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GnP-Prognosen für UFC 180

UFC 180

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 180 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben (stellv.) GnP-Chefredakteur Elias Stefanescu und die MMA-Redakteure Alexander Petzel-Gligorea, Florian Sädler und Tim Romanus ihre Prognosen ab.

Mark Hunt (10-8-1 MMA, 5-2-1 UFC) vs. Fabricio Werdum (18-5-1 MMA, 6-2 UFC)

Elias: Im Stehen ist Mark Hunt klarer Favorit, allerdings ist Fabricio Werdum niemals zu unterschätzen. Die Taktik des Brasilianers muss es sein, den Neuseeländer auf die Matte bringen zu können, um dort die Submission zu finden. Hunt hingegen muss die Begegnung auf den Beinen halten, um seinesgleichen von Erfolg gekrönt zu werden. Ich glaube an die "Punchers Chance" für Hunt, allerdings denke ich, dass Werdum zu routiniert ist und so einen vorzeitigen Submission-Erfolg erzwingen kann.
Fabricio Werdum durch Submission in Runde 2

Alexander: So schön die Geschichte auch für Mark Hunt wäre, ich glaube nicht daran, dass er es schafft, mit Werdum mitzuhalten. Werdum ist schon längst nicht mehr der eindimensionale Grappler früherer Tage, der von dos Santos problemlos ausgeknockt wurde. Mittlerweile hat er sich ein ordentliches Arsenal an Techniken angeeignet und auch wenn ich keinen K.o.-Sieg für den Brasilianer kommen sehe, so wird er den Kampf vorzeitig gewinnen. Hunts Kondition ist nicht die beste, dass er jetzt mit wenig Vorbereitungszeit auf eine solch dünne Luft wie in Mexiko trifft, wird ihm nicht helfen. Hunt wird in der zweiten Runde ausgepowert sein, dann wird ihn Werdum entweder von außen auseinander nehmen, oder über den Thay Clinch auf die Matte zwingen und dort zur Aufgabe bringen.
Fabricio Werdum durch Submission in Runde 3

Florian: Ich würde liebend gerne auf Hunt setzen und glaube nicht, dass er komplett chancenlos ist, allerdings sprechen in dieser speziellen Situation einfach zu viele Faktoren gegen ihn. Persönliche Probleme, dünne Luft, wenig Training, harter Weight-Cut und ein stilistisch ohnehin schwieriger Gegner in der Form seines Lebens machen es schwierig, sich einen Sieg des "Super Samoan" vorzustellen. Sofern Werdum sich nicht unbedingt im Stand beweisen will und den Kampf länger als nötig auf den Beinen lässt oder Hunt gleich zu Beginn gut treffen kann, sehe ich ehrlich gesagt nicht viel Land für den ehemaligen K-1-Grand Prix-Sieger.
Fabricio Werdum durch Submission in Runde 3.


Tim:
Ich vermute, dass es dem Brasilianer gelingen wird Hunt im Stand weitestgehend zu neutralisieren, um diesen dann mithilfe seines starken Clinchgames zu Boden zu bringen. Auf der Matte, also in seiner Welt angekommen, wird er „The Super Samoan“ im späteren Verlauf des Kampfes zum Abklopfen zwingen können.
Fabricio Werdum durch Submission in Runde 3

Jake Ellenberger (29-8 MMA, 8-4 UFC) vs. Kelvin Gastelum (9-0 MMA, 4-0 UFC)

Elias: Jake Ellenberger hat defintiv alle Mittel, um diese Begegnung für sich zu entscheiden, allerdings scheiterte er in letzter Zeit des Öfteren an sich selbst. In den Countdown-Videos sprach er allerdings davon mental wieder auf der Höhe zu sein und durch das Training bei Ronda Rouseys Box-Coach Edmond Tarverdyan besser zu sein als je zuvor. Mit dieser Motivation kann es eigentlich nur bergauf gehen, doch ihm steht der ungeschlagene Kelvin Gastelum gegenüber. Dieser ist ein junger Wilder, der sich von Kampf zu Kampf steigern konnte. Hier wird die Tagesform entscheiden und ebenso die bessere Taktik. Ich glaube, dass Ellenberger seine Erfahrung ausspielen wird und so alles Nötige tun wird, um den Sieg einzutüten, allerdings nicht vorzeitig.
Jake Ellenberger
nach Punkten

Alexander:
Ich gebe zu, auch ich mache gerade den Fehler, Ellenberger massiv zu unterschätzen. Klar, er hat zuletzt zwei Mal richtig schlecht ausgesehen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass das gegen Robbie Lawler und Rory MacDonald war, also gegen die nächsten beiden Herausforderer auf den Titel. Gastelum ist noch (lange) nicht auf diesem Level, dürfte für den derzeitigen Ellenberger jedoch eine harte Herausforderung sein. Ellenberger tendiert dazu, sich mittlerweile zu sehr auf seine K.o.-Power zu verlassen und feuerte zu viele einzelne Hände ab, anstatt mit Kombinationen aktiv zu werden und den Gegenüber stärker unter Druck zu setzen. Das könnte gegen Gastelum verhängnisvoll ausgehen, denn der könnte Ellenberger über seine Geschwindigkeit das Wasser im Stand abgraben. Ich befürchte, Ellenberger wird erneut darauf hoffen, dass seine Power Shots ins Ziel kommen und währenddessen Gastelum die aktive Rolle im Stand überlassen. Da ich Ellenberger nicht via Knockout siegen sehe, wird es auf Kelvin Gastelum nach Punkten hinauslaufen.
Kelvin Gastelum nach Punkten

Florian: Für mich ist dieser Kampf völlig offen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil man sich bei Jake Ellenberger nie sicher sein kann, welche Version seiner selbst im Käfig auflaufen wird. Ich denke, dass Gastelum die Mittel hat, auch seinen fünften Kampf in der UFC zu gewinnen, allerdings ist ein unter Erfolgsdruck stehender Ellenberger ein gefährlicher Kampf für ihn. Gastelum ist Kämpfer durch und durch, der Rückwärtsgang ist ihm weitgehend fremd, und das hätte ihn bereits gegen Rick Story beinahe den Kampf gekostet. In ihrem Kampf im März schien Gastelum nach einem harten Gegentreffer um jeden Preis selbst ein paar Hände landen zu wollen, was er beinahe mit einer K.o.-Niederlage bezahlt hätte - diese Situation mit Ellenberger statt Story hätte wohl weniger glimpflich geendet. Trotzdem gehe ich davon aus, dass Gastelum sich seitdem genug weiterentwickelt hat, um derartige Gefahrenzonen weitestgehend zu vermeiden und sich durch konstanten Druck einen Punktsieg zu holen.
Kelvin Gastelum nach Punkten

Tim: In Jake Ellenbergers biederen Auftritten gegen Rory MacDonald und Robbie Lawler ließ dieser zuletzt all das vermissen, was ihn einst auszeichnete: Takedowns und knallharte Hände. Gegen den TUF-Gewinner Kelvin Gastelum, der sich seit seinem Gewinn  der Show hervorragend entwickelte und insbesondere im Stand mächtig zulegte, wird es mit einem ähnlich lethargischen Auftritt eine erneute Niederlage für den Ex-Marine setzen. Zwar sehe ich in Ellenberger keinen potenziellen Titelträger mehr, dennoch besitzt er die nötigen Fähigkeiten, um dem Youngster auf dessen Weg an die Spitze eine Niederlage beizubringen und den Abwärtstrend somit zu stoppen.
Jake Ellenberger nach Punkten

Ricardo Lamas (14-3 MMA, 5-1 UFC) vs. Dennis Bermudez (14-3 UFC, 7-1 UFC)

Elias: Ein spannendes Duell, bei dem beide Kontrahenten die Chance zum Erfolg haben, allerdings wird hier die Tagesform entscheiden. Dennis Bermudez schlägt sehr hart und wird mit Takedowns den Punktvorteil erarbeiten, sofern ihn Ricardo Lamas nicht vorher K.o. schlagen kann.
Dennis Bermudez nach Punkten

Alexander: Das Matchup spricht hier gegen Lamas. Bermudez besitzt mit die beste Takedown-Verteidigung im Federgewicht und ist im Stand einer der aktivsten Kämpfer. Das sind gleich zwei Probleme für Lamas, der sich ohne eigene Takedowns schwer tun wird, Bermudez auszupunkten. Allerdings glaube ich nicht, dass er sich wie Clay Guida so vorführen lassen wird. Wenn Lamas über den Infight den Kampf auf die Matte verlagern kann, kann er dort seine gefährlichen Attacken aus der Oberlage abfeuern. Bermudez, so stark und athletisch er auch ist, ist immer wieder für einen mentalen Lapsus gut und ich denke, dass Lamas, das zu seinem Vorteil ausnutzen wird, um einen knappen Punktsieg zu holen.
Ricardo Lamas nach Punkten

Florian: Dennis Bermudez sieht mit jedem Kampf besser aus, das Niveau des Gegners hat im Vergleich zu seinen bisherigen Herausforderungen aber gerade einen gewaltigen Sprung gemacht. Gegen einen Ricardo Lamas auf seinem Zenit könnten Dinge bitter bestraft werden, mit denen Bermudez gegen andere Kontrahenten davongekommen ist, und ich denke, dass das in der einen oder anderen Form am Samstag auch passieren wird. Bermudez hat sicherlich die Werkzeuge, um sich hier den größten Sieg seiner Karriere zu sichern, ich denke aber, dass Lamas oft genug Lücken in Bermudez Offensive finden wird, um mit Takedowns oder ein paar gut platzierten Händen zu kontern.
Ricardo Lamas nach Punkten

Tim: Für mich das Highlight des Abends und sowohl für die Kämpfer selbst als auch für die Federgewichtsklasse ein richtungweisendes Duell in Bezug auf einen kommenden Titelkampf. Dennis Bermudez, dessen Grundlage das Ringen ist, präsentierte sich zuletzt von Kampf zu Kampf stark verbessert. Im Stand neigt er jedoch oft zum wilden Schlagabtausch mit seinem Gegenüber, was in Kombination mit seinem oft als schwach bezeichneten Kinn gegen Ricardo Lamas ein Problem werden könnte. Lamas selbst ist zwar bei weitem kein so guter Ringer wie sein Gegenüber, bewegt sich allerdings in sämtlichen MMA-Aspekten auf einem insgesamt hohen Niveau. In einem auf dem Papier ausgeglichenem Duell sehe ich Bermudez knapp vorn.
Dennis Bermudez nach Punkten

Augusto Montano (13-1 MMA, 0-0 UFC) vs. Chris Heatherly (8-2 (1) MMA, 0-1 UFC)

Elias: Chris Heatherly wird seine Siegeschancen auf der Matte sehen, währen Augusto Montano auf der Suche nach dem Knock-out-Punch sein wird. Beides kann passieren, allerdings gehe ich davon aus, dass Heatherly die Begegnung durch Bodenkontrolle für sich entscheiden wird.
Chris Heatherly nach Punkten

Alexander: Chris Heatherly gegen Augusto Montano oder das gute alte "Ringer gegen Standkämpfer"-Duell. Heatherly ist in seinem bisherigen UFC-Auftritt nur dadurch aufgefallen, dass er in einem Omoplata gegen Ben Saunders aufgegeben hat, Montano gibt sein Debüt. Der Mexikaner hat im Stand klar die Vorteile auf seiner Hand und auch, wenn er hier die große Unbekannte ist, so dürfte ihm das Training im Jackson-Winkeljohn-Camp genügend Schliff verliehen haben, Heatherly die einzige Stärke, die Takedowns, zu nehmen.
Augusto Montano via T.K.o. in Rd. 1

Florian:
Dieser Kampf scheint auf den ersten Blick das mexikanische Äquivalent der diversen Missmatches in Brasilien zu sein, in denen für den Brasilianer ein spektakulärer Sieg her soll - der Lokalmatador, der jeden seiner Siege vorzeitig beendet hat auf dem Hauptprogramm des ersten UFC-Events seines Heimatlandes gegen jemanden, der in seinem UFC-Debüt nach knapp zwei Minuten abgeklopft hat. Tatsächlich dürfte diese Ansetzung einen Test für Montano darstellen - wie geht er dem Druck und der Aufmerksamkeit sowie einem Gegner mit Stärken im Ringen um? Sofern Heatherly ihn nicht gleich zu Beginn runterbekommt und schnell Schaden anrichten kann, denke ich, dass Montano seinen Test mit möglicherweise spektakulärem Ausgang bestehen wird.
Augusto Montano via (T.)K.o. in Rd. 2

Tim: Im Aufeinandertreffen zweier weiterer relativ unbekannter Athleten wird es meiner Meinung nach darauf ankommen, ob es der Mexikaner Montano schafft den Kampf im Stand zu führen oder ob es Heatherly gelingen wird den Lokalmatadoren auf die Matte zu befördern. Im Stand sollte Montano, der viel und hart schlägt, Vorteile haben. Am Boden hingegen sehe ich den eindimensional wirkenden Amerikaner vorn. 50/50 also. Mein Tipp:
Punktsieg Augusto Montano

Edgar Garcia (14-3 MMA, 0-2 UFC) vs. Hector Urbina (16-8-1 MMA, 0-0 UFC)

Elias: Beide Kämpfer sind bekannt dafür, hart zuzuschlagen, allerdings wurde Hector Urbina des Öfteren ins Land der Träume befördert. Ich denke, dass Edgar Garcia das bessere Kinn hat und dadurch den vorzeitigen Sieg einfahren wird.
Edgar Garcia durch (T.)K.o. in Runde 3

Alexander: Edgar Garcia ist zurück in der UFC und trifft auf TUF-19-Teilnehmer Hector Urbina. Die Fans werden hier einen Brawl zu Beginn des Pay-Per-Views zu sehen bekommen und dabei sollte sich die Athletik und Erfahrung von Garcia durchsetzen. Urbina sollte auf die Matte die Vorteile haben, allerdings bezweifle ich, dass der Kampf dorthin verlagert wird.
Edgar Garcia via (T.)K.o. in Runde 1

Florian:
Die Intention der UFC scheint recht klar zu sein, die Zuschauer mit einem spektakulären Kampf auf den Rest des Programms einzustimmen. Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass Garcia und Urbina angesichts ihrer ungewohnt prestigeträchtigen Position auf dem Hauptprogramm eines UFC Pay-per-Views etwas vorsichtiger agieren als erwartet. Ob der Kampf nun in eine Schlägerei ausartet oder verhalten bleibt, Garcia sollte sich dank körperlicher und erfahrungsbedinger Vorteile zumindest in der Theorie den Sieg holen.
Edgar Garcia einstimmig nach Punkten.

Tim: Was beide Kontrahenten für die Maincard einer UFC-Großveranstaltung qualifiziert, erschließt sich mir nicht so recht. Garcia ist ein solider Ringer, der sein Heil zumeist in der Offensive sucht. Dabei verließ ihn bisher leider oft das Distanzgefühl und machte ihn anfällig für Konter. Sein Gegenüber, Hector Urbina, meidet den Schlagabtausch ebenfalls nicht, ging in seiner Karriere allerdings bereits fünf Mal K.o. Im Duell der beiden schlagstarken Kämpfer, sehe ich Garcia, der übrigens bereits seinen zweiten Anlauf in der UFC nimmt, vorn.
Edgar Garcia durch (T.)K.o. in Runde 2