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Sengoku Grand Prix nimmt unerwartetes Ende

Kanehara gewinnt Federgewicht Grand Prix, Kitaoka muss Leichtgewichtstitel abgeben

Vom Verlierer zum Titelträger: Masanori Kanehara wurde heute der erste Federgewichtschampion der japanischen Veranstaltungsserie Sengoku. Im Finale des Federgewicht Grand Prix, das er nur durch einen Umweg erreichte, besiegte er seinen Landsmann Michihiro Omigawa knapp nach Punkten.

Kanehara wäre in der ersten Runde beinahe mit einem Rear Naked Choke erfolgreich gewesen, aber Omigawa verteidigte sich minutenlang gegen den Würgegriff und hätte zum Ende der Runde beinahe einen Armhebel durchgezogen. Den zweiten Durchgang sicherte sich Kanehara mit heftigen Kniestößen aus der Side Control. Die dritte Runde gehörte Omigawa, doch seine Schlussoffensive auf dem Boden brachte nicht mehr den gewünschten Erfolg.

Zwei der Punktrichter werteten mit 29:28 für Kanehara, einer sah den Kampf 29:29 unentschieden. In einem solchen Fall gibt es bei Sengoku eine „Must Decision“, d.h., der Punktrichter muss einem der beiden Kämpfer den Sieg zusprechen. In diesem Fall entschied sich der Punktrichter für Omigawa.

Kanehara gewann den Federgewicht Grand Prix und den Federgewichtstitel, obwohl er im Halbfinale, das ebenfalls heute bei Sengoku 9 stattfand, gegen Hatsu Hioki verlor. Hioki konnte aufgrund einer Gehirnerschütterung, die er sich in ihrem Kampf zuzog, nicht am Finale teilnehmen. Zwei Runden lang dominierte Hioki den späteren Champion auf der Matte und wechselte fließend von Aufgabegriff zu Aufgabegriff. Kanehara verteidigte sich aber exzellent und gewann die dritte Runde dank seiner guten Ground & Pound-Arbeit. Dies reichte jedoch vorerst nicht zum Weiterkommen.

Auch Omigawa hatte kaum jemand auf der Rechnung. Er stand im Halbfinale dem bis dato ungeschlagenen Brasilianer Marlon Sandro gegenüber. Der BJJ-Schwarzgurt vom Nova Uniao Team war boxerisch überlegen und wehrte im Clinch fast alle Takedowns des Judokas ab. Ein Punktrichter gab ihm sogar den Sieg mit 30:29, die anderen Beiden werteten hingegen 30:30 unentschieden. Bei der „Must Decision“ stimmten sie für Omigawa, sehr zur Entrüstung von Sandro.

Im Reservekampf des Federgewicht Grand Prix setzte sich Chan Sung Jung gegen den US-Amerikaner Matt Jaggers durch. Der „koreanische Zombie“ wurde von Jaggers in der zweiten Runde zu Boden gebracht und nahm ihn dann beim Versuch, seine Guard zu passieren, in den Triangle Choke. Jaggers wusste sich nicht zu wehren und gab auf. Jung gewann zwar den Kampf, aber durfte Hioki nicht im Finale ersetzen, da Kanehara noch fit genug war. Der 22-jährige wäre nur zum Einsatz gekommen, wenn beide Teilnehmer eines Halbfinalkampfes nicht mehr zum Weiterkämpfen fähig gewesen wären.

Mizuto Hirota nahm Satoru Kitaoka nach vier hart umkämpften Runden den Leichtgewichtstitel ab. Kitaoka legte in der ersten Runde ein hohes Tempo vor und wäre dafür beinahe mit einem Aufgabesieg via Guillotine Choke belohnt worden. Ab dem zweiten Durchgang wurde er allerdings immer langsamer und seine Takedowns vorhersehbarer. Das nutzte Hirota zu mehreren schweren Treffern aus. In der vierten Runde setzte Hirota dem Titelverteidiger mit Kniestößen zu. Nach einem misslungenen Takedown feuerte Hirota weiter mit Kniestößen, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

Hornbuckle knockt Gono brutal aus, Ivanov schlägt Fujita

Von vielen Beobachtern wurde Dan Hornbuckle lediglich als leichter Willkommen-zurück-Gegner des japanischen Veteranen Akihiro Gono angesehen, doch der US-Amerikaner bewies von Anfang an, dass er nicht zum Verlieren in die Saitama Super Arena gekommen war. Hornbuckle war dem ehemaligen PRIDE- und UFC-Kämpfer beim Schlagabtausch im Stand immer einen Tick voraus. In der zweiten Runde wurde er zwar von Gono mit einem Körpertreffer von den Beiden geholt, konnte sich aber im weiteren Verlauf die Mountposition erarbeiten und mit Ground & Pound punkten.

Zur Mitte der dritten Runde konterte Hornbuckle einen Kick von Gono mit einem eigenen Kick. Er traf Gono genau im Gesicht und schickte ihn damit umgehend schlafen. Gono blieb minutenlang regungslos am Boden liegen und musste sogar mit einer Trage aus dem Ring befördert werden. Später wurde den Zuschauern mitgeteilt, dass es Gono bereits wieder besser gehe: Er habe nur eine Gehirnerschütterung und sei am Nacken verletzt.

Die Japaner vermarkteten seinen Kampf gegen Kazuyuki Fujita als sein MMA-Debüt, doch Blagoi Ivanov bestritt bereits zwei MMA-Kämpfe in seinem Heimatland Bulgarien. Der amtierende Weltmeister im Combat Sambo siegte in der „Real Pain Challenge“ einmal durch TKO, sein zweiter Kampf endete nach 55 Sekunden in einem No Contest, da der Ring kaputt ging. Ivanov besiegte im vergangenen Jahr das beste Schwergewicht der Welt, Fedor Emelianenko, bei der Sambo-WM nach Punkten. Dementsprechend gespannt wartete man auf das Duell mit Fujita.

Ivanov gewann zwar einen geteilten Punktrichterentscheid, aber allzu schnell sollte er Fedor nicht zu einem MMA-Kampf herausfordern. Der 22-jährige teilte mit Fujita drei Runden lang kräftige Haken und Schwinger aus, beide Männer blieben trotz der schweren Treffer auf den Beinen. Vor allem Fujita wurde seinem Spitznamen „Eisenschädel“ wieder einmal gerecht.

Misaki gewinnt gegen Nakamura, schneller Sieg für Mitsuoka, Nakao besiegt Choi

Kazuo Misako ließ sich seine Probleme mit dem Gesetz nicht anmerken und fuhr einen schnellen Sieg gegen Kazuhiro Nakamura ein. Nachdem er in der Anfangsphase einen Tiefschlag verkraften musste, klingelte Misaki Nakamura mit einem eingesprungenen Kniestoß an. Misaki nahm Nakamura anschließend in einen stehenden Guillotine Choke und zog zu, bis seinem Gegner die Lichter ausgingen. Ein weiterer Sieg für das Team Grabaka im ewigen Duell mit den Rivalen vom Yoshida Dojo.

Auch Eiji Mitsuoka gewann seinen Kampf in kurzer Zeit, ebenfalls mit dem Guillotine Choke. Er setzte Clay French mit einem Kniestoß ins Gesicht zu und setzte danach den Würgegriff an. French, der mit Matt Hughes in der HIT Squad trainiert, stand auf, aber konnte sich nicht mehr verteidigen. Kurz bevor der US-Amerikaner einschlief, klopfte er ab.

In der ersten Auseinandersetzung bei Sengoku 9 holte sich Yoshihiro „KISS“ Nakao einen einstimmigen Punktsieg gegen den Koreaner Mu Bae Choi.


Alle Ergebnisse in der Übersicht:

Sengoku 9
2. August 2009
Saitama Super Arena in Saitama, Japan

Sengoku Leichtgewichtstitelkampf
Mizuto Hirota bes. Satoru Kitaoka (c) via TKO nach 2:50 in Rd. 4

Federgewicht Grand Prix – Finale
Masanori Kanehara bes. Michihiro Omigawa nach Punkten (geteilt)

Kazuo Misaki bes. Kazuhiro Nakamura via Guillotine Choke nach 3:03 in Rd. 1
Blagoi Ivanov bes. Kazuyuki Fujita nach Punkten (geteilt)
Dan Hornbuckle bes. Akihiro Gono via KO nach 2:50 in Rd. 3
Eiji Mitsuoka bes. Clay French via Guillotine Choke nach 1:51 in Rd. 1

Federgewicht Grand Prix – Reservekampf
Chan Sung Jung bes. Matt Jaggers via Triangle Choke nach 1:25 in Rd. 1

Federgewicht Grand Prix – Halbfinale
Michihiro Omigawa bes. Marlon Sandro nach Punkten (geteilt)
Hatsu Hioki bes. Masanori Kanehara nach Punkten (einstimmig)

Yoshihiro Nakao bes. Mu Bae Choi nach Punkten (einstimmig)

Vorkämpfe – Sengoku Gold Cup Finale
Ikuo Usuda bes. Koji Ando nach Punkten (einstimmig)
Shigeki Osawa bes. Toru Harai via TKO nach 4:24 in Rd. 1
Ryosuke Komori bes. Takeshi Numajiri via TKO nach 3:25 in Rd. 1