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„Ali Act“ heizt Diskussionen um Gehalt von MMA-Kämpfern neu an

Muhammad Alis Stellung könnte auch den MMA-Sport nachhaltig beeinflussen (Foto: nostri-imago/Flickr/flickr.com/photos/nostri-imago/4438857719)

Mit Conor McGregor schaffte es in diesem Jahr erstmals ein MMA-Kämpfer in die Forbes-Liste der 100 Topverdiener der Sportwelt. Während der Ire in den zurückliegenden zwölf Monaten 22 Millionen verdiente, strich der Boxer Floyd Mayweather genau das Doppelte ein. Dies sorgt vor allem für Verwirrung, wenn man auf die verkauften Pay-per-Views der beiden blickt: Die drei Auftritte von McGregor verkauften sich ca. drei Millionen Mal, der Kampf von Mayweather gegen Andre Berto lediglich eine Million Mal. Neben höheren Sponsorenverträgen liegt dies vor allem an dem Muhammad Ali Act, der im Boxsport zum Einsatz kommt. Auch in der Welt des MMA wird diese Neuerung heiß diskutiert. Doch was hat es damit eigentlich auf sich?

Normalerweise werden Interviews kurz vor Kämpfen dazu genutzt, die letzten Gedanken der Athleten einzufangen. Letzte Impressionen aus der Vorbereitung zu bekommen. Vereinzelt werden die Kämpfer jedoch auch zu Themen befragt, die zumindest ihre nahe Zukunft nicht betreffen. So geschehen vor UFC 199. Federgewicht Alex Caceres sollte sich dazu äußern, was er von dem Muhammad Ali Act im MMA-Sport halte. Wie viele andere Kämpfer hatte sich Caceres jedoch noch nie mit diesem Thema beschäftigt. Nach einer kurzen Erklärung teilte er den Journalisten mit, dass der Act „nach Freiheit klingt“.

Eine Freiheit, die MMA-Kämpfer, im Gegensatz zu Boxern, nicht gewohnt sind. Im Boxen wurde der Ali Act bereits im Jahr 2000 etabliert. Er besagt unter anderem, dass die Organisationen den Athleten ihre Einnahmen offen legen müssen. So kennen die Sportler ihren Wert und können ihre Vertragsverhandlungen dementsprechend führen. Daraus resultiert die Tatsache, dass Boxer ein deutlich größeres Stück vom Pay-per-View-Kuchen abbekommen als MMA-Kämpfer. Die private Organisation UFC hingegen veröffentlicht weder genaue Zahlen zu Pay-per-View-Verkäufen, Einnahmen noch Bezahlung ihrer Athleten. Mit einer Einführung des Ali Acts würde sich dies ändern.

Muhammad Ali wurde als Namensgeber für den Act ausgewählt, da er als Sportler die Ziele des Gesetzes verkörperte. Die Reform wurde mit dem Ziel eingeführt, die Integrität im Boxen zu erhöhen und den Sportsgeist zu fördern.

Ein großer Befürworter dieser Neuerung ist Markwayne Mullin, selbst ein ehemaliger MMA-Kämpfer. Er sieht diese aufgrund der Verfehlungen der UFC als Notwendigkeit: „Ich denke, dass die UFC einen tollen Job dabei gemacht hat, den Sport zu promoten. Auf der anderen Seite haben sie sich jedoch überhaupt nicht um ihre Kämpfer gekümmert.“

Mullin ist nicht der Erste, der auf die Einführung des Ali Act gedrängt hat. Bereits 2007 stellte Senator John McCain einen ähnlichen Antrag. Damals beauftragte die UFC eine Lobby-Firma, mit deren Hilfe der Antrag abgewiesen wurde. Auch diesmal hat die weltweit führende MMA-Organisation eine solche Maßnahme ergriffen.

Die Bemühungen der UFC zeigen, dass sie die Einführung des Ali Acts mit allen Mitteln verhindern wollen. Eine weitere Folge wäre die Verkürzung der Vertragslaufzeiten. Dies würde, vorausgesetzt andere Organisationen haben ausreichend finanzielle Mittel, einen Konkurrenzkampf der Organisationen entfachen, den die UFC durch ihr Quasi-Monopol bisher nicht kannte.

Ebenfalls betroffen wären die Ranglisten. Im Moment werden die offiziellen Ranglisten der UFC von Medienvertretern erstellt, die die Organisation selbst auswählt. Im Falle einer Einführung des Ali Acts würde diese Aufgabe von einer unabhängigen Partei übernommen werden. Zu den Folgen äußerte sich Markwayne Mullin wie folgt:

„Wir brauchen ein professionelles Ranking-System. Ansonsten kann einfach jeder nach einem Kampf Leute herausfordern und bekommt so einen Titelkampf, nur weil er eine große Klappe hat. Nur weil jemand sich gut promoten kann und viele Tickets verkauft, sollte nicht die Nr. 5 einen Titelkampf bekommen, und Nr. 2,3 und 4 werden einfach übergangen. Das sehen wir immer wieder.“

Trotz der vielen positiven Punkte stehen auch Fragezeichen hinter dem Ali Act im MMA-Sport. Während im Boxen oftmals nur der Hauptkampf von Interesse für die Fans ist, sind die Veranstaltungen der UFC meist deutlich dichter besetzt. Bei einigen Events werden die Vorkämpfe im Free-TV bzw. Fight Pass von mehr Menschen angesehen als die ersten Duelle auf der Main-Card. Dies wirft die Frage auf, wie die Einnahmen verteilt werden sollen.

Zudem werden Befürchtungen wach, der MMA-Sport würde, wie das Boxen auch, unter jahrelangen Vertragsverhandlungen leiden müssen. Dies liegt vor allen Dingen an dem Konkurrenzkampf der Promoter und der Organisationen, die unterschiedliche Interessen vertreten. Dazu müssten jedoch andere MMA-Organisationen das finanzielle Niveau der UFC erreichen.

Ob der Ali Act in der nahen Zukunft Einzug in die MMA-Welt hält, bleibt weiter fraglich. Sollte die Antwort „JA“ lauten, müssen Modifikationen vorgenommen werden, um ihn an die aktuelle Situation des Sports anzupassen. Mit einer Forderung hat Mullin auf jeden Fall recht:

„Wenn das ein professionelles Geschäft sein soll, müssen sich Kämpfer und Veranstalter künftig auf Augenhöhe begegnen.“