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Cub Swanson, Artem Lobov, Joe Lauzon und Diego Sanchez treten in der „Music City“ auf die Bühne

Passt nicht, könnte aber knallen: Cub Swanson (l.) gegen Artem Lobov (Foto: UFC).

Weiter geht’s im UFC-Zirkus. Und einem Zirkus ähnelt der Besuch der Liga in Nashville, Tennessee tatsächlich. Ein Duell wie das zwischen Top-Federgewicht Cub Swanson und „The Ultimate Fighter“-Alumn Artem Lobov als Hauptkampf hätte es vor einigen Jahren nicht gegeben. Swanson steht auf Rang vier, Lobov ist nirgends gelistet und nach Meinung vieler Fans lediglich dank seines Trainingspartner Conor McGregor überhaupt noch Teil der UFC. Andererseits: Ganz unabhängig von Sinn und Ranglisten dürfte es knallen zwischen den beiden K.o.-Schlägern, und das macht UFC Nashville zu einem Vergnügen trotz schlechten Gewissens. Zumal das Vorprgramm überzeugen kann.

Die UFC Fight Night 108 wird in Deutschland auf dem UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): 23. April, 0:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): 23. April, 2 Uhr
Hauptprogramm (UFC Fight Pass): Sonntag, 23. April, 4 Uhr

Hauptkampf: Cub Swanson vs. Artem Lobov

Die Nacht des 10. Dezember 2016 war laut Cub Swanson (24-7) die beste seines Lebens. Erst besiegte „Killer Cub“ bei UFC 206 in Toronto Doo Ho Choi im Kampf des Jahres spektakulär nach Punkten, danach verriet ihm seine Frau, dass sie mit ihrem ersten Kind schwanger ist.

Eine filmreife Wendung für den 33-jährigen Veteranen, der zwischenzeitlich nach aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen Frankie Edgar und Max Holloway – gebrochener Kiefer inklusive – vor den Trümmern eines imposanten Laufs in der UFC stand. Zuletzt konnte der Kalifornier, der vor der Durststrecke bereits Siege gegen Charles Oliveira, Dennis Siver, Dustin Poirier und Jeremy Stephens sein Eigen nennen konnte, nacheinander Hacran Dias, Tatsuya Kawajiri und Choi schlagen. Jetzt hat er neben einem potentiellen Titelkampf jede Menge Extra-Motivation außerhalb des Käfigs.

Zumindest dürfte sein ungeborenes Kind für deutlich mehr Motivation sorgen als sein nächster Gegner. Artem "The Russian Hammer" Lobov (13-12-1(1)) schien nach einem erfolgreichen Lauf in der 22. „The Ultimate Fighter“-Staffel, während dem er erst im Finale gegen Ryan Hall verlor, auf dem Weg raus aus der UFC. Nach einer Niederlage gegen Alex White schlug Conor McGregors engster Trainingspartner allerdings Chris Avila und Teruto Ishihara und sah in letzterem Duell durchaus solide aus.

Geht man nach Ranglisten, macht dieser Kampf trotzdem schlicht keinen Sinn. Laut Swanson ist die Ansetzung ein Produkt von Zufall und Timing: Swanson wollte im April kämpfen, fand keinen Gegner, Lobov sah seine Chance und hat sie tatsächlich bekommen.

Der Masterplan des Wahl-Iren sieht vor, zuerst Swanson zu besiegen, dessen vierten Platz in der Rangliste einzunehmen und dann gegen Max Holloway um einen Interims-Titel zu kämpfen, nachdem Champion José Aldo den Titelkampf bei UFC 212 im Juni absagt. Ein Mix aus steilen Thesen und gewagten Spekulationen, in der heutigen UFC aber nicht mal mehr ein undenkbares Szenario.

Bevor es soweit kommt, stehen aber ohnehin erst einmal UFC Nashville und Cub Swanson an, und bei aller Fragwürdigkeit könnte sich das Duell zu einer kurzweiligen Angelegenheit entwickeln. Lobov jedenfalls hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass das Kämpfen für ihn hauptsächlich seine beiden schweren Fäuste beinhaltet und Swanson war im Laufe der Jahre in jeder Menge spannender Schlachten zu sehen.

Aus Fan-Sicht macht es daher wohl Sinn, heute Nacht zumindest für eine halbe Stunde das Gewissen auszuschalten und einfach ein paar Runden rasanter Action zu genießen.

Co-Hauptkampf: Al Iaquinta vs. Diego Sanchez

Zwei Jahre nach seiner Beleidigungs-geschwängerten Wut-Rede gegen buhende Fans in Fairfax, Virginia kehrt „Ragin“ Al Iaquinta (12-3-1) in Nashville an diesem Wochenende ins Octagon zurück. Im April 2015 hatte der New Yorker sich einen hauchdünnen Punktsieg gegen Jorge Masvidal geholt und wurde während seines Octagon-Interviews nach dem Kampf von den Rängen für diese Kontroverse ausgebuht.

Iaquintas wenig charmant formulierte Bitte, den Unmut nicht gegen ihn als Kämpfer zu richten, verschaffte ihm anschließend mehr Aufmerksamkeit als der Sieg selbst.

Seitdem allerdings stand der mittlerweile 29-Jährige wegen immer wieder stagnierender Vertragsverhandlungen mit der UFC nicht mehr im Käfig. Geld, so Iaquinta, verdiene er im Octagon kaum, und das könne er sich im Sinne seiner Zukunft nicht länger zumuten. Jetzt ist er trotzdem zurück.

Gegen Diego „Lionheart“ Sanchez (27-9) wird er versuchen, auf Siege gegen Masvidal, Ross Pearson, Kevin Lee und Joe Lauzon aufzubauen und irgendwann die Summen gezahlt zu bekommen, die ihm seiner Ansicht nach zustehen.

Ein Sieg gegen einen Fan-Favoriten wie Sanchez käme da gerade Recht. Sanchez, der 2005 die erste „The Ultimate Fighter“-Staffel gewann, ist seitdem durchgehend Teil der UFC und hat dort alles und jeden erlebt: Titelkämpfe, Niederlagenserien, legendäre Schlachten und jede Kämpfer-Generation, die der Sport zu bieten hat.

Die letzten Jahre über hatte der lange als „Nightmare“ bekannte Sanchez jedoch nur gemischten Erfolg – Siegen gegen Jim Miller und Marcin Held stehen Niederlagen u.a. gegen Joe Lauzon, Ricardo Lamas und Myles Jury gegenüber. Seine Intensität und den unbändigen Kampfgeist aber hat der 35-Jährige nie verloren, und das dürfte auch am Samstag in Nashville wieder zur Schau gestellt werden.

Die restlichen Kämpfe von UFC Nashville

Die 108. UFC Fight Night mag vom fragwürdigen Hauptkampf ein wenig überschattet werden, dafür gibt es über das Programm verteilt eine ganze Reihe solider Duelle zu sehen.

So wird der Schotte Stevie „Braveheart“ Ray (20-6) gegen Joe „J-Lau“ Lauzon (27-12) versuchen, seinen Aufstieg durch die Ranglisten fortzusetzen und nach einem Sieg gegen Ross Pearson im November seinen fünften Erfolg in der UFC zu holen. Veteran und Bonus-King Lauzon dagegen (15 Auszeichnungen für besten Kampf, beste Leistung, besten K.o. oder beste Submission) will zum ersten Mal seit 2014 wieder zwei Kämpfe nacheinander gewinnen.

Knallen dürfte es im ersten Kampf des Hauptprogramms, wenn Jake „The Juggernaut“ Ellenberger (31-12) auf Mike „Platinum“ Perry (9-1) trifft. Ellenberger ist ein gelernter Ringer mit Dynamit in den Fäusten, ein Veteran im UFC-Weltergewicht, der zeitweise kurz vor einem Titelkampf stand und dann abstürzte.

Der 32-Jährige rettete seinen UFC-Vertrag im Juli nach fünf Niederlagen in sechs Kämpfen mit einem imposanten Knockout gegen Matt Brown, verlor im Dezember jedoch (wenn auch kontrovers wegen eines im Käfigzaun stecken gebliebenen Zehs) gegen Jorge Masvidal und steht somit erneut mit dem Rücken zur Wand.

Mike Perry dagegen debütierte in der zweiten Hälfte 2016 mit Knockouts gegen Hyun Gyu Lim und Danny Roberts, bevor er im Dezember von Alan Jouban ausgepunktet wurde. Gegen Ellenberger will Perry nun wieder auf die Art gewinnen, die zuvor jeden seiner Kämpfe beendet hat: durch Knockout.

Auf dem Vorprogramm werden zwei vielversprechende Fliegengewichtstalente aufeinandertreffen, wenn Dustin Ortiz (16-6) versucht, den überraschenden Lauf von Brandon „The Assassin Baby“ Moreno (13-3) zu stoppen. Ortiz steht in der UFC aktuell zwar lediglich bei 5-4, hat dabei aber lediglich in meist ausgeglichenen Kämpfen nach Punkten gegen die Weltspitze verloren und dabei gezeigt, dass er selbst nur ein Quäntchen darunter steht.

Moreno debütierte im Oktober als kurzfristiger Ersatz gegen Top-Fliegengewicht Louis Smolka im Octagon und zwang den haushohen Favoriten mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe. Im Dezember ließ er diesem Überraschungserfolg einen weiteren Sieg gegen Ryan Benoit folgen. Angesichts des akuten Mangels an Gegnern für Champion Demetrious Johnson könnte sich der Sieger dieses Kampfes in den weiteren Kreis der mittelfristig vielversprechenden Herausforderer vorarbeiten.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC Fight Night 108: Swanson vs. Lobov
Samstag, 22. April 2016
Bridgestone Arena in Nashville, Tennessee, USA


Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Cub Swanson vs. Artem Lobov
Al Iaquinta vs. Diego Sanchez
Ovince Saint Preux vs. Marcos Rogério de Lima
John Dodson vs. Eddie Wineland
Joe Lauzon vs. Stevie Ray
Jake Ellenberger vs. Mike Perry

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Thales Leites vs. Sam Alvey
Dustin Ortiz vs. Brandon Moreno
Scott Holtzman vs. Michael McBride
Jessica Penne vs. Danielle Taylor

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Alexis Davis vs. Cindy Dandois
Bryan Barberena vs. Joe Proctor
Hector Sandoval vs. Matt Schnell