MMA Restliche Welt

Nacht der Rehabilitation für Penn und Silva

BJ Penn, Kenny Florian und ein Rear Naked Choke.

Für zwei Kämpfer, die in den vergangenen Monaten stark in der Kritik standen, wurde UFC 101 zur Versöhnungsfeier mit den Fans. Gleichzeitig erhoben sie den Mittelfinger in Richtung der Kritiker, die für sie zuletzt keine allzu guten Worte übrig hatten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag verteidigte BJ Penn seinen Leichtgewichtstitel gegen Kenny Florian, während Anderson Silva mit einem dominanten KO-Sieg über Forrest Griffin wieder seinen berüchtigten Killerinstinkt auslebte.

Die Strategie von Florian war leicht durchschaubar: Er wollte Penn müde machen, indem er ihn ständig gegen den Käfig presste und versuchte, ihn auf den Boden zu werfen. Sein Problem: Penn wurde einfach nicht müde. Die Veränderungen, denen er sein Konditionsprogramm unterzogen hat, schienen sich ausgezahlt zu haben. Im Gegenzug bestrafte er seinen Herausforderer im Clinch mit schnellen Uppercuts. Im Stand versuchte sich Florian mehrfach an seinem High Kick, aber Penn konnte ihn jedes Mal blocken.

Drei Runden lang gewann der Champion aus Hawaii die Schlagabtausche. Florian gelang kein einziges Takedown – in der vierten Runde genügte Penn ein einziger Versuch, um ihn auf die Matte zu befördern. Es dauerte nicht lange, ehe Penn in die Mountposition kam und Schläge hageln ließ. Florian gab seinen Rücken frei, was der Titelverteidiger zum Rear Naked Choke ausnutzte. Dagegen konnte sich Florian nicht lange verteidigen und er gab auf.

Im Anschluss an den Kampf erklärte Penn seine Liebe zu den Fans, die ihn in der letzten Zeit aufgrund seiner negativen Äußerungen über den beliebten UFC Weltergewichtschampion Georges St. Pierre verschmähten. Auch die bittere Niederlage gegen GSP scheint vergessen zu sein – im Leichtgewicht ist Penn nach wie vor unantastbar.

Der UFC Mittelgewichtschampion Anderson Silva war in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht gerade ein Publikumsliebling. Er wurde von den Fans und von UFC-Präsident Dana White für seine Leistung bei den Titelverteidigungen gegen Patrick Côté und Thales Leites stark kritisiert. Côté und Leites betrieben nahezu Kampfverweigerung und Silva tat, was nötig war, um dennoch zu gewinnen – doch das Publikum wollte nicht sehen, wie er seine Gegner clever auspunktet, sondern wie er sie mitleidslos zerstört. Für UFC 101 bekam Silva mit Forrest Griffin jemanden vorgesetzt, der garantiert nicht wegrennen, sondern ihn frontal attackieren würde.

Schnell zeigte sich, weshalb Côté und Leites es bevorzugten, den Schlagabtausch mit Silva zu meiden und stattdessen ihre Laufschuhe anzuziehen. Der Brasilianer ließ den ehemaligen UFC Halbschwergewichtschampion und „TUF 1“-Gewinner wie einen blutigen Anfänger aussehen. Kein Schlag von Griffin traf. Zwischenzeitlich ließ Silva sogar seine Hände seitlich am Körper baumeln und er streckte Griffin seinen Kopf entgegen.

Silva spielte mit Griffin. Er schlug ihn zweimal mit einem linken Haken nieder, gestattete ihm aber jedes Mal wieder, aufzustehen. Griffin war angeschlagen. Der dritte Niederschlag kam kurze Zeit später durch einen rechten Jab zustande. Griffin blieb gleich auf dem Boden liegen und der Ringrichter brach die Vorstellung ab. Die Zuschauer waren begeistert und feierten Silva wieder frenetisch. Nach diesem zweiten Ausflug ins Halbschwergewicht winkt nun ein Rückkampf gegen Dan Henderson um den Mittelgewichtstitel.

Aaron Riley setzte sich in einem Rückkampf gegen Shane Nelson klar und deutlich nach Punkten durch. Riley war BJ Penns Trainingspartner physisch deutlich überlegen und trieb ihn drei Runden lang durch den Käfig. Alle von Nelsons Takedownversuchen schlugen fehl, während Riley nahezu jeden Schlagabtausch für sich entschied.

Im Kampf zwischen Amir Sadollah und dem debütierenden Johny Hendricks kam es zu einem fragwürdigen Abbruch, für den sich wieder einmal der Ringrichter Dan Miragliotta verantwortlich zeichnete. Nachdem Hendricks den Angriffssturm von Sadollah mit einem linken Haken konterte, der den „TUF 7“-Gewinner in die Knie zwang, bearbeitete er ihn weiter mit Uppercuts. Keiner davon schien richtig zu treffen und Sadollah war gerade dabei, aufzustehen, als Miragliotta dazwischen ging und den Kampf nach gerade einmal 29 Sekunden abbrach.

Ricardo Almeida sicherte sich dank seiner Takedowns einen einstimmigen Punktsieg gegen den „TUF 3“-Gewinner Kendall Grove. Almeida wollte im Stand nichts mit dem baumlangen Hawaiianer zu tun habe und ging immer wieder in den Clinch. Er warf Grove wiederholt auf die Matte, ohne jedoch allzu großen Schaden anzurichten. Stattdessen hätte Grove den Kampf beinahe mit einem Armhebel beenden können. Almeidas Kontrolle über das Kampfgeschehen bescherten ihm schließlich die Gunst der Punktrichter.

Auch beim Duell zwischen Kurt Pellegrino und Josh Neer waren es die Fähigkeiten im Ringen, die den Unterschied ausmachten. Pellegrino brachte Neer eins um andere Mal auf den Boden. Neer hatte eine sehr aktive Guard und erarbeitete sich einen Armhebel und einen Triangle Choke, aber Pellegrino verteidigte sich gegen alle Aufgabegriffe und konterte seinerseits mit Schlägen. Aber wie Almeida, konnte auch er kaum Schaden bei Neer anrichten, der nach dem Kampf sichtlich frustriert war. Die Punktrichter belohnten Pellegrinos Takedowns mit einem einstimmigen Punktsieg.

UFC 101 - Declaration
8. August 2009
Wachovia Center in Philadelphia, Pennsylvania, USA

UFC Leichtgewichtstitelkampf
BJ Penn (c) bes. Kenny Florian via Rear Naked Choke nach 3:54 in Rd. 4

Hauptkämpfe
Anderson Silva bes. Forrest Griffin via KO nach 3:23 in Rd. 1
Aaron Riley bes. Shane Nelson nach Punkten (einstimmig)
Johny Hendricks bes. Amir Sadollah via TKO nach 0:29 in Rd. 1
Ricardo Almeida bes. Kendall Grove nach Punkten (einstimmig)
Kurt Pellegrino bes. Josh Neer nach Punkten (einstimmig)

Vorkämpfe
John Howard bes. Tamdan McCrory nach Punkten (geteilt)
Alessio Sakara bes. Thales Leites nach Punkten (geteilt)
Matt Riddle bes. Dan Cramer nach Punkten (einstimmig)
George Sotiropoulos bes. George Roop via Kimura nach 1:59 in Rd. 2
Jesse Lennox bes. Danillo Villefort via TKO (Cut) nach 3:37 in Rd. 3