MMA Restliche Welt

Strikeforce setzt wieder auf die Falschen

Bobby Lashley auf dem Boden der Tatsachen. (Foto via Strikeforce)

Strikeforce hat ein Problem: Ihre Stars gewinnen einfach nicht. Nach der Niederlage von Dan Henderson gegen Jake Shields kam die Niederlage von Fedor Emelianenko gegen Fabricio Werdum und an diesem Wochenende dann auch noch die Niederlagen von Bobby Lashley und Muhammed „King Mo” Lawal gegen Chad Griggs bzw. Rafael „Feijao” Cavalcante. Damit mussten vier der Zugpferde der zweitgrößten MMA-Organisation in Amerika schmerzhafte Niederlagen einstecken.

Dabei fühlte sich Strikeforce auf dem aufsteigenden Ast, nachdem sie mit Henderson und Emelianenko zwei bekannte MMA-Größen unter Vertrag nehmen konnten. Mit Henderson hatten sie einen Kämpfer, der ihren abwanderungswilligen Mittelgewichtschampion Jake Shields locker besiegen sollte und mit den Fedor den besten MMA-Kämpfer aller Zeiten. Aber es kam alles anders, als Strikeforce es sich wohl erhofft hatte. Shields dominierte Henderson und gewann eindeutig nach Punkten und verließ Strikeforce danach als Champion in Richtung UFC. Dazu besiegte der von der UFC entlassene Werdum den unbesiegbaren Fedor und zerstörte dadurch dessen Mythos.

Für Strikeforce: Houston setzte man mit Lashley und Lawal auf zwei ebenfalls bekannte und beliebte Kämpfer. Beide waren bis dahin unbesiegt und gehörten zu den Hoffnungen von Strikeforce. Lashley war bereits durch seine Erfolge in der WWE und TNA ein Star unter den Wrestling-Fans und sollte einige von ihnen zu Strikeforce locken und mit „King Mo“ hatte sich ein charismatischer und in Japan gefeierter Ringer bereits den Halbschwergewichtstitel gesichert. Dazu konnte man auf dem Eventposter noch den amerikanischen Kriegshelden Tim Kennedy und den Boxer KJ Noons sehen. Mit Lawal, Lashley und Kennedy haben drei dieser vier „Posterboys“ ihren Kampf verloren und kaum jemand weiß gegen wen.

Wie bei Fedor wollte Strikeforce bei Lashley auf Nummer Sicher gehen, indem sie ihm mit Chad Griggs einen Gegner vorgesetzt hatten, der über ein Jahr lang nicht im Käfig angetreten ist und wie bei Fedor ging diese Taktik nach hinten los. Wieder wurde einer ihrer Top-Stars durch einen für den unregelmäßigen Zuschauer unbekannten Kämpfer besiegt und wieder blieben die Verantwortlichen mit einem großen Fragezeichen im Gesicht zurück. Statt sich jedoch selbst zu hinterfragen, richtete Strikeforce CEO Scott Coker nach dem Event seinen Ärger mehr in Richtung Lashley. In einem Interview sagte er, dass sich Lashley überlegen sollte, ob er wirklich kämpfen will. Eine durchaus berechtigte Aussage. Schließlich sah Lashley bereits zum Ende der ersten Runde sehr erschöpft aus und musste auch nach dem Kampf vollkommen dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert werden, aus dem er aber nach ein paar Stunden wieder entlassen werden konnte. Dennoch stellt sich in Lashleys Fall die Frage: War er motiviert genug, um sich richtig auf den Kampf vorzubereiten? Schließlich konnte er in diesem Kampf nicht viel gewinnen. Es sind ohnehin alle davon ausgegangen, dass er den Kampf dominiert, wie er es auch die ersten Minuten über getan hat. Allerdings hatten die Wenigsten damit gerechnet, dass er bereits zum Ende der ersten Runde vollkommen erschöpft sein würde. Dadurch werfen sich weitere Fragen auf: Ist Lashley überhaupt mit seinem ganzen Herzen im MMA oder wäre er beim Wrestling besser aufgehoben? Hätte ihn ein bekannterer Gegner motivieren können, in einer besseren Form in den Käfig zu steigen? Dies alles müssen sowohl Lashley als auch die Verantwortlichen von Strikeforce hinterfragen, bevor sie den nächsten Kampf planen.

Mit Muhammed Lawal ist dazu noch ein weiterer Strikeforce-Star gestürzt worden und wieder wussten nur die Hardcore-Fans vor dem Kampf, wer Rafael Cavalcante überhaupt ist. Nun hat Strikeforce einen Halbschwergewichtschampion, den keiner kennt. Dazu wurde Tim Kennedy an diesem Abend auch noch von Ronaldo „Jacaré“ Souza im Kampf um den Mittelgewichtstitel von Strikeforce besiegt, womit sich die schlimmsten Befürchtungen der Verantwortlichen wohl bewahrheitet haben dürften. Dadurch steht Strikeforce nämlich immer mehr vor dem Problem, dass kaum jemand ihre Champions kennt. Somit müssen sich die Verantwortlichen die Frage gefallen lassen, ob sie die richtige Strategie gewählt haben – sowohl was das Marketing angeht, als auch die Kampfansetzungen.

Sicherlich lässt sich einiges auf den sehr dünnen Kader an Kämpfern festmachen, aber ist es wirklich die richtige Strategie, die potenziellen Stars ganz langsam aufzubauen? Lashley wurde vor dem Kampf gegen Griggs immer wieder mit dem amtierenden Schwergewichtschampion der UFC, Brock Lesnar, verglichen: Beide haben einen Hintergrund als Ringer, beide sind in der WWE zu Stars geworden und beide sind körperlich extrem gut veranlagt. Allerdings haben Strikeforce und die UFC vollkommen unterschiedliche Strategien verfolgt, wie sie mit den bereits als Stars zu ihnen gekommenen und im MMA-Sport noch unerfahrenen Kämpfern umgegangen sind: Die UFC hat Lesnar sofort gegen ihren ehemaligen Champion Frank Mir antreten lassen, während Strikeforce Lashley immer wieder gegen unbekannte Gegner in den Käfig schickte. Inzwischen hat die UFC in Lesnar einen „Goldesel“ – trotz der Niederlage im ersten Kampf gegen Mir – und Strikeforce einen gefallenen Wrestler, der sich die Frage gefallen lassen muss, ob er wirklich den Wettkampf sucht, oder ob er in der WWE oder TNA besser aufgehoben wäre. Wie viel Schuld Strikeforce an dieser Situation trägt, kann keiner beantworten, trotzdem wird sich wohl der eine oder andere in der Chefetage die Frage stellen: Was wäre gewesen, wenn wir Lashley gegen Andrei Arlovski oder Brett Rogers hätten antreten lassen?