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Martin Kampmann: „Ich will Georges St. Pierre!“

Martin Kampmann bekommt am Samstag die Chance seines Lebens. (Foto: Florian Sädler/GroundandPound)

Martin Kampmann gilt als eines der Top-Weltergewichte der Welt. Am Samstag wird der gebürtige Däne im Co-Hauptkampf von UFC 154 die Chance seines Lebens bekommen und gegen Johny Hendricks um einen Kampf um den UFC-Weltergewichtsgürtel antreten. Am gleichen Abend entscheidet sich in der Auseinandersetzung zwischen Georges St. Pierre und Carlos Condit, auf wen der Gewinner des Herausforderkampfes im nächsten Jahr treffen wird. GroundandPound hat sich mit Kampmann über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft unterhalten.

„Ich will gegen Georges St. Pierre kämpfen“, so Kampmann im exklusiven Gespräch mit GroundandPound. „Er ist das beste Weltergewicht aller Zeiten. Wenn aber Carlos Condit gegen St. Pierre gewinnen sollte, dann will ich gegen ihn antreten. Ich möchte gegen den Titelträger kämpfen.“

Überraschen würde ein Sieg Condits den bei Xtreme Couture in Las Vegas trainierenden Dänen nicht: „Ich denke, dass St. Pierre sich den Punktsieg holt. Mich würde es aber auch nicht wundern, wenn Condit ihn mit einem Flying Knee oder einem Spinning Elbow erwischt und sich den vorzeitigen Sieg holt.“

Bevor Kampmann jedoch die Chance bekommt, nach Andrei Arlovski und Bas Rutten der dritte europäische UFC-Champion zu werden, muss bei UFC 154 ein Sieg gegen Hendricks her. Beide Kämpfer haben bereits in der Vergangenheit miteinander trainiert und an den eigenen Schwächen gefeilt. Trotzdem sieht sich Kampmann in einigen Bereichen deutlich vorn.

„Ich bin der bessere, technischere Standkämpfer und mein Jiu-Jitsu ist besser“, erzählte Kampmann vorausschauend auf seinen kommenden Kampf. „Johny ist ein starker und explosiver Kerl. Er hat Feuer in den Fäusten und er kann die größten Erfolge aller Ringer in der UFC vorweisen. Er hat auf jeden Fall einige Stärken, aber ich sehe mich im Standkampf und mit den Submissions vorn. Wenn er einen Fehler macht, dann werde ich ihn erwischen – egal ob im Stand oder am Boden.“

Hendricks, der häufig wegen seines starken Bartwuchses angesprochen wird, muss sich vor dem „Bart-Würger“ fürchten, den Kampmann erst kürzlich in einem Youtube-Video präsentierte. Kampmann selbst zeigte sich vor seinem Kampf gegen Jake Ellenberger mit einem stolzen Fell im Gesicht. Am Samstag wird er sich nicht dem Bart-Contest stellen: „Ich habe ihn gerade abrasiert. Meine Frau konnte den Anblick nicht mehr ertragen“, so Kampmann lachend.

Da Georges St. Pierre durch seine lange Verletzungspause wegen Inaktivität aus vielen Ranglisten geflogen ist, rutschte Kampmann – und das obwohl Carlos Condit den Interimstitel trägt – in einigen Listen an die Spitze des Weltergewichts. Mit dieser Position kann Kampmann gut leben.

„Ich bin sehr froh darüber“, verriet Kampmann. „Ich habe gegen einige der besten Kämpfer im Weltergewicht gewonnen. Es freut mich, dass ich dafür Anerkennung bekomme. Auch wenn ich in meinem letzten Kampf (gegen Jake Ellenberger, Anm. d. Red.) oft getroffen wurde, kam ich zurück und habe mir letztendlich den Sieg geholt. Genauso war es im Kampf gegen Thiago Alves. Alles was ich brauche, ist ein kleiner Fehler des Gegners, den ich dankend für mich nutzen kann. Ich habe gegen die Besten im Weltergewicht gewonnen und werde stets Richtung Titel blicken. Mein Ziel ist der Titelgewinn.“

Von einem harten Kampf gezeichnet, aber trotzdem siegreich. Martin Kampmann nutzte Thiago Alves' Fehler und sicherte sich den Aufgabesieg. (Foto:Sherdog.com)

Kampmann startete seine Karriere im Muay Thai und im traditionellen Boxen. Schon damals konnte er sich für den Bodenkampf begeistern, wodurch er wenig später auch in das Grappling-Training einstieg. Obwohl seine MMA-Kämpfe größtenteils durch seine Fähigkeiten im Stand geprägt werden, konnte er bereits mehrfach seine Gegner zum Abklopfen bringen.

„Ich denke, dass ich ein recht kompletter Kämpfer bin, und das ist meine Stärke“, so Kampmann. „Während des Muay-Thai- und Boxtrainings habe ich mich bereits ein wenig dem Grappling gewidmet. Ich grapple jetzt seit vielen Jahren. Meine zahlreichen Siege durch Aufgabe sind der Lohn dafür. Zuletzt habe ich an meinen ringerischen Fähigkeiten gearbeitet, aber jetzt will ich wieder dank dem Training mit Ray Sefo zurück zu den Wurzeln gehen. Er hilft mir, an meinen Fähigkeiten im Stand zu feilen.“

Kampmann ist vor einigen Jahren von Aarhus in Dänemark nach Las Vegas gezogen, wo er sich dem Team Xtreme Couture anschloss und unter anderem mit Ray Sefo trainiert. Trotzdem stehen jährlich mehrere Reisen in die Heimat an, um Familie und Freunde zu besuchen.

In der Vergangenheit musste der gebürtige Däne häufig Kritik einstecken, da er sich oftmals auf die Stärken seiner Gegner zu konzentrieren scheint und seine Kontrahenten scheinbar mit dessen Stärken schlagen wollte – sei es der fast ausschließlich im Stand geführte Kampf gegen Thiago Alves oder die versuchten Aufgabegriffe gegen Jake Shields.

„Ich höre deswegen häufig Kritik“, sagte Kampmann. „In der Hitze des Gefechts habe ich oftmals dumme Entscheidungen getroffen. Es ist also nicht unbedingt mein Plan, den Gegner mit dessen Stärken zu schlagen. Am meisten hat mich der Kampf gegen Jake Shields gestört. Ich hatte die Chance, ihn zu besiegen. Der Plan war zu Beginn nicht, ihn zur Aufgabe zu zwingen. Letztendlich habe ich es aber trotzdem versucht und schnell gemerkt, dass es ein Fehler war. Ich hoffe, dass ich aus diesen Fehlern gelernt habe und stärker zurückkehre.“

Der Kampf gegen Shields sticht neben der Niederlage gegen Diego Sanchez aus Kampmanns jüngerer Kampfstatistik heraus. In den letzten drei Jahren musste sich der „Hitman“ in diesen beiden Kämpfen nur sehr den Entscheidungen der Punktrichter beugen. Mittlerweile könnte er bei sieben Siegen in Folge sein und das gegen die Crème de la Crème des Weltergewichts.

„Ich wurde in der Vergangenheit von den Punktrichtern betrogen“, so der Däne. „Jetzt habe ich mir aber wieder eine Siegesserie aufgebaut und sehe mich in der Gewichtsklasse ganz oben.“

Am Samstag kann Kampmann mit seinem vierten Sieg in Folge beweisen, dass er an die Spitze des Weltergewichts gehört. Die einzige Hürde: Johny Hendricks.