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Pressekonferenz - UFC 132: Cruz vs. Faber II

Dominick Cruz (l.) vs. Urijah Faber. Alle Fotos © by Zuffa.

Es ist wieder Fight-Week in Las Vegas und die gesamte Stadt ist von einer erwartungsvollen Spannung erfüllt. Ein Gefühl, dass man auf der Eröffnungspressekonferenz zu UFC 132, im MGM Grand, ganz besonders fühlen konnte. Dort standen sich die Akteure der großen Hauptkämpfe vom Samstag Auge und Auge gegenüber und stellten sich den Fragen der Journalisten.

Ein Highlight jeder UFC-Pressekonferenz sind in der Regel die Auftritte von Präsident Dana White. Der war bei der gestrigen Eröffnungsveranstaltung jedoch nicht vor Ort und wurde von Marketing-Chef Dave Scholler vertreten. Ein Problem war das nicht, schließlich standen sowieso die Protagonisten der drei wichtigsten Kämpfe vom Samstagabend im Fokus: Dominick Cruz, Urijah Faber, Wanderlei Silva, Chris Leben, Tito Ortiz und Ryan Bader.

Für Bantamgewichtschampion Dominick Cruz wird es der erste Auftritt im Octagon der UFC. Der WEC-Star bekommt die Möglichkeit, sich einem völlig neuen Publikum vorzustellen – und die bislang einzige Niederlage seiner Karriere auszugleichen. Bei WEC 26, im März 2007, unterlag er dem damaligen Federgewichtschampion Urijah Faber via Guillotine Choke. Heute ist er der Titelträger und will von der schmerzlichen Niederlage offenbar nichts mehr wissen.

„Es wäre nun schön, wenn die Fragen zu meiner Niederlage gegen Faber langsam aufhören könnten“, bat er die anwesenden Journalisten. Ansonsten hatte er für seinen Nemesis, trotz vieler Animositäten und Wortwechsel in der Vergangenheit, wenig Trash Talk übrig: „Faber hat eine Menge für die leichteren Gewichtsklassen in unserem Sport getan“, so Cruz. „Ich bin aber nicht neidisch.“

Das muss er auch nicht sein, denn dort wo Faber vor vier Jahren war, befindet Cruz sich heute. Er trägt das Gold um der Hüfte. Er ist nun der größte Fisch im Becken und an ihm müssen sich nun alle Messen. Einen großen Vorteil hat Faber jedoch: Er bestritt im März diesen Jahres bereits einen Kampf im Octagon, besiegte Eddie Wineland bei UFC 128 einstimmig nach Punkten. Cruz muss diese neue Erfahrung noch machen. Eine Erfahrung, die schon viele Kämpfer brechen konnte. Die berüchtigten „Octagon Jitters“, sie existieren tatsächlich. Der Druck, den ein Auftritt in der MMA-Champions League mit sich bringt, hat aus den härtesten Männern schon Mäuse gemacht.

Die Umstellung beginnt schon bei der ungewohnt großen Wettkampffläche des riesigen Octagons. Die wird Cruz nach eigener Aussage jedoch eher in die Karten spielen: „Das größere Octagon wird mir definitiv helfen“, versicherte er auf Nachfrage. Faber nimmt den größeren Käfig hingegen nicht allzu ernst. “Mir ist die Größe des Käfigs in meinem letzten Fight gar nicht aufgefallen.”

Befragt zum Kampf machte Champion Cruz einen selbstbewussten Eindruck, ließ sich von der oft gelobten Schnelligkeit Fabers nicht sonderlich beeindrucken: „Ich musste in meinen Kämpfen auf jeden Fall schon Treffer nehmen. Ich habe blaue Augen, Cuts und alles Mögliche davongetragen.“ Vor einem Schlagabtausch mit Faber fürchtet er sich daher also nicht.

Dominick Cruz und Urijah Faber – zwei Kämpfer die in den vergangenen Jahren unglaublich weit gekommen sind. Sie waren die Stars von World Extreme Cagefighting, standen beide an der Spitze der Organisation. Nun, nach der Fusion von WEC und UFC, befinden sie sich auf der größten Bühne die der MMA-Sport zu bieten hat und führen eine der bestbesetzten Fightcards des Jahres an.

“Es ist schön, dass die konfuse Anfangsphase nun vorüber ist“, freut sich Faber über den Status, den die leichteren Gewichtsklassen nun, nach der vollzogenen Fusion, endlich innehaben. Auch Cruz freut sich über die neugewonnene Aufmerksamkeit, vergisst seine Wurzeln dabei aber nicht: „Ohne die WEC wäre ich heute nicht so bekannt.“

Als man Faber auf den Co-Hauptkampf des Abends ansprach, prognostizierte er: „Ich denke Wanderlei (Silva) wird richtig aufdrehen!“  Eine ähnliche Prognose gab der „Axe Murderer“ dann anschließend auch selbst ab: „Ich kämpfe immer für einen KO, ich will den Kampf des Abends abliefern“, so Silva, der nach einer 17-monatigen Auszeit wieder in das Octagon zurückkehren wird.

“Es ist unglaublich, wie sehr sich der Sport in den 1,5 Jahren, in denen ich fort war, verändert hat“, staunte die Pride-Legende. „Das Niveau wächst so schnell.“

Wanderlei Silva (l.) vs. Chris Leben

Auch sein Gegner Chris Leben hat vor, Samstagnacht ein Feuerwerk abzuliefern. Bekannt für seine KO-Power und sein eisenhartes Kinn, macht auch er aus seiner Taktik keinen Hehl: “Wir sind Entertainer. Ich hasse es, Kerlen zusehen zu müssen, die auf Nummer sicher kämpfen. Ich werde versuchen, Wanderlei zu schlagen!“

Nach Siegen über Jay Silva, Aaron Simpson und Yoshihiro Akiyama, verlor Leben zu Beginn dieses Jahres gegen Brian Stann. Wanderlei hatte einen Kampf gegen den als kruden Puncher bekannten Leben explizit für seinen Comeback-Fight gefordert. Nimmt der einst gefürchtete Pride Champion den „Crippler“ etwa auf die leichte Schulter? “Ich hoffe es“, versicherte Leben. „Ich trainiere so, als ob dieser Kerl mich zerstören will, nur um zu beweisen, dass er immer noch Wanderlei Silva ist.“

Ein Beweis, den Silva seinen Fans trotz des Sieges über Michael Bisping, im Februar 2010, noch immer schuldig ist. Seit seinem Wechsel in die UFC scheint er nämlich nur noch ein Schatten seines früheren Selbst zu sein. Auch bei Leben ist dieser Fakt nicht unbemerkt geblieben: “Vor 10 Jahren habe ich mir die Kämpfe von Wanderlei angeschaut. Damals wäre ich nicht gegen ihn angetreten.“

Tito Ortiz (l.) vs. Ryan Bader

Auch Tito Ortiz war vor zehn Jahren noch ein anderer Kämpfer als heute. “Ich will zeigen, dass ich noch immer ein wichtiger Faktor im Halbschwergewicht bin“, erklärte er gestern mit grimmiger Miene. Keine leichte Aufgabe, denn Ortiz trifft am Samstag auf Ryan Bader, eines der besten Halbschwergewichte der UFC und ein Mann, der wie eine jüngere, bessere Version des „Huntington Beach Bad Boy“ wirkt.

Ryan Bader musste die erste Niederlage seiner Karriere verarbeiten, als er im Februar dem jetzigen UFC Champion Jon Jones unterlag. Dementsprechend fokussiert wird er am Samstag in das Octagon steigen, auch wenn die einst makellose Bilanz nun zerstört ist: „Der Druck ist immer noch da. Ich bin zwar nicht mehr ungeschlagen, will aber auch kein weiteres Mal verlieren“, so Bader, der nach eigener Aussage in den vergangenen Monaten härter denn je an sich und seinen Fähigkeiten gearbeitet hat. “Ich bin einem gewissen Leistungsstand immer gut durchgekommen. Nach meiner Niederlage gegen Jon Jones musste ich dann erst einmal hart an mir arbeiten.“

Ortiz wird am Samstag als Außenseiter in den Kampf gehen. Ein Umstand, der dem einstigen UFC-Titelträger offenbar nicht allzu viel auszumachen scheint: „Ich habe schon in der High School gelernt, dass Ranglisten Blödsinn sind. Ich gebe nichts auf Wettquoten.“

Stattdessen vertraut Ortiz auf seine neugewonnenen Stärken: „Seit meiner Nacken- und Rückenoperation bin ich deutlich schneller geworden“, drohte Ortiz, für den es gegen Bader vermutlich um seinen Verbleib in der in der UFC gehen wird. „Es gibt keine bessere Kampfsport-Organisation als die UFC. Dana (White) macht einen großartigen Job“, versicherte er. Dennoch machte er sich über eine mögliche Entlassung kaum Gedanken. „Für mich ist das ein Kampf wie jeder andere. Ich denke nur darüber nach, wie der Referee zum Schluss meinen Arm in die Luft reckt.“

Aussagen, von denen Ryan Bader sich nicht beeindrucken lässt: „Ich kann jeden schlagen, da bin ich mir sicher.“