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Anderson Silva: „Es gibt niemanden, der Brasilien im MMA noch repräsentieren kann“

Anderson Silva (Foto: Dorian Szücs)

2012- Jon Jones verteidigt gegen Rashad Evans zum dritten Mal seinen Halbschwergewichtsgürtel, Demetrious Johnson krönt sich zum ersten UFC-Champion im neu eingeführten Fliegengewicht- und zeitweise tragen gleich vier Brasilianer Weltmeisterschaftsgürtel in der führenden MMA-Organisation. Seitdem haben sich die Zeiten für dieses stolze Land jedoch geändert. Von den damals gefürchteten Champions hält inzwischen keiner mehr einen Gürtel, jeder musste seitdem schwere K.o.-Niederlagen hinnehmen. Das bekannteste Beispiel dieser goldenen Generation ist Anderson Silva. „The Spider“ äußerte sich unlängst zu dem Ende der großen Ära des brasilianischen MMA und wagte einen Blick in eine nicht allzu rosige Zukunft.

Junior dos Santos, Jose Aldo, Renan Barao und nicht zuletzt Anderson Silva - die Namen ehemaliger Weltmeister sind auch in der heutigen Zeit noch von Bedeutung, haben jedoch ein wenig von ihrem alten Glanz verloren. Während die brasilianischen Farben zeitweise von vier Titelträgern gleichzeitig vertreten wurden, hat sich diese Zahl inzwischen halbiert. Mit Rafael dos Anjos im Leichtgewicht und Fabricio Werdum im Schwergewicht nennen die Südamerikaner zwar zwei prestigeträchtige Titel ihr Eigen, finden sich jedoch gegen sechs Champions aus den USA klar in der Unterzahl wieder. Diese Entwicklung ist auch dem wohl besten MMA-Kämpfer der brasilianischen Geschichte, Anderson Silva, nicht entgangen.

„Ich glaube, dass wir eine Menge Boden verloren haben“, so Silva auf einer Presse-Konferenz vor UFC 198. „Ich hatte die Möglichkeit, aus einer Zeit mit vielen Vorbildern in diesem Sport zu kommen. Zu ihnen aufschauen zu können, hat mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Das haben die heutigen Talente nicht mehr.“

Die letzten großen Idole dieser Generation sieht die Spinne im ehemaligen Federgewichtsweltmeister Jose Aldo und Mittelgewicht Ronaldo Souza. Während Aldo sich bei UFC 200 mit Frankie Edgar um einen Interims-Gürtel messen wird, kämpft „Jacare“ in seiner Heimat gegen seinen Landsmann Vitor Belfort um seine möglicherweise letzte Chance, um einen UFC-Titel antreten zu können. Silva traut ihm in diesem Duell einiges zu:

„Ich wette alle meine Chips auf Jacare. Ich glaube, dass er um den Titel kämpfen kann. Das hätte schon vor längerer Zeit passieren müssen. Leider sehe ich nach Jacare und Aldo niemanden, der Brasilien repräsentieren könnte.“

Bis zu seinem Karriereende bleibt Anderson Silva, auch aus Mangel an würdigen Nachfolgern, das Aushängeschild des MMA-Sports in seinem Heimatland Brasilien. Vor allem sein Einfluss auf Heranwachsende in deren Entwicklung bleibt ungebrochen. Trotz seiner Doping-Vergangenheit sieht sich „The Spider“ dieser Aufgabe nach wie vor gewachsen.

„Die Kinder haben mich immer noch als Vorbild“, so Silva. „Um mit dieser ganzen Doping-Sache abzuschließen: Ich wurde sehr schnell von dem Typen, der auf Steroiden ist, zu dem Typen, der auf gar nichts ist. Zum letzten Mal: Ich nehme nichts! Ich habe keine Probleme mit Doping. Es beeinflusst meine Karriere und mein Vermächtnis nicht.“