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GnP-Prognosen für UFC 171

UFC 171

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 171 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben in einer kleineren Runde als gewohnt Jan Großöhmigen, Alexander Petzel-Gligorea und Elias Stefanescu ihre Prognosen ab.

Johny Hendricks (15-2 MMA, 12-2 UFC) vs. Robbie Lawler (22-9 (1) MMA, 7-3 UFC)

Jan: Johny Hendricks und Robbie Lawler produzieren Knock-outs wie am Fließband. Man liegt sicherlich nicht verkehrt, wenn man davon ausgeht, dass ihr Kampf vorzeitig enden wird. Ich hingegen tippe darauf, dass er über die vollen fünf Runden geht, denn ihre Nehmerqualitäten und ihr Kämpferherz sind genauso groß wie ihre Schlagkraft. Ursprünglich sah ich Hendricks als großen Favoriten, doch dann patzte er beim Wiegen und ich änderte meinen Tipp in Lawler. Doch nachdem ich die meiner Ansicht nach plausible Erklärung von Hendricks‘ Trainer für den Patzer seines Schützlings gehört habe, bin ich wieder zu Hendricks umgeschwenkt. Lawler ist im Stand technisch besser und auch offensiv vielseitiger, Hendricks vornehmlich ein Freund von Boxtechniken und Lowkicks. Bei all dem Gerede um Hendricks‘ Dampfhammer darf man nicht vergessen, dass er einer der besten Ringer in der UFC ist – und ringerische Defensive ist seit jeher Lawlers Achillesferse. Sollte Hendricks, wovon ich nun ausgehe, doch nicht so geschwächt vom Wiegen sein, tippe ich, dass er Lawler nicht nur im Stand bekämpfen wird, sondern auch immer wieder Takedowns einstreut. Sofern er nicht konditionell einbricht, sollte ihm das den nötigen Vorsprung auf den Zetteln der Punktrichter einbringen. Johny Hendricks nach Punkten

Elias: Beide Athleten sind als echte Haudegen bekannt. Hier kann jeder Schlag die Begegnung entscheiden. Lawler präsentiert sich gern offener als Hendricks und ist auf Konterattacken aus, während Hendricks selbst auf seinen Mundschutz beißt und wild um sich schwingt. Nachdem Hendricks auf der Waage Probleme hatte, muss man abwarten, ob seine Kondition über mögliche fünf Runden hält. Der Weg zum Ziel ist der Mix aus Boxen und Takedowns - und dort halte ich Hendricks für stärker. Ein K.o. ist auf beiden Seiten drin und ich sehe Hendricks als vermeintlichen Favoriten, doch ich riskiere eine Wette auf den Außenseiter. Robbie Lawler via T.K.o. in Runde 3

Alexander: Das gestrige Wiegen hat mich schon ein wenig stutzig gemacht. Ich glaube immer noch, dass Johny Hendricks den Kampf gewinnen wird, aber Robbie Lawlers Chancen wachsen mit jeder Minute, die er im Käfig hinter sich bringt. Hendricks wird körperlich nicht komplett fit in den Kampf gehen und verliert viel Luft, wenn er ringt. Das muss er gegen Lawler aber, denn im Stand macht "Ruthless" so schnell keiner was vor. Zweifel an der Favoritenrolle Hendricks sind also berechtigt. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass er sich zum neuen Champion krönen wird. Hendricks ist im Stand gut genug, um nicht K.o. zu gehen und ringerisch deutlich besser. Im Gegensatz zu Rory MacDonald wird Hendricks nach dem Takedown nicht einfach da liegen und abwarten, was passiert. Hendricks' Ground and Pound wird meiner Meinung nach der Schlüssel zum Sieg sein. Wenn er oft genug durchkommt, wird er Robbie Lawler damit dazu bringen, dass dieser seine Position soweit vergisst, dass er sich zur Aufgabe bringen lässt. Johny Hendricks via Submission in Runde 4

Carlos Condit (29-7 MMA, 6-3 UFC) vs. Tyron Woodley (12-2 MMA, 2-1 UFC)

Jan: Carlos Condit hat seit jeher Schwierigkeiten mit kraftvollen Ringern, und genau zu dieser Sorte gehört Tyron Woodley. Sicherlich ist Condit aus der Guard heraus sehr aktiv und er ist mittlerweile ganz gut darin, wieder vom Boden aufzustehen. Aber jedes Mal, wenn ein Gegner ihn zu Boden bringen will, bringt er ihn zu Boden. In einem drei Runden langen Kampf reicht es Woodley schon zum Sieg, wenn er in zwei Runden eine ringerisch geprägte Taktik verfolgt. Woodley hat zwar große Schlagkraft, aber Condits Offensivarsenal ist so gewaltig, dass er im Stand nicht lange bestehen wird. Er wäre also gut beraten, häufig den Bodenkampf zu suchen, und dank Condits mangelnder ringerischer Defensive wird Woodley das auch die meiste Zeit über gelingen. Tyron Woodley nach Punkten

Elias: Woodley ist der explosivere Kämpfer und hat den entscheidenden Vorteil im Ringen. Sollte Condit nicht signifkante Treffer setzen können, wird Woodley die Begegnung immer wieder auf die Matte verlagern und so nach Punkten gewinnen. Tyron Woodley nach Punkten

Alexander: Viele rechnen Woodley gute Chancen in diesem Duell aus. Mich überzeugt die Argumentation jedoch nicht ganz. Condit hat, abgesehen vom Ringen, alle Trümpfe in der Hand und ist defensiv gut genug, die meisten Takedowns abzuwehren oder zumindest oft genug zu bestrafen. Ich denke auch, dass Woodley zu viel Kraft in der ersten Runde lassen wird und tippe daher darauf, dass Condit ihn drei Runden lang auf Distanz hält und auspunktet. Carlos Condit nach Punkten

Myles Jury (13-0 MMA, 4-0 UFC) vs. Diego Sanchez (24-6 MMA, 13-6 UFC)

Jan: Diego Sanchez ist der Liebling der Punktrichter, und das könnte ihm auch gegen Myles Jury wieder zugutekommen. Sanchez ist kein besonders guter Standkämpfer, aber er ist aggressiv und aktiv. Dass er dabei meist nur Luft trifft, spielt für die Punktrichter anscheinend keine Rolle, sie mögen es einfach, wenn jemand nach vorne geht. Jury ist technisch deutlich besser als Sanchez, aber er wählt seine Angriffsmomente mit Bedacht aus und wird daher als weniger aktiv angesehen. Ringerisch sehe ich Jury vorne – Sanchez wird als Ringer überschätzt, Jury unterschätzt. Ich vermute, dass Jury wie gegen Ricci häufig den Bodenkampf suchen wird, wo er insbesondere aus der Oberlage sehr gefährlich ist. Jury wird voraussichtlich alle drei Runden gewinnen, aber da die Punktrichter in Texas nicht gerade zu den fähigsten Offiziellen gehören, erwartet uns sicherlich eine Split Decision. Myles Jury nach Punkten

Elias: Sanchez sprach davon, sein Kickboxen extrem verbessert zu haben, durch sein Yoga-Programm ein entspannterer Athlet geworden zu sein und ebenso was die Beinarbeit angeht. Wenn das stimmen sollte, wird er taktischer vorgehen als in der Vergangenheit. Falls nicht, wird ihn Jury auskontern und dem Duell seinen technischen Stempel aufdrücken. Falls Sanchez auch im Ringen aufgeholt hat, gewinnt er das Duell. Diego Sanchez nach Punkten

Alexander: Diese Ansetzung kommt meiner Meinung nach zu früh für Myles Jury. Er ist ein großes Talent und im Stand sehr effektiv, aber ob er jetzt schon mit einem Kämpfer wie Diego Sanchez klar kommt, bezweifle ich ehrlich gesagt. Sanchez macht drei Runden lang Druck und wird alleine dadurch die eine oder andere Runde bei den Punktrichtern gewinnen, egal wie effizient er dabei ist. Jury muss sich also, wenn er im Stand nicht genügend Treffer setzt, auf sein Ringen verlassen und dort sehe ich ihn heute Nacht scheitern. Sanchez' permanenter Vorwärtsgang und seine Erfahrung auf dem Boden werden zu viel sein für Jury. Diego Sanchez nach Punkten

Hector Lombard (33–4–1 (1) MMA, 2-2 UFC) vs. Jake Shields (29–6–1 (1) MMA, 4-2 (1) UFC)

Jan: Hector Lombards Kämpfe in der UFC sind wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt. Zweimal schlug er seine Gegner in wenigen Minuten K.o., zweimal war er so dermaßen inaktiv, dass es ihn den Sieg kostete. Jake Shields ist ein Kämpfer, der seine Gegner sehr schlecht aussehen lassen kann, auch im Stand. Er hat eine hohe Schlagrate, aber hinter seinen Schlägen steckt kaum Power. Er kontrolliert seine Gegner gut im Clinch, seine Takedowns waren 2013 jedoch katastrophal. Gegen Maia und Woodley gelang ihm bei 30 Versuchen nur ein einziges Takedown. Lombard hat eine stabile Basis und ist schwer zu Boden zu bringen. Ich sehe den Kampfverlauf so – falls Lombard nicht wieder einfriert wie gegen Okami und Boetsch: Lombard sucht mit harten Schwingern den K.o., Shields clincht viel und presst ihn gegen den Käfig, ohne dass ihm ein Takedown gelingt. Es wird, wie die letzten beiden Kämpfe von Shields, sehr knapp, aber dieses Mal sehen ihn die Punktrichter nicht vorne. Hector Lombard nach Punkten

Elias: Lombard kündigte an, den "langweiligen" Shields K.o. zu schlagen. Durch seinen starken Judo-Hintergrund wird er die Takedownversuche des Amerikaners abblocken können. Shields' einzige Möglichkeit, das Duell zu entscheiden wäre auf dem Boden. Kann er die Begegnung nicht dahin verlagern, droht ihm eine brutale Niederlage durch Knock-out. Hector Lombard via K.o. in Runde 1

Alexander: Ein interessantes Matchup zweier Ex-Champions. Über die Stärken und Schwächen der beiden wurde schon genug geschrieben, aber ich denke, dass jeder weiß, dass Jake Shields keine Scheu hat, den Kampf zäh werden zu lassen. Ich denke, dass Shields hier über den Clinch und die Takedowns den Kampf bestimmen kann. Lombard lässt sich recht leicht frustrieren, wenn Plan A mal nicht klappt und Shields ist dahingehend gnadenlos. Zudem wissen wir immer noch nicht, wie gut Lombards Cardio im Weltergewicht ist, nachdem sein Debüt in der Gewichtsklasse keine zwei Minuten lief. Alles Faktoren, die für den Strikeforce-Champion sprechen, dem ich hier den Sieg zutraue. Jake Shields nach Punkten

Nikita Krylov (16-3 MMA, 1-1 UFC) vs. Ovince St. Preux (14-5 MMA, 2-0 UFC)

Jan: Ovince St. Preux kann von allem etwas, aber es gibt keine Disziplin, in der er besonders heraussticht. Gegenüber Nikita Krylov hat er deutlich mehr Erfahrung was Kämpfe – und auch Siege – über harte Gegner angeht. Krylov kann einen Kampf sowohl im Stand als auch auf dem Boden beenden, ist aber ringerisch weder offensiv noch defensiv so richtig stark. Ich vermute, St. Preux wird eine Kontrolltaktik verfolgen und Krylov entweder im Clinch am Käfig oder auf dem Boden zermürben. Krylovs beste Chancen liegen im Stand, da St. Preux oftmals sehr zögerlich beginnt und unter Druck schnell einbricht. Wenn Krylov von Beginn an Gas gibt, kann er St. Preux im Stand überrennen – dass er K.o.-Power hat, hat er in seiner Karriere schon mehrfach bewiesen. Ovince St. Preux nach Punkten

Elias: Ovince St. Preux ist der bessere Allrounder, der die Begegnung nach eigenen Wünschen gestalten kann. Der Vorteil im Ringen wird entscheidend sein. Sollte Krylov im Stand gefährlich werden, wird der Amerikaner ihn auf die Matte befördern. Dessen einzige Chance besteht meiner Meinung nach im Stand. Wenn Krylov hart trifft, kann er den Erfolg eintüten, falls nicht, wird es eng. St. Preux wird jedoch das Nötige tun, um den Ukrainer niederzuringen und so am Ende den Sieg zu ergattern. Ovince St. Preux nach Punkten

Alexander: Kein Kampf, auf den ich mich wirklich freue. Krylov ist im Stand offen wie ein Scheunentor, St. Preux wird hier kurzen Prozess machen. Ovince St. Preux via T.K.o. in Rd. 1