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GNP1-Matchmaker: Was bleibt von der Chaos-Woche in Cleveland?

Von seinem Sieg vor heimischer Kulisse wird Stipe Miocic wohl noch seinen Enkeln mit leuchtenden Augen erzählen (Foto: Dorian Szücs).

Mit UFC 203 ist am Wochenende eines der ungewöhnlicheren Events der jüngeren Vergangenheit in die Bücher eingegangen. Von Kampfausfällen, die durch im Hotelaufzug erlittene Verletzungen bedingt waren über Verspätungen beim Wiegen und einer Beinahe-Schlägerei nach Kampfende bis hin zur Erteilung einer Kampflizenz mit der Begründung Brock Lesnar – das Octagon-Debüt Clevelands hatte jede Menge Merkwürdigkeiten zu bieten, daneben aber auch ein paar gute Kämpfe und relevante Ergebnisse.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Stipe Miocic

Der erste Test ist bestanden. Auch nach den Regeln der alten Schule – man ist kein Champion, solange man seinen Gürtel nicht verteidigt hat – hat Miocic sich am Wochenende mit seinem K.o. gegen Alistair Overeem als Titelträger etabliert. Und das vor der besten Kulisse, die er sich hätte wünschen können: 18.000 sehr gut aufgelegten Fans in seiner Heimatstadt Cleveland.

Zwar hat der actionreiche Kampfverlauf mit starken Momenten auf beiden Seiten wieder einmal daran erinnert, warum seit Jahren niemand mehr den Schwergewichtsgürtel öfter als zwei Mal verteidigt hat, fürs Erste thront Miocic aber weiter an der Spitze. Direkt darunter allerdings formieren sich schon die Jäger.

Fabricio Werdum mag am Samstag nach seinem Sieg gegen Travis Browne für mehr Furore gesorgt haben als währenddessen, bleibt mit seinem Sieg aber weiter im Rennen um den Titel. Junior dos Santos, der Miocic Ende 2014 knapp schlagen konnte, ist nach seinem überzeugenden Sieg gegen Ben Rothwell im April ebenfalls wieder auf den Gürtel gepolt.

Die besten Chancen auf den Titelkampf aber dürfte ein Ex-Champion haben, der zuletzt mit einem imposanten Sieg von einer Niederlage und mehreren Verletzungen zurückgekommen ist und den Miocic im Gegensatz zu den beiden anderen bisher noch nie vor den Fäusten hatte. Nächster Gegner: Cain Velasquez

Mickey Gall

Job tadellos erledigt. Am Wochenende mag eine Menge Druck auf Jungspund Mickey Gall gelastet haben, als ernsthafter MMA-Kämpfer den Ex-Wrestler, Kampfsport-Novizen und damit Quasi-Eindringling Phil „CM Punk“ Brooks in seine Schranken zu weisen. Vor großem Publikum aber behielt der 24-Jährige die Nerven und stieg sichtlich bereit in den Käfig. Ein Takedown, ein paar harte Schläge und Ellbogen am Boden und zwei Choke-Versuche später hatte Gall seinen dritten Profi-Kampf gewonnen.

Auszusetzen gibt es nichts an Galls bisheriger UFC-Karriere. Trotzdem bleibt er fürs Erste ein talentierter Newcomer, der als Profi bislang gegen einen 0-1-Kämpfer, einen Journalisten und einen Wrestler gewonnen hat. Wie immer bei derartig frühen und vielbeachteten Siegen setzt sich Gall dadurch der Gefahr aus, jetzt zu schnell zu weit hineingeworfen zu werden ins Haifischbecken des UFC-Kaders. Andererseits wäre es eine verschwendete Marketing-Chance für die UFC, Gall von hier an bis auf weiteres in Vorkämpfen gegen Debütanten zu vergraben.

Eine Option, wie es weitergehen könnte, hat der vorausdenkende Senkrechtstarter nach seinem Sieg am Samstag aber bereits selbst ins Gespräch gebracht, und das ist Sage Northcutt. Nicht die schlechteste Idee – immerhin ist auch der jung und dafür vergleichsweise bekannt, hat zuletzt aber gezeigt, dass er noch nicht auf dem UFC-Level angekommen ist. Außerdem kam er wie Gall über Dana Whites Reality-Show „Looking for a Fight“ in die UFC. Eigentlich genügend Gemeinsamkeiten und Gründe, um den Kampf zu buchen. Nächster Gegner: Sage Northcutt

Jessica Andrade

„Klein aber oho“ mag die unkreativ-offensichtlichste Beschreibung für UFC-Stohgewicht Jessica Andrade sein, genau das aber trifft perfekt zu auf die 1,57 Meter große Kampfmaschine. In Cleveland holte sich die Brasilianerin mit ihrem Aufgabe-Sieg gegen Joanne Calderwood den sechsten UFC-Sieg und einen der größten ihrer Karriere. Calderwood mag zwar schon vorher in der Rangliste hinter ihr gestanden haben, ist in der Fan-Gemeinde aber besser bekannt als Andrade, die für ihre Leistungen bisher wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Das dürfte sich bald ändern. Andrade mag ihre Schwächen haben, gerade ihre aggressive Kampfweise und physische Wucht aber dürfte auch für die Top-Damen im Strohgewicht eine zumindest stilistisch interessante Herausforderung bieten.

Den Weg dorthin könnte der jetzigen Nummer sechs der Rangliste ein Sieg gegen Carla Esparza (3) ebnen. Die Ex-Championess wäre ein legitimes Sprungbrett nach oben für die Action-Kämpferin, dabei aber wegen fehlender Star-Power im Falle einer Niederlage kein so großer Verlust wie beispielsweise die populäre Rose Namajunas. Nächste Gegnerin: Carla Esparza