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Der erste Schritt zur Kämpfer-Gewerkschaft? GSP, Cerrone und Co. gründen Vereinigung

Die MMAAA-Gründungsmitglieder Georges St. Pierre, Donald Cerrone, TJ Dillashaw, Tim Kennedy und Cain Velasquez (v.l.n.r.) sowie Berater Bjorn Rebney (links außen).

Als am Montag in einer Pressemitteilung eine Telefonkonferenz mit Georges St. Pierre, Tim Kennedy, TJ Dillashaw, Donald Cerrone und Cain Velasquez angekündigt wurde, die die MMA-Welt in ihren Grundfesten erschüttern werde, erwarteten Experten die Gründung einer Gewerkschaft für MMA-Kämpfer. Heute ließen die UFC-Stars die Bombe platzen: die Gründung der MMAAA, der Mixed Martial Arts Athletics Association. Eine Vereinigung, aber keine Gewerkschaft.

„Heute werden wir das Gesicht des Sports verändern,“ begann Tim Kennedy sein vorbereitetes Statement zur Gründung der Kämpfer-Vereinigung MMAAA. „Kein Mann wird zurückgelassen. Danach habe ich immer gelebt und wir werden sicherstellen, dass kein UFC-Kämpfer weiterhin zurückgelassen wird. Ich bin stolz darauf, die offizielle Gründung der Mixed Martial Arts Athletes Association zu verkünden.“

Die MMAAA ist der erste gegründete Verband von UFC-Kämpfern mit Georges St. Pierre, Kennedy, Cain Velasquez, TJ Dillashaw und Donald Cerrone als ersten Vorstandsmitgliedern sowie dem früheren Bellator-Präsidenten Bjorn Rebney als Berater. Auch wenn die Kämpfer Angst vor Repressalien durch die UFC haben, sei es an der Zeit, diesen Schritt für zukünftige Kämpfer zu gehen, so Cerrone und Kennedy.

In der Folge erklärten die Mitglieder und Rebney ihre Zielsetzung: eine Verbesserung der Bedingungen für aktive, zukünftige und ehemalige Kämpfer, darunter bessere Bezahlung und Sozialleistungen über die aktive Karriere hinaus. Insbesondere der Anteil an den UFC-Einnahmen soll drastisch erhöht werden, der laut MMAAA derzeit nur 8% beträgt. Weit hinter anderen US-Profi-Ligen wie der NBA, NFL oder MLB, in denen die Sportler die Hälfte der Einnahmen erhalten.

Die Vereinigung strebt zudem einen außergerichtlichen Vergleich mit der UFC an, um die bereits erzielten Einnahmen der vergangenen Jahre rückwirkend den Kämpfern zukommen zu lassen, Rebney forderte außerdem ein Mindestgehalt von 125.000 US-Dollar für jeden Kämpfer.

Rebney stellt Streik in Aussicht, will (noch) keine Gewerkschaft

Rebney, der frühere Gegenspieler der UFC, zeigte sich leidenschaftlich für die Rechte der Kämpfer. Die neuen Eigentümer der UFC hätten die Kämpfer nach der Übernahme einladen und sich für die jahrelange unfaire Behandlung entschuldigen sollen. Der Anwalt schloss auch die Möglichkeit eines Arbeitsstreiks nicht aus.

Anders jedoch die Gründung einer Gewerkschaft. Die juristischen Prozesse, die zur Gründung bewältigt werden müssten, würden die Anliegen der Kämpfer auf vier bis fünf Jahre verzögern und ergeben derzeit keinen Sinn, schließlich seien die Kämpfer freie Mitarbeiter. Ein Verband könne hingegen sofort mit der Arbeit anfangen, ohne durch Gerichtsprozesse ausgebremst zu werden.

Schließt sich Conor McGregor an?

Die Gruppe warb anschließend für neue Mitglieder und ging auf Nachfrage auch auf Superstar Conor McGregor ein. St. Pierre zeigte sich sicher, dass der Ire Interesse am Verband habe: „Selbstverständlich wollen wir den größten Namen im Sport auf unserer Seite. Wir brauchen ihn. Viele sehen nur den Geschäftsmann McGregor, aber ich habe ihn als Menschen kennengelernt. Er weiß, was richtig ist. Er ist kein Feigling. Jeder weiß, dass wir hier das Richtige tun.“

Warum ein Großverdiener wie McGregor beitreten sollte, stellte St. Pierre auch sofort klar: „Nicht einmal Conor McGregor bekommt unter den aktuellen Verträgen das, was ihm zusteht. […] Ohne die Kämpfer ist die UFC nur drei Buchstaben im Alphabet.“

Pro-MMA oder Anti-UFC?

Womit die MMAAA jedoch überraschte, war die alleinige Konzentration auf die UFC. Konkurrenten wie Bellator oder World Series Of Fighting, deren Gagen weit unterhalb der UFC liegen, sollen nicht Ziel der Anstrengungen der MMAAA sein. Man wolle mit dem Marktführer anfangen, der laut Rebney ein „ungeheuerlich räuberisches Monopol“ im MMA-Markt innehabe. Mit der UFC gesprochen, habe man bisher jedoch nicht und habe es auch nicht vor.

Für die MMAAA sei es dringend notwendig, eine Änderung herbeizuführen. „Wenn der Status Quo bleibt, gibt es MMA in zehn Jahren nicht mehr,“ so Rebney weiter. „Die Zeit, in der Dana White machen kann, was er will, ist vorbei!“

Geteiltes Echo unter den Kämpfern

Wie die Vereinigung das Ganze bewältigen will und welche Interessen hinter dem Verband stehen, wurde jedoch nicht näher benannt. Vier der derzeitigen fünf Mitglieder stehen bei der Agentur CAA unter Vertrag, dem großen Konkurrenten der WME/IMG-Gruppe, den neuen Eigentümern der UFC.

Ebenso wurde die Wahl von Bjorn Rebney als Sprachrohr der Gruppe kritisch gesehen. Rebney hatte während seiner Zeit bei Bellator mit seinen Verträgen zahlreiche Kämpfer schlechtgestellt und forderte während der Konferenz genau das, was er früher seinen Kämpfern versagt habe.

Das Echo auf die Ankündigung fiel daher zwiespältig aus. Zahlreiche UFC-Kämpfer bekundeten auf Twitter ihr Interesse, andere wiederum äußerten vereinzelt Zweifel ob der Glaubwürdigkeit einer Gruppe, die mit Bjorn Rebney zusammenarbeite und wiederum andere hatten sich von der Ankündigung mehr versprochen.

Die MMAAA ist neben der Professional Fighters Association (PFA) und der MMA Fighters Association (MMAFA) der dritte gegründete Verband innerhalb weniger Monate, der die Situation der UFC-Kämpfer verbessern will. Während die PFA auf eine Gewerkschaft hin arbeitet, will die MMAFA den aus dem Boxen bekannten Ali Act auf das MMA ausweiten. Die MMAAA kündigte bereits Gespräche mit der MMAFA an.

Wer sich die zweistündige Telefonkonferenz in voller Länge anhören möchte, kann das hier tun: