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UFC 135: Jones vs. Rampage

Poster via Zuffa LLC

Jon Jones muss am Wochenende beweisen ob er sein Titelgold verteidigen kann und zu Recht an der Spitze der UFC-Nahrungskette steht, seitdem er Mauricio „Shogun“ Rua im März dieses Jahres vom Thron stoßen konnte. Im Pepsi Center in Denver, in Jones Heimatstadt, kommt es am Samstagabend zum Duell zweier Weltklasse Kämpfer in dem mehr als nur der Titel auf dem Spiel steht.

UFC Halbschwergewichtstitelduell
Jon "Bones" Jones (c) vs. Quinton "Rampage" Jackson

Jones vs. Jackson

Der 24jährige Jones (13-1) bekommt die Möglichkeit sich gegen einen der besten Kämpfer der Welt in Szene zu setzen und zu zeigen, dass er nicht von Leistungsdruck und Erfahrungsmangel erdrosselt wird. Jones will in seiner ersten Titelverteidigung beweisen, dass es nicht ausreicht den Titel zu gewinnen, sondern man muss diesen auch halten können, um ein großer Champion zu werden. Laut eigener Aussage strebt Jones genau dies an.

Ihm gegenüber steht der frühere UFC-Champion Quinton Jackson (32-8), der dafür bekannt ist, Kämpfe mit nur einem Faustschlag beenden zu können. Ob ihm dies gegen Jones gelingt bleibt abzuwarten. Trotzdem muss man zugeben, dass der „Jackson's MMA“ Kämpfer noch bislang in keinem unerbittlichen Schlagabtausch zu sehen war und seine Kritiker sich fragen, ob sein Kinn harte Schläge erdulden kann. Ein Grund weshalb der Nachwuchsstar bisher in keine allzu brenzlige Situation geriet ist seine immense Reichweite, denn Jones hat die größte Arm-Spannweite in der UFC Geschichte und vermag diese perfekt auszunutzen, was man in seinem letzten Duell gegen Rua beobachten konnte. Im Stehen dominiert er mit starkem Muay Thai, hält seine Gegner auf Distanz und beendet Kämpfe zum Großteil durch TKO. Zuletzt gelang ihm dies nicht nur gegen Rua, sondern ebenso gegen Vladimir Matyushenko oder Brandon Vera. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, nutzt Jones jedoch auch seine Submissionfähigkeiten, wie gegen Ryan Bader bei UFC 126, als er diesen in Runde zwei mit einem Guillotine Choke abklopfen ließ. Ebenso zeigt Jones eine Vielzahl von unorthodoxen Takedown-Variationen, doch sollte man die Takedown-Abwehr des früheren Ringers (Jackson) nicht unterschätzen.

Experten blicken gespannt auf Jacksons Kampfstrategie, denn der Amerikaner gilt inzwischen als eindimensionaler Athlet. Sollte er, wie in seinen letzten Begegnungen, einen Boxkampf mit seinem Gegner suchen, droht ein böses Erwachen, denn Jones kündigte bereits in Interviews an, sich auf keinen wilden Schlagabtausch mit „Rampage“ einzulassen. Seit vier Duellen konnte Jackson keinen Kampf mehr beenden, verfolgte dabei stets die gleiche Strategie, und zwar den Kontrahent auf den Beinen zu halten und den KO zu suchen, was jedoch nicht gelang. Gegen Keith Jardine, Lyoto Machida und Matt Hamill reichte dies zwar für (zum Teil sehr knappe) Punktentscheidungen, doch ging Jackson damit gegen den mobilen Rashad Evans unter. Die Frage ist, ob Jackson, innerhalb der fünf möglichen Titelrunden, seine Chance bekommt, den Champion auszuknocken, sofern der Energietank dafür ausreicht Druck machen zu können. Man muss sich fragen, ob der 33jährige, der von seinem Trainingsvorbereitung behauptet „es wäre die Schwerste aller Zeiten“ seinen Kampfstil für Jones geändert hat, was schwer vorstellbar ist, wenn man die letzten Kämpfe im Hinterkopf hat.

Möglicherweise ist dies einer der Gründe, weshalb Jackson sein Gegenüber als „Spion“ bezeichnet und in die mentale Trickkiste greift, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Jackson wirft Jones vor, seine Trainingsvorbereitung verfolgt haben zu lassen, durch einen Spitzel. Dieser soll ebenso Informationen über eine mögliche Verletzung Jacksons ans Tageslicht gebracht haben. Man darf gespannt sein, ob dieses Psychospiel, was in unzähligen Interviews der letzten Wochen von Jackson angesprochen wurde, sich auf Jones Performanz auswirken wird, ob "Rampage" es geschafft hat, in den Kopf seines Gegers zu gelangen.

Jones Wege zum Ziel könnten sowohl mit Lowkicks, was Forrest Griffin erfolgreich gegen Jackson zeigte, als auch durch seine Reichweite im Stehen mit Schlagkombinationen erreicht werden. Ebenso ist der Bodenkampf vorstellbar, sofern Jones diesen wünscht. Jones besitzt die zahlreicheren Möglichkeiten diese Begegnung zu entscheiden und könnte den Kampf nach seinen Wünschen kontrollieren, doch darf man Jackson zu keinem Zeitpunkt unterschätzen.

Matt Hughes vs. Josh Koscheck

Hughes vs. Koscheck

Matt Hughes (45-8) sollte auf Diego Sanchez treffen, der jedoch aufgrund eines Handbruchs ausfiel und Josh Koscheck (15-5) dafür einspringen ließ. Koscheck wurde des Öfteren mit Hughes verglichen und bezeichnete sich sogar selbst als die „neuere, bessere Version“ von Hughes. Zudem forderte er Hughes seit Jahren heraus, wurde von diesem, laut eigener Aussage, nie ernst genommen. Nun kommt es zum gewünschten Duell, in dem der 33jährige ankündigte, den vier Jahre älteren Hughes vorführen zu wollen.

Koscheck war seit dem 11. Dezember des letzten Jahres nicht mehr im Einsatz, konnte davor drei Kämpfe in Folge gewinnen, um zum Titelkampf gegen Georges St. Pierre eingeladen zu werden. Nachdem er über fünf Runden mit harten Jabs auf Distanz gehalten wurde und deutlich nach Punkten verlor, kurierte er einen Augenhöhlenbruch aus und war monatelang außer Gefecht. Koscheck gilt als einer der besten Ringer seiner Gewichtsklasse und glänzt zudem mit solidem Boxen. In welcher Verfassung er sich nach der langen Auszeit befindet, bleibt abzuwarten.

Hughes gilt als Legende des Sports und befindet sich in der „Hall of Fame“ (zu Deutsch: Die Ruhmeshalle) der UFC, entschied sich jedoch dafür weiterzukämpfen und die Handschuhe (noch) nicht an den Nagel zu hängen. Hughes gilt als einer der erfahrensten Ringer der UFC und konnte den Weltergewichtstitel zweimal halten. Ebenso wie Koscheck konnte Hughes drei Duelle in Folge gewinnen, verlor daraufhin sein Letztes. Gegen BJ Penn unterlag der 37jährige bereits nach 21 Sekunden durch KO. Die Begegnung fand im November 2010 statt, womit Hughes, genau wie Koscheck, mehr als ein halbes Jahr Octagon-Abstinenz aufweist.

Travis Browne vs. Rob Broughton

Browne vs. Broughton

Vor den beiden Hauptkämpfen können sich zwei Schwergewichte in Szene setzen. Travis Browne (11-0-1) konnte seine explosive KO-Kraft im letzten Kampf gegen Stefan Struve unter Beweis stellen, als er den Niederländer nach 4:11 Minuten mit einem Superman Punch ins Land der Träume schickte. Der Amerikaner wurde noch nie besiegt und konnte bisher neun seiner elf Erfolge vorzeitig durch (T)KO beenden.

Sein Gegenüber, Rob Broughton (15-5-1) hat fünf Siege in Folge aufzuweisen, wobei er zwischen Aufgabe, KO und Punktsieg variierte. Dies zeigt, dass er in allen Kampfsituationen gefährlich sein kann, jedoch bleibt abzuwarten, ob er mit dem Kaliber von Browne zurechtkommen, oder überfordert sein wird. Broughton strauchelte in der Vergangenheit bereits gegen qualitative Gegner wie Jessie Gibbs oder Ricco Rodriguez.

Nate Diaz vs. Takanori Gomi

Diaz vs. Gomi

Nick Diaz, der ältere Bruder von Nate Diaz (13-7), stand bereits 2007 gegen den Japaner im Ring und konnte diesen zur Aufgabe zwingen. Nick wird somit die Schwächen seines Gegenübers zu Genüge kennen und einen Wissensvorteil in dieser Begegnung besitzen. Obwohl seitdem einige Jahre vergangen sind, ließ sich bei Gomi (32-7) keine strategisch große Veränderung im Kampfstil erkennen, was Diaz möglicherweise mit der gleichen Strategie in die Begegnung gehen lassen wird, wie sein großer Bruder einige Jahre zuvor.

Gomi scheut den Bodenkampf, der ihm in der UFC Niederlagen gegen Kenny Florian, sowie Clay Guida einbrachten. Aus drei UFC-Begegnungen konnte Gomi lediglich eine gewinnen, als er Tyson Griffin mit einem KO-Schlag in Runde eins überraschte. Ein Sieg gegen Nate Diaz könnte ihm großen Respekt in seiner Gewichtsklasse ernten, denn Experten zufolge wird ihm keine große Chance gegen Diaz gegeben. Gomi verfolgt stets den Standkampf und versucht dort einen KO zu erzielen. Dies gelang ihm bei Pride FC über Jahre, wo er die Leichtgewichtsklasse von  2004 bis 2005 dominierte und den Titel trug. Zudem hält er den Rekord für den schnellsten KO der Pride FC-Geschichte, mit einem sechs-Sekunden TKO gegen Ralph Gracie.

Nate Diaz gilt als guter Boxer, der seine lange Reichweite einzusetzen versteht. Mit dieser Taktik, zu treffen und sich außerhalb vom Gegnerradius zu befindet konnte der Amerikaner bereits viele Kontrahenten frustrieren. Dies könnte auch bei Gomi gelingen, denn der Japaner besitzt keine große Reichweite, auch wird er es nicht riskieren wollen sich mit langen Schlägen hinein zu lehnen, sonst droht der gefürchtete Takedown. Auf dem Boden gilt Diaz als brandgefährlich, so konnte er neun seiner 13 Siege durch Aufgabe erzielen.

Ben Rothwell vs. Mark Hunt

Rothwell vs. Hunt

Im ersten Duell des Hauptprogramms treffen zwei schlagwütige Schwergewichte aufeinander. Wer die IFL (International Fight League) kennt, wird Rothwell (31-7) ein Begriff sein. In der amerikanischen Organisation konnte der 120Kg Koloss für Furore sorgen, wo er neun Kämpfe in Folge gewann, den Großteil durch (T)KO. Seine beiden UFC Auftritte waren bescheidener, denn gegen Cain Velasquez musste er sich in Runde zwei via TKO geschlagen geben, konnte jedoch daraufhin gegen Gilbert Yvel einen Punktsieg erkämpfen.

Mark Hunt gehörte viele Jahre zu den besten Kickboxern des Planeten. Der Neuseeländer konnte sich den renommierten K-1 World Grand Prix im Jahre 2001 sichern und war der erste Kämpfer, der Wanderlei Silva bei Pride FC besiegen konnte, nachdem dieser dort für vier Jahre ungeschlagen war. Sein Vorteil liegt klar im Stand, wo er mit starken Kombinationen und einem sehr guten Kinn agiert. Der große Nachteil liegt jedoch auf dem Boden und genau dorthin könnte Rothwell den Kampf verlagern. In seinem UFC Debüt verlor Hunt gegen Sean McCorkle, durch Kimura, und schien überfordert, sobald es auf die Matte ging. Gegen Chris Tuscherer konnte der 37jährige jedoch einen KO-Sieg einfahren und hofft nun, in seiner dritten UFC-Begegnung auf einen weiteren Erfolg.

Poster via Zuffa LLC

UFC 135: Jones vs. Rampage
24. September 2011
Pepsi Center in Denver, Colorado

UFC Halbschwergewichtstitelduell
Jon Jones vs. Quinton "Rampage" Jackson

Hauptprogramm
Matt Hughes vs. Josh Koscheck
Rob Broughton vs. Travis Browne
Nate Diaz vs. Takanori Gomi
Mark Hunt vs. Ben Rothwell

Vorprogramm (Spike TV)
Tony Ferguson vs. Aaron Riley
Tim Boetsch vs. Nick Ring

Vorprogramm (Facebook)
Junior Assuncao vs. Eddie Yagin
Cole Escovedo vs. Takeya Mizugaki
James Te Huna vs. Ricardo Romero

Alle Fotos/Poster via Zuffa LLC