches Perfektionisten, bis hin zu einer Begegnung mit einem UFO. Mit GNP-TV sprach er detaillierter als je zuvor darüber, was wirklich zu seinem Rücktritt geführt hat.

„Wie jeder Mensch hoffe natürlich auch ich, eines Tages jemanden zu treffen, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen kann. Davon träumt doch praktisch jeder!“, bestätigt St. Pierre. Der Wunsch nach einer Familie sei jedoch nicht der Grund für seine Pause. Vielmehr störte ihn das oftmals fordernde, zermürbende Leben eines Elite-Sportlers an der Weltspitze.

„Ich habe diesen Sport sehr lange auf dem höchsten Level betrieben, war acht oder neun Jahre lang Champion. Das ist ein sehr stressiges Leben", so St. Pierre. "Man muss viel Kritik und eine Menge Druck aushalten. Alles zusammengenommen trifft einen das dann schon hart. Man will nicht auf die Kritiker hören, aber tut es irgendwo doch. Ich bin ein sensibler Typ. Immer und immer wieder trifft es einen, nie ist man gut genug. Ich musste einfach da raus und zumindest ein bisschen unter Leute kommen, sonst wäre ich verrückt geworden.“

In der Tat scheint die Pause ihm gut zu tun. St. Pierre wirkt gelassen, lacht viel, hat offenbar zu sich selbst gefunden. Er scherzt, hat Spaß dabei, Autogramme zu geben, Selfies mit Fans zu schießen. Wer so mit ihm spricht, glaubt nicht daran, dass er je wieder zurückkehrt, so sehr wie er sein neues Leben abseits des UFC-Trubels liebt. Er turnt in seiner Freizeit, spielt Basketball und trainiert seit längerem wieder regelmäßig MMA. Etwas, dass vor seiner Pause eher zur lästigen Pflicht verkommen ist.

„Ich habe mein ganzes Leben lang Mixed Martial Arts betrieben, ich würde niemals aufhören, zu trainieren – egal ob ich zurückkomme oder nicht", erklärt St. Pierre. „Ich trainiere nun nicht mehr, um meine Leistung zu verbessern, sondern weil ich Spaß daran habe. Ich bin Weltmeister geworden, weil ich Spaß am Training hatte. Aus dem Spaß wurde jedoch irgendwann ein Geschäft, das Geschäft wurde stressig und so habe ich den Spaß an der Sache verloren. Ich hatte zum Schluss keinen Spaß mehr, und habe nur noch weitergemacht, weil ich musste, nicht weil ich wollte. Vielleicht hätte ich schon einen oder zwei Kämpfe früher aufhören sollen, aber ich konnte nicht! Ständig hat mich jemand neues herausgefordert. Bei all dieser Last auf meinen Schultern dachte ich, ich müsste weitermachen, obwohl ich es gar nicht wollte.“

Dies ist der erste Teil des ausführlichen Video-Interviews mit Georges St. Pierre. In den nächsten Tagen erscheinen die beiden folgenden Teile, in denen er über den großartigen Kampf seines Trainingskameraden Rory MacDonald spricht, verrät, wer derzeit dir größten Chancen auf den UFC-Titel im Weltergewicht hat, und vieles mehr.

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