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Diaz, McGregor, Rumble, Cowboy: die echte UFC 200?

Auch ohne Titel bedeutsam: Nate Diaz vs. Conor McGregor 2 (Foto: Zuffa LLC).

Von allen Blockbustern und lang erwarteten Mega-Kämpfen ist es ausgerechnet eine elf Tage vorher zusammengeschusterte Notlösung, die die MMA-Gemeinde seit Monaten beschäftigt wie kaum etwas anderes. Conor McGregors erste UFC-Niederlage gegen den aus dem Urlaub ins Octagon gestiegenen Nate Diaz war für die einen das ersehnte Ende des Hypes um den Iren, für die anderen pures Glück. An diesem Wochenende werden wir der Wahrheit vielleicht auf den Grund gehen können. Weitere Argumente pro UFC 202 bedürfen keiner weiteren Erklärung: Anthony Johnson, Donald Cerrone und Tim Means.

Das Hauptprogramm von UFC 202 wird in Deutschland von ran Fighting gezeigt (14,99 Euro), während das Vorprogramm auf dem UFC Fight Pass übertragen wird, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 21. August, 0:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 21. August, 2 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting): Sonntag, 21. August, 4 Uhr

Hauptkampf: Nate Diaz vs. Conor McGregor

Was für ein Chaos. Im März ließ Nate Diaz (19-10) bei UFC 196 das gewaltige Kartenhaus spektakulär in sich zusammenstürzen, das Conor „The Notorious“ McGregor (19-3) und die UFC um die polarisierende Persönlichkeit des Iren herum aufgebaut hatten. Und das nur elf Tage, nachdem Diaz von dem Kampf erfahren hatte. Beide haben als Profi 19 Mal gewonnen, Diaz dabei zehn Mal verloren, McGregor drei Mal – trotzdem ist nun McGregor für Diaz‘ 19 verantwortlich und Diaz für McGregors drei.
 
Seitdem ist viel passiert. Eigentlich hätte der von manchen heiß erwartete, von anderen mit Kopfschütteln bedachte Rückkampf die historische UFC 200 im Juli anführen sollen. Der von seiner Niederlage besessene McGregor weigerte sich jedoch, sein Trainingscamp für eine Pressekonferenz in den Staaten zu unterbrechen und wurde prompt vom Programm genommen.

Diaz entschied sich, auf einen Ersatztermin zu warten, und so kommen wir stattdessen an diesem Wochenende doch noch in den (zweifelhaften?) Genuss der Runden drei bis sieben im Duell Dublin vs. Stockton. Eigentlich der Runden vier bis acht, denn am Mittwoch sorgten die beiden Kämpfer schon bei der offiziellen Pressekonferenz für einen Eklat, bei dem Flaschen und Dosen von der Tür aufs Podium und zurück flogen.

Während es bisher meist McGregor war, der sich aus diesen Situationen einen Spaß und aus seinen Gegnern ein verärgertes Nervenbündel machte, war es in diesem Fall der Ire, der seine Emotionen nicht zurückhalten konnte. Hinter den Kulissen wirkte „Notorious“ nach dem Abbruch der Konferenz außer Kontrolle. Ob der Erfolgsdruck, das Ergebnis des letzten Kampfes und die anscheinend unknackbare „Scheißegal“-Mentalität der Diaz-Brüder Spuren bei McGregor hinterlassen haben?

Bei den Buchmachern zumindest gilt noch immer der amtierende UFC-Federgewichtschampion als Favorit, trotz der Niederlage im März. Übertrainiert sei er gewesen, ließ McGregor seitdem verlauten, und unterschätzt habe er den Gewichtsvorteil seines Kontrahenten obendrauf. Dem rastlosen Arbeiter McGregor nimmt man ab, dass er seine Fehler aus dem ersten Versuch behoben hat.

Aber auch Diaz dürfte mit einem vollen Trainingscamp stärker als beim ersten Mal in in den Käfig steigen. Und ob McGregor seine Emotionen bis Samstagabend unter Kontrolle bekommen kann? Man kann nur abwarten. Obwohl es zwischen zwei Kämpfern aus anderen Gewichtsklassen und ohne Titel auf dem Spiel eigentlich um nichts geht an der Spitze von UFC 202: Einen größeren Kampf als diesen hat es lange nicht gegeben. Ob man das mag oder nicht.

Co-Hauptkampf: Anthony Johnson vs. Glover Teixeira

Anthony „Rumble“ Johnson (21-5) ist es gewohnt, dass die Halbschwergewichtsklasse der UFC sich vor ihm zu drücken versucht. Glover Teixeira (25-4), dem es bis vor wenigen Jahren noch ähnlich ging, hat dagegen ausdrücklich nach diesem Kampf gefragt.

1:0 in psychologischer Kriegsführung für den Brasilianer? Wer weiß das schon. Abseits jeglicher Spekulationen jedenfalls spricht "Rumbles" Resümee für sich: Neben einer Niederlage gegen Champion Daniel Cormier hat Anthony Johnson seit dem Debakel gegen Vitor Belfort Anfang 2012 nicht mehr verloren. Und dafür Namen wie Andrei Arlovski, Rogerio Nogueira, Alexander Gustafsson und Ryan Bader besiegt, die meisten davon durch spektakuläre Knockouts.

Auch Cormier ließ Johnson in ihrem Kampf zunächst quer durch das Octagon fliegen, bevor dieser ihn im weiteren Verlauf des Duells müde rang und schließlich im Rear Naked Choke zum Abklopfen brachte. Johnsons Explosivität lange genug zu umgehen, bis man den Kampf später selbst in die Hand nehmen kann, ist keine leichte Aufgabe. Von denen hatte Glover Teixeira aber ohnehin nur wenige in seiner UFC-Karriere – erfolgreich ist er trotzdem.

Der Protegé von Chuck Liddell debütierte 2012 mit 15 gewonnenen Kämpfen in Folge in der UFC und machte dort ähnlich effektiv weiter – Siege u.a. gegen Fabio Maldonado, „Rampage“ Jackson und Ryan Bader brachten Teixeira einen Titelkampf gegen Jon Jones ein, den er bei UFC 172 nach Punkten verlor. Eine weitere Punktniederlage gegen Phil Davis später schien der Stern des Brasilianers zu sinken, seitdem hat der mittlerweile 36-Jährige aber mit vorzeitigen Siegen gegen Ovince Saint Preux, Patrick Cummins und Ex-Champion Rashad Evans zurück in die Spur gefunden.

Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass eines der beiden Halbschwergewichte am Wochenende einen weiteren K.o.-Sieg auf die eigene Bilanz setzt. Und dass derjenige als nächstes um den Titel der 93-Kilo-Klasse kämpfen wird. Verpassen sollte man diese Ansetzung also nicht unbedingt.

Die weiteren Kämpfe von UFC 202

Auf dem Hauptprogramm sticht vor allem das Weltergewichtsduell zwischen Rick „The Horror“ Story (19-8) und Donald „Cowboy“ Cerrone (30-7) heraus. Story ist seit 2009 Teil der UFC und hat im Laufe der Jahre Höhen und Tiefen erlebt. Mit Siegen gegen Namen wie Thiago Alves, Johny Hendricks oder Gunnar Nelson hat der zähe Ringer, der für seinen aggressiven Kampfstil und brutale Körperhaken bekannt ist, aber längst seine Klasse bewiesen.

Jetzt trifft er auf Cerrone, den Volkshelden der UFC-Fangemeinde. Der wilde, lässige, provokante ehemalige WEC- und UFC-Titelherausforderer kämpft oft und spektakulär, lediglich gegen die Elite des Leichtgewichts ist der gelernte Thaiboxer bisher mehrfach gescheitert.

Seit Anfang des Jahres im Weltergewicht unterwegs, ist der 33-Jährige in seiner neuen Gewichtsklasse bisher zwei Mal in Hochform aufgelaufen und hat sowohl Alex Oliveira als auch Patrick Coté überzeugend vorzeitig besiegt. Gegen den körperlich extrem starken Story dürfte sich am Wochenende zeigen, ob das ehemalige Leichtgewicht auch bei den größeren Jungs Chancen auf Erfolg an der Spitze hat.

Ebenfalls auf dem Hauptprogramm werden zwei für harte Knockouts bekannte UFC-Veteranen jeweils auf einen UFC-Newcomer treffen. Hyun Gyu „The Ace“ Lim (13-5-1) wird nach der Absage Sultan Alievs gegen Mike Perry (6-0) antreten, während Tim „The Dirty Bird“ Means (25-7-1) anstelle von Sean Strickland nun den schlagstarken Bellator-Veteranen Sabah „The Punisher“ Homasi (11-5) vor die Fäuste bekommt. Veteran gegen Veteran und Debütant gegen Debütant wäre vielleicht interessanter gewesen, Action darf man aber wohl auch in dieser Konstellation erwarten.

Auf dem Vorprogramm sticht vor allem das Bantamgewichtsduell zwischen Cody „No Love“ Garbrandt (9-0) und Takeya Mizugaki (21-9-2) heraus. Garbrandt ist eines der heißesten Talente in der 61-Kilo-Klasse und mit K.o.-Power gesegnet, die ihm noch ein bis zwei Gewichtsklassen höher gute Dienste leisten würde. Mizugaki dagegen ist ein mit allen Wassern gewaschener Veteran, der dem aufstrebenden Aufsteiger kurz vor dem Titelkampf Einhalt gebieten will.

In den auf dem UFC Fight Pass übertragenen Vorkämpfen sollte man das Weltergewichtsduell zwischen den beiden Top-Kämpfern Neil Magny (18-4) und Lorenz „Da Monsoon“ Larkin (17-5) nicht verpassen, nachdem im ersten Kampf des Abends das 22-jährige italienische Mittelgewichtstalent Marvin Vettori (10-2) frisch von einem Sieg bei Venator FC im Mai sein UFC-Debüt gegen Alberto „Uda“ Emiliano Pereira (9-1) gegeben hat.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 202: Diaz vs. McGregor 2
Samstag, 20. August 2016
T-Mobile Arena in Las Vegas, Nevada, USA


Hauptprogramm (ran FIGHTING)
Nate Diaz vs. Conor McGregor
Anthony Johnson vs. Glover Teixeira
Rick Story vs. Donald Cerrone
Hyun Gyu Lim vs. Mike Perry
Tim Means vs. Sabah Homasi

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Cody Garbrandt vs. Takeya Mizugaki
Raquel Pennington vs. Elizabeth Phillips
Artem Lobov vs. Chris Avila
Randa Markos vs. Cortney Casey

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Neil Magny vs. Lorenz Larkin
Colby Covington vs. Max Griffin
Alberto Uda vs. Marvin Vettori