MMA Restliche Welt

Noch mehr Spielchen und Dummheiten

Nick Diaz vs. Carlos Condit bei UFC 143 (Foto: thedragonzone.com)

Sieg und Niederlage… Rücktritt und Rückkampf… positive Drogentests … der große Dollar… kafkaeske Bedingungen… Seriosität des MMA-Sports

Es wird in letzter Zeit viel über Nick Diaz diskutiert. Eigentlich nicht nur in letzter Zeit, sondern immer wieder. Rund um seinen Kampf gegen Carlos Condit, hat sich die Situation jedoch noch weiter zugespitzt. Die umstrittene Niederlage, der angekündigte Rücktritt, der angesagte und danach wieder abgesagte Rückkampf und natürlich der positive Drogentest. Ganz schön viel Staub, der da aufgewirbelt wird, nicht?

Der sportliche Aspekt des UFC 143-Hauptkampfes verliert dabei immer mehr an Präsenz, wobei der Sieger des Kampfes, Carlos Condit, der einen klugen Kampf geführt, immer mehr von der Bildfläche verschwindet. Dabei ist er als Sieger und Interimschampion eigentlich derjenige, dem die Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Die UFC hat dabei alles andere als gute Arbeit geleistet, um Condit in den Mittelpunkt zu rücken. Kurze Zeit nach dem Kampf kündigte man einen Rückkampf gegen Nick Diaz an, dessen Grundlage durchaus hinterfragt werden kann. Sollte es Jake Ellenberger bei UFC on Fuel TV gelingen, Diego Sanchez zu stoppen, ist er wohl der verdiente nächste Herausforderer im Kampf um den Interimstitel. Diaz müsste zumindest einen weiteren Kampf gewinnen, bevor es zu einem Rückkampf gegen Condit kommen sollte.

Diaz hat es aber mit seiner Ankündigung, er würde aufgrund des Kampfausganges zurücktreten, aber wieder einmal geschafft, für genügend Wirbel zu sorgen und sich in Szene zu setzten. Obwohl die Absicht dahinter wohl in erster Linie eine gute Position in zukünftigen Verhandlungen darstellte, ist die UFC darauf eingestiegen und hat den Rückkampf sofort forciert. Eigentlich hätte die UFC froh darüber sein können, dass Diaz, welcher stetig für Probleme sorgt (z.B. der geplatzte Kampf gegen GSP wegen versäumter Pressetermine), den Kampf verloren hat. Warum sich als führende MMA-Organisation auf solche Spielchen einlassen?

Die Retourkutsche kam postwendend, Diaz wurde positiv auf den Gebrauch von Marihuana getestet – schon wieder (nach seinem Kampf gegen Takanori Gomi im Februar 2007 wurde er ebenfalls des Marihuanagebrauchs überführt). Hätte die UFC den Erfolg von Condit unterstrichen und nicht den Spielchen von Nick Diaz nachgegeben, wäre man wohl besser gefahren. Das Camp von Diaz hat darüber hinaus auch noch die Frechheit besessen zu behaupten, Condit hätte den Kampf erst angenommen, als er vom positiven Dopingtest erfahren hatte und wusste, dass der Kampf nicht zustande kommen werde. Wieder ein billiger Versuch, an Medienaufmerksamkeit zu gelangen und Condit schlecht zu machen.

Der positive Dopingtest unterstreicht, dass Diaz stets für Probleme sorgt. Es ist kein Problem, wenn sich jemand als „Bad Boy“ vermarkten will, aber MMA ist ein professioneller Sport und hier müssen für gewisse Dummheiten Grenzen gesetzt werden. Dabei geht es nicht um die Tatsache, dass Diaz Gras raucht, noch die Sorge, dass es sich dabei um eine leistungssteigernde Droge handle. Marihuana ist jedoch schlichtweg eine illegale Droge und als professioneller Sportler, kann er sich solche Dinge nicht erlauben und schon gar nicht in einem Sport, der ohnehin schon mit viel Kritik zu kämpfen hat. Wenn Diaz es als Profi-Sportler nicht einmal schafft, einen Monat vor dem Kampf ohne Dope auszukommen, sollte er durchaus dafür bestraft werden. Wie gesagt, eine solche Dummheit darf er sich in dieser Position nicht erlauben, weil der MMA-Sport ohnehin unter Kritik steht und er als Sportler auch eine gewisse Vorbildfunktion einnimmt oder zumindest sollte.

Die UFC hat und wird den selben Fehler erneut machen und Diaz eine weitere Chance geben, auch wenn dieser die voraussichtliche Sperre durch die Sportkommission (des Bundesstaats Nevada) erhält. Die ganze Situation nimmt dabei irgendwie kafkaeske Formen an. Der Wunsch, mit Diaz das große Geld zu machen, ist wohl die Treibkraft hinter dieser Entwicklung. Es scheint jedoch nur eine Frage der Zeit, bis Diaz mit einem weiteren Patzer aufwartet.

Wobei es auf kurze Sicht verständlich ist, den großen Doller anzuvisieren, die sich mit Nick Diaz verdienen lassen (ungeachtet erster Berichte, dass UFC 143 - Condit vs. Diaz lediglich 6 727 zahlende Zuschauer vorweisen kann), müsste die UFC etwas mehr strategisches Denken beweisen und beachten, welche Auswirkung der ganze Trubel auf lange Sicht hat, wenn man den MMA-Sport nachhaltig als professionellen und seriösen Sport aufbauen und präsentieren möchte.

Daniel Scherhammer ist stellvertretender Chefredakteur von GroundandPound. Er berichtet über Mixed Martial Arts (MMA) und Grappling. Für noch mehr News, Gerüchte und Meinungen, folgt ihm auf Twitter: @DanielS_GnP.