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UFC 149: Barao besiegt Faber und beschlagnahmt das Titelgold

Renan Barao kann sein Glück nicht fassen. (Foto: UFC/Facebook)

Unter dem Beifall der heimischen Zuschauer machte die UFC ihr Debüt im kanadischen Calgary. Die gute Laune änderte sich jedoch nach dem ersten Hauptkampf, denn die Leistung vieler Kämpfer blieb unter den allgemeinen Erwartungen. Die Vorkämpfe hingegen waren allesamt unterhaltsam und von Jubel begleitet. Im Hauptkampf konnte Renan Barao den Interims-Titel im Bantamgewicht sein Eigen nennen, als er Urijah Faber einstimmig nach Punkten besiegte.

Interims-Bantamgewichtstitelkampf
Urijah Faber vs. Renan Barao
Der acht Jahre jüngere Kämpfer aus Brasilien beschäftigte Faber mit Headkicks und hielt diesen auf Distanz. Vereinzelt kamen auf beiden Seiten Faustschläge zum Kopf durch, jedoch konnte man früh erkennen, dass beide Athleten ihre eigene Taktik verfolgten und sich keinen Fehler leisten wollten. Barao nutzte seine Reichweitenvorteile, die Faber Schwierigkeiten bereiteten, denn dieser konnte selten Treffer anbringen, während der Brasilianer Lowkicks geschickt einsetzte. Keine Takedowns gelangen auf Seiten von Faber, was an seinen früheren Titelkampf gegen Jose Aldo erinnerte, bei dem der Amerikaner ebenfalls viele Lowkicks einstecken musste.

Die größere Anzahl signifikanter Treffer befand sich auf Seiten des Brasilianers, was sich am Ende auf dem Papier wiederspiegelte. Nach fünf Runden, die allesamt im Stehen geführt wurden, war es eindeutig, denn Barao blieb weiter ungeschlagen, im 30. Kampf in Folge ohne Niederlage und durfte sich den UFC Gürtel um die Hüfte schnallen, was ihm einen zukünftigen Kampf gegen Dominick Cruz garantiert.
„Ich habe meine Rippe in der zweiten Runde gebrochen“, verriet Faber nach dem Kampf.

Urijah Faber traf selten das Ziel. (Foto: Heavy.com)

Hector Lombard vs. Tim Boetsch
Der kubanische Judoka-Olympionike, der seit 25 Kämpfen ungeschlagen bleiben konnte und bekannt für seinen sehr aggressiven Boxstil ist, schien wie ausgewechselt. Er blieb ruhig und ließ Boetsch kommen, verschwendete keine unnötige Energie und beschränkte sich auf seltene Konter. Boetsch hingegen bemühte sich um Takedowns, die Lombard jedoch problemlos abwehrte, trotzdem versuchte Boetsch seinen Gegner sichtlich zu beschäftigen. In der zweiten Runde machte der Kubaner mehr Druck und ließ seine Fäuste kurzweilig fliegen, jedoch erneut ohne großen Antrieb. Von einem Kick zum Körper getroffen, ging Boetsch in die Knie, gefolgt von Lombard der auf ihm lag und ihn mit Schlägen beschäftigte, jedoch ohne Schaden anzubringen bis zum Ringgong.

„Das ist nicht der Lombard den wir kennen“, so Joe Rogan. „Das ist nicht der Mann von dem viele sagen er sei eine Gefahr für Anderson Silva, der Bellator Mittelgewichtschampion.“ Erneute Buhrufe machten sich bemerkbar, die das groß angekündigte UFC-Debüt von Lombard perfekt charakterisierten. Ein Double Leg Takedown am Ende, von Lombard, brachte keine Besserung, denn die Zuschauer buhten weiterhin bis die Runde endete. Die Punktrichter belohnten den aktiveren Mann, denn Tim Boetsch erntete eine knappe und geteilte Punktentscheidung.
Auf der späteren Pressekonferenz gab Boetsch bekannt, dass er einen Fußbruch in der zweiten Runde erlitten hatte.

 Tim Boetsch erringt den vierten UFC-Sieg in Folge. (Foto: MMAMania.com)

Cheick Kongo vs. Shawn Jordan
Die schweren Jungs ließen es wie erwartet krachen, doch anders als vorerst erwartet. Nachdem beide Schwergewichte sich an den Käfig drückten wurde Kongo von einem harten Ellenbogen im Unterleib getroffen und brach vor Schmerzen zusammen. Nach einer Pause griff Kongo, von dieser Aktion scheinbar aufgeweckt, an, doch landeten beide Athleten wieder am Maschendraht, was den Zuschauern nicht imponierte, da es kaum Schläge oder Tritte gab, geschweige denn Takedowns. Dies zog sich über zwei Runden, bis Kongo dort kurz vor Ende den Rücken erobern wollte, dabei die Position verlor und auf dem Rücken landete, mit Jordan auf ihm. Gefahr drohte jedoch nicht, denn beide Athleten schienen zu diesem Zeitpunkt bereits konditionell angeschlagen.

In der dritten Runde das gleiche Spiel: Clinchen am Zaun, unterstützt von lautstarken Buhrufen der Zuschauer, bis die Runde zu Ende ging. Das Ergebnis: Cheick Kongo gewinnt einstimmig nach Punkten. Die Buhrufe hörten nicht auf bis die Kamera in die Zuschauer schwenkte, wo sich WWE-Legende Bret „Hitman“ Hart befand, der lautstark bejubelt wurde.
Im späteren Interview gab Kongo bekannt, dass er mit Schulterverletzungen (in beiden Schultergelenken) angetreten war, weshalb er nicht seine beste Leistung zeigen konnte.

Kongo streckt den Finger siegreich in die Luft. (Foto: grizzlybomb.com)

Brian Ebersole vs. James Head
Ebersole war körperlich unterlegen und schien in der Lage zu sein eine Gewichtsklasse tiefer starten zu können als sein Gegenüber, wie Joe Rogen ebenfalls andeutete. Mit Takedownversuchen hatte der 31-Jährige zwar keinen Erfolg die Begegnung auf den Boden zu bringen, jedoch konnte er aus den Sprawls seines Gegners ab und an einen Sweep herausarbeiten, um daraus die Guard zu erklimmen. Gefahr brachte dies trotzdem ebenso wenig mit sich. Der Großteil des Kampfes fand im Stehen statt, wo Ebersole den Kürzeren zog.

Der Trainer von Ebersole war stinksauer und feuerte seinen Schützling vor der letzten Runde noch einmal an alles zu geben, jedoch schien dies nicht viel gebracht zu haben, denn Head dominierte nach wie vor im Stehen und wehrte die laschen Takedownversuche von Ebersole ab, während die Zuschauer diese lustlosen Versuche ausbuhten. Nach drei Runden waren sich die Punktrichter zwar nicht einig, gaben die Begegnung jedoch an James Head. Ebersole rief Joe Rogan „155“ zu, eine klare Andeutung, dass er ins Leichtgewicht wechseln wird, was den körperlichen Nachteil somit erklärt.

Brian Ebersole mit seinem Markenzeichen, der zum Pfeil rasierten Brust. (Foto: bloodyelbow.com)

Chris Clements vs. Matt Riddle
Riddle konnte seinen kanadischen Kontrahenten nach Belieben auf die Matte bringen, ließ den Kickboxer jedoch wieder auf die Beine kommen, nur um sich einen wilden Schlagabtausch in der Mitte des Octagons zu liefern, was er im Interview nach dem Kampf gegenüber Joe Rogan bestätigte. „Ich wollte den Zuschauern eine Show bieten!“

In Runde drei machte er schließlich ernst und sicherte einen stehenden Arm-Triangle Choke, nachdem Clements einen Spinning Elbow abfeuerte, jedoch nicht traf. Mit diesem Aufgabegriff brachte Riddle den Kampf mit einem Leg-Trip auf die Matte und ließ den Kanadier abklopfen.

Dieser Sieg wurde von der UFC mit der "Submission of the Night" ausgezeichnet, was Riddle einen monetären Bonus von 65.000 US-Dollar einbrachte.
Auf der Abschlusskonferenz bat Riddle darum, demnächst gegen Dan Hardy ins Octagon steigen zu dürfen.

Freudestrahlend: Matt Riddle. (Foto: Heavy.com)

Ryan Jimmo vs. Anthony Perosh
MFC Halbschwergewichtschampion Ryan Jimmo konnte eines der besten UFC Debüts aller Zeiten hinlegen, als er seinen australischen Kontrahenten nach nur sieben Sekunden auf die Bretter schickte, mit dem ersten Faustschlag des Kampfes. Damit zog Jimmo mit Rekordhalter Duane Ludwig gleich, der den schnellsten K.o. der UFC-Geschichte bislang sein Eigen nennen durfte. Mit 17 Siegen in Folge empfiehlt sich der Kanadier für einen Kampf in den oberen Rängen des UFC-Halbschwergewichts.

Erwähnen sollte man auch seinen Robot-Dance, den er nach jedem Sieg, so auch im UFC-Debüt, unter dem Beifall der Zuschauer zur Schau stellte.

Die starke Leistung wurde belohnt, denn Jimmo bekam den Bonus für den "Knockout of the Night", und damit 65.000 US-Dollar zusätzlich.

Glücklich: Ryan Jimmo mit dem MFC-Gold. (Foto: mmavalor.com)

Der Abend startete negativ für das heimische Publikum, denn der erste Kanadier, Mitch Clarke, musste sich nach Punkten geschlagen geben. Kurz darauf konnte jedoch Antonio Carvalho den Zuschauern verbale Höchstleistungen abverlangen, denn er kam mit der Einlaufmusik der kanadischen Pro-Wrestling-Legende Bret „Hitman“ Hart (der später selbst an der Seite von Nick Ring einlief) in die Arena und erntete lautstarken Jubel. Mit einer rechten Geraden traf er nach wenigen Minuten das Kinn von Pineda und schickte diesen zu Boden, um den Kampf durch Ground and Pound zu beenden.

„Ich bin beschämt über die Hauptkämpfe heute", so Dana White auf der Abschluss-Pressekonferenz. "Die Vorkämpfe waren Weltklasse, aber ansonsten fühlte es sich an als wäre ich zurück bei UFC 33. Was haben Kongo und Jordan da über drei Runden getan? Ein Alibischlag und schon waren sie im Clinch. Das war die Ultimate-Clinching-Challenge und der Ringrichter hat nicht eingegriffen. Das zerstört den ganzen Sport.“

Da die Hauptkämpfe, wie oben bereits erwähnt, keine Highlights mit sich brachten, entschied sich die UFC dafür die Begegnung Bryan Caraway gegen Mitch Gagnon zum "Fight of the Night" zu krönen, was den beiden Athleten ebenfalls den Geldbonus von jeweils 65.000 US-Dollar einbrachte.

UFC 149: Faber vs. Barao
21. Juli 2012
Scotiabank Sattledome in Calgary, Alberta, Canada

Hauptprogramm

Interims-Bantamgewichtstitelkampf
Renan Barao bes. Urijah Faber nach Punkten (einstimmig)

Tim Boetsch bes. Hector Lombard nach Punkten (geteilt)
Cheick Kongo bes. Shawn Jordan nach Punkten (einstimmig)
James Head bes. Brian Ebersole nach Punkten (geteilt)
Matt Riddle bes. Chris Clements via Arm-Triangle Choke nach 2:02 in Rd.3

Vorprogramm
Nick Ring bes. Court McGee nach Punkten (einstimmig)
Francisco Rivera bes. Roland Delorme via K.o. nach 4:19 in Rd.1
Ryan Jimmo bes. Anthony Perosh via K.o. nach 0:07 in Rd.1
Bryan Caraway bes. Mitch Gagnon via Rear-Naked Choke nach 1:39 in Rd.3
Antonio Carvalho bes. Daniel Pineda via K.o. nach 1:11 in Rd.1
Anton Kuivanen bes. Mitch Clarke nach Punkten (geteilt)