MMA Restliche Welt

Zweite Chance in Kansas City

Livia von Plettenberg will auch im MMA Titel erringen.

Immer mehr deutschsprachige MMA-Kämpfer haben in den vergangenen Jahren den Sprung über den Atlantik geschafft und bei bekannten amerikanischen Organisationen angeheuert.

Vor Sheila Gaffs UFC-Auftritt und Jasminka Cives Invicta FC-Kampf, konnte die frühere Thaiboxerin Livia von Plettenberg bereits im Januar dieses Jahres für Furore sorgen. Zwar hatte die Österreicherin in ihrem kurzfristig angenommenen Kampf gegen die schottische Thaibox-Spezialistin Joanne Calderwood wenig Erfolg und gab am Ende eine klare Punktentscheidung ab, jedoch ging sie als Siegerin der Herzen mit einem unverzagten Einsatz aus dem Duell. Am kommenden Samstag ist es soweit, denn dann bekommt von Plettenberg ihre zweite Chance bei Invicta FC. Gegen die Amerikanerin Cassie Robb kann „T-Rex“, wie die Österreicherin genannt wird, zeigen, dass sie in die wichtigste FMMA-Organisation der Welt gehört.

Groundandpound.de hat im Vorfeld ihres wichtigsten Kampfes mit der studierten Psychologin und MMA-Kämpferin gesprochen.

Groundandpound.de: Im MMA bist du noch nicht so erfahren, dafür aber im Thaiboxen. Wie ist es zu diesem Wechsel in eine andere Sportart gekommen?
Livia von Plettenberg: Zum MMA kam ich eigentlich durch einen Scherz. Bei meinem fünften Thaiboxkampf trat ich gegen ein Mädel an, die 180cm auf 54 Kilo hatte. Ich verlor, weil ich den Reichweitenunterschied nicht überwinden konnte und scherzte nachher in der Umkleide, dass ich sie im MMA auf den Boden hätte holen können, da am Boden die Größe keine Rolle spielt. Der Scherz blieb mir aber im Hinterkopf hängen und ein Jahr später begann ich BJJ zu trainieren, um dann in weiterer Folge MMA kämpfen zu können.

Was war dein größter Erfolg bislang und was treibt dich an?
Im Thaiboxen war mein größter Erfolg der WKF Profi Europameistertitel im K-1 (-53,2 kg), den ich 2011 gewonnen habe und seitdem trage. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch die Tätigkeiten ausüben sollte, bei denen er mit vollem Herzen dabei ist, alles andere ist vergeudete Zeit.

Die studierte Psychologin auf der Kampfmatte.

Wo siehst du dich zurzeit in deiner Karriere?
Im MMA bin ich eigentlich noch ein Neuling. Ich hatte bisher zwei MMA-Kämpfe und bin durch Team Quest und meine Entscheidung, kurzfristig für den Kampf gegen Joanne Calderwood einzuspringen, zu Invicta FC gekommen. Da ich zwar verloren hab, ich aber wenigstens dafür gesorgt habe, dass sie all ihre Muay-Thai-Künste an mir ausleben konnte, hat mich Invicta für drei weitere Kämpfe unter Vertrag genommen.

Deinen ersten Kampf bei Invicta FC hast du verloren. Was hast du aus dieser Niederlage gelernt?
Bei meinem ersten Kampf hab ich gelernt, wie unglaublich hart ich bin. Na, Spaß beiseite, ich habe zwar schon während des Kampfes gemerkt, dass Joanne dominiert hat, aber so schlimm, wie es am Video ausschaut, hat es sich bei weitem nicht angefühlt. Ich bin rückblickend allerdings nicht mit meiner Beinarbeit zufrieden, das war schon mal wesentlich besser. Daran hab ich die letzten Monate gearbeitet und hab einige Fehler bei den Basics korrigiert. Die Basics sind für mich immer das Wichtigste, wenn die nicht sitzen, fange ich gar nicht erst mit den „fancy“-Sachen an.

Warst du danach besorgt, dass Invicta vielleicht das Interesse an dir als Kämpferin verlieren könnte?
Ich bin sehr froh, dass mich Invicta zurückgeholt hat. Sie hatten es mir zwar bereits direkt nach meinem ersten Kampf versprochen, sicher war ich mir allerdings erst, als ich den Vertrag in meinen Händen hielt.

Du hast zudem die Gewichtsklasse gewechselt. Bleibst du dort?
Ja, ich bleibe im Atomgewicht. Seit Januar bin ich auf Diät, um die Gewichtsklasse zu wechseln. Es läuft gut, ich habe sehr langsam abgenommen, um keine Kraft zu verlieren und das Gewicht dauerhaft zu halten. Ich bin schon sehr hungrig (nicht nur wegen der Diät) und kann den Kampf kaum noch erwarten.

Auch Abseits des Käfigs keinesfalls kamerascheu: Livia von Plettenberg. (Foto: Nicole Fleck)

Du wirst gegen Casie Robb antreten. Was weißt du über sie und wie siehst du den Kampfverlauf?
Meine Gegnerin ist, wie viele Amerikaner, eine gute Grapplerin. Es wird also ein typisches Grappler vs. Striker-Match. Ich habe sie bereits bei Invicta 4 getroffen und finde, dass sie eine süße Person ist. Ich hab sie gern und freue mich, gegen sie kämpfen zu können. Sie ist zwar 7cm größer als ich, dennoch denke ich, dass ich im Stehen stärker sein werde als sie und auch am Boden gut mit ihr mithalten kann.

Wie siehst du der Paarung stilistisch entgegen? Macht dir der Bodenkampf gegen Robb nichts aus?
Ich denke, dass es ein gutes Matchup für mich ist, ich denke, dass es ein umfangreicher Kampf werden könnte. Der Unterschied in diesem Kampf wird sicherlich die Größe sein, ich hab schon öfter gegen Frauen gekämpft, die 165cm waren und fühle mich sehr wohl mit dem Distanzunterschied. Dann ist natürlich der Unterschied, gegen eine Grapplerin zu kämpfen. Ich denke, dass Cassie gar nicht erst viel zeit im Stehen verschwenden will, somit werde ich mich sehr auf meine Takedown-Defense konzentrieren. Und, klar, ich habe dieses Mal ein vernünftiges Fight-Camp. Letztes Mal hatte ich drei Wochen trainiert, nach einer einmonatigen Pause und bin dann in den Käfig gestiegen, dieses Mal bin ich seit vier Monaten im Trainingszyklus, habe eine Top Kondition und habe ein zehnwöchiges Fight Camp, um mich speziell auf meine Gegnerin vorzubereiten. Schon allein mental werde ich dieses Mal ganz anders drin stehen als letztes Mal.

Auch im Grappling aufgeholt: Livia von Plettenberg. (Foto: Aequilibrium BJJ)

Wie du bereits erwähnt hast, hast du in letzter Zeit einige Male bei Team Quest trainiert, das so bekannte Namen wie Chael Sonnen und Dan Henderson hervorgebracht hat. Wie bist du mit dem Gym in Kontakt gekommen?
Team Quest habe ich mir letzten Sommer im Internet rausgesucht. Ich weiß nicht wirklich, wieso, aber es hat mich sofort dorthin gezogen. Ich habe mir nicht mal andere Optionen in den USA überlegt. Ich hab ihnen dann geschrieben, dass ich MMA-Kämpferin bin, MMA nach Beendigung meines Studiums hauptberuflich machen will und ich ein Gym suche, das mich so weit unterstützt, dass das möglich wird. Sie haben mir sofort geschrieben, dass ich einen Monat vorbei kommen und bei ihnen trainieren soll, und wir dann sehen werden, ob wir gemeinsam arbeiten wollen. Und wir wollten. Im Dezember bin ich ein zweites Mal hingeflogen, es war eigentlich nur als Trainingscamp gedacht, bis ich acht Tage vor Invicta FC 4 gefragt wurde, ob ich nicht für eine ausgefallene Kämpferin einspringen will. Ich war zu schwer, nicht fit und habe nicht einmal gefragt, gegen wen ich kämpfen soll. Für mich gab es gar keine andere Option als „Ja“ zu sagen, ich habe nicht einen Gedanken an ein „Nein“ verschwendet.

Last but not least: Wie wird der Kampf ausgehen?
Ich stelle keine Prognosen. Worauf sich die Fans freuen können, ist auf jeden Fall eine ganz neue Livia: Sauberes Striking, neuer Körper und bestimmt auch einen sehr abwechslungsreichen Kampf.

Wir bleiben gespannt. Vielen Dank und viel Erfolg am 13. Juli bei Invicta FC 6.