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Bisping vs. Henderson 2: Späte Rache oder der perfekte Abgang?

Für Michael Bisping könnte UFC 204 die größte Nacht seines Lebens werden. Oder das Wiederaufleben seines bittersten Abends (Foto: UFC).

Rache wird am besten kalt serviert, abgekühlt aber dürfte die Erinnerung an Dan Hendersons furiosen Knockout gegen Michael Bisping bei UFC 100 auch über sieben Jahre später nicht sein. Seine Chance auf Revanche bekommt der Brite nun um fünf vor zwölf, denn nach diesem Kampf, das behauptet er zumindest, wird Henderson zurücktreten. Die lang ersehnte Revanche vor heimischer Kulisse oder das Bilderbuchende der illustren Karriere einer Legende – eines von beidem wird in Manchester Realität werden. Das und mehr erwartet die Fans beim größten europäischen UFC-Event des Jahres.  

Das Vorprogramm von UFC 204 zeigt der UFC Fight Pass, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist. Das Hauptprogramm wird in Deutschland von ran Fighting übertragen, die Veranstaltung kostet einmalig 14,99 Euro. 

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 09. Oktober, 1 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 09. Oktober, 2 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting): Sonntag, 09. Oktober, 4 Uhr

Hauptkampf: Michael Bisping (c) vs. Dan Henderson

Der ganze Event scheint eigentlich ein Produkt lebhafter Fantasie zu sein. Wer hätte schon nach UFC 100, wer hätte noch vor einem halben Jahr gedacht, dass Michael „The Count“ Bisping (29-7) einmal nicht nur um einen UFC-Titel kämpfen, sondern ihn sogar verteidigen würde? Und das ausgerechnet gegen Dan „Hendo“ Henderson (32-14), der zwischenzeitlich nur noch das nostalgische Maskottchen vergangener Tage zu sein schien?

Tja, es ist tatsächlich so gekommen: Bisping ist Champion, Henderson Herausforderer. Wie legitim diese Ansetzung ist, darüber lässt sich mit Blick auf die offizielle Rangliste lange streiten, fest steht nur, dass sie stattfinden wird. Diesen Samstag in Manchester, England, an der Spitze des größten europäischen UFC-Events seit Alexander Gustafssons Kampf gegen Anthony Johnson in einem Stockholmer Fußballstadion vor zwei Jahren.

Für Bisping ist es die Belohnung für jahrelange harte Arbeit. Seit zehn Jahren ist er Teil der UFC, am Titelkampf dabei immer wieder haarscharf vorbeigeschrammt. Seine Chance erhielt er im Frühsommer 2016 durch Glück, als Chris Weidman seinen Rückkampf gegen Luke Rockhold absagen musste und die UFC Bisping als Ersatz holte, der gerade erst Anderson Silva bezwungen hatte und in Kanada den neuesten „Triple X“-Film drehte.

Mit zwei Wochen Vorbereitung ging Bisping in den Kampf und knockte den bis dahin so dominanten Rockhold in der ersten Runde aus. Eigene Überheblichkeit, versuchte der sich zu erklären, aber das Resultat steht: Michael Bisping ist UFC-Champion.

Wie es der Zufall so will, holte Dan Henderson sich am gleichen Abend, wenige Stunden vor Bispings Triumph, einen der spektakulärsten Siege seiner Karriere. Hector Lombard war in 43 Kämpfen nur einmal ausgeknockt worden, der 46-jährige Henderson holte ihn mit einem Headkick und einem Ellbogenstoß von den Beinen.

Wie erwähnt: einer der spektakulärsten Siege war das, der Spitzenreiter in dieser Kategorie wird aber wohl auf ewig Hendersons erstes Duell gegen Bisping sein. Im Juli 2009 knockte „Hendo“ seinen Gegner nach wochenlanger, brodelnder Rivalität im „The Ultimate Fighter“-Haus mit einer Rechten aus der Hölle aus und schickte Bisping anschließend mit einem eingesprungenen Folgeschlag kurzzeitig dorthin.

Seitdem hat sich viel geändert. Beide haben Höhen und Tiefen erlebt, von Hendersons Jahrhundertkampf gegen „Shogun“ Rua bis zu Bispings Thriller gegen Anderson Silva in London und einigen harten Niederlagen dazwischen.

Was immer in den frühen Morgenstunden dieses Sonntags in Manchester passieren wird: mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es entweder der glorreichste Abgang in der Geschichte des Sports sein oder ein wohlverdienter Moment für die Ewigkeit für einen der härtesten Arbeiter der Liga.

Co-Hauptkampf: Vitor Belfort vs. Gegard Mousasi

Nach Jahren des Jagens hat Gegard „The Armenian Assassin“ Mousasi (39-6-2) seinen Wunschkampf bekommen. Seit er 2013 in die UFC kam, hat Mousasi Ex-Champion Vitor „The Phenom“ Belfort (25-12) herausgefordert, jetzt bekommt er ihn doch noch vor die Fäuste. 

Belfort geht angeschlagen in dieses Duell: Noch vor wenigen Jahren eines der, wenn nicht das gefürchtetste Mittelgewicht der UFC, hat der 39-Jährige nach Niederlagen gegen Chris Weidman und „Jacare“ Souza im Anschluss an das Verbot der kontroversen Testosteron-Ersatz-Therapie einen Ruf als überholter Dopingsünder weg. Trotzdem: Belfort hat bereits Champion und Herausforderer des Abends ausgeknockt, letzteren gleich zwei Mal. Unterschätzen sollte man ihn und seine Blitz-Attacken keinesfalls.

Gegard Mousasi scheint aktuell seinen Zenit zu streifen. Nach zwei Siegen und ebenso vielen Niederlagen zu Beginn seiner UFC-Karriere hat Mousasi vier seiner letzten fünf Kämpfe überzeugend gewonnen und Uriah Hall dominiert, bevor der in die Matrix ein- und Mousasis Gesicht kaputttrat.  

Was für Belfort auf dem Spiel steht, ist nicht ganz leicht zu sagen. Seine Karriere, denkt so mancher, und das könnte tatsächlich der Fall sein: Verliert Belfort zum dritten Mal in vier Kämpfen nach dem Verbot der TRT, dürften seine Titelträume für immer ausgeträumt sein. Auch, wenn er gewinnen sollte, ist er im zweiten UFC-Anlauf von einer vierten Chance auf einen Titel aber noch meilenweit entfernt.

Für Mousasi könnte ein Sieg gegen „The Phenom“ dagegen den langersehnten Durchbruch an die Spitze bedeuten. Auch abseits aller Ranglisten-Gedankenspielchen aber sollte man das Duell als das genießen, was es ist: das direkte Aufeinandertreffen zweier der besten Kämpfer der Welt.   

Die restlichen Kämpfe von UFC 204

Für einen Pay-per-View-Event ist UFC 204 nicht außergewöhnlich stark besetzt, für eine Veranstaltung auf europäischem Boden dafür umso mehr – von den Fight Pass-Vorkämpfen bis zum Hauptprogramm verstecken sich eine Handvoll bekannter Gesichter und Actiongaranten in den Ansetzungen für Manchester.

Auf dem Hauptprogramm sticht im Halbschwergewicht der Top Ten-Kampf zwischen Ovince „OSP“ Saint Preux (19-8) und Jimi „Poster Boy“ Manuwa (15-2) heraus. Beide gehören zur Spitze der Gewichtsklasse, mussten in ihrem jeweils letzten Kampf aber eine Niederlage gegen die Elite hinnehmen: Manuwa im September 2015 gegen Anthony Johnson, Saint Preux im vergangenen April gegen niemand anderen als Jon Jones. Nach ihren bitteren Rückschlägen wollen die beiden schlagstarken Standspezialisten in Manchester wieder Ansprüche auf größere Aufgaben anmelden.

Spektakulär sollte es auch im Bantamgewicht werden, wenn im letzten Vorkampf des Abends Iuri „Marajo“ Alcantara (33-7-0(1)) auf den britischen Veteranen Brad „One Punch“ Pickett (25-11) trifft. Pickett mag nur aus knapp der Hälfte seiner Kämpfe als Sieger hervorgehen, zumindest die Fans aber gewinnen so gut wie immer, wenn „One Punch“ in den Käfig steigt. Mit einem Sieg gegen Francisco Rivera im Rücken geht der 38-Jährige nach zuvor drei Niederlagen in Folge etwas befreiter in seinen Kampf gegen Iuri Alcantara, der seinerseits zuletzt zwei von drei Duellen verloren hat. 

Spaß machen sollte auch die Ansetzung im Weltergewicht zwischen Leon „Rocky“ Edwards (11-3) und Albert „Einstein“ Tumenov (17-3), auch hier zwei Standspezialisten, die mit ihren Fäusten und Tritten auch in der UFC bereits dem einen oder anderen Gegner seine Grenzen aufgezeigt haben. Solange keiner der beiden hier zum Ringer wird, darf man Feuerwerke auf den Beinen erwarten. Zumindest einige Minuten lang.

Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 204: Bisping vs. Henderson 2
Samstag, 8. Oktober 2016
Manchester Arena in Manchester, England


Titelkampf im Mittelgewicht (ran Fighting)
Michael Bisping (c) vs. Dan Henderson

Hauptprogramm (ran Fighting)
Vitor Belfort vs. Gegard Mousasi
Ovince Saint Preux vs. Jimi Manuwa
Stefan Struve vs. Daniel Omielanczuk
Mirsad Bektic vs. Russell Doane

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Iuri Alcantara vs. Brad Pickett
Lukasz Sajewski vs. Marc Diakiese
Damian Stasiak vs. Davey Grant
Leon Edwards vs. Albert Tumenov

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Danny Roberts vs. Mike Perry
Leonardo Santos vs. Adriano Martins