MMA Restliche Welt

UFC Rio Erlebnisbericht

Shogun und Forrest Griffin beim Wiegen. (Alle Fotos von Tobias Bunnenberg)

Tobias Bunnenberg war für GroundandPound bei UFC 134. Über seine Erfahrungen in Rio de Janeiro hat er für uns einen Erlebnisreport verfasst. Eine große Bildergalerie zu Tag 2 (Q & A und Wiegen) findet ihr auf unserer Facebookseite.

12:00 Uhr. Die Presseakkreditierung soll ab 13 Uhr stattfinden, das Q&A mit Vitor Belfort und den Gästen Royce Gracie, Jose Aldo, Junior Cigano und Lyoto Machida umd 14:30 Uhr und das Wiegen um 16 Uhr. Weil es an Freitagen in Rio immer sehr viel Straßenverkehr gibt, mache ich mich bereits eine Stunde vorher auf den Weg, habe nämlich eine Fahrgelegenheit. Komme überraschend schnell an der HSBC Arena an und suche beim Haupteingang den Schalter für die Presse. Gibt’s leider nicht. Frage einige Sicherheitsleute und keiner kann mir weiterhelfen. Treffe nun einige mir vom Vortag bekannte Gesichter und erfahre, dass der Eingang für die Presse wohl auf der anderen Seite der Arena ist. Wir machen uns mit ca. 15 Journalisten auf den 20-minütigen Fußmarsch. An dieser Stelle merke ich, dass die meisten MMA-Journalisten recht übergewichtig sind und recht nassgeschwitzt auf der anderen Seite ankommen. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es recht sonnig ist und alle sehr viele Taschen mit Laptops und Fotoapparaten dabei haben. Auf der anderen Seite angekommen, ist von der UFC-Orga natuerlich keine Spur. Unter den brasilianischen Journalisten macht sich der erste Unmut breit. Die Japaner und ich sehen es locker. Ariel und die anderen Top-Journalisten sind übrigens nicht zu sehen. Haben wohl auch hier eine Sonderstellung und bekommen eine Extrawurst.

14:00 Uhr. Die UFC-Orga lässt sich blicken. Ich bekomme mein pinkes Bändchen und wir machen uns zum Presseeingang,  wo uns mitgeteilt wird, dass dieser sich heute beim Haupteingang befindet. Laut fluchend macht sich unser Journalistentross wieder auf die andere Seite, was allerdings, sobald man erstmal auf dem Gelände ist, etwas schneller geht. Uns wird kurz der Presseraum gezeigt und wir machen uns in die Arena. Halle macht einen guten Eindruck. Unsere Plätze sind zwar in der ersten Reihe, aber vor uns gibt es noch einen grossen VIP-Bereich, in dem ca. 300 Leute Platz nehmen.

14:45 Uhr. Das von Vitor Belfort geleitete Q&A beginnt. Er stellt seinen vier Gästen jeweils ein bis zwei belanglose Standartfragen, und danach kommt das Publikum an die Reihe. Eine witzige Frage ist nach Schlägereien außerhalb des Rings. Royce Gracie antwortet, dass er sich noch nie auf der Straße geprügelt hat, dafür aber reichlich mit seinen Brüdern. Cigano antwortet, dass er sich dreimal geprügelt hat und davon zwei Schlägereien übel verloren hat und dann gemerkt hat, dass dies nichts für ihn ist. Jose Aldo antwortet recht trocken, dass er sich andauernd geprügelt hat, und das auch bei Fußballspielen, weil er einer Ultras-Organisation vom Fußballverein Flamengo angehört. Er habe erst damit aufgehört, als er angefangen hat, MMA zu trainieren. Über der Bühne ist eine große Leinwand, auf der einige Clips gezeigt werden. Als ein Ausschnitt mit Sonnen erscheint, fängt die mit ca. 6000 bis 7000 Leuten gefüllte Halle ordentlich an zu buhen. Vitor macht darauf eine Bemerkung, dass es Zeit wird, dass Sonnen mal eine brasilianische Lehrstunde bekommt. Er versucht noch etwas Stimmung zu machen und versucht, mit dem Publikum zuproben, wie sie jubeln sollen, sobald Big Nog die Halle betrifft. Cigano verspricht am Ende noch, dass er Cain Velasquez KO schlagen wird.

16:00 Uhr. Das Wiegen geht pünklich los. Alle Fighter machen Gewicht. Die Brasilianer werden wie erwartet ordentlich gefeiert, und die “Gringos” gnadenlos ausgebuht. Es gibt einige Sprechchöre wie “Du wirst sterben”, die aber Forrest und Schaub kalt lassen, weil sie es wohl nicht verstanden haben. Ich sitze übrigens neben Chuck Mindenhall von ESPN, für den ich versuche, so gut es geht das Portugiesische ins Englische zu übersetzen. Er und Ariel essen einen Açai-Becher und sind von diesem sehr angetan. Açai ist eine brasilianische Frucht, die man mal gegessen haben muss. Ist unter den MMA-Leuten sehr beliebt. Den meisten Applaus bekommt übrigens unter anderem Paulo Thiago, der einer brasilianischen Polizei-Spezialeinheit angehört, die BOPE genannt wird. Wer die Filme Tropa de Elite 1 und 2 kennt, weiß, was gemeint ist. In der Halle stelle ich bereits fest, dass der Handyempfang sehr schlecht ist. Auf Nachfrage wird uns Journalisten aber versichert, dass es morgen vier WiFi-Linien speziell für uns gibt und wir ohne Probleme ins Internet können und uns keine Sorgen machen müssen.

17:30 Uhr. Ich verabschiede mich von meinen Journalistenkollegen und mache mich auf dem Heimweg mit dem Cousin meiner Frau. Vor der Arena ist bereits ein ziemliches Verkehrschaos und ich entschließe mich, am nächsten Tag besonders früh loszufahren, um diesem Chaos zu entgehen.

18:30. Bin wieder in meiner Unterkunft und lade die Bilder hoch. Es sind trotz der ganzen Köpfe, die ich vor der Linse hatte, einige gute Shots dabei. Die Aufregung für die kommende Veranstaltung geht langsam los, und ich kann es kaum erwarten die Stimme von Bruce Buffer zu hoeren.