MMA Restliche Welt

Wanderlei Silva will sein Gehirn der Wissenschaft spenden

Wanderlei Silva (Foto: Elias Stefanescu/GNP1.de)

Wie verändert sich das Gehirn eines Menschen nach Jahren im Kampfsport? Dass es nicht gesund ist, Schläge, Tritte und mehr einzustecken, liegt auf der Hand. Aber wie stark wird das Gehirn dabei tatsächlich geschädigt? Bis heute ist dieses Feld unerforscht, zumal der MMA-Sport noch zu jung dafür ist. Nun will Wanderlei Silva bei der Erforschung helfen und sein Gehirn der Wissenschaft spenden, da er mehrere Symptome chronischer Gehirnschütterungen aufweist.

„Ich war in einer Vorlesung zum Thema Gehirnerschütterungen und von den zehn erwähnten Symptomen habe ich acht“, sagte Silva in einem Interview mit dem brasilianischen Portal PVT. „Das sind etwa Stimmungsschwankungen, man ist leicht reizbar, Vergesslichkeit, Schlafstörungen, solche Dinge. Ich habe viel darüber nachgedacht und Leute kontaktiert, um nach meinem Tod mein Gehirn der Wissenschaft zu spenden. Ich brauche es dann ja sowieso nicht mehr. Es ist sehr wichtig, dieses Feld zu erforschen.“

Der 42-Jährige trainiert und kämpft bereits seit 29 Jahren. Angefangen mit Muay Thai, über die Vale-Tudo-Zeit ohne Handschuhe und mit Kopfstößen als erlaubter Technik bis hin zu einer MMA-Karriere mit 51 Kämpfen für die UFC, Pride und Bellator, in deren Verlauf er zahlreiche harte Schlachten schlug und sieben Mal ausgeknockt wurde.

Noch schlimmer dürften jedoch die zahlreichen harten Sparrings gewesen sein, für die das brasilianische Chute Box Team berüchtigt war, für das Silva in den ersten elf Jahren seiner Karriere an den Start ging. Mittlerweile hat Silva das Sparring deutlich zurückgefahren, nur noch eine Einheit pro Woche bei seinem neuen Team Evolucao Thai.

„Ich habe früher immer daran geglaubt, dass man Treffer besser wegstecken kann, wenn man öfter getroffen wird“, so Silva weiter. „Aber es ist das Gegenteil. Je mehr man im Training kassiert, desto weniger steckt man im Kampf ein. Wenn ich jungen Kämpfern einen Tipp geben kann, dann lasst euch nicht jeden Tag im Sparring treffen. Wenn ihr junge Schüler habt, sorgt dafür, dass sie nicht jeden Tag Schläge einstecken müssen. Es gibt einen richtigen Moment für hartes Training, aber nicht jeden Tag. Ein guter Trainer sorgt auf seine Schüler.“

Doch trotz der bedenklichen Aussagen von Silva denkt er immer noch nicht ans Aufhören. Silva steht seit zwei Jahren bei Bellator unter Vertrag und stand zwei Mal im Käfig. Beide Kämpfe gegen Chael Sonnen und Quinton Jackson verlor der „Axe Murderer“. Doch der Brasilianer spitzt auf ein erneutes Duell mit einem alten Rivalen. Sollte Vitor Belfort noch einmal in den Käfig zurückkehren, würde ihm Silva gerne gegenüberstehen und eine Niederlage von 1998 ausgleichen.

„Ich kann auch zwei Mal gegen ihn kämpfen, wenn er möchte. Mir geht es gut, ich bin gesund, ich trainiere und es wäre an diesem Punkt unserer Karrieren eine gute Sache. Ich laufe ihm schon seit 20 Jahren hinterher und er läuft immer wieder weg. Ich kann meine Karriere nicht beenden ohne diesen Kampf.“

Ob es dazu kommt, ist die große Frage. Nach den Aussagen des Brasilianers schaltete sich bereits die kalifornische Kommission ein und kündigte strenge medizinische Tests an, um seinen neurologischen Zustand festzustellen. Erst dann wird Silva eine medizinische Freigabe in Kalifornien erhalten.