MMA Restliche Welt

Zu hoch gepokert

Ein Bild, das der Vergangenheit angehört? Der Deutsche Gregor Herb wirbt für Full Tilt Poker. Foto: © Tim Leidecker

Was haben der typische Pokerspieler und der typische MMA-Fan gemeinsam? Beide sind zwischen 18 und 40 Jahren alt, männlich, und finden Gefallen an spannenden Duellen mit ungewissem Ausgang. Genug Überschneidungen also, um die Allianz zwischen MMA Kämpfern/Promotionen und online Pokerplattformen zu einer fruchtbaren werden zu lassen. Das Potential dieser Verbindung hatten Unternehmen wie Full Tilt Poker oder Ultimate Bet schon früh erkannt, und waren seit Jahren in unterschiedlichster Form als Sponsor vertreten: Auf den Hosen, Shirts und Mützen der Kämpfer, auf dem Boden des Käfigs, und als werbender Einwurf der Kommentatoren von UFC, Bellator und Strikeforce.

Damit könnte es nun ein Ende haben: In einer großangelegten Razzia hat das FBI vor wenigen Stunden die drei wichtigsten online Pokeranbieter Full Tilt Poker, PokerStars und Absolute Poker sperren lassen. Der Betrieb von Poker-Webseiten ist in den USA illegal; trotzdem sollen geschätzte 10 Millionen US-Amerikaner auf die Dienste der genannten Anbieter zurückgegriffen haben. Um die Geldströme im Milliardenbereich zu verschleiern, hätten die Unternehmen amerikanische Banken wahlweise getäuscht oder bestochen, so Staatsanwalt Preet Bharara in einer offiziellen Stellungnahme. Zwei der Betreiber befinden sich bereits im Gewahrsam der US-Behörden, für acht weitere wurde ein Haftbefehl ausgestellt. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis, zudem fordert die Staatsanwaltschaft 3 Milliarden illegal erwirtschaftete US-Dollar zurück.

Die Folgen dieser Maßnahmen werden zweifellos auch in der MMA-Welt spürbar sein. Zwar hatte die UFC, im Gegensatz zu Strikeforce, Full Tilt Poker bereits im Jahr 2009 ohne offizielle Angabe von Gründen als Sponsor gesperrt. Hinter den Kulissen arbeitete man jedoch weiter zusammen: So kündigten die Fertitta-Brüder, denen neben der UFC mit Station Casinos eines von Las Vegas' führenden Glücksspielunternehmen gehört, noch vor wenigen Wochen eine Partnerschaft mit Full Tilt Poker an. Gemeinsam sollte unter anderem Lobbyarbeit betrieben werden, um eine Legalisierung des online Pokergeschäfts in den USA zu erreichen und in Zukunft gegenseitig von bestehenden Kundenstämmen zu profitieren. Ob diese Allianz nach den jüngsten Geschehnissen noch eine Zukunft hat, erscheint zumindest fraglich.

Noch weitaus schmerzlicher dürfte das Geschehen die Kämpfer treffen, die auf eine der Pokerplattformen als Sponsor gesetzt hatten. Dies war ihnen wohlweislich auch nach 2009 noch erlaubt, da die UFC sich lediglich auf ihren eigenen Werbeflächen wie Käfigboden oder Sprecher-Kommentaren von Full Tilt Poker verabschiedet hatte. Unter den Mixed Martial Artists hingegen galt die Glückspielbranche als einer der beliebtesten, weil lukrativsten Sponsoren. "Üblicherweise verdienen unsere Kämpfer mit regelmäßiger TV-Präsenz über ihre Sponsoren-Verträge in etwa genau so viel wie über ihre Kampfgagen", so Ken Pavia von MMA Agents. Stellt man in Rechnung, dass Full Tilt Poker für sehr viele Kämpfer einen beträchtlichen Anteil ihres Sponsoren-Einkünfte ausgemacht hat, so kommen auf diese Kämpfer womöglich erhebliche finanzielle Einbußen zu.

Natürlich lassen sich zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine feststehenden Aussagen über die langfristigen Folgen der Klage treffen. So wies etwa Jene Gene von MMA Mania darauf hin, dass die Sponsoren-Verträge von Strikeforce, sowie von UFC- und Strikeforce-Kämpfern, jeweils mit der Seite FullTiltPoker.net geschlossen seien. Im Gegensatz zu FullTiltPoker.com biete diese aber lediglich Pokerpartien mit Spielgeld an, und sei insofern rechtlich nicht zu beanstanden. Das ändert freilich nichts daran, dass beide Seiten dem selben Unternehmen zugeordnet sind, und, sollte dieses Unternehmen zu Fall kommen, das gleiche Schicksal teilen werden. Den MMA-Sport wird die aktuelle Krise sicher nicht mit in den Abgrund reißen - eine schmerzliche, vielleicht im Einzelfall existenzbedrohende Krise in der Finanzplanung von Promotionen und Kämpfern erscheint hingegen als naheliegende Folge.