MMA Restliche Welt

Nick Diaz plant Wechsel zum Profi-Boxen

Promoter Lou DiBella will Kampf gegen Sergio Martinez (Foto via Showtime).

Was zunächst klang wie ein verspäteter Aprilscherz, scheint nun bitterer Ernst zu werden: Strikeforce-Weltergewichtschampion Nick Diaz plant, seine MMA-Karriere vorerst auf Eis zu legen und sich stattdessen als Profi-Boxer zu versuchen. Sogar ein Gegner ist schon im Gespräch. Und Nick Diaz wäre nicht Nick Diaz, wenn er nicht auch hier sofort mit der Tür ins Haus fallen würde. Im Visier des Bad Boys aus Stockton, Kalifornien, befindet sich momentan nämlich niemand geringerer als einer der gewichtsklassenübergreifend besten Boxer der Welt: Sergio Martinez.

Die Gerüchteküche begann zu brodeln, als Nick Diaz (MMA: 25-7-0, 1 NC, Boxen: 1-0-0) am vergangenen Samstag gewohnt unverblümt seine Meinung zur derzeitigen Situation bei Strikeforce kundtat: „Die haben niemanden mehr, den sie mir vorsetzen können. Ich bin besser, als jeder den sie haben. Alle, die in den Ranglisten über mir stehen, wollen nicht gegen mich antreten, da bin ich mir sicher. Ich sehe in diesem Sport wirklich keine Zukunft mehr für mich.“ Diaz hatte kurz zuvor im spektakulären Hauptkampf von Strikeforce: Diaz vs. Daley den britischen Puncher Paul Daley in der ersten Runde durch TKO besiegt, sein zehnter Sieg in Folge.

Er verkündete daraufhin, den Käfig fürs Erste verlassen, und stattdessen in den Boxring steigen zu wollen. Zunächst war der frühere Weltmeister im Halbmittelgewicht, Fernando Vargas, als Gegner im Gespräch. Diaz hatte laut seinen Vertretern die Verträge bereits unterschrieben und wartete nun auf die Antwort von Vargas. Als herauskam, dass der aufgrund einer Verletzung so bald keinen Kampf bestreiten könne, zauberte Diaz‘ Camp plötzlich Jeff Lacey und Ricardo Mayorga aus dem Hut – beides ebenfalls abgehalfterte frühere Weltmeister. Bis dahin klang all das noch wie eine geschickte Verhandlungstaktik von Diaz, der sich in der Vergangenheit bereits mehrfach über das Missverhältnis zwischen seinem Standing und seinem Einkommen bei Strikeforce beklagt hatte. Mit einem potentiellen Boxkampf Druck zu machen, um einen höher dotierten Vertrag oder gar einen weiteren Lauf in der UFC herauszupressen, wäre sicher keine schlechte Idee. Doch nun tritt der namhafte US-Promoter Lou DiBella auf den Plan – und macht ernst.

Sergio Gabriel Martinez

DiBella kümmert sich unter anderem um die Geschicke von Sergio Gabriel Martinez (47-2, 26 KOs), einem der aktuell besten Boxer der Welt. Das Hauptproblem von Martinez ist aber, dass er niemanden von Rang und Namen findet, der mit ihm in den Ring steigen will. Und im Alter von 36 Jahren kann er es sich nicht leisten, darauf zu warten, dass ein solcher Jemand irgendwann einmal an seine Tür klopft. Ein Kampf gegen einen MMA-Star, mit all dem dazugehörigen Medienrummel, käme da gerade recht.

Diaz besitzt seit längerem eine Lizenz als Profi-Boxer und bestritt im Jahr 2005 seinen bislang einzigen Kampf, gegen den damals ebenfalls debütierenden Alfonso Rocha. Diaz gewann den Kampf einstimmig nach Punkten. Doch Sergio Martinez ist nicht Alfonso Rocha. Der Argentinier befindet sich gerade in der Form seines Lebens und zerstörte in seinen letzten beiden Kämpfen zwei Spitzen-Mittelgewichte in beeindruckender Manier. Nachdem er sich im April vergangenen Jahres die World Boxing Organization- und World Boxing Council-Weltmeistertitel von Kelly Pavlik geschnappt hatte, besiegte er im November Paul Williams mit einem eiskalten KO in der zweiten Runde. Im März stand er schließlich dem zähen Ukrainer Serhiy Dzinziruk gegenüber und besiegte auch den vorzeitig, durch einen TKO in der achten Runde.

Lou DiBella ist nun nach eigener Aussage im Begriff, Gespräche mit Zuffa – der Mutterorganisation von UFC und seit neustem auch Strikeforce - zu führen, um die Möglichkeit eines Martinez vs. Diaz-Fights auszuloten. Die Sachlage ist momentan noch unklar. Diaz‘ Strikeforce-Vertrag erlaubte ihm offenbar Box-Kämpfe neben seiner MMA-Karriere. Wie Zuffa zu solchen Nebentätigkeiten steht, weiß man aber spätestens seit den Vertragsverhandlungen mit Fedor Emelianenko, die unter anderem daran gescheitert sind, dass dem begeisterten Samboka die Teilnahme an den Sambo-Weltmeisterschaften verwehrt wurde. Nach Informationen von Dana White, sind die alten Strikeforce-Verträge jedoch nach wie vor intakt. Man darf also gespannt sein, wie sich diese Situation entwickeln wird. Eines scheint bei all dem jetzt schon klar: Mit einem Kampf gegen Sergio Martinez hätte selbst das hochtalentierte Großmaul Diaz den Mund ein ganzes Stück zu voll genommen.

Mark Bergmann ist Chefredakteur von GroundandPound, sowie Redakteur für Fighters Only Germany. Er berichtet über Boxen und Mixed Martial Arts. Folgt ihm auf Twitter: @MarkBergmann.