Interviews

Michael Deiga-Scheck: „Frankie Edgar fragte, was mit dem Ringrichter falsch gelaufen sei“

Will so schnell wie möglich zurück in den Käfig: Michael Deiga-Scheck (Foto: Control Master Management).

In diesem Jahr ging für Michael Deiga-Scheck ein Traum in Erfüllung. In seinem sechsten Profi-Kampf stand der Münchner im März erstmalig für Brave CF im Käfig, Bahrains größte MMA-Liga, die seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr mit hochwertigen Live-Events auf die internationale Bühne vorgeprescht ist.

Nachdem er in seinem Debüt eine Niederlage gegen Abdul-Kareem Al-Selwady einstecken musste, wollte Deiga-Scheck sich auf ebenso großer Bühne rehabilitieren. Gegen den Iren Frans Mlambo reichte dem Ringrichter jedoch ein Niederschlag, um das Duell abzuwinken und Deiga-Scheck mit der zweiten Niederlage in ebenso vielen Kämpfen für Brave nach Hause zu schicken.

Der Münchner ist angesichts der harten Arbeit, die er in das Duell gesteckt hat schwer enttäuscht vom frühen Kampfabbruch. Im Gespräch mit GNP1 erzählt der gelernte Thaiboxer, der für den Kampfsport eine vielversprechende Fußballerkarriere aufgegeben hat, wie er mit der Niederlage umgeht und welche Größen des Sports ihm in Bahrain ihr Verständnis für seinen Ärger ausgesprochen haben.

GNP1.de: Hallo Michael, was war es für eine Erfahrung, bei einer Liga wie Brave kämpfen zu dürfen?

Michael Deiga-Scheck: Gott sei Dank war das nicht der erste und nicht der letzte Kampf bei Brave. Die Erfahrung ist gigantisch, die Betreuung der Verantwortlichen den Kämpfern gegenüber ist sehr familiär, auch der Ablauf seitens der Verantwortlichen ist bestens durchgezogen worden – bis auf das Ende [meines Kampfes]. Auch die Kämpfer kenne ich, weil ich öfters beim [Phuket Top Team] in Thailand trainiere, wie auch viele andere Kämpfer bei Brave. Daher ist es für mich riesig, auch diese dort zu treffen.               
                                                             
Wie ist der Kampf aus deiner Sicht verlaufen?

Wir hatten vor, die ersten zwei, drei Minuten abzutasten, da Mlambo ein hervorragender Standkämpfer ist, wir aber trotzdem sicher waren, dass ich dort der Bessere bin. Nach den ersten Minuten sollte ich aufs Pedal drücken und Gas geben, ohne Sorgen, auf den Boden gebracht zu werden, da er nie den Bodenkampf sucht. Leider musste ich einen leichten Niederschlag hinnehmen, der in keinem Amateurkampf zu einem Abbruch geführt hätte. Als ich aufstand, ohne auch nur ein Mal am Boden geschlagen worden zu sein, nach weniger als einer halben Sekunde Bodenkontakt, hat der Ringrichter, wofür er sich im Nachhinein entschuldigt hat, „überreagiert und falsch agiert.“

Was genau stört dich an dem Abbruch – wie hätte der Ringrichter sich deiner Meinung nach verhalten sollen?

Mich stört, dass er keine Sekunde abgewartet hat, als ich runter bin. Ich drehte mich sofort um und kam wieder hoch. Ich gab dem Gegner zwar den Rücken, war aber nicht angeknockt, hatte Mlambo immer im Blick und ging ohne eine Sekunde Bodenkontakt sofort in die Turtle-Position und hoch.  Er hätte sich mehr Zeit lassen sollen, er hätte schauen sollen, wie ich agiere und natürlich darauf warten, das [Mlambo] mindestens ein paar Schläge am Boden abfeuert, anstatt übereilig abzubrechen, obwohl ich agierte und hoch kam.

Hast du nach dem Kampf mit deinem Gegner, dem Ringrichter oder Brave-Offiziellen sprechen können?

Schon im Octagon sagte Mlambo: „Bro, tut mir leid mit diesem Abbruch.“ Sein Coach John Kavanagh meinte zu meinen Trainern: „Schlechte Entscheidung.“ Im Ärztezimmer kam Mlambo und sagte: „Ich kann’s nicht glauben, sorry, Bro.“ Wanderlei Silva, der völlig aufgebracht war, brachte mich sofort zu Prinz Khaled [bin] Hamad [Al Khalifa] und zu Mohammed Shahid, die das Sagen bei Brave haben. Beide entschuldigten sich für das Agieren des Ringrichters, nahmen diesen, wie mir gesagt wurde, auch aus der Pflicht, die nächsten Kämpfe an diesem Abend zu richten und versicherten mir, dass man mich 2018 auch weiterhin bei Brave sehen wird. Marc Goddard, der die Kämpfe danach richtete, sagte, dass der Kampf mit ihm auf jeden Fall weitergelaufen wäre. Frankie Edgar hat im TV-Kommentar gefragt, was mit dem Referee falsch läuft. [Die Matchmaker] haben sich beide mehrmals entschuldigt und uns dazu geraten, Einspruch einzulegen.

Der Kampfrichter selbst kam zu mir ins Hotel um sich zu entschuldigen, er sagte, dass er sofort wusste, dass er falsch gehandelt hat, es aber leider nicht mehr rückgängig machen konnte. Es täte ihm so leid, er hätte die ganze Woche die IMMAF-Amateur-Weltmeisterschaft gepfiffen und habe leider dieses im Kopf mitgenommen und dann falsch agiert. Leider bringt mir seine Entschuldigung und seine Einsicht des Fehlers nicht viel, da ich seit Jahren hart arbeite und auf alles verzichte und er mir mit der Entscheidung viel Zeit und harte Arbeit gekostet hat. Am Flughafen haben sich ein paar IMMAF-Ringrichter zu mir gesetzt und konnten es ebenfalls nicht verstehen. Ist alles schade, aber jetzt hake ich das ab und es geht weiter.

Ärgert man sich in solchen Fällen manchmal, dass man sich nicht weiter auf die Fußballerkarriere fokussiert hat, sondern den relativ unsicheren Weg ins MMA gegangen ist?

Ich ärgere mich Null darüber. Ab und zu denke ich natürlich, dass es finanziell einfacher wäre, aber das war es auch schon. Geld würde mich nicht so glücklich machen, da bin ich mir sicher. Nach dem Tod würde ich eventuell nur für das Geld gelebt haben und nicht für das, was ich liebe. Ich liebe das Kämpfen, bin dem Kampfsport für vieles dankbar und werde bis zum Tod dem Sport nie den Rücken kehren. Und wer weiß, ob ich im Fußball wirklich den Durchbruch geschafft hätte. Somit ist es genau der richtige Weg, den ich gegangen bin.

Wie geht es für dich weiter? Wann können wir dich zurück im Käfig erwarten?

Jetzt habe ich erst einmal eine Woche Pause. Ich habe mich wieder tätowieren lassen, was ich lange nicht konnte, da ich nonstop am Trainieren bin. Nächste Woche steige ich wieder ins Training ein, denn schon bald – wie es aussieht sehr bald – könnte ich wieder im Käfig stehen. Ich hoffe nur auf einen anderen Kampfrichter (lacht). Ich würde gerne allen meinen Sponsoren danken sowie dem Pound for Pound München, dem Allstsars Gym in Schweden und Tim Leidecker für die großartige Hilfe und Betreuung. MMA wächst in Deutschland immer mehr und mehr und ich bin stolz, ein Teil dieses Wachstums zu sein. Weiter so, Leute.