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GNP1-Matchmaker: Chaos im Weltergewicht

Schert sich nicht um Gegnerwahl: Darren Till (Foto: Florian Sädler).

Von vornherein war klar, dass die Stimmung beim ersten Besuch der UFC in Liverpool ohrenbetäubend gut werden würde. Zwar präsentierten sich die Fans in der englischen Hafenstadt zunächst sogar vergleichsweise ruhig, spätestens zum Hauptkampf aber brachten die nur 8500 Fans in der ausverkauften Echo Arena die Halle zum Kochen. Das könnte sogar einer der Gründe sein, warum die UFC jetzt einen potentiellen neuen Titelherausforderer im Weltergewicht hat.

Wir werfen einen kurzen Blick auf die drei besten Leistungen des Abends:

Darren Till

Nachdem bereits der FC Liverpool das Finale der Champions League verloren und Molly McCann den Scousern mit ihrer Niederlage einen unschönen Start in den Abend beschert hatte, war es an Darren Till, der Stadt an diesem Wochenende noch einen sportlichen Höhepunkt zu schenken. Und genau das tat der „Gorilla“, wenn auch sein hauchdünner, vielleicht durch Fan-Unterstützung angepeitschter Punktsieg über fünf Runden außerhalb seiner Heimatstadt sehr kontrovers diskutiert wurde. 

Fakt ist: Trotz verpasstem Gewichtslimit und sehr ausgeglichenem Kampf hat Till die Nummer eins der Weltergewichts-Rangliste besiegt. Theoretisch müsste er somit bald auf diesem Platz stehen. Till indes dürfte das alles mehr oder weniger egal sein, zumindest verkündete der 25-Jährige auf der Pressekonferenz nach dem Event, gegen jede Weltergewicht kämpfen zu wollen und einen Titelkampf ohnehin nicht zu verdienen.

Ungewohnte Worte für jemanden, der gerade den wichtigsten Sieg seiner Karriere geholt hat. Angesichts der aktuell etwas chaotischen Lage im Weltergewicht aber keine schlechte Einstellung, um Frust zu vermeiden. Tyron Woodley will im Sommer ins Octagon zurück, kurz davor duellieren sich noch Rafael dos Anjos und Colby Covington um den Interimstitel der Gewichtsklasse. Je nachdem, wie bald Till wieder kämpfen kann und will (sehr bald, sagt er), ließe sich eventuell sogar ein Titelkampf einschieben, bevor der zukünftige Interims-Meister seine Chance bekommt.

Ansonsten böte sich Kamaru Usman nach seinem Sieg gegen Demian Maia vergangene Woche an oder, stilistisch vielversprechender, ein Kampf gegen K.o.-Schläger Santiago Ponzinibbio, sobald dieser wieder fit ist. Der Sieger dieses Kampfes wäre ein spektakulärer Kämpfer, der sich einen Titelkampf verdient hätte – keine schlechten Aussichten für die UFC, oder zumindest bessere als ein vergleichsweise unspektakulärer Ringer vom Schlage Usmans. Letztlich gilt inmitten all des Chaos: Es gibt aktuell schlimmeres, als Darren Till zu sein. Nächster Gegner: Santiago Ponzinibbio

Neil Magny

Neil Magny brauchte einen ungefährdeten, schnellen Sieg, um seine Position in der Top Ten des Weltergewichts zu halten, und genau das tat er am Sonntag mit seinem Erstrunden-T.K.o. gegen Craig White. Der war kurzfristig für den verletzten Gunnar Nelson eingesprungen und hätte mit einem Sieg gleich die Top Ten knacken können. Das wusste Magny zu verhindern.

Der Veteran schickte den Debütanten mit einem Kniestoß zu Boden und beendete den Kampf dort mit Groundandpound. In der Rangliste wird dieser Pflichtsieg den auf Rang neun gesetzten Magny nicht nach oben schieben, das muss er aber auch gar nicht unbedingt. Denn Magnys Wunschgegner ist ohnehin noch halbwegs in Reichweite seiner aktuellen Position: Kamaru Usman soll es sein.

Der hatte erst eine Woche zuvor Demian Maia dominant nach Punkten bezwungen und findet sich momentan auf Rang fünf wieder. Angesichts des anstehenden Interims-Titelkampfes zwischen Rafael dos Anjos und Colby Covington sowie anderer Top-Weltergewichte mit Auge auf den Titel aber könnte der Weg zum Gürtel für den meist über die Punkte gehenden Usman länger sein als für manch anderen. Gegen Magny bekäme er eine weitere Chance, mit einem Statement-Sieg zu zeigen, warum er ums Gold kämpfen sollte. Nächster Gegner: Kamaru Usman

Tom Breese

Nach fast zwei Jahren Pause kehrte Ex-Weltergewicht Tom Breese in Liverpool als Mittelgewicht ins Octagon zurück und demonstrierte eindrucksvoll, warum er einst als eines der besten Talente der 77-Kilo-Klasse der UFC galt. In seinem Erstrunden-T.K.o. gegen den Veteranen Dan Kelly zeigte Breese imposante Athletik, effiziente Technik und ein Auge für den richtigen Moment.

Breese tastete ab, testete und leitete dann mithilfe eines Aufwärtshakens das Kampfende ein. Nach zwei Jahren in Kanada glücklich zurück zu Hause und ohne den massiven Gewichtscut bis 77 Kilo könnte der noch immer erst 26-jährige 1,91-Meter-Mann im Mittelgewicht für Furore sorgen.

Zwei weitere Kämpfe will er idealerweise dieses Jahr noch bestreiten. Mit diesem Sieg gegen den zwischenzeitlich in der Top 15 ansässigen Kelly dürfte Breese sich in den Dunstkreis dieses elitären Zirkels vorgearbeitet haben. Mit ein oder zwei weiteren Siegen könnte er die Grenze zu den besten 15 knacken, bis dahin kann es nicht schaden, sich mit Kämpfen gegen möglichst bekannte Namen außerhalb der Spitze bekannter zu machen. Nächster Gegner: Tim Boetsch