MMA Restliche Welt

UFC-Superfights

Ruhm und Ehre oder doch nur Freakshow? (Abgebildet: Jon Jones und Anderson Silva, Foto: Mark Bergmann/GroundandPound)

Wer wünscht sich nicht, dass der Beste gegen den Besten ins Octagon steigt? Als Kampfsportfanatiker kann man solche Wünsche absolut nachvollziehen. Ach was, sogar die Hausfrau, die keine Ahnung vom Kämpfen hat, möchte sehen, wie sich zwei Henker furchtlos bekämpfen. Die Frage ist eben nur, wie sinnvoll sind manche Superfights?

Ich persönlich trenne die Spreu vom Weizen und teile Superfights in zwei Kategorien auf, möchte aber keine der Seiten weder besser noch schlechter darstellen. Auf der einen Seite hat man den Hardcore-MMA-Fan, der die Kampfpaarungen aus sportlicher Sicht koordiniert. Solche Fans analysieren beide Kämpfer bis ins Detail, und können ihren Wunschkampf aus dem Schlaf heraus mit Argumenten untermauern. Auf der anderen Seite stehen Gelegenheitszuschauer, Mitläufer und nicht zu vergessen profitorientierte Promoter. Diese Gruppierung ist für die, wie ich sie nenne, „Freakshow-Superfights“ verantwortlich. Der Gelegenheitszuschauer hat verständlicherweise nur wenig Fachkompetenz und entscheidet vor allem nach der Optik, d.h. der große Muskelberg muss gegen den noch größeren Muskelberg antreten. Die Promoter hingegen spekulieren auf die höchsten Einschaltquoten, die meisten verkauften Pay-Per-Views oder auch Rekordzahlen bei Ticketverkäufen.

Aus diesem Grund entstehen überflüssige Superfights, wie z.B. am 31. Dezember 2007, bei der Großveranstaltung „Yarennoka!“, der Kampf zwischen Fedor Emelianenko und Hong-man Choi. Aus sportlicher Sicht ist so ein Kampf keineswegs gerechtfertigt. Hong-man war nicht mal ansatzweise auf dem technischen Level auf dem sich Fedor damals befand. Da ging es rein um den „David gegen Goliath“-Effekt, und man wollte sehen, wie sich ein kleiner Mann gegen einen Riesen behaupten wird. So ähnlich wirkten die Gerüchte vor einigen Wochen, für deren Entstehung Dana White verantwortlich ist, der in einem amerikanischen MMA-Forum eine Umfrage startete, ob die Fans an einem Superfight zwischen den zwei mittlerweile „pensionierten“ Kämpfern Fedor Emelianenko und Brock Lesnar überhaupt noch interessiert wären. Meiner Meinung nach wäre dieser Kampf im Moment absolut dubios. Vor ungefähr drei Jahren, als Brock Lesnar noch UFC Schwergewichts-Champion war, und Fedor für die Meisten als der beste „Pound-for-Pound“-Kämpfer aller Zeiten galt, hätte dieser Superfight absolut seine Daseinsberechtigung gehabt. Einfach aus dem Grund, weil Fedor seine Herrschaft außerhalb der UFC aufgebaut hat, und um zu beweisen, dass du der beste „P4P“-Kämpfer aller Zeiten bist, musst du den Champion in der mächtigsten Kampfsportliga schlagen - zu dem Zeitpunkt war das eben Brock Lesnar. Heute sind wir alle etwas schlauer und waren Zeuge, dass Lesnar nicht unbedingt viel zu bieten hatte, ausgenommen seiner Ringererfahrung. Zudem stellt Fedor aufgrund seiner Erfahrung und seiner phänomenalen Technik einen um Klassen besseren Kämpfer dar.

Viel aussagekräftiger und effektiver wäre aus meiner Sicht ein ganz anderer Kampf, denn wenn man Fedor schon unbedingt aus dem Ruhestand zurückholen möchte, dann sollte man einen Kampf gegen Anderson Silva auf die Beine stellen. Die Experten spalten sich genau in diese zwei Lager, wenn es darum geht, sich festzulegen, wer denn nun der beste „P4P“-Kämpfer aller Zeiten ist. Dieser Kampf würde es zeigen. Anderson Silva ist mit einer Körpergröße von 1,88 Meter im Schwergewicht sehr gut aufgehoben, zumal sein Gewicht zwischen den Trainingscamps rund 105 kg beträgt. Laut eigener Aussage empfindet Silva, der gelegentlich im Halbschwergewicht kämpft, seine Bewegungen als viel schneller in den höheren Gewichtsklassen. Denkbar wäre es, den Kampf im Catchweight stattfinden zu lassen, da Fedor Emelianenko mit seinen 1,83 Meter und 107 kg nicht unbedingt zu den stämmigsten und größten Schwergewichtlern gehört. Es wäre interessant zu sehen, ob sich die Stärke des ehemaligen Sambo Champions Fedor – der Bodenkampf –  gegen den am Boden schwächeren Anderson Silva durchsetzen würde.

Ein weiterer Superfight, der viel eher stattfinden könnte, wäre ein Kampf zwischen zwei amtierenden UFC Champions, einerseits dem Mittelgewichts-Champion Anderson Silva und andererseits dem Halbschwergewichts-Champion Jon Jones. Beide sind technisch auf einem sehr hohen Niveau, weisen so gut wie keine Schwächen vor und vom Körperbau her ist kein großer Unterschied vorhanden. Auch hier traue ich mich zu behaupten, dass Anderson Silva im Bodenkampf benachteiligt wäre. Ähnlich wie Chael Sonnen, hätte Jones keine Schwierigkeiten Silva zu Boden zu bringen, allerdings hat Jon Jones ein viel brutaleres und effektiveres Ground and Pound. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Jones mit seinen Ellenbogen den Kampf aus der Guard beenden würde, oder zumindest einen hohen Schaden anrichten, um den Kampf durch Folgeaktionen gewinnen zu können. Viele bezeichnen Jon Jones trotz des jungen Alters als den besten Kämpfer aller Zeiten, wobei ich dieser Behauptung nur teilweise zustimmen kann. Er hat auf jeden Fall das Potenzial diesen Titel zu erringen, doch bis dahin muss er noch einige Hürden bewältigen.

Es bleibt für mich nur noch ein potenzieller Superfight übrig, der um Haaresbreite fast stattgefunden hätte, und leider durch die vielen unglücklichen Umstände sogar zwei Mal abgesagt wurde. Es wäre einfach perfekt gewesen: der UFC Weltergewichts-Champion George St. Pierre gegen den Strikeforce Weltergewichts-Champion Nick Diaz. Ganz anders als alle bisherigen Gegner von GSP, hätte Nick Diaz dem UFC Champion ernstzunehmende Schwierigkeiten bereiten können, denn Diaz hält sich an keine Strategien, er ist der Typ Kämpfer, der zum Kampf erscheint und die Stärken des Gegners nicht meidet, sondern darauf eingeht und auch noch siegreich den Käfig verlässt. GSP ist solche Gegner nicht gewohnt, weil die meisten seiner Herausforderer zurückhaltend waren und ebenso hielten sie an ihrer Taktik fest, die von vornhinein zum Scheitern verurteilt waren. Diaz ist ein großartiger Boxer, sehr aggressiv und technisch sehr sauber. Zudem die Takedown Überlegenheit von GSP, die aufgrund des hervorragenden BJJ seitens Diaz nicht zwingend vorteilhaft wäre. Vermutlich wird es ohnehin zu diesem Kampf kommen, nur dieser „Strikeforce Champ vs. UFC Champ“ Effekt wurde uns leider vorenthalten.

Meine Schlussfolgerung: Superfights ja, aber bitte sinnvoll und keine Freakshows, denn obwohl durch solche Kämpfe unzählige neue Fans dazu gewonnen werden, muss man auch die Kehrseite der Medaille betrachten, und sich die Frage stellen: Sind solche Freakshow-Superfights für den MMA Sport gewinnbringend oder richten sie eher einen Schaden an?