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UFC on FX 4: Maynard schlägt Guida kontrovers nach Punkten

Selten von Erfolg gekrönt: Gray "The Bully" Maynard (l.) versucht Clay "The Carpenter" Guida (r.) zu treffen. (Foto: Ed Mulholland/ESPN)

Nachdem der favorisierte Hatsu Hioki, der von vielen Experten an Platz zwei der Welt, gleich hinter Jose Aldo geführt wird, im Vorprogramm überraschend von Ricardo Lamas, der sich nicht in der Top Ten befindet, besiegt wurde, wurde vielen klar, dass bei dieser Veranstaltung so einiges möglich war. So auch im Hauptkampf, der sich über die volle Distanz zog und nicht aufgrund der Trefferquote, sondern infolge von Aggressivität entschieden wurde. Anbei die Ergebnisse aus Atlantic City für UFC on FX 4.

Gray Maynard vs. Clay Guida
Maynard versuchte seinen Kontrahenten mit harten Fäusten signifikant zu schwächen, während Guida um diesen herumtänzelte und mit schnellen Jabs arbeitete, die kurzerhand einen Cut an der Nase von Maynard öffneten. „Let´s go, Guida!“-Gesänge hallten nach wenigen Minuten durch die Halle. Erstaunlich, dass nach zwei Runden noch kein Takedown-Versuch von beiden Athleten eingeleitet wurde, schließlich sind beide dafür in ihrer Gewichtsklasse bekannt.

Spätestens in der dritten Runde wurde vielen klar, dass Maynard seinem Timing hinterherlief, denn selten konnten seine Fäuste ein Ziel finden. Offensichtlich hatte dieser Probleme damit sich an Guidas unorthodoxer Bewegungsart zu gewöhnen, machte jedoch weiter Druck, lief stets nach vorne, ohne jedoch Treffer landen zu können. Guida war ständig in Bewegung und machte seinem inoffiziellen Kampfnamen „Duracell-Hase“ alle Ehren, denn mit schnellen Fußbewegungen die an den (Muhammad) Ali-Shuffle erinnerten, trieb er Maynard zur Weißglut.

In Runde drei versuchte Maynard einen Takedon anbringen zu können, doch Guida schüttelte ihn problemlos ab, was offensichtlich Frustration bei Maynard aufbaute, wie die UFC-Kommentatoren vermuteten. In der Rundenpause haderte der frühere Titelanwärter mit seiner Ring Ecke und wurde von dieser mehrmals aufgefordert sich zu beruhigen. Frustration war hiermit keine Vermutung mehr, sondern in der Tat vorhanden.

In der vierten Runde ließ Maynard seine Wut heraus und zeigte Guida mitten im Kampf zwei Mittelfinger, drückte diesen in den Zaun und schlug mit heftigen Knien im Clinch zu. Lautstark schrie er seinen Kontrahenten an, nahm seine Deckung herunter und forderte Guida zu einem offenen Schlagabtausch heraus, den dieser annahm, nur um sich, nach einem abgefangenen Takedown-Shoot mit der Matte im Gesicht wiederzufinden, denn Maynard setzte als Konter einen Guillotine Choke an und ließ sich auf den Rücken fallen.

Der Submission-Versuch saß tief, doch Guida befreite sich aufgrund der erhöhten Schweißproduktion nach  kurzem Aufbocken. Die Zuschauer feierten das Herz und die Intensität beider Athleten. In Runde fünf stimmten die Zuschauer „Maynard! Maynard“-Gesänge an. Die „Bad Boy“-Attitüde schien hier bei vielen auf Gegenliebe zu treffen und das Blatt zu wenden. In der fünften Runde schlugen beide Athleten noch einmal wild auf sich ein, jedoch ohne signifikante Wirkungstreffer landen zu können. Maynard versuchte erneut einen Takedown zu erzielen, während er Guida in den Käfig drückte, jedoch ohne Erfolg, nutzte dies schlussendlich um ein paar Knie anzubringen.

Der Kampf ging an die Punktrichter und lieferte eine kontroverse Punktentscheidung, denn er fiel geteilt aus undzwar für denjenigen der weniger Treffer anbringen konnte: 48-47 für Maynard, 48-47 für Guida und 48-47 für Maynard. Das Ergebnis wurde von vereinzeltem Jubel sowie Buhrufen begleitet.

Maynard äußerte sich nach dem Kampf im Interview mit folgenden Worten: „Ich bin hergekommen um zu kämpfen und zu zeigen, dass ich harte fünf Runden gehen kann. Guida hatte scheinbar etwas anderes vor und seinen eigenen Game Plan. Ich will einen Titelkampf nachdem Frankie Edgar gegen Ben Henderson gekämpft hat. Ein vierter Kampf gegen Edgar wäre fein. Ich will den Gürtel!“

UFC Päsident Dana White äußerte sich auf der Pressekonferenz enttäuscht über den Main Event des Abends, schien jedoch mit der Punktentscheidung einverstanden zu sein: "Der Kampf war mies. Ich weiß nicht ob ich dazu noch etwas sagen soll. Du kannst doch kein Duell gewinnen, wenn du dauernd im Kreis rennst."

Stout (l.) trifft Fisher (r.) (Foto: Joe Camporeale/US Presswire)

Sam Stout vs. Spencer Fisher
Beide Kämpfer boten den Zuschauern ein starkes Kickboxduell in dem es hin und her ging und harte Schlagkombinationen verteilt wurden. Hier würde scheinbar derjenige das Octagon als Sieger verlassen, der das bessere Kinn und die bessere Technik zu bieten hatte. Selten wurde weniger als eine Drei-Schlag-Kombination abgeliefert, was die Schlagfrequenz stets hoch hielt.

Stout konterte einen Angriff mit einem Takedown, aus dem er in der Guard mit Ground and Pound arbeiten konnte. Am Ende der zweiten Runde wurde Fisher erneut auf den Boden gebracht, von wo der Kanadier mit harten Ellenbogen arbeitete. In der Rundenpause teilte die Ecke des Amerikaners diesem mit, er bräuchte einen KO um diese Begegnung zu gewinnen. Nicht nur diesen schien klar, dass die Takedowns die Punkte und damit die Runden für den Kanadier gewonnen hatten.

Fisher versuchte harte Schläge anzubringen, verlagerte jedoch sein Gewicht auf das vordere Bein, um Kraft zu generieren, was dazu führte, dass Stout unter die Schläge tauchte und diesen wieder auf den Hosenboden holte. Am Ende war es eindeutig: 30-27, 30-27 und 30-27 für Sam Stout.

Brian Ebersole vs. T.J. Waldburger
Ebersole wurde früh in der ersten Runde angeklingelt und fiel durch einen Konterschlag (kurze Linke) auf die Knie. Waldburger sprang auf seinen Kontrahenten und erarbeite sich die Full-Mount Position, versuchte kurz darauf den Kampf mit einem Darce Choke zu beenden, doch ohne Erfolg. Ebersole befreite sich und schien wieder bei Sinnen.

In der zweiten Runde erarbeite sich Waldburger einen Double-Leg Takedown, wurde gesweept und versuchte vom Rücken aus einen Omoplata anzusetzen, wenig später auch einen Armbar. Ebersole blieb ruhig und befreite sich schließlich, nur um von einem Kneebar in einen Triangle Choke zu geraten, doch auch hier konnte sich Ebersole lösen und bestrafte Waldburger mit Ground and Pound.

Runde drei ähnliches Spiel, denn Waldburger wurde wieder auf den Rücken gebracht und erarbeitete sich daraus einen Triangle Choke, während er von Ebersole hart angegangen wurde. Die Schläge und die Oberlage sollten sich am Ende auszahlen, denn Ebersole gewann die Entscheidung nach Punkten: 29-28, 29-28 und 29-28.

Swanson (r.) trifft mit einem Capoeira-Kick, während er sich auf seinem linken Arm abstützt. (Foto: Nick Laham/Zuffa LLC)

Cub Swanson vs. Ross Pearson
Swanson konnte seinen britischen Kontrahenten mit einer wuchtigen Rechten kurzzeitig anklingeln und wenig später mit einem Capoeira-Kick erneut einen Kopftreffer landen, doch Pierson schluckte die Angriffe und schien darauf bedacht Punkte durch Takedowns zu sammeln.

Im weiteren Verlauf wollte der Engländer seinen Gegner auskontern und ihn auf den Boden bringen, da er optisch der breitere Kämpfer war und körperlich einen Vorteil besaß. Die andere Seite der Medaille war jedoch, dass der Amerikaner der schnellere Kämpfer war. Sehr mobil auf den Beinen konnte Swanson gute Schlagkombinationen anbringen und Pearson frustrieren.

Gegen Ende der zweiten Runde sollte sich die Geschwindigkeit auszahlen, denn Swanson traft mit einem harten Frontkick, gefolgt von zwei rechten Geraden und einem linken Haken der Pearson auf die Bretter schickte. Ground and Pound sorgte kurz darauf für den raschen TKO-Sieg.
Dieser Sieg erntete dem Amerikaner den „Knockout of the Night“ Bonus von 50.000 US-Dollar.

Dan Miller erntete den Bonus für die „Submission oft he Night“, während Stout und Fisher das Geld für den „Fight of the Night“ mit nach Hause nahmen.

UFC on FX 4: Maynard vs. Guida
22. Juni 2012
Revel Casino in Atlantic City, New Jersey, USA

Hauptprogramm
Gray Maynard bes. Clay Guida nach Punkten (geteilt)
Sam Stout bes. Spencer Fisher nach Punkten (einstimmig)
Brian Ebersole bes. T.J. Waldburger nach Punkten (einstimmig)
Cub Swanson bes. Ross Pearson via TKO nach 4:14 in Rd.2

Vorprogramm
Ricardo Lamas bes. Hatsu Hioki nach Punkten (einstimmig)
Ramsy Nijem bes. C.J. Keith via TKO (Schläge) nach 2:29 in Rd.1
Rick Story bes. Brock Jardine nach Punkten (einstimmig)
Steven Siler bes. Joey Gambino via Guillotine Choke nach 2:47 in Rd.1
Chris Camozzi bes. Nick Catone via TKO (Doctor Stoppage) nach 1:51 in Rd.3
Matt Brown bes. Luis Ramos via TKO (Schläge) nach 4:20 in Rd.2
Dan Miller bes. Ricardo Funch via Guillotine Choke nach 3:12 in Rd.3
Ken Stone bes. Dustin Pague nach Punkten (geteilt)