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Vorschau auf das Vorprogramm von UFC 150

Man merkt den Vorkämpfen von UFC 150 an, dass der Event in relativ kurzer Zeit zusammengestellt wurde. Einige der antretenden Kämpfer waren erst vor wenigen Wochen zuletzt aktiv zu sehen, während andere kurzfristig neu verpflichtet wurden, außerdem sind statt fünf meist sechs oder sieben Kämpfe zu sehen. Einer unterhaltsamen Nacht dürfte aber dennoch nichts im Weg stehen, denn die Verantwortlichen haben mal wieder eine ausgewogene Mischung aus spannenden Kämpfern zusammengestellt, die gut auf das Hauptprogramm rund um den Rückkampf zwischen Ben Henderson und Frankie Edgar einstimmen sollten.

Die Vorkämpfe werden hierzulande, wie üblich, auf ufc.tv, beziehungsweise Facebook, übertragen und voraussichtlich gegen 1.30 Uhr deutscher Zeit beginnen.

Dennis Bermudez vs. Tommy Hayden
Angeführt werden die Vorkämpfe von einem Federgewichtsduell zwischen den aufstrebenden Newcomern Dennis Bermudez (8-3) und Tommy Hayden (8-1).

Bermudez machte sich im Ultimate-Fighter-Haus einen Namen und schaffte es dort bis ins Finale, wo er Ende letzten Jahres gegen Diego Brandao tappen musste, nachdem er den Brasilianer zuvor beinahe ausgeknockt hätte. Lange hat er an dieser Enttäuschung allerdings anscheinend nicht zu knabbern gehabt, wie er im Mai gegen Pablo Garza eindrucksvoll unter Beweis stellte: Bermudez besann sich auf seine ringerische Basis, kontrollierte seinen Gegner, slammte ihn immer wieder spektakulär auf die Matte und nahm nach 15 Minuten einen dominanten Punktsieg mit nach Hause.

Tommy Hayden ist zumindest langjährigen TUF-Zuschauern ebenfalls kein gänzlich Unbekannter: Im Jahr 2009 war er kurzzeitig während der neunten Staffel der Reality-Serie zu sehen, allerdings verlor er seinen ersten Kampf und durfte aus diesem Grund nicht in das Haus einziehen. Nach einigen Siegen in kleineren Organisationen rief man ihn vonseiten der UFC dann Anfang dieses Jahres ins Octagon zurück, um kurzfristig gegen Fabricio Camoes einzuspringen, der ihn nach etwa vier Minuten mit einem Rear Naked Choke frühzeitig zum Duschen schickte. Die Erstrundenniederlage war der erste Misserfolg überhaupt in der Profi-Karriere des 26-Jährigen.

Gegen Bermudez, der als TUF-Finalist vielen UFC-Fans ein Begriff ist, bekommt Hayden nun die Möglichkeit, seinen möglicherweise ersten UFC-Sieg gleich mit einem namhaften Skalp zu veredeln. Die Kehrseite der Medallie ist allerdings, dass diese Chance mit einem großen Risiko behaftet ist, denn eine Niederlage wäre die zweite in Folge für Hayden und würde seine UFC-Statistik auf 0-3 verschlechtern, was mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende seiner Karriere im Octagon wäre.

Jared Hamman vs. Michael Kuiper
In diesem Mittelgewichtsduell könnten ebenfalls Jobs auf dem Spiel stehen, denn sowohl Jared Hamman (13-4) als auch Michael Kuiper (11-1) haben ihren jeweils letzten Kampf verloren.

Hamman flog lange unter dem Radar der meisten Fans – Bis zum Sommer 2011 wechselten sich bei ihm Sieg und Niederlage ab, und trotz zwei "Fight of the Night"-Boni war sein Name kaum jemandem ein Begriff, als er bei "UFC on Versus 5" im vergangenen August gegen den favorisierten C.B. Dollaway ins Octagon stieg. Gegen den dekorierten Ringer musste Hamman zwar zu Beginn einige Male sein Kinn unter Beweis stellen, aber gerade das machte den anschließenden TKO-Sieg in Runde zwei wohl so beeindruckend. Und obwohl Hamman einige Monate später von Constantinos Philippou KO geschlagen wurde, brachte ihm auch dieser Kampf so manchen neuen Fan ein, denn der ehemalige Halbschwergewichtler überstand vor Kampfabbruch so manchen Volltreffer, der die meisten anderen Menschen tief schlafend in die Notaufnahme geschickt hätte.

In Denver, wo er seit einigen Monaten mit lebt und trainiert, wird Hamman zum ersten Mal seit dem Rückschlag gegen Philippou im letzten Dezember wieder aktiv zu sehen sein und auf den Niederländer Michael Kuiper treffen. Kuiper, ein talentierter Judoka, kann erst einen Kampf in der UFC vorweisen, den er im Februar bei UFC 143 gegen Rafael Natal verloren hat.
Gegen den Veteranen zeigte Kuiper allerdings trotz Niederlage immer wieder sein Potential, weshalb er mit einem Sieg am Wochenende wieder vollständig als verheißungsvoller Newcomer rehabilitiert sein sollte – eine Aufgabe, die andererseits allerdings für einen eher unerfahrenen Kämpfer in seinem zweiten UFC-Auftritt und gegen einen unbequemen Gegner wie Hamman nicht zu unterschätzen ist.

Ken Stone vs. Erik Perez
Diese Bantamgewichtsbegegnung wird zwischen Ken Stone (11-3) und Erik "Goyito" Perez (11-4) ausgetragen, die beide mit einem Sieg im Rücken in den Kampf gehen werden.

Für den American Top Team-Kämpfer Stone ging der Einstand im ZUFFA-Universum gründlich daneben. Sowohl in seinem WEC- als auch in seinem UFC-Debüt wurde er böse von Eddie Wineland bzw. Scott Jorgensen ausgeknockt. Nach diesen Niederlagen gegen Hochkaräter ging Stone einen Schritt zurück und konnte in seinen letzten beiden Kämpfen Donny Walker und Dustin Pague bezwingen, was seinen Verbleib in der UFC zumindest vorläufig gesichert haben sollte.

Der aus Monterrey, Mexiko stammende Erik Perez gab sein Debüt erst im vergangenen Mai bei UFC on Fuel TV 3, wo er John Albert kontrovers in Runde eins durch einen Armbar besiegte. Kontrovers deshalb, weil Ringrichterin Kim Winslow den Kampf stoppte, obwohl Albert keinerlei Anzeichen machte, aufzugeben.
Ob das das Ergebnis letztendlich entscheidend beeinflusst hat, wird man nie wissen, allerdings sah es zum Zeitpunkt des Abbruchs nicht besonders gut für Albert aus und Perez dürfte daraus für den Kampf am Samstag höchstens noch mehr Selbstvertrauen und Motivation mitgenommen haben.

Dustin Pague vs. Chico Camus
Dustin Pague (11-6) und UFC-Debütant Chico Camus (11-3) werden im Federgewicht den am kurzfristigsten zusammengestellten Kampf des Events bestreiten. Die Nachricht, dass der vor einigen Monaten in die Organisation geholte Camus auf Pague treffen würde, geriet erst am 24.Juli an die Öffentlichkeit.

Für Pague ist dies allerdings nicht der erste kurfristig angenommene Kampf in jüngerer Vergangenheit: Bevor er vor etwa sieben Wochen Ken Stone geteilt nach Punkten unterlag, zwang er am 8. Juni Jared Papazian in Runde eins mit einem Rear Naked Choke zur Aufgabe.
Nun hofft der 25-Jährige TUF-Veteran, sich im dritten Kampf in zwei Monaten mit einem Sieg gegen UFC-Neuling Chico Camus wieder zu rehabilitieren und seine Statistik im Octagon aus dem roten Bereich herauszuholen – zur Zeit steht Pague 1-2 in der UFC und damit trotz seines während der letztjährigen Ultimate-Fighter-Staffel gezeigten Potentials möglicherweise schon auf der Abschussliste von Joe Silva und co., von der er mit einer weiteren Niederlage sehr schnell auf die Liste der ehemaligen UFC-Kämpfer rutschen könnte.

Chico "King" Camus wird am Wochenende versuchen, sich seinerseits einen Namen bei den Matchmakern der UFC zu machen. Der im Team Roufussport mit Alan Belcher, Erik Koch, Anthony Pettis und Pascal Krauss trainierende US-Amerikaner nennt zur Zeit eine Siegesserie von drei Kämpfen sein Eigen und wird es sich nicht nehmen lassen wollen, diese im Zuge seines Octagon-Debüts auf vier Erfolge auszuweiten.

Vorkämpfe (Facebook)
Nik Lentz vs. Eiji Mitsuoka
Im ersten und gleichzeitig einzigen auf Facebook übertragenen Kampf des Abends werden Nik Lentz (21-5-2(1)) und Eiji Mitsuoka (18-2) im Federgewicht zu sehen sein. Beide erlitten im früheren Verlauf dieses Jahres TKO-Niederlagen und werden versuchen, am Samstag wieder auf die Siegerstraße einzubiegen.

Für Nik "The Carny" Lentz wird dies der zehnte Kampf im Octagon der UFC sein, womit er gegenüber seinem Gegner einen immensen Erfahrungsvorteil innehat. Nachdem sich der in Minnesota trainierende Texaner und ehemalige Trainingspartner von Brock Lesnar sich bis Anfang 2011 eine ansehnliche Statistik von fünf Siegen und einem Unentschieden erarbeiten konnte, lief es in letzter Zeit weniger gut für den passionierten Computerliebhaber– ein nicht gewerterter Kampf sowie zwei aufeinanderfolgende Niederlagen haben Lentz innerhalb eines dreiviertel Jahres an den Rand einer Entlassung gebracht.

Paradoxerweise hat Lentz, seit es für ihn eher durchwachsen läuft, allerdings immer häufiger positive Kritiken vonseiten der Fans bekommen. Seitdem das Niveau seiner Gegner, angefangen mit Charles Oliveira, einen Sprung gemacht hat, funktioniert Lentz's reine Ringertaktik nicht mehr ohne weiteres und so gerät er mittlerweile mit fanfreundlicher Regelmäßigkeit in spannende Schlachten, die er allerdings in jüngerer Vergangenheit etwas zu oft verloren hat, weshalb am Samstag trotz neu gewonnener Aufmerksamkeit wieder ein Sieg her muss, um die Zukunft im UFC-Kader zu sichern.         

Mitsuoka muss sich die Beachtung der außerasiatischen MMA-Szene erst noch erarbeiten. Dem aus dem japanischen Saitama stammenden ehemaligen Shooto-Champion stand dort im Februar mit Takanori Gomi ein knallharter Debütgegner bevor, und obwohl er zeitweise sehr gut gegen den Superstar aus Pride-Tagen aussah, musste sich Mitsuoka letztenendes nach etwa sieben Minuten durch TKO geschlagen geben. Nun steht der 36-Jährige Veteran unter dem Druck, den kommenden Kampf zu gewinnen, um nicht wie so viele vor ihm sieg-, sang- und klanglos wieder von der prestigeträchtigen  Bildfläche der UFC zu verschwinden.



UFC 150: Henderson vs. Edgar II
Samstag, 11.August 2012
Pepsi Center in Denver, Colorado, USA

Hauptprogramm (ufc.tv)
Benson Henderson (c) vs. Frankie Edgar
Donald Cerrone vs. Melvin Guillard
Jake Shields vs. Ed Herman
Yushin Okami vs. Buddy Roberts
Justin Lawrence vs. Max Holloway

Vorprogramm (ufc.tv)
Dennis Bermudez vs. Tommy Hayden
Jared Hamman vs. Michael Kuiper
Ken Stone vs. Erik Perez
Dustin Pague vs. Chico Camus

Vorprogramm (Facebook)
Nik Lentz vs. Eiji Mitsuoka