MMA Restliche Welt

Mittendrin statt nur dabei

Komission in Vancouver gibt grünes Licht für Videoübertragung an Punktrichter. Bild: Screenshot von ufc.tv.

Seit Jahren wettern Fans des MMA-Sports über zweifelhafte, nicht selten schlicht falsche Entscheidungen der Punktrichter. Für dieses Problem gibt es sicherlich mehrere Ursachen: Eine mangelnde Kenntnis des Sports seitens der Unparteiischen, eine verzerrte Wahrnehmung der Fans dank der Kommentierung durch die Sprecher, und die sehr unvorteilhafte Sicht der Punktrichter auf das Kampfgeschehen. Immerhin: Mit diesem letzten Missstand hat es nun ein Ende - die Punktrichter bei UFC 131 bekommen Videomonitore.

Die Zeiten, als der Platz des Punktrichters den besten Blick auf das Kampfgeschehen bot, gehören längst der Vergangenheit an. Dank HD-Auflösung, zahllosen Kamerawinkeln und sekundenschnellen Wiederholungen ist der Kampf heute nirgendwo so gut zu verfolgen, wie auf dem heimischen Fernseher. Das gilt ganz besonders im MMA-Sport, wo die drei Punktrichter in gleichmäßigem Abstand um das Octagon verteilt sind: So kommt es häufig vor, dass wenigstens einer oder zwei der drei Verantwortlichen lediglich auf den Rücken der Kämpfer blickt. Geht das Kampfgeschehen auf den Boden, so kann es für einzelne Punktrichter schwer bis unmöglich sein zu erkennen, ob die Schläge des Kämpfers in Oberlage nun in der Deckung oder doch im Gesicht seines Gegners landen, und ob dessen Guillotine Choke um ein Haar zum Erfolg geführt hätte oder völlig mühelos abgewehrt wurde.

Umgekehrt ist stets mindestens einer der rund um den Käfig platzierten Kameramänner hautnah am Geschehen dran. So scheint es nur naheliegend, den Punktrichtern für ihre Bewertung Videobildschirme zur Verfügung zu stellen, auf die sie zumindest dann zurückgreifen können, wenn ihre eigene Sicht auf die Kämpfer gerade ungünstig ist. Wer einmal darauf geachtet hat, dem wird aufgefallen sein, dass auch das Kommentatoren-Duo der UFC, obschon ebenfalls direkt am Käfig platziert, häufig lieber auf die direkt vor ihnen befindlichen Monitore schaut, statt auf die Kämpfer selbst. Trotz der offenkundigen Sinnhaftigkeit einer solchen technischen Aufwertung der Punktrichterpulte erwiesen sich die Komissionen in diesem Punkt jedoch bisher als fortschrittsfeindlich und reformresistent.

Doch wenn auch die Unkenrufe der Fans und Reporter in dieser Angelegenheit seit Jahren ungehört verhallen, so ist man augenscheinlich bereit, der UFC selbst zuzuhören. Diese hatte für ihre bevorstehenden Events UFC 130 & 131 erstmals die Installation von Videomonitoren bei den zuständigen Sportaufsichtsbehörden förmlich erbeten. Und siehe da: Die Komission in Vancouver stimmte dem Antrag für UFC 131 zu. Man kann nur hoffen, dass ihre Kollegen aus Nevada, zuständig für UFC 130, diesem Beispiel Folge leisten werden; eine Reaktion aus dem Heimatsstaat der UFC steht jedenfalls noch aus. Sollte sich der Gebrauch von Videostreams für die Punktrichter mittelfristig als Norm durchsetzen, so wäre damit das Problem unrichtiger Kampfbewertungen zwar noch nicht vollständig behoben, aber doch ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.