UFC News

Exklusiv-Interview mit UFC-Manager: Aktuell keine Pläne für TV-Vertrag in Deutschland

David Shaw (Foto: Florian Sädler)

David Shaw ist der Senior Vice President International and Content der UFC. Mit anderen Worten: Er ist sowohl für die internationale Expansion der Liga verantwortlich als auch dafür, dass die Kämpfe im Octagon in die ganze Welt hinausgesendet werden. Wir haben uns am Rande des Pressetages zur UFC Fight Night in Hamburg mit ihm zusammengesetzt, um über die UFC in Deutschland und das leidige Thema Übertragungsrechte zu sprechen.

GNP1.de: Herr Shaw, die UFC ist gerade zum sechsten Mal in Deutschland. Die am weitesten vorgreifende Frage zuerst: Wird das Octagon auch kommendes Jahr wieder in der Bundesrepublik aufgebaut werden?  

David Shaw: Wir wissen noch nicht, wo wir 2019 sein werden. Was wir wissen, ist aber, dass wir auch weiterhin in Deutschland veranstalten wollen. Ob das jedes Jahr sein wird oder alle zwei oder drei Jahre, können wir noch nicht sagen. Aber Deutschland hat unter den europäischen Märkten eine hohe Priorität für uns. Wir werden uns weiter auf die aufstrebenden (deutschen) Athleten fokussieren, ihnen gute Kämpfe beschaffen, sie vielleicht auch einmal nach Las Vegas ins Performance Institute bringen (das neu eröffnete Hauptquartier und Gym der UFC, d. Red.). Da gibt es eine Menge Chancen für die Kämpfer, wenn sie sich auf ihre Karriere in der UFC fokussieren. Wir werden als Unternehmen weiter in die europäischen Märkte investieren und Deutschland wird davon ebenfalls profitieren.

In Deutschland ist das leidige Thema in Sachen UFC seit Jahren die TV-Situation. Kürzlich lief der Deal mit ProSiebenSat1 aus, aktuell werden die Kämpfe auf dem Fight Pass und auf Facebook gezeigt. Bleibt das auf absehbare Zeit so?

In der absehbaren Zukunft, ja. Kurz gesagt haben wir in dieser Hinsicht gerade keine langfristigen Pläne parat, aber wir sind sehr glücklich mit der aktuellen Situation. Wir bekommen seit Langem Feedback von Fans bezüglich der Art, wie wir unser Produkt anbieten und uns war es wichtig, (in Deutschland) ein zuverlässigeres Produkt anzubieten. Wir wollen weder, dass nur ein oder zwei Kämpfe vom Hauptprogramms eines Events gezeigt werden, noch, dass es Probleme mit der Technik gibt. Wir sind sehr stolz auf den UFC Fight Pass und darauf, dass eine der, wenn nicht die größte Social-Media-Plattform der Welt uns darin unterstützt, unsere Live-Events in Deutschland zu zeigen und mit den Fans in Verbindung zu bleiben. Das Gute ist: Wir sind nicht in Eile. Wir wollen die beste Entscheidung treffen, die die meisten Vorteile für unsere Fans hier in Deutschland bietet. Wenn das ein paar Monate dauert, dann ist das okay.

Sie haben gerade schon die technischen Probleme angesprochen. Die Probleme mit ran Fighting haben viele Fans lange extrem frustriert – war das einer der Gründe, warum der Deal nicht verlängert wurde?

Wir hatten einfach das Gefühl, dass wir ein zuverlässigeres Produkt für unsere Fans brauchten. Wir haben sehr viel in unser eigenes Produkt investiert und natürlich ist Facebook technisch extrem versiert. Man darf nicht das Feedback der Fans einfordern und dann nicht zeigen, dass man darauf reagiert. Für uns ist das ein Weg, unsere Inhalte zuverlässig an die Fans zu bringen. Wir wollen an einen Punkt gelangen, an dem es für die Fans keinen Anlass für Beschwerden mehr gibt. Außerdem wollen wir nicht nur die bereits bestehende Fan-Gemeinde bedienen, sondern auch den Kreis der MMA-Fans an sich in Deutschland vergrößern. Wir haben ein paar gute Ideen für 2019 und später.

Die Fight Night in Hamburg kann auch über die Webseite der Bild, eine der größten Zeitungen Deutschlands, verfolgt werden. Werden solche Kooperationen zunehmen?

Das mit Bild passiert natürlich nicht zufällig, das ist Teil unserer Content-Distribution-Strategie. Wir wollen sicherstellen, dass wir so viele Wege wie möglich haben, um mit unseren Fans zu interagieren. Langfristig wollen wir mit Partnern arbeiten, die unseren Sport so gut wie möglich vermarkten. Die viel Engagement zeigen, auch eigene Inhalte zu erstellen, die deutsche und andere europäische Athleten vorstellen. Das alles wird in gegebener Zeit passieren. Speziell für diesen Event und für den Rest des Jahres sind wir aber schon ziemlich gut aufgestellt.

Was sind die großen Schwierigkeiten dabei, einen TV-Vertrag zu verhandeln?

Ich glaube tatsächlich nicht, dass es so kompliziert ist, einen TV-Deal zu bekommen. Ich meine, das kann es sein, wenn man es dazu macht. Ich denke aber, die Priorität ist, sich in die beste Position bringen, um Erfolg zu haben. Manchmal muss man sich auf seine eigenen technischen Möglichkeiten verlassen. Wir zeigen unser Produkt aktuell in 165 Ländern. Natürlich decken einige TV-Verträge mehrere Länder ab, aber sagen wir, wir haben weltweit 100 TV-Verträge. Wir werden recht gut darin, diese Verträge abzuschließen. Und jetzt als Teil der Endeavor-Familie (neue UFC-Eigentümer, d. Red.) ist es eine neue Erfolgssäule, dass wir Leute auf der ganzen Welt haben, Marketing-Leute, die die Dynamiken der jeweiligen Märkte verstehen. Die Beziehungen zu den Kanälen haben. Deswegen würde ich widersprechen und sagen, dass es nicht so kompliziert ist, einen TV-Deal zu bekommen. Aber wenn die beste Möglichkeit gerade nicht verfügbar ist, dann muss man zunächst andere Optionen wählen.

Wird es langfristig denn wieder dazu kommen, dass Fans alle UFC-Inhalte auf einer einzigen Plattform sehen können oder sind diese Zeiten vorbei? Auch für andere Sportarten braucht man heute ja mehrere Abos, um alles sehen zu können.

Das geht alles auf unseren Anspruch zurück, dass Fans sich mit uns auf diejenige Art verbinden können, die sie wählen. Nicht alle Fans haben einen Fernsehanschluss. Andere haben keinen Account bei Amazon oder Facebook. Deswegen ist es für uns wichtig, verschiedene Kanäle zu haben, und die letzten Jahre haben wir uns darauf konzentriert, diese verschiedenen Wege anbieten zu können. Das ist uns sehr wichtig. Die Makro-Trends der Medienwelt verändern sich auf der ganzen Welt – manche schneller als andere. Aber der Punkt ist: Wir sind 2018 in einer ganz anderen Situation als selbst 2015 oder 2014. Unsere Verantwortung ist, dass wir uns entlang der Geschmäcker unserer Fans verändern.

Also können die deutschen Fans ruhig schlafen, weil die UFC sie nicht vergessen wird.

Zu hundert Prozent. Absolut.

Herr Shaw, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Natürlich, immer gerne.