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GNP1-Matchmaker: Die Nacht der Überraschungen

Tyron Woodley, der neue Champion im UFC-Weltergewicht (Foto: Zuffa LLC).

UFC 200 sollte die Show des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts werden. Am Ende bot ironischerweise das Rahmenprogramm in Form von UFC 199 und jetzt UFC 201 die weitaus bessere Action: In Atlanta, Georgia ging es am Wochenende wild zur Sache – von spektakulären Knockouts über harte Schlachten und faustdicke Überraschungen boten die 22 Kämpfer trotz fehlender Star-Power alles auf, was den Sport ausmacht.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Tyron Woodley

18 Monate hat Tyron Woodley auf seine Titelchance gewartet, eine Taktik, die in der Vergangenheit bereits für den einen oder anderen nach hinten losgegangen war. Für „The Chosen One“ aber hat sich das Risiko, sich zu verletzen oder schlicht übergangen zu werden, im großen Stil ausgezahlt. Mit einem furiosen Erstrunden-Knockout gegen Robbie Lawler hat der gelernte Ringer sich im Alter von 34 Jahren zum UFC-Weltergewichtschampion gekrönt.

Woodley setzt damit den Trend des Jahres fort, in dem zuvor bereits fünf UFC-Titel die Besitzer gewechselt hatten. Nicht genau diesem Trend als nächstes zum Opfer zu fallen, wird allerdings auch für Woodley schwer, gerade in einer brutalen Gewichtsklasse wie dem Weltergewicht, die eine lange Reihe brandgefährlicher Herausforderer stellt.

Wenn es um Verdienste geht, dann müsste Stephen Thompson nach Siegen gegen Namen wie Jake Ellenberger, Johny Hendricks und Rory MacDonald die nächste Titelchance bekommen. Woodley dagegen schien davon nach seinem Sieg nichts wissen zu wollen und brachte stattdessen Nick Diaz und Georges St-Pierre ins Gespräch, ohne zu verheimlichen, dass er dabei Ausschau nach dem größtmöglichen Zahltag hält.

Dass die UFC willens ist, mit Ausblick auf klingelnde Kassen die Ranglisten außer Acht zu lassen, hat sie mittlerweile zur Genüge bewiesen. Die vielleicht oder doch nicht zurückgetretenen Diaz und St-Pierre aber sind Sonderfälle, was ein Duell gegen Woodley arg verkompliziert – vor allem im Fall von GSP würden noch andere Faktoren als Geld in die Entscheidung hereinspielen. Am wahrscheinlichsten – und am sinnigsten – ist es daher, dass Woodley seinen Gürtel dann als nächstes doch gegen Stephen Thompson verteidigen wird. Nächster Gegner: Stephen Thompson

Karolina Kowalkiewicz

Mit Karolina Kowalkiewiczs Punktsieg gegen Rose Namajunas könnte sich für die PR-Abteilung der UFC ein Albtraum anbahnen: Ein Titelkampf für die junge Polin, der die Zeile Jedrzejczyk vs. Kowalkiewizc auf Event-Poster und Promo-Trailer setzen und Kommentator Mike Goldberg wohl später am Mikrofon um den Verstand bringen würde.

Darum wird man dort aber kaum herumkommen, denn viel mehr Optionen für Championess Jedrzejczyk gibt es aktuell nicht im Strohgewicht der Damen. Die gesamte Top Five und der Großteil der Top Ten hat zuletzt verloren, teils gegen Jedrzejczyk selbst. Bis auf Kowalkiewicz, die im Octagon jetzt drei Siege in ebenso vielen Kämpfen vorweisen kann.

Auch die UFC selbst hat angekündigt, an dem innerpolnischen Duell interessiert zu sein – und es möglicherweise sogar in Polen steigen zu lassen. Nach UFC Hamburg und eventuell Bisping vs. Henderson 2 in Manchester könnte sich somit also bald die dritte große UFC-Show auf europäischem Boden anbahnen. Mit einem Hauptkampf, der Feuerwerke verspricht. Nächste Gegnerin: Joanna Jedrzejczyk

Jake Ellenberger

Eigentlich hätte Jake Ellenberger diese Woche gar nicht in Atlanta sein sollen – laut Dana White hatte die UFC den „Juggernaut“ nach fünf Niederlagen in sechs Kämpfen Anfang des Jahres bereits entlassen. Ellenberger flog laut ihm jedoch persönlich in Las Vegas ein und bat die Chefetage um nur eine weitere Chance mit dem Versprechen, diese spektakulär zu nutzen.

Gesagt, getan: Mit dem Rücken zur Wand explodierte Ellenberger im Octagon gegen Matt Brown, klopfte den harten Hund mit schnellen Fäusten und präzisen Kicks weich und wurde tatsächlich zum ersten Gegner des „Unsterblichen“, der ihn (technisch) K.o. schlagen konnte.

Den besten Sieg seit Jahren fuhr Ellenberger nach einem innerkalifornischen Gym-Wechsel von Edmond Tarverdyans Team – unter dessen Fuchtel neben Ellenbergers außerdem Travis Brownes und Ronda Rouseys Karrieren spektakulär vor die Wand gefahren sind – ins Kings MMA von Rafael Cordeiro ein. Das scheint die richtige Wahl gewesen zu sein.

Ganz raus aus der Krise ist Ellenberger nach nur einem Sieg natürlich noch nicht, die Voraussetzungen für eine neue Siegesserie scheinen nun aber wieder gegeben zu sein. Jorge Masvidal hat nach seinem Sieg gegen Ross Pearson ein paar Stunden zuvor bereits einen Kampf gegen Ellenberger gefordert. Nicht die schlechteste Idee. Nächster Gegner: Jorge Masvidal