MMA Restliche Welt

UFC Rio Erlebnisbericht

Shogun, Dana White und Anderson Silva (Alles Fotos von Tobias Bunnenberg)

Tobias Bunnenberg war für GroundandPound bei UFC 134. Über seine Erfahrungen in Rio de Janeiro hat er für uns einen Erlebnisreport verfasst. Eine große Bildergalerie zu Tag 3 (Fight Day) findet ihr auf unserer Facebookseite.

08:03 Uhr. Hatte mir fest vorgenommen auszuschlafen, aber die Vorfreunde war wohl doch zu gewaltig, so dass ich schon recht früh auf den Beinen war, und erstmal die Akkus von meinen zwei Kameras und meinen Laptop neu aufgeladen habe. Ich wollte auf alles vorbereitet sein, was kommen sollte. Hatte leichte Bedenken, ob es eventuell. eine Octagon-Invasion geben könnte, weil ich am Vortag kaum Sicherheitsleute gesehen hatte und dieses bei MMA-Veranstaltungen in Brasilien schon mal vorkommen kann.

14:00 Uhr. Kann das Warten nicht mehr aushalten und mache mich mit dem Cousin meiner Frau, der ebenfalls bereits sehr aufgeregt ist, auf den Weg. Als wir nach ca. 30 Minuten in die Nähe der Arena kommen, geht der Verkehrsstau bereits los, und man kann etliche Fans mit UFC-, Spider- und Brasilien-Trikots sehen. Als wir bei der Arena ankommen, haben sich dort bereits ein paar tausend Leute versammelt, obwohl der Einlass erst ab 17 Uhr sein soll. Ich trenne mich von dem Cousin und suche den Presse-Schalter. Dort treffe ich auch gleich diverse andere Journalisten der letzten zwei Tage, mit denen ein sehr freundschaftliches Verhältniss besteht. Sitzen ja irgendwie alle im selben Boot, und es geht sehr harmonisch zu. Der Presse-Schalter macht natürlich erst um 16 Uhr auf, aber ich bekomme dann doch recht schnell meinen Ausweis. Reihe D, Platz 5. Das hört sich doch schon mal nicht so schlecht an. Die Stimmung vor der Halle ist sehr gut, und es finden sich immer mehr Leute ein. Dieses mal müssen wir auch nicht um die ganze Halle rumgehen, sondern können um 17 Uhr durch ein Tor direkt in die Halle gehen.

17:05 Uhr. In der Halle angekommen, mache ich erstmal einen Rundgang und sehe mir das Octagon an. Ich schieße die ersten Fotos in der Halle und werde dann gleich von jemanden von der UFC-Orga angesprochen, dass mir das Fotografieren in der Halle nicht erlaubt ist. Ich halte dieses natürlich für einen Scherz und mache mich auf dem Weg ins Pressezentrum. Auf dem Weg dorthin läuft mir Bruce Buffer über den Weg, von dem ich etliche Fotos schieße. Er lässt sich gut gelaunt zusammen mit diversen Leuten fotografieren. Warum ich mich nicht auch mit ihm fotografieren lasse, frage ich mich erst jetzt. Ein Foto zusammen mit Bruce Buffer wäre doch nicht schlecht gewesen. Egal. Das nächste Mal bin ich schlauer. Kurz darauf treffe ich auch noch auch noch Wallid Ismail, der sich sehr freut, als ich ihm sage, dass ich aus Deutschland komme. Im Presseraum lade ich schnell die ersten Fotos von vor der Halle hoch, um die Bilder nach Deutschland zu schicken. Zu dem Zeitpunkt funktioniert das WiFi-Internet auch noch, was sich leider kurz später ändern wird.

18:30 Uhr. Ich suche mir meinen Platz im Presseblock. Die ersten beiden Reihen haben einen Tisch mit Direktanschluss für den PC. Ich sitze in der vierten Reihe, kann von dort aber sehr gut sehen. Ich habe um meinen Hals die Nikon Pro Kamera, die ich mir extra von meinen Schwager ausgeliehen habe, und werde darauf von einer Frau der UFC-Orga angesprochen, dass ich von meinen Platz aus auf keinen Fall fotografieren darf und die Kamera bitte wegpacken möchte. Schade, war dann wohl doch kein Witz. Die Deutschlandfahne, die ich dezent über meinen Sitz gehängt habe, muss ich ebenfalls abnehmen. Ist im Pressebereich nicht erwünscht, ebenfalls wie das Bier trinken, wie ein brasilianischer Kollege feststellen muss. Ich renne zurück in den Presseraum, um diese Neuigkeit meinen GnP-Leuten mitzuteilen, und muss nun feststelen, dass auch das WiFi-Internet nicht mehr funktioniert. Schlauerweise hatte ich ein spezielles Modem mit, welches über meinen Handyanschluss funktioniert. E-Mail versenden ist also doch noch möglich. Leider funktioniert das Modem in der Halle nicht, weil ich dort keinen Handyempfang habe. Die ersten vier Fights verbringe ich damit, um doch noch eine Internetverbindung zu Stande zu bekommen oder zumindestens in den Gängen ein paar Fighter zu treffen, was mir mit Clay Guida, JZ Calvacante und Zulu auch gelingt. Alle drei sind gut drauf und zu Scherzen aufgelegt. Guida hat sich in der Halle verlaufen und fragt mich, wie er zum Octagon kommt.

20:30 Uhr. Ich bin zurück in der Halle und komme rechtzeitig zum Paulo Thiago Kampf zurueck. Thiago, der ja bekanntlich der brasilianischen Polizei-Elitetruppe BOPE angehört, läuft mit der Filmmusik von Trope de Elite ein. Die ganze Halle singt das in Brasilien sehr bekannte Lied mit und macht gewaltig Krach. Einen Krach, den man selbst miterleben muss. Ich habe mir mitterweile die Wiederholung der Veranstaltung angeguckt, aber die Stimmung, die in der Arena herrschte, kommt nur halb so rüber wie sie wirklich war. Einige Sachen bekommt man im TV sowieso nicht mit, wie z.B. der Doubleleg-Takedown-Versuch von Thiago Tavares gegen Joe Silva, der darauf verschreckt kurz das Octagon verlässt. War natürlich nur Spaß von Tavares, konnte man im TV glaube ich aber nicht sehen.

22:00 Uhr. Die Maincard geht los und die Stimmung könnte nicht besser sein. Neben mir sitzt eine nette Reporterin aus Fortaleza, die extra für diese Veranstaltung angereist ist. Luiz Cane verliert als erster Brasilianer seinen Kampf, und ich hoffe, dass es den anderen Brasis der Hauptcard besser ergehen wird. Als Big Nog einläuft, steht die Halle wirklich Kopf. Gänsehautgefühl. Muss man erlebt haben. Als er dann auch noch durch sensationellen Knockout gewinnt, flippen einige Leute total aus, und es fliegen einige vor Freude geworfene Bierbecher in den Pressebereich. Hatte ich aber ehrlich gesagt mit gerechnet, und ich werde auch nur von ein paar Spritzern getroffen.

23:00 Uhr. Ich kriege mit, wir ein Telekom-Techniker, der die Internetverbindung wieder herstellen soll, einen mega Einlauf bekommt. Funktioniert nämlich immer noch nicht richtig. Seitenaufbau 5-10 Minuten, aber mittlerweile ist mir dieses egal. Ich will jetzt knackige Fights sehen. Forrest Griffin kommt mit seiner Irish Folk Musik in den Ring gesprintet, und der Kampf gegen Shogun geht los, und ist dann auch schon wieder vorbei, weil Shogun durch KO gewonnen hat. Mehr Bierbecher fliegen und landen, u.a. bei meinem Vordermann auf dem Laptop. Daraufhin laufen einige Leute von Paulo Thiagos Spezialeinheit auf und versuchen, durch ihre pure Anwesenheit die Leute einzuschüchtern, weitere Bierbecher zu werfen, was auch funktioniert. Wer will schon Ärger mit der BOPE.

24:00 Uhr. Der Hauptkampf geht los und zur Freude aller Anwesenden gewinnt auch Anderson Silva seinen Kampf vorzeitig durch TKO. Es wird gesungen und getanzt und die Leute stehen auf ihren Stühlen. Silva lässt sich ordentlich feiern, und alle sind froh und zufrieden. Die drei Haupfkämpfe wurden von den Brasilianern gewonnen, und das in beeindruckender Manier. Was will man mehr.

00:30 Uhr. Ich mache mich mit der Kollegin aus Fortaleza zur Post-Fight- Pressekonferenz. Auf dem Weg dorthin bekomme ich noch kurz Rickson Gracie, Ricardo Arona und Carlos Barreto vor die Linse. Ich bin erleichtert, dass ich doch noch paar Bilder schießen kann, was auf der nun stattfindenen Pressekonferenz noch getoppt wird.

01:00 Uhr. Dana White, Minotauro, Shogun und auch Forrest Griffin laufen ein. Ich schieße ordentlich drauf los und werde von Forrest recht böse angeguckt. Dana verkündigt, dass Big Nog den „Knockout of the Night“-Bonus gewonnen hat, und dass Edson Jr und Ross Pearson jeweils 100.000 US-Dollar als „Fight of the Night“-Bonus bekommen. „Submission of the Night“ gab es nicht, was Dana freut, dass er auch mal etwas sparen kann. Die Stimmung im Konferenzraum könnte nicht besser sein. Shogun und Nog werden gefeiert, und auch Dana ist sichtlich erfreut. Er teilt den Journalisten mit, dass Okami nicht kommen kann, weil er auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Außerdem erzählt er uns, dass die Frau von Forrest eigentlich in fünf Tagen ihr erstes Kind bekommen sollte, aber nun doch schon die Wehen eingesetzt haben, und er versuchen wird, Forrest so schnell wie moeglich nach Hause zu bekommen. Forrest bekommt dafür ordentlich Applaus, welchen er auch kopfnickend annimmt.

Dana sagt, dass die UFC-Rio-Veranstaltung die mit Abstand lauteste war, auf der er je gewesen ist. Auf die Frage, gegen wen Anderson Silva als nächstes kämpfen koennte, antwortet Griffin, dass Anderson am besten gegen zwei Leute gleichzeitig kämpfen sollte, was Gelächter bei den Journalisten auslöst. Schön zu sehen, dass Forrest immer noch seinen trockenen Humor hat. Dana bestätigt, dass es in Brasilien weitere Veranstaltungen geben wird. Konkret nennt er die Stadt Manaus, aus der urspruenglich Jose Aldo kommt. Dort gibt es eine 100.000 Zuschauer fassende Samba-Arena. Gespräche mit dem dortigen Bürgermeister wurden von Lorenzo Fertitta bereits geführt. Nach der Konferenz gibt es noch jede Menge Zeit, um Fotos zu schießen. Ich habe Fotonacholbedarf und knipse alles, was sich bewegt. Von den drei Gewinnern der heutigen Nacht, über Dana, Danas Bodyguard, Danas Videoblog-Kameramann bis zu Paula Sack, die im GnP-Forum gut angekommen ist, bis zu Pedro Rizzo, Joinha, Babalu, Anderson Silvas Kinder usw. Als ich ca. 300 Fotos gemacht habe und der Saal sich leert, mache ich mich auch auf dem Heimweg.

Als Fazit muss ich sagen, dass es stimmungstechnisch echt genial war, und Rio de Janeiro auf jeden Fall eine Reise wert ist. Ich danke den GnP-Bossen für diese Möglichkeit und wäre in Manaus selbstverständlich wieder dabei – sofern ich eine Genehmigung zum Fotografieren bekomme...