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Rocha verteidigt 30-27 Wertung

Carlos Eduardo Rocha (l.) vs Jake Ellenberger. Foto via Zuffa.

Wenige Stunden nach seinem großen UFC 126-Fight gegen den starken amerikanischen Weltergewichtler Jake Ellenberger lehnt sich der brasilianische BJJ-Zauberer und Wahl-Hamburger Carlos Eduardo Rocha in seinem Taxi zum Flughafen zurück und lächelt. Er ist zufrieden mit seiner Leistung. In seinem erst zweiten UFC-Kampf, dem zehnten MMA-Fight überhaupt, verlor er eine kontroverse Punktentscheidung – ein Punktrichter hatte den Kampf mit allen drei Runden für ihn gewertet.

Nachdem Rocha die erste Runde des Kampfes mit seinen Grapplingfähigkeiten komplett dominieren konnte, nach Belieben die Positionen gewechselt und den Amerikaner mit einer Vielzahl von Submisionversuchen attackiert hatte, wurde Ellenberger im zweiten und dritten Durchgang vorsichtig und mied jede Situation die am Boden hätte enden können. Obwohl Rocha daraufhin mit einigen schönen Kicks angriff, zeigte sich nun seine noch immer größte Schwäche: sein Stand-Up. Am Ende zweier recht ausgeglichener (weil praktisch aktionsloser) Runden, sicherte sich Ellenberger jeweils kurz vor Schluss einen Takedown und sammelte so wichtige Punkte, die ihm letztlich den Sieg bescherten.

Zwei Punktrichter sahen den Kampf anschließend mit 29-28 beim Amerikaner, einer gab ihn jedoch mit 30-27 an Rocha – eine Wertung, die anschließend heftig in den Medien diskutiert wurde. Spricht man Rocha darauf an, so versteht der die ganze Aufregung aber nicht:

„Nicht nur ich, auch viele Leute hier in Amerika haben gesagt ich hätte den Kampf gewonnen. Es war seine (Ellenberger’s) Taktik, in der zweiten und dritten Runde vorsichtig zu sein, die Distanz zu wahren und sich nach jedem Schlag oder Tritt wieder zurückzuziehen. Ich denke, er hat einfach gemerkt, dass er mich vor dem Kampf unterschätzt hat, also ist er auf Nummer sicher gegangen und hat so die letzten beiden Runden mit dieser Taktik gewonnen. Ich konnte meinen normalen Stil nicht mehr gehen, weil er den Bodenkampf vermieden hat, also habe ich mit Kicks und auch ein paar Schlägen angegriffen. Ich finde, ich habe diesen Kampf gewonnen, leider sahen das einige Punktrichter aber anders.“

Rocha konnte sich den Kampf bislang noch nicht ansehen. Bei seinem ersten zweiten UFC-Auftritt stand er bereits in einem TV-Kampf einer der größten UFC-Veranstaltungen des Jahres, gemeinsam mit Größen des Sports, wie Vitor Belfort und Anderson Silva. Dennoch fühlte sich das nicht seltsam für ihn an, sagt er: „Nein, denn ich glaube fest daran, dass ich dafür geboren wurde. Es hat sich nicht seltsam angefühlt, sondern einfach nur schön, dort zu sein wo ich hingehöre.“

Fragt man „Ta Danado“ nach seiner Leistung, muss er lächeln. „Ich bin sehr stolz auf mich. Ich hatte keine gute Vorbereitung und konnte nur 10 Tage unter professionellen Bedingungen trainieren. Trotzdem habe ich gezeigt, welche Fähigkeiten mir Gott geschenkt hat. Ich habe gegen einen starken Gegner gekämpft und ihn richtig platt gemacht.“

Es steht außer Frage, dass der Punktrichter, der den Kampf 30-27 gewertet hat, irrt. Ebenso außer Frage steht aber, dass der erst 29-jährige Brasilianer mit seinem Auftritt einen Rieseneindruck hinterlassen hat und zeigen konnte, welches Potential in ihm steckt. Eine Rückkehr ist  bereits beschlossene Sache, könnte aber noch eine Weile dauern.

“Leider muss ich erst eine Zeit lang pausieren. Ich habe diesen Kampf mit einem kaputten Ellenbogen bestritten, den ich mir vor einem Monat verletzt habe. Es sind zwei kleine Stücke vom Knochen abgesplittert, die nun operativ entfernt werden müssen, sobald ich zurück in Deutschland bin. Das Ganze wird in etwas drei Wochen dauern, ich könnte also in rund vier Monaten wieder im Octagon stehen, vielleicht sogar noch früher.“

Das gesamte Interview mit Carlos Eduardo Rocha könnt ihr in der aktuellen Folge von GnP Radio nachhören. Das Gespräch führten Mark Bergmann und Tim Leidecker. Folgt ihnen auf Twitter!