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GnP-Prognosen für UFC 170

UFC 170

Herzlich Willkommen zur neuesten Ausgabe unserer hauseigenen Expertentipprunde. Dieses Mal werden wir für UFC 170 einen Blick in unsere Kristallkugeln werfen und unsere Einschätzungen zu den fünf Hauptkämpfen abgeben.

Für die Veranstaltung am heutigen Samstag geben GnP-Chefredakteur Jan Großöhmigen und die MMA-Redakteure Alexander Petzel-Gligorea, Florian Sädler und Elias Stefanescu ihre Prognosen ab.

Ronda Rousey (8-0 MMA, 2-0 UFC) vs. Sara McMann (7-0 MMA, 1-0 UFC)

Jan: Sara McMann hat genau zwei Möglichkeiten, diesen Kampf zu gewinnen: Ronda Rousey fünf Runden lang auf der Matte kontrollieren (aka Lay & Pray) oder den Kampf im Stand halten und darauf hoffen, dass die Punktrichter ihr drei von fünf Runden zuschieben. Beides halte ich für höchst unwahrscheinlich. Shayna Baszler hatte sie bei ihrem Kampf mehrfach in eng sitzenden Aufgabegriffen gefangen und am Ende einer Runde sogar niedergeschlagen und beinahe mit Ground and Pound abgefertigt, wäre ihr die Zeit dann nicht davongelaufen. Weshalb McMann den Kampf dennoch nach Punkten gewann, ist mir bis heute ein Rätsel. McManns Fähigkeiten im Standkampf sind maximal so gut wie die von Rousey, eher aber unterentwickelter. Vorteile hat sie dort auf keinen Fall. Und fünf Runden auf der Matte gegen eine Olympia-Dritte im Judo sind eine lange Zeit, um nicht zur Aufgabe gezwungen zu werden. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass Rousey McMann wirft oder mit einem Guardpull auf die Matte zerrt und dann sweept. Da ich für McMann keinen realistischen Weg zum Sieg sehe, tippe ich darauf, dass Rousey ungeschlagen bleibt. Ronda Rousey via Aufgabe in Runde 2

Elias: Wenn eine weltklasse Ringerin die Takedowns von Rousey nicht stoppen kann, wer sonst? Ich bin gespannt, ob dies McMann gelingt, die im Standkampf überzeugen muss, sonst wird es schwer mit einem Sieg. Normalerweise boxt die Amerikanerin eifrig mit und sorgt dann im Bodenkampf im Guard für hartes Ground and Pound. Ob dies gegen Rousey gelingt, bleibt abzuwarten, schließlich wartet dieses eigentlich nur darauf einen Arm erwischen zu können. Zuletzt gab sie auch zu Wort, im Stehen überragend zu sein (GnP berichtete). Der Bodenkampf von McMann hat einige Lücken, die Rousey ausnutzen kann. Ich sehe die Championess als Favoritin in diesem Duell der ungeschlagenen MMA-Kämpferinnen. Ronda Rousey via Aufgabe in Runde 2

Florian: Ich finde das Matchup zwischen Rousey und McMann interessant, glaube aber, dass es für McMann zu einem schlechten Zeitpunkt kommt. Die Olympia-Zweite hat seit fast einem Jahr nicht mehr gekämpft und ist in ihrer bisherigen Karriere ohnehin gegen wenige hochklassige Gegnerinnen angetreten. Andererseits steht McMann gerade in einer ähnlichen Position wie Chris Weidman im letzten Sommer - ungeschlagenes Talent mit beeindruckendem Ringer-Hintergrund trifft nach längerer Pause auf scheinbar übermächtigen Champion. Wer weiß, die Geschichte wiederholt sich generell gerne, allerdings gehe ich in diesem Fall nicht davon aus. Ronda Rousey via Aufgabe in Runde 2

Alexander: Sara McMann dürfte mit ihrem Ringerhintergrund und ihrer Erfahrung im No-Gi Grappling stark genug sein, sich nicht sofort von Ronda Rousey zur Aufgabe bringen zu lassen. Darüber hinaus habe ich leider wenig Hoffnung für sie. Ronda Rousey ist momentan athletisch einfach eine Klasse über allen anderen Frauen in der UFC und das wird sie auch heute Nacht wieder unter Beweis stellen. Zwar wird es erneut kein Erstrundensieg, aber an ihrer Titelverteidigung gibt es für mich keinen Zweifel. Rousey hat gegenüber McMann Vorteile im Stand und ist dermaßen aggressiv auf der Matte, dass McMann früher oder später einen Fehler machen wird. Ronda Rousey via Aufgabe in Runde 4

Kai: Ich freue mich auf den Kampf. Diese Begegnung wird zeigen, ob das Frauen-MMA den richtigen Durchbruch schaffen kann. Rousey weiß nach der Titelverteidigung gegen Miesha Tate nun, dass ein Kampf länger, als eine Runde gehen kann. Deswegen glaube ich, dass die beiden sich gegenseitig abtasten werden. Beide kennen die Stärken ihrer Gegnerin. Ich glaube, dass durch die möglicherweise vorsichtige Herangehensweise der Kämpferinnen das Duell über die volle Distanz gehen wird. Ronda Rousey nach Punkten

Daniel Cormier (13-0 MMA, 2-0 UFC) vs. Patrick Cummins (4-0 MMA, 0-0 UFC)

Jan: Selbst wenn Patrick Cummins ein dreimonatiges Trainingslager hinter sich hätte, sehe ich keine Möglichkeit, wie er Daniel Cormier mit lauteren Mitteln besiegen könnte. Es gibt absolut keinen Bereich, in dem er Cormier überlegen ist – nein, es gibt absolut keinen Bereich, in dem er nur ansatzweise gleichwertig mit Cormier ist. Sicher, im MMA-Sport kann alles passieren, aber auf dieser alten Weisheit kann man keinen Tipp aufbauen. Cormier ist in allen Aspekten des MMA-Sports deutlich besser als Cummins und es stellt sich letzten Endes nur die Frage, ob er Cummins vorzeitig besiegen wird, und wenn ja, auf welche Art und Weise. Daniel Cormier via T.K.o. in Runde 2

Elias: Daniel Cormier trifft hier auf einen Ersatzgegner, der seine Chance nutzt. Zwar wird Patrick Cummins ambitioniert ins Octagon steigen, jedoch ist Cormier eine Klasse zu groß - besonders bei der kurzen Vorbereitungszeit. Daniel Cormier via T.K.o. in Runde 1

Florian: Patrick Cummins hat als gefeuerte Coffee Shop-Aushilfe weitaus größeres Potential für eine perfekte Rocky-Story als Ilir Latifi im letzten Jahr, abgesehen davon rechne ich ihm gegen einen weitaus bekannteren Gegner aber kaum mehr Chancen ein als seinem schwedischen Kollegen. Cummins hat die Voraussetzungen, um ein erfolgreicher Kämpfer zu werden, ein Cormier dürfte aber noch ein ganzes Stück zu früh für ihn kommen - auch wenn er "DC" schon vor zehn Jahren beim Ringen zum Weinen gebracht hat. Daniel Cormier via T.K.o. in Runde 2

Alexander: Über diese Ansetzung habe ich mich im GnP Radio genug ausgelassen. Daher beschränke ich mich hier auf den Kampf. Ich sehe einfach keine Chance für Cormier. Sein Ringen ist vom technischen Standpunkt her vielleicht auf dem Niveau von Cormier, aber Ringen und MMA sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Cormier den Weight Cut gut verdaut hat, wird er Cummins bereits in der ersten Runde ausknocken. Daniel Cormier via K.o. in Runde 1

Kai: Ich denke, dass Cummins kein Gegner für Cormier sein wird. Die Fähigkeiten eines D.C sind besser, weil er regelmäßig kämpfte und absolut in der Vorbereitung zu einem Kampf war. Cummins hingegen hatte nur knapp zwei Wochen um sich vorzubereiten. Der Zeitmangel wird den Ausschlag geben. Ich denke, dass Cummins nur ein großes Mundwerk hat und auf Grund von seiner Stärke als Entertainer von der UFC verpflichtet wurde. Daniel Cormier durch T.K.o. in Runde 1

Rory MacDonald (15-2 MMA, 6-2 UFC) vs. Demian Maia (18-5 MMA, 13-5 UFC)

Jan: Gegen Demian Maia hat Rory MacDonald, wie so oft, einen erheblichen Reichweitenvorteil. Dass er es versteht, diesen clever auszunutzen, hat sich in seinen vergangenen Kämpfen häufig gezeigt – sehr zum Unmut seiner Vorgesetzten und mancher Fans. Doch gegen Maia tut er gut daran, die Distanz zu wahren, denn der Brasilianer erzielt seine Takedowns bevorzugt aus dem Clinch, beispielsweise mit Trips oder auch Würfen aus dem griechisch-römischen Ringen. Maia greift auf der Matte bevorzugt aus der Oberlage an – um MacDonald gefährlich zu werden, muss er ihn also aktiv werfen und kann nicht darauf hoffen, dass MacDonald selbst zum Takedown ansetzt, um sein starkes Ground and Pound einzusetzen. Ich denke, dass MacDonald es gelingen wird, Maia im Stand auf Distanz zu halten und über drei Runden auszupunkten. Rory MacDonald nach Punkten

Elias: Wenn Maia den Kampf nicht auf die Matte bekommt, wird MacDonald das Heft an sich reißen. Zu explosiv ist der Kanadier, der ebenfalls körperlich überlegen sein wird. Maia hingegen wird auf seine Chance lauern, sofern MacDonald die Puste ausgeht, um sein BJJ-Können anzuwenden. Sollte dies nicht geschehen, dominiert MacDonald im Stehen. Rory MacDonald nach Punkten

Florian: Maia sah im Weltergewicht bisher die meiste Zeit über extrem stark aus, MacDonald dürfte aber ein schlechtes Matchup für den BJJ-Experten sein. Maia sollte nur auf dem Boden einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Kanadier haben, der dort aber ebenfalls nicht zu verachten ist. Im Stand dagegen ist "Ares" weitaus explosiver, dynamischer und technischer, sodass Maia wohl auf den Beinen dominiert wird, sofern er MacDonald nicht von Anfang an wiederholt auf die Matte bekommt. Rory MacDonald nach Punkten

Alexander: Kein Kampf, auf den ich mich freue. So gern ich Demian Maia gewinnen sehen würde, ich glaube nicht daran. Rory MacDonald wird ihn drei Runden lang mit dem Jab auf Distanz halten, die Fans werden buhen, Dana White wird anschließend Kritik äußern. Same ol', same ol'. Rory MacDonald nach Punkten

Kai: Der erste Kampf im Hauptprogramm, der für mich interessant ist. MacDonald will zeigen, dass er von GSP gelernt hat, einen Kampf richtig anzugehen. Maia will seine umstrittene Niederlage vergessen machen. Wenn der Kampf zu Boden geht, wird er interessant, weil beide einen schwarzen Gürtel im BJJ haben und um ihre Stärke auf der Matte wissen. Maia kann man nur sehr schwer unten halten. Ihn hingegen kommen lassen, ist zu gefährlich, da er über eine gute Schlagkraft verfügt. MacDonald muss seinen Reichweiten Vorteil richtig einsetzen, dann kann er den Kampf gewinnen und zeigen, dass er zu Recht als Nummer 4 in der UFC Rangliste geführt wird. Rory MacDonald nach Punkten


Mike Pyle (25-9-1 MMA, 8-4 UFC) vs. TJ Waldburger (16-8 MMA, 4-3 UFC)

Jan: Für TJ Waldburger ist der Standkampf nur ein Mittel zum Zweck, um die Distanz zu überbrücken und ein Takedown ausführen zu können. Größtenteils schwingt er nur wild umher, was einem technisch ausgereifteren Standkämpfer wie Mike Pyle die Möglichkeit gibt, ihn mit sauberen Kombinationen auszuboxen. Waldburger hat auf dem Boden leichte Vorteile, was den Angriff mit Aufgabegriffen angeht, sodass ich davon ausgehe, dass er den Bodenkampf suchen wird. Im Ringen sind beide Kämpfer offensiv nicht so großartig, Pyle jedoch zumindest in der Defensive sehr stark. Ich denke, er wird Waldburgers Takedownversuche abwehren, in früher oder später niederschlagen und dann mit Ground and Pound den Kampf beenden. Mike Pyle via T.K.o. in Runde 2

Elias: Mike Pyle hat einiges drauf, doch bereitet ihm sein Hirn so einige Probleme. Der Amerikaner kann oftmals das Können aus dem Gym nicht ins Octagon bringen, wie er des Öfteren bemängelte. Sollte er sich im Griff haben, kann ihm ein Sieg gegen Waldburger gelingen. Dieser tritt seinerseits nicht zum Verlieren an und wird alles geben, um Pyle zu überrennen. Mike Pyle via Aufgabe in Runde 2

Florian: Mike Pyle, laut dessen letztem Gegner (Matt Brown) einer der besten Kämpfer der Welt, solange er im Gym ist, hat ein Problem - er verliert in der ersten Runde, wenn er gegen Top-Kämpfer antritt. TJ Waldburger ist ein solider Kämpfer und hat am Boden eines drauf, leider ist sein Kinn schlicht zu zerbrechlich für eine langfristig erfolgreiche Karriere auf dem höchsten Level. Pyle währenddessen scheint in seinen späten 30ern noch versteckte K.o.-Power entdeckt zu haben und dürfte sich am Samstag mit einem weiteren vorzeitigen Sieg zurück auf Spur bringen. Mike Pyle via T.K.o. in Runde 2

Alexander: Die UFC hält große Stücke auf TJ Waldburger, sonst würde er nach seiner klaren Niederlage gegen Adlan Amagov nicht im Hauptprogramm des Pay-Per-Views stehen. Allerdings ist Waldburger immer noch ein recht eindimensionaler Kämpfer und gegen einen Allrounder wie Pyle, der weiß, wie er seine Schwächen kaschieren kann wird es schwer werden für den 26-Jährigen. Pyle ist einer der Kämpfer, der keine herausragenden Stärken hat, aber auch keine wirklichen Schwächen. Er wird seine Erfahrung ausspielen, sich nicht zur Aufgabe bringen lassen und am Ende einen Punktsieg einfahren. Mike Pyle nach Punkten

Kai: Hier treffen zwei MMA-Generationen aufeinander. Das wird spannend. Ich denke, dass Pyle versuchen wird, seine Erfahrung auszuspielen. Aber ich glaube nicht, dass es gelingen wird. Waldburger wird ihn auspunkten. TJ Waldburger nach Punkten

Robert Whittaker (11-3 MMA, 2-1 UFC) vs. Stephen Thompson (8-1 MMA, 3-1 UFC)

Jan: Robert Whittaker und Stephen Thompson sind zwei sehr gute Standkämpfer, wobei Whittaker verstärkt auf Boxtechniken setzt, während Thompson mit seinen Kicks, die größtenteils aus dem Karate stammen, etwas unberechenbarer und vielseitiger ist. Hinzu kommt, dass er im Stand weitaus aktiver ist als Whittaker, er also im Schnitt häufiger angreift und trifft. Wie im letzten Kampf gegen Court McGee zu sehen war, bekommt Whittaker Probleme, wenn sein Gegner zu viel Druck ausübt. Viel wird also davon abhängen, mit welcher Strategie Whittaker in den Kampf geht. Lässt er sich auf ein Duell im Stand ein oder nutzt er seine ringerische Überlegenheit, um Thompson mit seinem Ground and Pound zuzusetzen? Ich tippe auf letzteres und denke daher, dass Thompson zwar im Stand die besseren Akzente setzen wird, Whittaker sich jedoch mit Takedowns den nötigen Punktvorsprung auf den Zetteln der Punktrichter sichern wird. Robert Whittaker nach Punkten

Elias: Ich rechne mit einem Standkampf, der erst in den späten Runden zu Boden gehen wird. Dies wird über die Punkte am Ende entscheiden. Thompson kommt mit viel Rückenwind in diese Partie, mit zwei Erfolgen in Folge, während Whittaker unter Druck steht. Das könnte den Unterschied ausmachen. Stephen Thompson nach Punkten

Florian: Dieser Kampf hat das Potential, dem restlichen Programm schon früh die Show zu stehlen. Whittaker ist ein junges, hungriges und stets unterhaltsames Talent, Thompson dagegen ein erfahrener Kickbox-Veteran. Ich gehe davon aus, dass sich dieses Duell anfangs noch ausgeglichen und explosiv abspielt, sich mit zunehmender Kampfzeit aber die Erfahrung und Abgebrühtheit Thompsons sich durchsetzen wird. Dank einem zähen Whittaker könnten die beiden sich hier außerdem den "Fight of the Night" sichern. Stephen Thompson nach Punkten

Alexander: Thompson und Whittaker werden den Fans einen schönen Standkampf liefern. Thompson ist derjenige, dem man lieber zusieht, da er immer für schöne Techniken gut ist, aber Whittaker wird solide Hausmannskost in den Käfig bringen und das könnte heute Nacht schon reichen. Whittaker wird sich auf das Nötigste beschränken und damit im Stand effektiver sein als Thompson. Robert Whittaker nach Punkten

Kai: Ich rechne, dass der Kampf komplett im Stehen bestritten wird. Wenn der Kampf auf der Matte geht, sehe ich Thompson vorne. Im Stand sind beide ausgeglichen. Allerdings besitzt Thomson einen großen Reichweiten Vorteil, der ihm im Kampf behilflich sein wird. Wenn er es schafft, Whittaker auf Distanz zu halten, wird er ihn auspunkten. Thompson nach Punkten