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UFC TV

(Logo via Zuffa LLC)

ZUFFA feuert medial aus allen Rohren. Schon heute ist die UFC auf den Free Tv Kanälen "Spike" und "Versus" zu sehen; hinzu kommen kostenlose Vorkämpfe auf Facebook und das ebenfalls kostenlose Programm von Strikeforce auf Showtime. Doch möglicherweise ist das alles nur der Vorgeschmack auf einen neuen und ganz eigenen Modus der Verbreitung, denn zur Zeit verhandelt ZUFFA mit Verantwortlichen des größten amerikanischen Kabelnetzbetreibers Comcast über den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung an deren Sender G4.

Hintergrund der Gespräche ist die angespannte Lage gegenüber dem momentan wichtigsten Free Tv Partner der UFC, Spike . Dieser hatte laut NY Times bisher stolze 170 Millionen $ pro Jahr für die Senderechte an den Formaten "The Ultimate Fighter", "Ultimate Fight Night", "Ufc Unleashed", sowie an je zwei Vorkämpfen der Pay Per View Events gezaht. Dieser Vertrag läuft jedoch in sechs Monaten ab, und die neue Forderung der UFC über 325 Millionen waren die Programmanager von Spike nicht bereit zu erfüllen. Sofern man sich also nicht innerhalb der nächsten Monate einig wird, kann (und muss) die UFC sich nach anderen Möglichkeiten umsehen, ihr Programm an die Öffentlichkeit zu bringen.

Hier kommt G4 ins Spiel. Der amerikanische Fernsehsender hat seinen Schwerpunkt bisher auf Themen rund um Computerspiele, Lifestyle und Technik gelegt. Trotz verschiedener Umstrukturierungen und Neuausrichtungen bringt er jedoch nicht die erhofften Quoten ein, weshalb der Verkaufspreis mit geschätzten 600 Millionen $ vergleichsweise "güngtig" ausfallen könnte. Da der Zuschauerstamm von G4 überwiegend männlich und zwischen 18 und 34 Jahren alt ist, sich also mit jenem der UFC genau deckt, wirkt eine Symbiose durchaus vielversprechend.

Ein Kauf von G4 würde für ZUFFA sehr viel mehr bedeuten, als einfach nur den Wechsel von einem Sender auf einen anderen; das Unternehmen würde vielmehr die Rolle des Zulieferers mit der des Anbieters tauschen. So lang die UFC auf fremden Sendern zu sehen ist, muss sie sich mit diesen Sendern arrangieren: Es müssen Absprachen hinsichtlich Sendezeit, Werbebudget, Länge und Frequenz der einzelnen Sendungen usw getroffen werden, spotane Anpassungen sind kaum möglich. Auf einem eigenen Kanal hingegen wären der gestalterischen Freiheit keine Grenzen gesetzt; ZUFFA könnte dann völlig eigenständig bestimmen, was wann wie oft und wie lange läuft. Neben den bereits von Spike bekannten Formaten könnten beispielsweise selbstproduzierte Sportnachrichten und -kommentare ausgestrahlt werden. Vor allem aber böte ein eigener Sender die ideale Platform, um die Schätze aus ZUFFAs Videoarchiv - sämtliche alten UFC, WEC, SF und PRIDE Events, abertausende Stunden hochklassiger Kämpfe - ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Diese liegen bisher weitgehend ungenutzt brach, denn obwohl sich so mancher Fan voller Nostalgie an die "alten Klassiker" zurückerinnert, ist doch kaum einer bereit, für Dvds mit jahrealten Matches noch nennenswertes Geld zu bezahlen.

Doch so reizvoll sich ein eigener UFC-Sender auch anhören mag, gibt es doch eine ganze Menge ernster Hindernisse und Bedenken, die der Verwirklichung dieses Projektes entgegenstehen könnten. Die Trennung von Spike wäre eine riskante Entscheidung - immerhin läuft die Partnerschaft seit Jahren recht solide, und die ständige Präsenz im Free Tv trägt erheblich zum Verkauf der Pay Per View Events bei. Ein Abschied würde für die "Konkurrenz"liga Bellator Tür und Tor öffnen, um den ehemaligen Sendeplatz der UFC einzunehmen; Offizielle von Spike Tv waren jedenfalls bereits unter den Besuchern der letzten Bellator Events zu sehen. 600 Millionen sind zudem eine Summe, die auch ZUFFA nicht aus der Westentasche zahlt, und darin sind die zahllosen Folgeinvestitionen für die Produktion neuer Programme, Werbung für den neuen Sender und Vergrößerung der Reichweite (bis dato empfangen lediglich 63 Millionen Haushalte G4; für Spike sind es gut 99 Millionen) noch nicht einmal enthalten. Vor allen Dingen aber würde ZUFFA sich mit diesem Schritt auf neues Terrain begeben, auf dem sie kaum über Erfahrung verfügen. Der Betrieb eines Fernsehsenders ist eine organisatorische Mammutaufgabe, an der sich das Unternehmen aus Nevada leicht überheben könnte, ganz besonders unter der Führung eines delegationsunwilligen und detailversessenen Vorstandes wie Dana White.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie ZUFFA G4 langfristig mit Programm füllen will. Sicher, das vorhandene Videoarchiv ist groß, aber doch nicht unendlich. Die UFC hat bis dato 171 Events produziert, die WEC 53, Strikeforce ebenfalls 53, Pride 68 - das sind insgesamt 345 Shows, zuzüglich 13 Staffeln von the Ultimate Fighter und einigem Bonusmaterial. Es könnte also beispielsweise (knapp) ein Jahr lang jeden Tag ein neues Event gezeigt werden, doch damit sind gerade einmal ca. 5 von 24 Stunden Sendezeit gefüllt. Selbst wenn man das Event nachts noch einmal wiederholt und jeden Tag 2 Stunden Infoshows, Interviews u.ä. ausstrahlt, sind damit erst 12 von 24 Stunden gefüllt. Für die verbleibende Zeit könnte ZUFFA potentiell Sendeverträge mit anderen Kampfsportorganisationen aushandeln, und deren Programm zeigen - ob jedoch die Bereitschaft besteht, der potentiellen Konkurrenz einen Sendeplatz zu bieten, erscheint mindestens fraglich.

Sollte das Projekt trotz aller Bedenken Wirklichkeit werden und Erfolg haben, so wäre damit sicherlich die nächste Stufe in der Evolution der Mixed Martial Arts erreicht. ZUFFA könnte nicht nur altes Material ausstrahlen, sondern den bei ihnen unter Vertrag stehenden Kämpfern auch für die Zukunft häufigere Auftritte ermöglichen. Ein eigener Sender mit komplett selbst produzierten Formaten, Nachrichten und womöglich wöchentlich neuen Kämpfen würde zur Wahrhnehmung von MMA als legitimer Sportart erheblich beitragen, und Vergleiche zur NBA oder NFL, die ebenfalls über eigene Kanäle verfügen, würden zwangsläufig folgen.